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13.03.2018

Elektromobilität Norwegen: Über die Hälfte aller Neuwagen mit elektrischer Antriebskomponente

Starke Förderung bleibt vorerst weitgehend unangetastet / Von Heiko Steinacher (Februar 2018)

Bonn (GTAI) - Dank der großzügigen staatlichen Förderung sind Elektrofahrzeuge in Norwegen sehr beliebt. Zum einen entfallen beim Kauf von E-Mobilen die Umsatzsteuer, Zulassungsgebühren und Importabgaben. Zum anderen können Halter von Elektrofahrzeugen öffentliche Parkplätze oft kostenlos nutzen, müssen bislang keine Mautgebühren zahlen und dürfen Busspuren befahren. Das hohe Marktwachstum bei Stromern soll 2018 anhalten, auch dank neuer Modelle, die in dem Jahr auf den Markt kommen. (Kontaktadressen)

Mehr als jeder zweite Neuwagen, der 2017 in Norwegen zugelassen wurde, hatte einen Elektro- oder Hybridantrieb. Der Bestand batterieelektrischer Fahrzeuge (BEV) legte gegenüber dem Vorjahr um über 40 Prozent auf gut 140.000 zu. Reine Stromer erreichten damit in dem Königreich gut ein Fünftel Marktanteil. Plug-in-Hybride (PHEV) kamen auf etwa 18 Prozent.

Neuzulassungen von Pkw mit alternativen Antrieben (Stückzahl)
Indikator 2016 2017 Anteil an den Gesamtzulassungen 2017 (in %)
Batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) 24.222 33.025 20,8
Plug-in-Hybride (PHEV) 20.663 29.233 18,4
Hybride (HEV) 17.259 20.500 12,9
Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb insgesamt 62.144 82.758 52,1

Quelle: Norsk Elbilforening

Für 2018 erwartet die norwegische E-Auto-Vereinigung (Norsk elbilforening) ein BEV-Zulassungsplus von 20 bis 30 Prozent. Als Hauptgrund gelten Markteinführungen einer Reihe neuer Modelle, unter anderem der zweiten Generation des Nissan Leaf, Hyundai Kona, Tesla Model 3, Jaguar i-PACE, Audi e-tron quattro und möglicherweise auch Kia Niro. "140.000 BEV rollen bereits über Norwegens Straßen, bis 2020 wollen wir 400.000", sagte Christina Bu, Generalsekretärin der norwegischen E-Auto-Vereinigung, gegenüber Medien.

Ziel: Keine Neuzulassung von Diesel- und Benzinfahrzeugen ab 2025

Das klingt schon ehrgeizig, doch gehen Norwegens Pläne noch weit darüber hinaus. So hat sich das Parlament dafür ausgesprochen, ab 2025 nur noch Nullemissions-Fahrzeuge neu zuzulassen. Allerdings ist das nur eine Absichtserklärung. Als erlaubte Antriebsarten für solche Fahrzeuge werden neben Elektro- auch Wasserstoffantriebe genannt.

Für den Schwerverkehr sollen laut dem nationalen Transportplan (NTP) für die Jahre 2018 bis 2029 nicht ganz so strenge Regelungen gelten: Drei Viertel der Fernreisebusse und die Hälfte der Lkw dürften ab 2030 keine direkten CO2-Emissionen mehr verursachen. Der NTP ist ein nicht bindendes, alle vier Jahre aktualisiertes Dokument, in dem verkehrspolitische Zielsetzungen und wesentliche Infrastrukturinvestitionen benannt werden.

Der e-Golf ist das meistverkaufte Elektroauto in Norwegen

Dass BEV und Hybridmodelle in Norwegen gleichermaßen beliebt sind, zeigt ein Blick auf die Verkaufsstatistik 2017: Nur solche waren unter den Top Fünf vertreten. Drei davon waren BEV und zwei Hybride (HEV). Der begehrteste PHEV (Mitsubishi Outlander) taucht erst auf Platz sechs auf. Unter den Top Twenty waren sechs BEV sowie jeweils vier HEV und PHEV.

Rangliste der meistverkauften Elektro- und Hybridfahrzeuge (Stückzahl; Veränderung in %)
Modell 2016 2017 Veränderung 2017/2016
1. VW e-Golf 4.705 6.639 41,1
2. BMW i3 3.943 5.035 27,7
3. Toyota RAV4 (HEV) 4.806 4.821 0,3
4. Tesla Model X 1.430 4.748 332,0
5. Toyota Yaris (HEV) 4.035 4.071 1,0

Quellen: Norsk Elbilforening; Opplysningsradet for Veitrafikken (OFV)

Kassenschlager unter den Stromern ist der e-Golf von VW. Nach Angaben der norwegischen E-Auto-Vereinigung wurden dort 2017 mehr als 6.600 Stück des Models abgesetzt. Mit einem Absatz von gut 5.000 beziehungsweise 4.700 Stück erfreuten sich auch der BMW i3 und das Tesla Model X einer hohen Nachfrage. Unter den Hybridmodellen dominierten japanische Fahrzeuge: der Toyota RAV4 (über 4.800), der Toyota Yaris und der Mitsubishi Outlander (beide knapp 4.100) sowie der Toyota C-HR (gut 3.500).

