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13.03.2018

Elektromobilität Norwegen: Ehrgeizige Forschungsprojekte rund um die Mobilitätswende

Dependancen deutscher Firmen beteiligen sich / Von Heiko Steinacher (Februar 2018)

Bonn (GTAI) - Norwegen verfügt zwar über keinen eigenen Autobauer, mit Kongsberg Automotive aber über einen großen Kfz-Zulieferer. Das zu Loyds Industri gehörende Unternehmen Paxster bietet kleine elektrische Zustellfahrzeuge an. Für Forschungs- und Entwicklungsprojekte, die das Thema Elektromobilität betreffen, stehen staatliche Fördermittel bereit. Dabei engagieren sich auch deutsche Unternehmen. (Kontaktadressen)

Als Produktionsstandort für Kfz ist Norwegen relativ unbedeutend. Lediglich der Elektrofahrzeughersteller Buddy Electric verfügt dort über einen Betrieb. Doch ist der letzte Buddy schon 2015 vom Band gelaufen, sodass nur noch Reparaturen durchgeführt werden. "Wir versuchen seitdem, Teile unserer alten Fabrik und die Produktionsrechte zu verkaufen - an Länder, die billiger produzieren können", sagte Oyvind Ursin Kavag, Senior Consultant und ehemaliger Vorstandsvorsitzender bei Buddy Electric, gegenüber Deutschlandfunk Kultur. Zu schaffen machten dem Unternehmen vor allem die in Norwegen hohen Lohn- und Produktionskosten.

Ein weiterer norwegischer Hersteller von Automobilen, Think Global (Elektroauto Think City), war bereits 2011 in Konkurs gegangen und musste die Produktion einstellen. Andere Autobauer gibt es in dem nordischen Land zwar nicht, mit dem zu Loyds Industri gehörenden Unternehmen Paxster aber einen Zulieferer, der elektrische Leichttransporter für den Post- und Zeitungsvertrieb anbietet. Die Akkus für die wendigen E-Mobile, die auch nach Deutschland und Neuseeland exportiert werden, kommen aus China, das Getriebe aus den USA.

Der größte Zulieferer ist Kongsberg Automotive. Im Industriepark Raufoss, wo Leichtbauwerkstoffe für automatisierte Fertigungstechnologien entwickelt werden, haben unter anderem die deutschen Unternehmen Benteler Aluminium Systems und Steertec Raufoss hohe Summen investiert.

Inländische Produktion von Elektrofahrzeugen und Komponenten
Hersteller (Internetadresse) Produktportfolio
Kongsberg Automotive (http://www.kongsbergautomotive.com) Antriebstechnik, Fahrwerke, Fahrerbediensysteme, Innenraumsysteme, Fluidtransfer
Loyds Industri (http://www.loyds.no) Böden und Trennwände für Fahrerkabinen, Seitenabdeckungen, Beleuchtung und andere Fahrzeugeinrichtungen
Paxster (http://paxster.no) Leichtes Auslieferungsfahrzeug
Buddy Electric (http://www.buddyelectric.no) Elektroautos und -fahrräder

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Industrie und Wissenschaft arbeiten eng zusammen

Um die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft und Wirtschaft zu verbessern, unterstützt Norwegen seit einigen Jahren eine Exzellenzcluster-Initiative. Die meisten dieser Cluster wurden im Einzugsgebiet der Hauptstadt Oslo gegründet, unter anderem auch der Industriepark Raufoss. Darüber hinaus ist auf dem Kongsberg-Firmengelände der Cluster Electric Mobility angesiedelt, in dem rund 20 Partner, darunter Schneider Electric, Nissan und das Forschungsinstitut Sintef, Produkte und Dienstleistungen rund um das Thema Elektromobilität entwickeln, testen und bis zur Vermarktung bringen.

Das gemeinsame Förderprogramm PILOT-E des Forschungsrats (Forskningsradet), der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Innovation Norway und der staatlichen Agentur Enova dient zwar in erster Linie der Weiterentwicklung maritimer Nullemissions-Technologien. Doch stehen in dem Zusammenhang auch Mittel für Projekte mit Bezug zum emissionsfreien Landverkehr bereit. Der Baumaschinenhändler Nasta, der Lebensmittelgroßhändler Asko Norge, das zur HeidelbergCement-Gruppe gehörende Unternehmen NorBetong und Siemens haben bereits Zusagen erhalten und tüfteln mit ihren Partnern an Lösungen für schwere Lkw, Fahrmischer und Bagger. So entwickelt die auf Hitachi-Produkte spezialisierte Nasta gemeinsam mit Siemens und Sintef einen Nullemissions-Bagger auf Basis von Batterie- und Brennstoffzellentechnologie. Der erste Prototyp soll 2019 für den Testbetrieb auf Baustellen in und um Oslo startklar sein.

Forschungsprojekte im Bereich Elektromobilität in Norwegen (Auswahl; Investitionssumme in Euro)
Akteur / Projekt Anmerkungen Ansprechpartner
Statistisk sentralbyra / Electrification of Transport: Challenges, mechanisms and solutions (ELECTRANS) Im Rahmen des Projekts wird untersucht, wie sich die Elektrifizierung der Fahrzeugflotte auf das Verkehrssystem und den Strommarkt auswirken kann; Laufzeit: 2015 bis 2019; Fördersumme: ca. 800.000 Euro Cathrine Hagem (Projektleiterin), T +47 (0)2 109 43 13, Cathrine.Hagem@ssb.no
Transportokonomisk institutt Stiftelsen Norsk senter for samferdselsforskning / Elektromobilitets LAb Norge Projekt soll neue Kenntnisse darüber bringen, wie Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren bis 2025 vollständig durch Elektromobile ersetzt werden können; Laufzeit: 2016 bis 2020; Fördersumme: ca. 750.000 Euro Erik Figenbaum (Projektleiter), T +47 (0)90 57 33 98, efi@toi.no
Institutt for Energiteknikk / Neste generasjon litium-ion-batterier Im Rahmen des Projekts wird untersucht, wie sich die Lithium-Ionen-Technologie für Akkus verbessern lässt; Laufzeit: 2014 bis 2018; Fördersumme: ca. 730.000 Euro Jan Petter Maehlen (Projektleiter), T +47 (0)4 528 07 42, jan.petter.maehlen@ife.no

Quellen: Forskningsradet, Recherchen von Germany Trade & Invest

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Norwegen finden Sie unter: http://www.gtai.de/norwegen

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Electric Mobility Norway http://www.electricmobility.no Industriecluster und Testarena für Elektromobilität
NCE Raufoss http://www.nceraufoss.no Industriecluster (Leichtbauwerkstoffe)
Enova http://www.enova.no Staatliche Agentur
Sintef http://www.sintef.no Forschungsinstitut
Forskningsradet http://www.forskningsradet.no Forschungsrat
Innovation Norway http://www.innovasjonnorge.no Norwegische Wirtschaftsförderungsgesellschaft

(S.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Norwegen Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektromobilität

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‎+49 228 24 993 279

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