Suche

13.03.2018

Elektromobilität USA: Ottomotor nur schwer zu verbannen

Skaleneffekte krempeln Markt frühestens 2022 um / Von Ullrich Umann (Februar 2018)

Berlin (GTAI) - Für Autofahrer im Flächenland USA ist Reichweite immens wichtig. E-Fahrzeuge schneiden hierbei unterdurchschnittlich ab. Darüber hinaus sind fossile Treibstoffe in den USA billig. Dies erklärt, warum Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bevorzugt gekauft werden. Wenn überhaupt, dann punkten Hybridmodelle als Kompromiss. Dank sinkender Akkumulatorenpreise ist mittelfristig aber auch für batteriebetriebene Modelle mit einem Verkaufsdurchbruch zu rechnen.

Auf der letzten "North American International Auto Show" in Detroit im Januar 2018 lag das Publikumsinteresse bei Neuvorstellungen mit Verbrennungsmotor. Batterieelektrische Modelle (BEV) waren zwar ausgestellt, doch mit Bedacht nicht in vorderster Reihe. Für Hybridfahrzeuge, die sowohl einen Elektro- als auch einen Verbrennungsmotor an Bord führen, erweist sich der US-Markt bislang als geeigneter. Und das schon seit vor gut acht Jahren die dritte Generation des Toyota Prius den Hybrid-Hype auslöste.

Hybridtechnik gangbarer Kompromiss

Hybride haben den Vorteil, einen wesentlich kleineren Normverbrauch aufzuweisen, als Benziner. Dadurch können sich ihre Besitzer als umweltbewusst präsentieren. Kurze Wege, in der Regel Stadtfahrten, werden oft komplett elektrisch erledigt. Reicht die Akkuleistung für längere Strecken nicht aus, wird ein Verbrennungsmotor zugeschaltet. An den Gesamtfahrzeugverkäufen hatten Hybridmodelle 2017 einen Anteil von 2,1 Prozent. Ausschließlich batteriegetriebene Modelle brachten es laut Wards Auto auf 0,6 Prozent.

Toyota fährt mit seinem auch als Plug-in angebotenen Hybridmodell Prius seit Jahren einen Absatzrekord nach dem anderen ein. Inzwischen verkauft der japanische Autobauer unter seinen Marken Toyota und Lexus in den USA jährlich über 200.000 Hybride (HEV) und knapp 21.000 Plug-in-Hybride (PHEV), was einem Marktanteil von 60 beziehungsweise 24 Prozent entspricht.

Von den Verkaufszahlen her folgten 2017 Ford/Lincoln mit annähernd 91.500 sowie Hyundai/Kia mit über 50.000 Hybridfahrzeugen. Toyota hat es bis heute nicht für notwendig erachtet, ein reines Elektromodell vorzustellen. Nach Aussagen von Konzernchef Akio Toyoda soll sich das zwar ändern, jedoch nur geringfügig. Hybride bleiben Toyotas Schwerpunkt bis mindestens 2030.

Verbrennungsmotoren beliebt

Autokäufer, insbesondere Flottenmanager, bevorzugen kurz- bis mittelfristig Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Nicht nur wegen ihrer höheren Reichweite. Auch die Anschaffungskosten liegen aktuell noch unter denen von Fahrzeugen derselben Klasse mit elektrischem Antrieb.

Rangliste der meistverkauften Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb (Stückzahlen; Veränderung in %)
Modell 2016 2017 Veränderung 2017/2016
Toyota Prius IV (HEV) 98.863 65.631 -33,6
Toyota RAV4 (HEV) 45.070 50.559 12,2
Ford Fusion Hybrid (HEV) 33.648 57.474 70,8
Kia Niro Hybrid (HEV) 0 27.237 k.A.
Tesla Model S (BEV) 29.156 26.500 -9,1
Chevrolet Bolt EV (BEV) 579 23.297 3.923,7
Honda Accord Hybrid (HEV) 9.179 22.008 139,8
Tesla Model X (BEV) 18.028 21.700 20,4
Toyota Camry Hybrid (HEV) 22.227 20.985 -5,6
Toyota Prius Prime (PHEV) 2.477 20.936 745,2
Chevrolet Volt (PHEV) 24.739 20.349 -17,7

Quellen: December 2017 Dashboard, Hybridcars.com

Für die Verkaufspreise ist dennoch eine Trendwende in Sicht. Aufgrund von Skaleneffekten bei der Massenfertigung von Elektrofahrzeugen, insbesondere bei der Produktion von Akkumulatoren, sinken deren Herstellungskosten. Von 2010 bis Ende 2017 hatten die Preise von Lithium-Ionen-Akkus um 73 Prozent nachgegeben. Verbrennungsmotoren werden dagegen teurer, weil sie mit zusätzlicher Technik zur Abgasreinigung ausgerüstet werden, um sich verschärfende Umweltauflagen zu erfüllen.