E-Auto-Boom dank hoher Subventionen

Das Erfolgsrezept der Norweger liegt in einer starken staatlichen Förderung. Zum einen entfallen beim Kauf von Elektrofahrzeugen die 25-prozentige Umsatzsteuer, Zulassungsgebühren und Importabgaben. Zum anderen können Halter von E-Mobilen öffentliche Parkplätze meist kostenlos nutzen und unter bestimmten Voraussetzungen Busspuren befahren. Außerdem müssen sie bislang keine Mautgebühren zahlen. Hybridautos genießen weniger Vorteile als BEV. Für PHEV wird zum Beispiel eine Zulassungsgebühr fällig, deren Höhe vom Gewicht und dem Schadstoffausstoß des Wagens abhängt.

Das Leasen von Elektroautos und Batterien ist zumindest teilweise von der Umsatzsteuer befreit, was die Nachfrage insbesondere unter gewerblichen Kunden antreibt. Angestellte optieren immer häufiger für einen elektrischen Firmenwagen und verzichten dafür auf einen Teil ihres Gehalts. Eine Win-Win-Situation für beide Seiten: Der Mitarbeiter hat durch den privat nutzbaren Dienstwagen einen höheren Nutzen als ihm durch monetäre Verluste entgeht, und der Arbeitgeber verfügt damit über ein probates Motivationsmittel.

Darüber hinaus geht es auch ums Image: So haben sich im Herbst 2017 mehrere Unternehmen, darunter die Konzerne Veidekke und Coca-Cola sowie der Cafe- und Restaurantbetreiber Umoe und die Umweltorganisation Zero, zur Initiative Greenfleet zusammengeschlossen und verpflichtet, ab 1. April 2018 nur noch emissionsfreie neue Transportfahrzeuge zu leasen.

Obwohl die Subventionen für den Ausbau der Elektromobilität den norwegischen Fiskus alljährlich Millionensummen kosten, wird sich so schnell nichts Wesentliches an der Förderung ändern. Frühere Pläne, diese schneller auslaufen zu lassen, wurden wieder über Bord geworfen. Dasselbe Schicksal widerfuhr auch der erst im Oktober 2017 vorgeschlagenen Steuer auf besonders schwere Elektroautos ab zwei Tonnen: Die inoffiziell betitelte "Tesla-Steuer" - da von ihr vor allem Tesla-Modelle wegen ihrer großen Batteriepakete betroffen gewesen wären - wurde laut Medienberichten im Laufe der Verhandlungen zum Haushalt 2018 wieder fallengelassen.

Steuervergünstigungen vorerst gerettet

Im Zuge der langen Diskussion um die Rückführung von Vergünstigungen knickten zwischenzeitlich die Verkaufszahlen für E-Mobile ein. Dadurch wurde das Ziel, bei privaten Autos und leichten Nutzfahrzeugen ab 2025 nur noch Nullemissions-Fahrzeuge neu zuzulassen, in Frage gestellt. Das Parlament hält aber daran fest und beantragte eine Verlängerung der Förderfrist. Daraufhin hat die Überwachungsbehörde der European Free Trade Association (EFTA), die EFTA Surveillance Authority (ESA), im Dezember 2017 entschieden, dass Norwegen die Umsatzsteuerbefreiung für Stromer bis 2020 und die übrigen Steuervergünstigungen für E-Mobile bis 2022 beibehalten kann.

Darüber, ob solche Fahrzeuge weiterhin kostenlos öffentliche Ladesäulen und Busspuren benutzen können, entscheiden Städte und Gemeinden aber bereits 2018 selbst. Ferner ist im Oslopakke 3, einem übergeordneten Plan für den Ausbau und die Finanzierung von Straßen und den ÖPNV in Oslo und Akershus, vorgesehen, dass E-Mobile ab dem 1. März 2019 in den Regionen rund um die Hauptstadt Maut zahlen müssen. Mitte der 2020er-Jahre sollen Elektroautos dann in Norwegen ganz ohne staatliche Beihilfen wettbewerbsfähig sein.

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Norwegen finden Sie unter: http://www.gtai.de/norwegen

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Norsk Elbilforening https://elbil.no Norwegische E-Auto-Vereinigung
Opplysningsradet for Veitrafikken http://www.ofvas.no Automobilverband
Nationaler Transportplan (NTP) für die Jahre 2018 bis 2029 https://www.regjeringen.no/no/tema/transport-og-kommunikasjon/nasjonal-transportplan/id2475111/ Nicht bindendes, alle vier Jahre aktualisiertes Dokument, in dem verkehrspolitische Zielsetzungen und wesentliche Infrastrukturinvestitionen benannt werden
AHK Norwegen https://norwegen.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

(S.H.)

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Norwegen Elektromobilität

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‎+49 228 24 993 279

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