Suche

06.03.2019

Elektromobilität Polen: Ausbau des Ladenetzes läuft an

Zahlreiche Unternehmen geben Investitionen bekannt / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Zwar gibt es in Polen immer mehr Ladestationen. Doch im Vergleich mit anderen europäischen Ländern ist der Nachholbedarf noch groß.

Insgesamt 836 öffentliche Ladepunkte konnten Autofahrer Ende 2018 in Polen ansteuern. Nach Angaben des Europäischen Observatoriums für Alternative Kraftstoffe (EAFO) entspricht das einem Anstieg um mehr als 50 Prozent innerhalb eines Jahres. Dabei hat vor allem die Anzahl der Schnellladestationen mit einer Leistung von mehr als 22 Kilowatt deutlich zugenommen. Auf sie entfielen Ende 2018 rund 40 Prozent aller Ladepunkte.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern wartet jedoch noch viel Arbeit auf Polen. Das deutlich kleinere Tschechien beispielsweise verfügt über ähnlich viele Ladestationen. Zudem sind dort 20 Schnellladestationen pro 100 Kilometer Autobahn verfügbar - in Polen sind es 13. Deutschland kommt auf 40 Schnellladepunkte und in der Gesamtsumme auf fast 27.500 Ladestationen.

Regierung will das Netz per Gesetz ausbauen

Mit dem Elektromobilitätsgesetz von Anfang 2018 will die Regierung errreichen, dass die Ladeinfrastruktur ausgebaut wird. Bis 2020 sollen mindestens 6.000 Standardstationen und 400 Schnellladestationen in den größten polnischen Städten und Transitstraßen zur Verfügung stehen. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern müssen neue öffentliche Gebäude sowie Mehrfamilienhäuser zudem so gebaut werden, dass alle Parkplätze mit einer Ladestation von 3,7 Kilowatt ausgerüstet werden können.

"Das Elektromobilitätsgesetz unterstützt die Schaffung einer sogenannten Basisinfrastruktur. Sie wird das Laden von Elektroautos in den 32 größten Ballungsgebieten Polens ermöglichen", sagt Piotr Zaremba, Vorstandsvorsitzender des Staatsunternehmens ElectroMobility Poland.

Sanktionen für Städte, die ihre Ziele verfehlen, sind nicht vorgesehen. Sollten jedoch zu wenige Ladestationen installiert sein, werden die Betreiber der Stromverteilernetze die Lücken schließen. Neben dem Privatunternehmen Innogy sind das die vier staatlichen Betreiber PGE, Tauron, ENEA und ENERGA.

Energieversorger steigen ins Geschäft ein

Einige der Stromnetzbetreiber haben bereits Investitionen in die polnische Ladeinfrastruktur angekündigt oder getätigt. PGE, der größte der vier staatlichen Energieversorger, will bis 2020 rund 93 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung investieren. Ein Teil dieser Summe fließt in die Entwicklung und Herstellung von Ladestationen für Elektroautos und -busse. Erste Tests waren für Anfang 2019 vorgesehen. Bis 2022 plant das Unternehmen, 1.500 Ladestationen in Polen zu installieren.

Energa betrieb Ende 2018 sieben Ladestationen in Danzig. Binnen Jahresfrist sollten es 54 werden. Tauron hat im Vorfeld der Klimakonferenz der Vereinten Nationen (COP-24) 23 Ladestationen in Kattowitz installiert. Das Privatunternehmen Innogy betreibt in Warschau 11 öffentliche Ladestationen, weitere sind geplant. Zum Netzwerk des Unternehmens in Warschau zählen auch private Ladestellen. In Zusammenarbeit mit der ING Bank Slaski hat Innogy im Juli 2018 außerdem fünf Stationen im Einkaufszentrum Janki südwestlich von Warschau installiert.

Für 2019 hat Innogy den Start eines Car-Sharing-Programms für Elektrofahrzeuge in Warschau angekündigt. Die Flotte soll aus 500 BMW i3 bestehen. Für diese Fahrzeuge ist die Installation von Schnellladern vorgesehen.

