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10.02.2017

Elektromobilität hat in Italien viel Wachstumspotenzial

Infrastruktur noch ausbaufähig / Kaufanreize zu niedrig / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Der Markt für Elektroautos in Italien ist noch sehr klein. Es fehlen großzügige Anreize wie in anderen Ländern. Auch die Infrastruktur ist unterentwickelt. Die nationale Strategie für den Ausbau der Ladeinfrastruktur verleiht jedoch Impulse. Falls es gelingt, die Ladestellen weiträumig auszubauen, geht eine Studie davon aus, dass der Umsatz mit Elektrofahrzeugen in Italien bis 2020 auf bis zu 4,55 Mrd. Euro anwachsen könnte.

Die globale Nachfrage nach Elektroautos hat sich in zwei Jahren verdoppelt. 2016 wurden circa 800.000 Kfz mit einem elektrischen Antrieb (Elektro- und Plug-in-Hybridautos) verkauft. Dies entspricht einem Plus von 40% gegenüber dem Vorjahr, und im 2014 waren es nur 317.000. Insbesondere China, die USA, die Niederlande und Norwegen sind die Wachstumstreiber.

Italien hinkt bislang hinterher. Der Absatz von E-Autos stagniert auf einem niedrigen Niveau. 2016 wurden lediglich 2.563 E-Autos im Wert von 75 Mio. Euro in Italien verkauft. Dies entspricht 1% der Nachfrage in Europa. Diese Ergebnisse gehen aus dem aktuellen E-Mobility Report der Energy & Strategy Group im Mailänder Polytechnikum hervor.

Absatz von Elektroautos in Italien (Stück)
2012 2013 2014 2015 2016 Insgesamt
Verkauf von Elektroautos, darunter 677 1.102 1.561 2.224 2.563 8.127
.BEV 1) 524 874 1.110 1.484 1.403 5.395
.PHEV 2) 153 228 451 740 1.160 2.732
Anteil (in % des gesamten Kfz-Absatzes) 0,05 0,08 0,11 0,14 0,14 0,10

1) Battery-Electric Vehicle ; 2) Plug-In Hybrid Electric Vehicle

Quelle: Energy and Strategy Group

Kaufanreize zu niedrig

Der E-Mobility Report sieht als Grund für das schwache Abschneiden Italiens insbesondere die geringen direkten Fördermaßnahmen, die sich im Prinzip auf Ersparnisse bei der Fahrzeugsteuer reduziert. Einzelnen Regionen senkten Park- und Autobahngebühren. Insgesamt kommen die Anreize in Italien auf 2.000 bis 3.000 Euro pro Elektroauto über 10 Jahre, das niedrigste Niveau aller verglichenen Länder. In Norwegen erreichen die Anreize beispielsweise zwischen 13.000 und 20.000 Euro pro Fahrzeug. Die positive Korrelation zwischen Höhe der Anreize und Absatz von Elektroautos geht aus der Studie klar hervor. Deutschland liegt mit Anreize von 5.000 bis 6.000 Euro pro Kfz im Mittelfeld der Studie.

Ladeinfrastruktur begrenzt

Ein weiteres Hindernis für den Ausbau der Elektromobilität in Italien ist die unterentwickelte Ladeinfrastruktur, so die Studie. Weltweit gab es 2016 rund 1,45 Mio. Ladestationen für Elektroautos, 81% mehr als im Vorjahr. 2010 waren es lediglich 20.000 gewesen. 2016 waren rund 13% öffentlich, 87% privat. Die USA, China und Japan liegen in beiden Kategorien vorne. In Europa stehen circa 400.000 private und 70.000 öffentliche Ladepunkte, In Italien zwischen 7.000 und 7.500 private und etwa 1.750 öffentliche Ladestationen.

Italiens Nationaler Infrastrukturplan für die Aufladung von Fahrzeugen mit elektrischen Antrieb (PNIRE) sieht vor, bis 2020 zwischen 4.500 und 13.000 "normale" Ladestationen (bis zu 22kW) und 2.000 bis 6.000 "high power" Ladepunkte (mehr als 22kW) zu installieren. Die öffentlichen Mittel für die Erreichung der Ziele betragen lediglich 33,5 Mio. Euro. Die Projekte müssen von den Regionen oder den Kommunen beantragt werden und können bis zu 50% teilfinanziert werden.

Der PNIRE-Elektromobilitätsplan hat seit seiner Einführung 2012 zumindest mehr Interesse für die Elektromobilität erweckt. Dies zeigt sich in der Zusammensetzung der Investitionen. Anfangs kamen 95% der Finanzierung aus öffentlichen Töpfen, nach vier Jahren waren es nur noch 57%. Hinzu kamen 27% der Investitionen von privaten Akteuren wie Einkaufszentren, Hotels und Einzelhandelsgeschäfte. Ein positives Zeichen ist der wachsende Anteil von spezialisierten Anbietern von E-Mobility-Dienste, die 2016 rund 16% der Investitionen erreicht hat. Für 2017 gibt es zudem Interesse seitens diverser Tankstellenbetreiber. Das Volumen der privaten Investitionen ist bislang niedrig. Als Gründe führt die Studie die fehlende landesweite Zukunftsvision sowie die fehlende Kompatibilität diverser Ladetechnologien.

Prognosen bis 2020

Für die künftige Entwicklung der Elektromobilität in Italien bis 2020 entwirft die Studie zwei Szenarien. Sofern die Nachfrage nach Elektroautos der Haupttreiber der Entwicklung bleibt, erwarten die Experten vom Polytechnikum einen Absatz von 70.000 Elektroautos im Wert von 1,75 bis 2,45 Mrd. Euro. Ihr Marktanteil wurde damit bis 2020 von 0,3% auf circa 2% ansteigen.

Wenn wiederum die Ziele der PNIRE erreicht werden und die Infrastruktur entsprechend ausgebaut wird, könnte die Elektromobilität deutlich schneller wachsen. Laut der Studie könnte in den kommenden drei Jahren 130.000 Elektrofahrzeuge im Wert von 3,25 bis 4,55 Mrd. Euro verkauft werden. Hervorzuheben wäre zudem der Beitrag zur Erreichung der EU-Klimaschutzziele durch die erhebliche Reduzierung der CO2-Emissionen.

(R.J.S.)

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