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13.03.2018

Elektromobilität Mexiko: Der Markt kommt nur langsam in Fahrt

Nur wenige Elektroautos auf den Straßen / Von Florian Steinmeyer

Mexiko-Stadt (GTAI) - Der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen ist in Mexiko noch äußerst niedrig, doch heimische Firmen sind in der Entwicklung von Fahrzeugen aktiv. Damit steht das Segment im Gegensatz zur Kfz-Branche insgesamt, die im Land zwar sehr bedeutend ist, aber von ausländischen Konzernen dominiert wird. Wichtigstes Hindernis ist nach Einschätzung des Händlerverbands AMDA der noch hohe Preis entsprechender Fahrzeuge. (Kontaktadressen)

Der Absatz von Elektro- und Hybridfahrzeugen in Mexiko ist noch überaus gering. In den ersten drei Quartalen 2017 fanden insgesamt 7.283 entsprechende Pkw einen Käufer und damit 33 Prozent mehr als in der gleichen Vorjahresperiode. Die Verkäufe teilten sich auf in 7.086 Hybrid- (HEV) und 197 batterieelektrische Autos(BEV). Gemessen am gesamten Pkw-Absatz entspricht dies lediglich 0,7 Prozent.

Guillermo Rosales, stellvertretender Geschäftsführer des Kfz-Händlerverbandes AMDA (Asociacion Mexicana de Distribuidores de Automotores), geht für die kommenden Jahre von einem weiteren Wachstum aus, das jedoch begrenzt bleibt: "Wir erwarten jährliche Verkaufssteigerungen von rund 20 Prozent. Damit wird der Anteil am Gesamtabsatz jedoch weiter hinter Industriestaaten wie den USA zurückbleiben."

Den Hauptgrund dafür sieht Rosales im nach wie vor höheren Preis elektrischer Fahrzeuge. "Der Durchschnittpreis von Neuwagen liegt in Mexiko bei rund 14.000 Euro und damit weit unter den Preisen für Elektrofahrzeuge", gibt der Experte zu bedenken, "auch Pkw mit Hybridantrieb sind rund 20 Prozent teurer als ihre konventionellen Schwestermodelle."

Zweisitzer aus Mexiko

Die günstigsten, in Mexiko angebotenen BEV sind der Renault Twizy für umgerechnet knapp 16.000 Euro und der lokal gebaute Zacua (rund 23.000 Euro). Beide bieten jedoch nur zwei Sitzplätze. Es folgen der Nissan Leaf (rund 25.000 Euro), Tesla Modell 3 (circa 30.000 Euro), Chevrolet Bolt (circa 35.000 Euro) und BMW i3 (circa 44.000 Euro). Die Tesla Modelle S (rund 74.000 Euro) und X (rund 85.000 Euro) sind preislich deutlich höher angeordnet.

BMW hielt zusammen mit Siemens und mit Unterstützung der deutschen Botschaft im September 2017 eine Veranstaltung zur Elektromobilität in Mexiko-Stadt ab. In einer Workshop-Serie erarbeiteten die Teilnehmer eine Reihe von Vorschlägen, wie E-Autos besser gefördert werden können. Im Dezember wurden diese Vorschläge unter dem Titel "Agenda 2020" dem Umweltministerium (Secretaria de Medio Ambiente y Recursos Naturales - Sermanat) übergeben.

Ladezeit gilt als größte Herausforderung

Eine im August und September 2017 durchgeführte Umfrage der Marktforschungsfirma Mercawise zeigt, welche Vorzüge und Nachteile die Mexikaner in Hybrid- und Elektrofahrzeugen sehen. Das Meinungsbild ist aufgrund der geringen Teilnehmerzahl von 402 Personen jedoch nicht repräsentativ. Wichtigste Motivation für den Kauf solch eines Autos ist demnach der Umweltaspekt. Er wurde von 78 Prozent der Befragten genannt, gefolgt von wirtschaftlichen Vorteilen (57 Prozent).

Die lange Ladezeit wurde von 46 Prozent der Befragten als Hindernis genannt und ist somit die größte Herausforderung für die Hersteller. Unter den genannten Nachteilen eines Hybrid- beziehungsweise E-Autos folgten die hohen Wartungskosten (23 Prozent). Mit 74 Prozent der Antworten wünschten sich drei Viertel der Befragten eine Reichweite von mindestens 500 Kilometern, 19 Prozent hielten sogar mehr als 800 Kilometer für notwendig.

Ebenfalls 55 Prozent der Befragten gaben an, für einen E- oder Hybridwagen gleich viel Geld ausgeben zu wollen wie für ein konventionelles Fahrzeug. Während 22 Prozent der Teilnehmer bereit wären mehr auszugeben, wünschen sich 19 Prozent hingegen geringere Kosten. In jedem Fall sollte der Kauf staatlich gefördert werden. Dies bejahten 97 Prozent der Befragten.

Regierung setzt auf Steueranreize

In Mexiko existiert keine direkte Subvention für den Kauf von Elektro- oder Hybridfahrzeugen, der Staat setzt eher auf indirekte Förderung anhand von Steuervergünstigungen. So entfällt die Steuer auf Neufahrzeuge (Impuesto Sobre Automoviles Nuevos - ISAN) und Besitzer entsprechender Fahrzeuge zahlen in den meisten Bundesstaaten keine Kfz-Steuer. Seit Februar 2017 sind importierte Elektrofahrzeuge zudem von der Einfuhrsteuer befreit, unabhängig von ihrem Ursprung.

Hinzu kommt, dass die Fahrzeuge nicht von möglichen Fahrverboten in Mexiko-Stadt betroffen sind. Diese Verbote können zeitlich befristet an Tagen besonders hoher Smogbelastung ausgesprochen werden, was in der Vergangenheit bereits diverse Male vorkam. Für Guillermo Rosales von AMDA ist dies zusammen mit der vergleichsweise starken Kaufkraft ein Grund dafür, dass bislang der größte Teil der Elektro- und Hybridautos in Mexiko-Stadt und dem angrenzenden Estado de Mexico abgesetzt wurde. In den ersten drei Quartalen 2017 machten die Verkäufe dort rund 57 Prozent des Gesamtabsatzes aus.

Neuzulassungen von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben (Stückzahlen)
Indikator 2016 2017 1) Anteil an Gesamtzulassungen 2017 (in %) *)
Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) 271 197 0,02
Hybride (HEV), Plug-in-Hybride (PHEV) 7.989 7.086 0,64
Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb insgesamt 8.260 7.283 0,66

*) Januar bis September

Quelle: Asociacion Mexicana de la Industria Automotriz (AMIA)

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in Mexiko finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-mexiko

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Mexiko finden Sie unter: http://www.gtai.de/mexiko

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Asociacion Mexicana de Distribuidores de Automotores (AMDA) http://www.amda.mx Mexikanischer Verband der Autohändler
Comision Federal de Electricidad (CFE) http://www.cfe.gob.mx Staatlicher Stromkonzern; Spezialtarif und Unterstützung für Ladesysteme am Wohnort

(FST)

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