Auch Autobahnen werden ausgestattet

Zu den größten Anbietern von Ladestationen in Polen zählt das slowakische Unternehmen Greenway. Ende 2018 stellte es nach eigenen Angaben 78 öffentliche Stationen und 13 Partnerstationen zur Verfügung. Ende 2017 waren es noch weniger als die Hälfte gewesen. Beim Großteil der betriebenen Stationen handelt es sich um Schnelllader. Das Unternehmen will bis Ende 2019 rund 200 Ladepunkte betreiben. Ein Teil der Ladestationen soll mit Energiespeichern ausgestattet werden, um eine konstante Ladeleistung zu gewährleisten. Zudem überlegt Greenway, in Zukunft Solarpanels einzubauen.

An der Nord-Süd-Autobahn A1 plant Greenway, 2019 zehn Ladestationen mit bis zu 350 Kilowatt Leistung und jeweils drei Anschlüssen zu installieren. Das Investitionsvorhaben beziffert Firmenchef Rafal Czyzewski auf knapp 6 Millionen Euro. 60 Prozent der Mittel kommen dabei von der Europäischen Union (EU).

Das Angebot an Ladestationen an Autobahnen will auch die Generaldirektion für Landesstraßen und Autobahnen (Generalna Dyrekcja Drog Krajowych i Autostrad; GDDKiA) erhöhen. Die Direktion vermietet im Rahmen des Pilotprojekts "Grüne Straßen" 13 Standorte für Ladestationen. Acht liegen an der Autobahn 4 zwischen Breslau und Kattowitz und fünf entlang der Schnellstraße 8 zwischen Breslau und Lodsch. An jedem der Standorte sollen zwei öffentlich zugängliche Ladesäulen für Elektrofahrzeuge installiert und betrieben werden. Angebote können bis zum 29. März 2019 eingereicht werden.

Tankstellen erweitern Angebot an Ladesäulen

Bereits seit dem 26. Oktober 2018 haben Autofahrer auf den Autobahnen 1 und 2 zwischen Warschau und Dreistadt (Danzig, Gdynia und Sopot) die Möglichkeit, ihre Elektrofahrzeuge an 12 Ladepunkten des Tankstellenbetreibers Lotos zu laden. Die im Rahmen des Programms "Blauer Weg" betriebenen Stationen nutzt das Unternehmen als Test für den Bau weiterer Ladepunkte. Bis 2020 sollen 38 weitere Ladestationen hinzukommen. Geplant ist, Stationen auch entlang westlicher und südlicher Routen zu installieren. Wie Lotos berichtet, wurden in den ersten Monaten mehr als 300 Fahrzeuge an den Stationen aufgeladen. Die EU steuert 1 Million Euro zu diesem Projekt bei.

Auch der polnische Tankstellenbetreiber Orlen ist Ende 2018 in das Geschäft mit Ladestationen eingestiegen. Auf der Strecke von Kattowitz nach Warschau hat das Unternehmen seine erste Ladestation installiert. Bis Ende 2019 sollen es 50 Stationen werden, insgesamt sind 150 vorgesehen. An jeder Station sollen Ladegeräte mit 50, 100 und 150 kW zur Verfügung stehen, die sowohl für Elektro-(EV) als auch für Hybrid (PHEV)-Fahrzeuge konzipiert wurden.

E-Autos sind noch zu teuer

Ein entscheidender Baustein beim Ausbau der Ladeinfrastruktur in Polen wird die Verbreitung von Elektrofahrzeugen im Land sein. Ende 2018 entfielen im Schnitt fünf Autos mit Elektroantrieb (BEV und PHEV) auf eine Ladestation. Zwar nehmen die Verkaufszahlen von Elektrofahrzeugen prozentual deutlich zu, in absoluten Zahlen ausgedrückt bleibt die landesweite Verbreitung jedoch gering.

Den Hauptgrund für die geringe Nachfrage nach Fahrzeugen mit Elektroantrieb sieht Krzysztof Bolesta, Vizepräsident der Stiftung zur Förderung von Elektrofahrzeugen in Polen (FPPE), nicht in der Ladeinfrastruktur, sondern darin, das die Fahrzeuge zu teuer sind.

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet.

Mehr Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/polen.

Für tagesaktuelle Informationen folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Elektromobilität

Funktionen

Regina Wippler Regina Wippler | © GTAI

Kontakt

Regina Wippler

‎+49 228 24 993 416

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche