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01.05.2018

Elektromobilität Spanien: Priorität für Ladeinfrastruktur

Zahl der öffentlich zugänglichen Ladepunkte stieg 2017 um 35 Prozent / Von Miriam Neubert (April 2018)

Madrid (GTAI) - Der Durchbruch zur strombetriebenen Mobilität ist in Spanien erreicht, wenn die Ladeinfrastruktur ausgebaut ist und überregionale Strecken beim Fahrer keinen Reichweitenstress mehr verursachen. Der zweitgrößte Flächenstaat der Europäischen Union nach Frankreich hat mit rund 5.000 Ladepunkten erst circa ein Fünftel des deutschen Infrastrukturangebots. Ermutigend ist, dass ihre Zahl schneller wächst als im EU-Durchschnitt. Dahinter stehen Förderprogramme und Unternehmensinitiativen.

Das Puzzle der spanischen Ladeinfrastruktur nimmt langsam Gestalt an. Besonders dicht ist es dort, wo auch die meisten strombetriebenen Fahrzeuge angemeldet sind - in den Metropolregionen Barcelona und Madrid. Es gilt aber noch als zu verstreut und unzureichend. Das könnte sich mittelfristig ändern, wenn die Zuwachsdynamik anhält. Dem Europäischen Observatorium für alternative Antriebe EAFO zufolge verfügte Spanien Ende 2017 insgesamt über 4.974 öffentlich zugängliche Ladepunkte. Das waren 35,4 Prozent mehr als 2016. Deutlich stärker noch nahm demzufolge die Zahl der schnelleren Stromladesäulen (über 22 Kilowatt) zu - um 82 Prozent auf 662.

Finanzielle und rechtliche Flankierung

Das Ministerium für Energie, Tourismus und Digitale Agenda hat im Januar 2018 den Plan "Movalt Infrastruktur" ausgerufen. Mit 15 Millionen Euro soll er Ladeprojekte für alternative Antriebe fördern. Es geht dabei um öffentlich nutzbare Ladestationen im Nichtwohnungsbereich (Parkplätze, Hotels, Einkaufzentren, Universitäten, Krankenhäuser, Industriegebiete, Sporteinrichtungen) und an Straßen, aber auch um privat genutzte in Unternehmen. Da die Antragsflut den Rahmen sprengte, wurde der Plan im März um weitere 5 Millionen Euro aufgestockt.

Mit Förderprogrammen warten auch Regionen auf. In Katalonien beflügelt der Strategische Plan PIRVEC den Ausbau der Ladeinfrastruktur: 2018 sind dafür 1,5 Millionen Euro vorgesehen, 2019 über 3 Millionen Euro. Mittel gibt es aber auch im Baskenland, in Valencia, Asturien oder Andalusien.

Der Ausbau wird auch rechtlich flankiert. So müssen seit 2014 neue Parkplätze und Firmengaragen pro 40 Stellplätze einen Ladeanschluss ausweisen. Weitere Impulse soll die geplante Lockerung des Gesetzes 647/2011 bringen, das die Tätigkeit der Betreiber zugänglicher Ladepunkte regelt und bisher zum Teil einschränkt, beispielsweise für Krankenhäuser oder Einkaufszentren.

Stromkonzerne mit E-Programmen

Wichtige Mitspieler sind die großen Stromkonzerne. Endesa will in die neue Sparte e-solutions samt Digitalisierung 2018 bis 2020 rund 1,4 Milliarden Euro investieren. Darunter fällt der Aufbau von rund 600 öffentlichen Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Ein Mobilitätsplan unterstützt seit 2015 interessierte Angestellte dabei, sich ein E-Auto und eine private Ladestation zuzulegen. Für alle Kunden besteht die Möglichkeit, Ladepunkte einzurichten und zu warten. Neu ist das Angebot, das Fahrzeug kostenlos aufladen zu können, sofern dies zwischen 1 und 7 Uhr morgens passiert. Iberdrola bietet seinen Kunden Ladetechnik, günstige Tarife und Strom aus grünen Quellen an und will im Rahmen seines Plans Smart Mobility bis 2021 rund 25.000 Ladepunkte installieren (16.000 in Häusern, 9.000 in Firmen).

Auch die Autoindustrie macht mobil. Tesla lockt Kunden in Spanien bereits mit über 20 Super- und 250 sogenannten Destination-Chargern. Das Joint Venture Ionity (BMW, Daimler, Ford, VW, Audi, Porsche) will mit einem geplanten Netz von leistungsstarken Stationen entlang der europäischen Hauptverkehrsachsen auch Spanien abdecken.

