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13.03.2018

Elektromobilität Italien: E-Autos sind noch ein Nischenprodukt

Staatliche Förderung zu niedrig / Von Robert Scheid (Januar 2018)

Mailand (GTAI) - Die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen ist in Italien gering, doch der Markt verzeichnet hohe Wachstumsraten. Vor allem Großstädte wie Mailand und Rom treiben die Nachfrage nach Hybridtaxis, E-Autos in Car-Sharing-Diensten und Elektrobussen voran. Privatbürger zögern aufgrund der hohen Kosten sowie des unterentwickelten Ladenetzes. Die staatlichen Kaufanreize gehören zu den niedrigsten in Europa. (Kontaktadressen)

Der Markt für Kfz mit alternativen Antrieben ist in Italien bereits gut etabliert. Kein anderes Land in Europa hat mehr Erdgasfahrzeuge als Italien. Darüber hinaus ist die Nutzung von Hybridfahrzeugen inzwischen weit verbreitet: Im Jahr 2017 wurden europaweit lediglich in Großbritannien und Frankreich mehr Hybridautos angemeldet.

Der Absatz von Plug-In-Elektrofahrzeugen ist jedoch überschaubar. Im Jahr 2017 wurden 68.225 solcher Kfz angemeldet, davon hatten 97 Prozent auch einen Verbrenner an Bord. Insgesamt fahren circa 200.000 Autos mit elektrischem Antrieb auf den Straßen Italiens, nur wenige Tausend sind Plug-In-Hybride (PHEV) oder batterieelektrische Fahrzeuge (BEV).

Neuzulassungen von Pkw mit alternativen Antrieben (Stückzahlen)
Indikator 2016 2017 Anteil an Gesamtzulassungen 2017 (in %)
Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) 1.377 1.967 0,1
Plug-in Hybride (PHEV) 1.307 2.646 0,1
Fahrzeuge mit Reichweitenverlängerer (Range Extender; EREV) 135 214 0,0
Hybride (PEV) 37.240 63.398 3,4
Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb insgesamt 40.059 68.225 3,5

Quellen: Branchenverband ANFIA

Der Anteil von Autos mit einem elektrischen Antrieb an den Neuzulassungen lag 2017 bei lediglich 3,5 Prozent, jedoch verzeichnet die Elektromobilität seit 2009 deutliche Zuwachsraten. Wurden im Jahr 2010 circa 5.200 BEV und PHEV registriert, waren es drei Jahre später bereits rund 16.200 und 2016 über 40.000. Im Jahr 2018 dürfte sich die Anzahl erneut stark erhöhen. Der Anteil am Gesamtfahrzeugpark lag 2016 bei 0,3 Prozent von rund 42,9 Millionen zugelassenen Pkw und Nutzfahrzeugen.

Größte Hürde für Privatkunden ist der Kaufpreis

Die Mehrheit der Elektrofahrzeuge auf den Straßen Italiens sind Pkw, doch die Nachfrage unter privaten Autokäufern ist noch gering. Vielmehr sind Taxiunternehmen und Car-Sharing-Dienste in Großstädten wie Rom und Mailand die wichtigsten Nachfragetreiber für Plug-In-Elektrofahrzeuge.

Italiener zeigen sich grundsätzlich offen gegenüber Elektroautos. Nach einer Umfrage von Findomestic von November 2017 wären ein Drittel der Befragten bereit, ein BEV oder PHEV zu kaufen. Allerdings sagten 31 Prozent der Befragten, der hohe Kaufpreis sei ein Hindernis. Eine noch größere Hürde stellt für fast die Hälfte der Befragten die mangelhafte Ladeinfrastruktur dar.

Rangliste der meistverkauften Elektrofahrzeuge (Stückzahlen; Veränderung in %)
Modell (Batteriebetriebene und Plug- in Hybrid) 2016 2017 Veränderung 2017/2016
1. Nissan Leaf 446 448 0
2. Renault Zoe 207 318 54
3. Tesla Model S 218 266 22
4. Tesla Model X 14 214 1.429
5. Smart Fortwo 3 184 6.033
6. BMW i3 91 132 45
7. Citroen C-Zero 144 87 -40
8. Volkswagen Up 56 55 -2
9. Volkswagen Golf 5 37 640
10. Smart Forfour - 36 -

Quelle: Branchenverband ANFIA

Nach den jüngsten Daten aus dem Jahr 2016 waren insgesamt zwei Drittel der E-Fahrzeuge in folgenden Regionen angemeldet: Auf Platz eins mit 30 Prozent der Nachfrage liegt die Lombardei. Es folgen Latium mit 14 Prozent, Emilia Romagna mit 11 Prozent und Venetien mit 10 Prozent. Auf Provinzebene fahren in Rom und Mailand jeweils 13 Prozent der Elektrostraßenfahrzeuge in Italien, gefolgt von Trient, Bologna, Florenz und Turin.

