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13.03.2018

Elektromobilität Norwegen: Ladesäulennetz wächst unaufhaltsam

E-Autos sind in Oslo so beliebt, dass öffentliche Lademöglichkeiten knapp werden / Von Heiko Steinacher (Februar 2018)

Bonn (GTAI) - Beim Ladeinfrastrukturausbau engagieren sich in Norwegen sowohl Autobauer als auch Ladenetzbetreiber und Energieversorger. E.ON und Clever haben 2017 eine strategische Partnerschaft vereinbart mit dem Ziel, ein europäisches Schnellladenetz für E-Autos aufzubauen. Die Zahl der Ladeanschlüsse soll in Norwegen bis 2020 auf 25.000 steigen; bis Mitte Februar 2018 gab es etwa 10.500. In Oslo hält der Ausbau des Ladesäulennetzes nicht Schritt mit der Entwicklung der Neuzulassungen. (Kontaktadressen)

Im Hinblick auf die Ladesäulendichte je Einwohner liegen Norwegen und die Niederlande europaweit einsam an der Spitze. Laut der Datenbank Nobil verfügte Norwegen zu Redaktionsschluss (Mitte Februar 2018) über 2.254 Ladestationen mit 10.508 Ladepunkten. Damit ergibt sich eine Anschlussdichte von knapp 200 pro 100.000 Einwohner. Auf Basis von Angaben der Brüsseler Beobachtungsstelle European Alternative Fuels Observatory (EAFO) kamen die Niederlande im Jahr 2017 auf 192. In Deutschland lag die Ziffer bei 30.

Aber damit gibt sich Norwegen nicht zufrieden. Bis 2020 will das Königreich die Marke von 25.000 Anschlüssen erreichen. Um die Ladeinfrastruktur aufzubauen, stellt das Land schon seit einigen Jahren über die staatliche Agentur Enova hohe Fördersummen bereit. Ziel ist es, entlang der Hauptverkehrsstraßen alle 50 Kilometer eine Schnellladestation zu errichten. Neben zwei Typ-2-Ladesteckdosen mit 22 Kilowatt Leistung müssen diese mit je einem Schnelllader nach CHAdeMO- beziehungsweise Combined Charging System (CCS)-Standard ausgestattet sein.

Der Ausbau sei ohne wesentliche Netzverstärkungen möglich, meinen Fachleute. So ist die Ladeinfrastruktur in Norwegen bereits in den letzten Jahren erheblich gewachsen. Vor allem liegt das aber daran, dass inzwischen auch viele Betreiber ohne öffentliche Förderung neue Schnellladestationen bauen, insbesondere in den größeren Städten und entlang wichtiger Verkehrsachsen. Nachfrager sind unter anderem auch Hotels und Restaurants, die bei Reservierungsanfragen immer häufiger um Auskunft über Lademöglichkeiten gebeten werden. Auch größere Einzelhandelsunternehmen haben Interesse.

Autohersteller planen Ladenetze

Tesla hat 2017 am Militärflugplatz Moss-Rygge rund 60 Kilometer südlich von Oslo eine der größten Ladestationen Europas eröffnet. Der Supercharger verfügt über 42 Anschlüsse für Tesla-Elektroautos. Ein Jahr zuvor hat der Energieversorger Fortum im knapp 65 Kilometer nördlich der Hauptstadt gelegenen Nebbenes eine Ladestation eingeweiht, die über 28 Ladepunkte verfügt und zusammen mit Tesla entwickelt wurde.

Auch andere Autobauer wollen Ladenetze errichten. Für den Aufbau eines europäischen Schnellladenetzes haben BMW, Daimler, Ford und der VW-Konzern mit seinen Töchtern Audi und Porsche das Gemeinschaftsunternehmen Ionity gegründet. Ionity hat bereits Kooperationen mit Partnern in Deutschland, Österreich und Norwegen vereinbart. In diesen drei Ländern werden auch die ersten Stationen entstehen. In Norwegen arbeitet das Joint Venture mit dem Convenience-Retailer Circle K, einer Tochter des kanadischen Couche-Tard-Konzerns, zusammen. Die Ladekorridore sollen zunächst alle von Oslo ausgehen - nach Bergen, Stavanger und Trondheim. Später dürften aber auch andere Trassen fernab der Hauptstadt dazukommen, erwarten Fachleute.

E.ON und Clever wollen europäisches Schnellladenetz errichten

Anfang des Jahres 2017 sind der deutsche Energiekonzern E.ON und der dänische E-Mobilitätsanbieter Clever eine strategische Partnerschaft eingegangen. Zunächst werden sie 20 der insgesamt über 200 Standorte der Tankstellenkette YX Energi bis 2020 mit Schnellladestationen ausrüsten. Weitere Ausbaustufen könnten folgen. In einer Pressemitteilung ließ E.ON verlauten, dass beide Unternehmen noch weitere Partner, wie etwa Finanzinvestoren, Anlagenbesitzer oder Kfz-Hersteller, für ihre Initiative suchen.