Wichtige Investitionsprojekte im Bereich der Lade- und Netzinfrastruktur in Spanien (Auswahl; Investitionssumme in Mio. Euro)
Akteur/Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Electrolineras Sostenibles, Netz aus 200 nachhaltigen Stromtankstellen 32,0 Umsetzung bis 2020 avisiert; Einweihung der ersten und bislang einzigen Tankstelle Mitte 2017 Nahe der Stadt Segovia steht die Pionieranlage (Solardach mit 50 kW und Netzverbindung 50 kW mit grünem Zertifikat), konzipiert von der Ingenieursgesellschaft Ingeworld; Finanzierung zum Teil über Crowdlending https://www.ecrowdinvest.com
E-Via Flex-E Programm zum Bau von 14 Schnellladestationen in drei Ländern, davon 4 in Spanien 6,9 Ankündigung Februar 2018, Umsetzung Ende 2018 Netz von Schnellladestationen (150 kW bis 350 kW) in Frankreich, Italien, Spanien; gefördert aus Connecting Europe Facility CEF; Partner in Spanien ist Ibil, https://www.ibil.es
Konsortium CIRVE, geführt von Ibil (mit EDP, Endesa, GIC, Iberdrola, Aedive, Renault, Portugals Exzellenzzentrum CEIIA) 3,5 Umsetzung 2019 bis 2020 Plant 40 interoperable Schnelladestationen (gefördert aus EU-Verkehrsprogramm TEN-T) auf der iberischen Halbinsel (25 neue und 15 Modernisierungen) http://cirveproject.com/
Iberdrola und Avia, 27 Schnellladepunkte 1,4 Ankündigung März 2018, Umsetzung 2018 Zu installieren an zentralen Avia-Tankstellen; Nutzer können per Iberdrola-App über ihre Smartphones tanken, https://www.iberdrola.es/luz/plan-vehiculo-electrico
Pamplona, 40 Ladepunkte für öffentliche Fahrzeuge und eine Schnellladestation k.A. Studienphase Finanziert mit Mitteln des EU-Projekts Stardust; soll die letzte Liefermeile emissionsfrei machen / http://www.cener.com

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Intelligente Ladetechnologien Made in Spain

Durch die Expertise bei erneuerbaren Energien und die Ingenieurskompetenz dominieren spanische Anbieter den Markt für Ladegeräte und Stromtanksäulen. Der Spezialist für Elektro- und Kontrolltechnik Ingeteam hat einen neuen universellen Schnellader vorgestellt. Die in Barcelona ansässige junge Firma Wallbox, 2017 Hauptgewinner der spanischen Startup-Messe South Summit, bietet benutzerfreundliche und schnelle Ladesysteme. Auf das Unternehmen Simon griff die neue Carsharing-Firma Zity bei der Bestellung ihrer Ladetechnik zurück. Circontrol mit Sitz in Barcelona hat auf der EVC30 in Stuttgart 2017 eine multiple, flexible Ladelösung präsentiert, bei der eine Masterstation verschiedene Unterstationen kontrolliert.

Pioniertechnik auf einer Elektrobus-Strecke hat die Hauptstadt Madrid im Januar 2018 eingeweiht. Die Busse werden induktiv und schnell (bis 100 kW) über Spulenkontakt an den Endhaltestellen aufgeladen, in Ergänzung der nächtlichen Grundladung. Hinter dem Projekt stehen die spanischen Elektroingenieurfirmen Etra und Isolux. Weitere nationale Anbieter sind Circutor, Gamesa Electrics, GH Everdrive. Unter ausländischen Anbietern finden sich ABB oder Lafon.

Strominfrastruktur gerüstet für die potenzielle Kundschaft

Spaniens Strommarkt ist durch Überkapazitäten gekennzeichnet. Netzbetreiber REE schätzt, dass das System eine Flotte von 6,5 Millionen batterieelektrischen Fahrzeugen aushalten kann, ohne neue Kapazitäten installieren zu müssen. Da die Hauptladezeit in die Nacht und damit in das Tal der Stromnachfrage fällt, gilt das Elektrofahrzeug sogar als potenzieller Verbündeter, um das Energiesystem effizienter handhaben und die erneuerbaren Quellen besser integrieren zu können. Langfristig könnten Elektroautos durch die Fahrzeugeinspeisung (Vehicle-to-grid) sogar helfen, Spitzenlastzeiten zu überbrücken. Dazu wurde im Januar 2017 das Kontrollzentrum für Elektrofahrzeuge CECOVEL ins Leben gerufen.

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu Spanien finden Sie unter: http://www.gtai.de/Spanien

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministerio de Energía, Turismo y Agenda Digital http://www.minetad.gob.es Ministerium für Energie, Tourismus und Digitale Agenda
Red Eléctrica Española http://www.ree.es Stromnetzbetreiber
Comisión Nacional de los Mercados y la Competencia CNMC http://www.cnmc.es Die Nationale Wettbewerbsbehörde listet die Betreiber von Ladestationen
Asociación Empresarial para el Desarrollo e Impulso del Vehículo Eléctrico AEDIVE http://www.aedive.es Unternehmensverband für Entwicklung elektrischer Fahrzeuge
Electromaps https://www.electromaps.com Interaktive Nutzerplattform für die Elektro-Community

Dieser Artikel ist relevant für:

Spanien Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Elektromobilität

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