Flottenbetreiber setzten zunehmend auf Elektromobilität

Nach der jüngsten Statistik des European Alternative Fuels Observatory (EAFO) von Juni 2017 waren knapp über 2.000 batterieelektrische leichte Nutzfahrzeuge in Italien im Einsatz. Damit reiht sich Italien hinter Spanien und vor Österreich im europäischen Mittelfeld ein.

Für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) gewinnt die Elektromobilität an Bedeutung. Bis Mitte 2017 waren laut der Statistik der EAFO 38 Elektrobusse im Einsatz. Ende 2017 kamen in Piemont (Turin und Novara) weitere 23 von der chinesischen Firma BYD hinzu. Auch die Stadt Mailand hat kürzlich bekanntgegeben, bis 2025 alle Dieselbusse durch Elektrobusse ersetzen zu wollen. Ausschlaggebend für das Vorpreschen der beiden Industrieregionen ist die schlechte Luftqualität. Weitere Städte wie etwa Padua haben bereits angekündigt, in Zukunft auf Elektrobusse zu setzen.

Wichtige Ausschreibungen im Bereich Elektromobilität in Italien (Auswahl; Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitions-summe Projektstand Internetadresse
ATM (ÖPNV Mailand)/Einkauf von 1.200 Elektrobussen 200 Für den Zeitraum 2020-2025 vorgesehen http://www.atm.it/it/ImpreseEFornitori/EsitiGara/Pagine/default.aspx
Region Sardinien/Plan für die Elektromobilität 15 Im November 2017 beschlossen http://www.regione.sardegna.it/j/v/2568?s=352657&v=2&c=392&t=1
Region Friaul-Julisch Venetien/NeMo FVG, Einkauf von 560 E-Fahrzeuge für öffentliche Unternehmen und Installation von Ladesäulen. 14 2019-2023 http://www.regione.fvg.it/rafvg/cms/RAFVG/ambiente-territorio/energia/FOGLIA118/

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Unzureichende Fördermittel hemmen Marktentwicklung

In den Jahren 2013 bis 2015 konnten Autokäufer auf direkte Kaufanreize für Elektrofahrzeuge zurückgreifen, allerdings wurden diese Maßnahmen eingestellt. Für das Jahr 2018 besteht die Förderung auf nationaler Ebene lediglich aus steuerlichen Anreizen. Für die ersten fünf Jahre nach der Zulassung sind Elektroautos von der Fahrzeugsteuer komplett befreit. Danach reduziert sich der Betrag auf ein Viertel der üblichen Summe.

Ein Flickenteppich von Förderprogrammen existiert auf regionaler Ebene. Einzelne Regionen senken beispielsweise Park- und Autobahngebühren. In der Provinz von Bozen sind weiterhin direkte Kaufanreize in Höhe von 4.000 Euro für reine Elektrofahrzeuge und 2.000 Euro für Hybridautos verfügbar. Auch Südtiroler Unternehmen können die Kaufanreize in Anspruch nehmen.

Die geringen direkten Fördermaßnahmen werden auch im E-Mobility Report der Energy & Strategy Group im Mailänder Polytechnikum von Januar 2017 als Grund für das schwache Abschneiden Italiens im europäischen Vergleich hervorgehoben. Insgesamt kommen die Anreize und Steuervergünstigungen im Durchschnitt auf 2.000 bis 3.000 Euro pro Elektroauto über zehn Jahre, das niedrigste Niveau aller verglichenen Länder. In Norwegen erreichen die Anreize beispielsweise zwischen 13.000 und 20.000 Euro pro Fahrzeug.

Prognosen eher verhalten

Für die künftige Entwicklung der Elektromobilität in Italien bis 2020 entwirft die Studie zwei Szenarien. Sofern keine weiteren Förderprogramme hinzukommen, erwarten die Experten vom Polytechnikum einen Absatz von 70.000 Elektroautos, womit deren Marktanteil von 0,3 Prozent auf etwa 2 Prozent steigen würde. Wenn die Anschaffung finanziell gefördert und die Infrastruktur entsprechend ausgebaut würde, könnte die Nachfrage aber nahezu doppelt so groß sein.

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in Italien finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-italien

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Italien finden Sie unter: http://www.gtai.de/italien

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministero delle Infrastrutture e dei Trasporti http://www.mit.gov.it Verkehrs- und Infrastrukturministerium
ANFIA, Associazione Nazionale Filiera Industria Automobilistica http://anfia.it/ Verband der Automobilindustrie
CIVES, Commissione Italiana Veicoli Elettrici Stradali a batteria, ibridi e a cella combustibili https://cives.ceinorme.it/it Italienische Kommission für Batteriebetriebene-, Hybrid- und Brennstoffzellen Straßenfahrzeuge
European Alternative Fuels Observatory http://www.eafo.eu Ländervergleiche

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Öffentlicher-Personen-Nahverkehr (ÖPNV), Elektromobilität

Funktionen

Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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