Letztlich soll das gemeinsame Engagement von E.ON und Clever zum Aufbau eines europäischen Schnellladenetzes für E-Autos führen. Der geplante Ladekorridor erstreckt sich über sieben Länder, darunter auch Deutschland und Norwegen. Das dreijährige Projekt wird von der Europäischen Union (EU) mit 10 Millionen Euro gefördert.

Der Ausbau der Europastraße E14 von Sundsvall über Östersund (beide Schweden) nach Trondheim (Norwegen) zum ersten skandinavischen Green Highway mit Ladestationen und Tankstellen für Kfz mit alternativen Antrieben ist weitgehend abgeschlossen. Neben den genannten Städten haben sich weitere Anrainerkommunen, Universitäten sowie die staatlichen Unternehmen für Luftverkehrsinfrastruktur Swedavia und Avinor als Partner angeschlossen.

Wichtige Investitionsprojekte im Bereich der Lade- und Netzinfrastruktur in Norwegen (Auswahl; Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
E.ON und Clever / Ladestationen k.A. k.A. Zunächst sollen 20 Standorte der Tankstellenkette YX Energi mit Schnellladern ausgerüstet werden
Ionity / Ladestationen k.A. k.A. Zunächst entlang der Trassen Oslo - Bergen, Oslo - Stavanger und Oslo - Trondheim, Zusammenarbeit mit dem Convenience-Retailer Circle K
Gronn Kontakt / Ladestationen k.A. k.A. Aufbau von Schnellladern an Einkaufszentren der Olav Thon Gruppe in Norwegen und Schweden
Green Highway 3,6 Fertigstellung 2020 geplant Ausbau der Europastraße E14 von Sundsvall über Östersund (beide Schweden) nach Trondheim (Norwegen) zum ersten skandinavischen Green Highway; Projekt weitgehend abgeschlossen, gebaut werden noch Tankstellen für Gasfahrzeuge und eine Ladestation für Elektrobusse
Stavanger Parkeringsselskap / Kauf von Ladestationen für Elektroautos 0,36 Ausschreibung Ansprechpartner: Arild Stensland, T +47(0)40 40 27 48, arild@iav.no

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Lademöglichkeiten in Oslo werden knapp

Schon heute mutet ein Gang durch Oslo futuristisch an: Ladepunkte säumen die Straßen vieler Wohnviertel, und im Zentrum der Hauptstadt sind Stellflächen und Lademöglichkeiten für Elektroautos von öffentlichen Parkplätzen nicht mehr wegzudenken. Seit 2017 muss sogar ein - von der Größe her allerdings nicht näher spezifizierter - Teil der Stellflächen auf öffentlichen Parkplätzen E-Mobilen vorbehalten sein und Ladestationen haben.

Dennoch kann der Ausbau des Ladesäulennetzes vor allem in Oslo nicht mit der Entwicklung der Elektroauto-Neuzulassungen mithalten. "Jedes Jahr installieren wir 26 Prozent mehr Ladestationen, aber die Anzahl der E-Autos ist über 100 Prozent gestiegen", sagte Sture Portvik von der Osloer Stadtverwaltung gegenüber Spiegel Online. Der beachtlichen Zahl von 50.000 batteriebetriebenen Fahrzeugen und 30.000 Plug-in-Hybriden stehen dort nur 1.300 Ladepunkte gegenüber.

Deshalb soll der Ausbau von Ladestationen für Elektromobile an Wohnorten und in Parkhäusern weiter vorangetrieben werden. Da 60 Prozent der Hauptstadteinwohner in Mehrfamilienhäusern leben, drängt man Wohnungsbaugesellschaften schon dazu, die dazugehörigen Parkplätze mit Lademöglichkeiten auszustatten. Bei Neubauten in Norwegen sei der Einbau von Ladevorrichtungen schon gesetzlich vorgeschrieben, berichtet Die Welt. Die norwegische E-Auto-Vereinigung (Norsk elbilforening) hat bereits vom Kauf eines Elektroautos abgeraten, wenn keine Möglichkeit besteht, dieses zu Hause zu laden.

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Norwegen finden Sie unter: http://www.gtai.de/norwegen

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Nobil http://info.nobil.no Datenbank für Ladestationen
ITS Norway https://its-norway.no Vereinigung für öffentliche und private Unternehmen zur Förderung neuer Technologien im Transportsektor
Statens vegvesen http://www.vegvesen.no Straßenverkehrsamt
Norges vassdrags- og energidirektorat http://www.nve.no Direktion für Wasserressourcen und Energie

(S.H.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Norwegen Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Elektromobilität

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