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25.07.2019

Elektromobilität im Vereinigten Königreich weiter auf Wachstumskurs

Anpassung der Förderrichtlinie begünstigt Nullemissionsfahrzeuge / Von Robert Scheid

London (GTAI) - Ambitionierte Regierungsziele und eine neue Initiative in London verleihen der Elektromobilität im Vereinigten Königreich Impulse. Die dürftige Ladeinfrastruktur bleibt ein Hindernis.

Im Juni 2019 stellte Londons Bürgermeister Sadiq Khan einen neuen Plan für den Ladeinfrastrukturausbau in der britischen Hauptstadt vor. Die Initiative folgt auf die landesweite "Road to Zero Strategy", welche Mitte 2018 von der britischen Regierung vorgestellt wurde. Diese legt fest, dass ab 2040 keine Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. In London soll dieser Wandel bereits zehn Jahre früher stattfinden.

Die "Road to Zero Strategy" sieht mehrere Maßnahmen vor, um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen. Darunter fallen Kaufanreize für Elektroautos, Anpassungen bei der Kfz-Steuer, Forschungsanreize für einen nachhaltigen Gütertransport sowie die Umstellung der Regierungsflotte auf emissionsfreie Autos (25 Prozent bis 2020, 100 Prozent bis 2030).

Ein wichtiger Teil der Strategie ist zudem der Ausbau der Ladeinfrastruktur. Mit dem "Charging Infrastructure Investment Fund" wurden 400 Millionen Pfund Sterling (circa 450 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt. Branchenexperten beschreiben jedoch eine schleppende Mittelverwendung. Die neue Londoner Initiative geht nun gegen die Ladeinfrastrukturdefizite an.

London will Vorreiter bei der Elektromobilität werden

In der britischen Metropole wird bereits seit Jahren angestrebt, die Luftverschmutzung durch neue Verkehrskonzepte zu bekämpfen. Im Jahr 2003 wurde eine Citymaut eingeführt, um den Verkehr in der Innenstadt zu reduzieren. Seitdem hat der Stadtverkehr in diesen Gebieten um ein Viertel abgenommen, da viele Londoner auf öffentliche Verkehrsmitteln oder das Fahrrad umgestiegen sind. Seit dem 8. April 2019 gibt es außerdem die neue "Ultra Low Emissions Zone" (ULEZ), in der Halter älterer Fahrzeuge neben der Citymaut eine weitere Gebühr zahlen müssen. Das ULEZ-Gebiet wird im Jahr 2021 auf ganz London ausgedehnt.

Im Londoner Verkehrskonzept spielt die Elektromobilität eine wichtige Rolle. Nullemissionsautos können von der Citymaut und den ULEZ-Gebühren befreit werden. Zurzeit fahren über 20.000 E-Autos auf den Straßen der Hauptstadt. Inzwischen hat London mit 165 Elektrobussen die größte E-Flotte der Welt. Mehr als 1.700 der berühmten Londoner Taxis fahren bereits mit einem Batterieantrieb. Im Jahr 2018 wurden mehr als 1.000 Ladestationen beispielsweise an Tankstellen und Straßenbeleuchtungssäulen installiert.

Lücken im Ladeinfrastrukturnetz bleiben ein Hindernis für einen größeren Nachfrageboom in der Metropole. Einwohner beschweren sich über die geringe Verfügbarkeit von Ladesäulen in der Nähe von Arbeitsplätzen und Wohnungen. Der weitere Ausbau wird nicht leicht sein: Platz in der Hauptstadt ist gefragt und teuer. Hinzu kommt, dass die Zuständigkeit auf mehr als 30 Planungsbehörden verteilt ist. Vor diesem Hintergrund hat die Stadt 2018 eine "EV-Infrastructure Taskforce" ins Leben gerufen. Mehr als 140 Organisationen der Stadt ziehen an einem Strang, um den Ausbau der Ladeinfrastruktur zu beschleunigen. Bis Ende 2020 will die Taskforce rund 300 Schnellladestationen und 3.500 weitere Ladepunkte installieren.

Eine Karte der bereits bestehenden Ladesäulen in London finden Sie unter https://maps.london.gov.uk/ev-chargepoints/

Nachfrageboom steht noch aus

Die bisherige Nachfrage nach Elektro- und Hybridautos im gesamten Vereinigten Königreich ist gering. Im 1. Halbjahr 2019 erreichten batterieelektrische Fahrzeuge (BEV), Plug-In-Hybrid-Elektrofahrzeuge (PHEV), Hybrid-Elektrofahrzeuge (HEV) und Mildhybrid-Fahrzeuge (MHEV) zusammen einen Anteil von 6,6 Prozent der Neuzulassungen, das entspricht knapp 84.000 Fahrzeugen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum legten die Alternativen Antriebe im 1. Halbjahr 2019 um 13 Prozent zu. Stark rückläufig waren hingegen, bedingt durch den Abgasskandal, die Neuzulassungen von Diesel-Fahrzeugen (-19 Prozent).

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Förderung für Nullemissionsautos

In den letzten Jahren verzeichnen E-Autos zweistellige Wachstumsraten. Allerdings hat die Regierung Ende 2018 das "Plug-In Vehicles Grant" für den Kauf eines E-Autos von maximal 4.500 auf 3.500 Pfund Sterling reduziert. Darüber hinaus wurden Plug-In-Hybridautos von der Förderung ausgeschlossen. Der Grund hierfür war die mittelfristige Sicherung der Förderung sowie die Begünstigung von Fast-Null- oder Null-Emissions-Fahrzeugen. Förderungsfähige Fahrzeuge dürfen nun weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen und müssen eine emissionsfreie Reichweite von mindestens 112 Kilometern nachweisen.

Durch die lückenhafte Ladeinfrastruktur herrscht noch eine gewisse Reichweitenangst im Vereinigten Königreich. Diese hindert viele Käufer daran, ein batterieelektrisches Fahrzeug zu kaufen. Branchenkenner kritisierten deswegen die Änderungen am "Plug-In Vehicles Grant", da die für die Marktveränderung nötigen Brückentechnologien von Förderungen ausgeschlossen werden. Die weitere Förderung von anderen Niedrigemissionsautos sei die bessere Wahl, um alte Verbrennungsmotoren schneller zu ersetzen, so Experten.

In der ersten Jahreshälfte 2019 war die Auswirkung der Fördermittelanpassung sichtbar. Zwar stieg die Gesamtzahl der neuzugelassenen Autos mit alternativen Antrieben um 13 Prozent, allerdings brachen die Verkäufe von PHEV im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent ein. Der Rückgang bei PHEV konnte nicht komplett durch den Anstieg von batterieelektrischen Fahrzeugen ausgeglichen werden. Hauptgrund für den Gesamtanstieg war das Plus bei klassischen Hybridautos und sogenannten Mildhybridfahrzeugen, die von der Förderung ausgeschlossen sind.

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Weitere Informationen zum Vereinigten Königreich finden Sie unter http://www.gtai.de/vk.

Über den geplanten Brexit informiert Germany Trade & Invest regelmäßig auf der Sonderseite http://www.gtai.de/brexit.

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Vereinigtes Königreich Elektromobilität, Brexit

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