Skaleneffekte krempeln den Markt um

Spätestens ab 2022 sollen Händler Elektrofahrzeuge günstiger als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor anbieten können. Das Zeitfenster für günstigere Preise auf Benziner und Dieselantriebe beginnt sich zu schließen. Mit anderen Worten: Mittelfristig wird der Verbrennungsmotor den US-Automarkt zwar dominieren, doch nimmt seine Bedeutung langfristig ab.

Bisher feierten Elektro- und Hybridfahrzeuge die größten Verkaufserfolge in den westlichen Bundesstaaten Kalifornien und Washington. Dort sind von jeweils 1.000 zugelassenen Fahrzeugen mehr als 3 solche mit alternativen Antrieben. Auf den Plätzen folgen Oregon, Georgia und Maryland mit durchschnittlich 2 bis 3 von 1.000 Zulassungen. In weiteren 13 Bundesstaaten haben die alternativen Antriebe einen Anteil von 1 bis 2 von 1.000 Neuanmeldungen. In den anderen 32 Bundesstaaten liegt die Quote bei unter 1 von 1.000.

Bestand an Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben (in Stück)
Indikator 2016 2017 Anteil am Gesamtbestand 2017 (in %) *)
Batteriebetriebene Fahrzeuge
.mit bis zu 160 km Reichweite 194.216 223.644 4,9
.mit bis zu 320 km Reichweite 75.135 8.919 0,2
.mit bis zu 480 km Reichweite 2.986 13.995 0,3
Hybride
.Plug-in PHEV-10 Hybrid 147.764 166.914 3,7
.Plug-in PHEV-40 Hybrid 127.634 172.777 3,9
.Elektro-Benzin Hybrid 3.573.920 3.900.473 86,9
Fahrzeuge mit elektrischem Antrieb insgesamt 4.121.655 4.486.722 100,0

*) Abweichung durch Rundungen

Quelle: U.S. Energy Information Administration (EIA), 2018

Umweltauflagen beeinflussen Verkaufszahlen

Als Gründe für die regionalen Unterschiede werden unter anderem die nach Bundesstaaten differenzierten Umweltgesetzgebungen gesehen. Dazu gehören unterschiedlich strenge Emissionsauflagen für Verbrennungsmotoren. Je schärfer die Umweltauflagen ausfallen und je höher das durch Informationskampagnen geweckte Umweltbewusstsein der Bevölkerung, desto mehr Elektro- und Hybridmodelle werden nachgefragt und in den Autohäusern ausgestellt. Ein unmittelbarer Zusammenhang ist deutlich erkennbar.

So stehen in Kalifornien wesentlich mehr Elektrofahrzeuge und Hybride in den Verkaufsräumen als in anderen Bundesstaaten. Dementsprechend r ist dort auch die Ladeinfrastruktur besser ausgebaut.

Einen weiteren Grund stellt die nach Bundesstaaten unterschiedlich hohe Absatzförderung für alternativ angetriebene Fahrzeuge dar. Sichtbar wurde das unter anderem in Georgia. Dieser Bundesstaat verzeichnete 2014 einen kometenhaften Anstieg der Verkäufe von Fahrzeugen mit alternativen Antrieben.

Gemäß dem damaligen Programm "Plug-in Georgia" konnten Kunden bis zu 12.500 US-Dollar vom Kaufpreis steuermindernd geltend machen. Als das Programm 2015 auslief, fielen die Verkaufszahlen wieder auf das Niveau von vor der Einführung der Förderung.

Interesse soll sprunghaft steigen

Generell weisen die Absatzprognosen für den reinen Elektroantrieb in den USA in allen Fahrzeugklassen nach oben. Bei den Pkw soll das Wachstum bis 2025 auffallend schnell bei den drei deutschen Konzernen BMW, Mercedes und VW ausfallen, zudem bei Volvo. Dagegen dürfte der reine Elektroanteil an allen Antriebsarten bei den Wettbewerbern aus Asien in einem gemächlicheren Tempo steigen. Diese Hersteller konzentrieren sich in ihren Wachstumsstrategien stärker auf die Entwicklung von Hybridantrieben.

Prognose zum Absatz von Elektrofahrzeugen (ohne Hybrid) in den USA nach Hersteller (Anteile in %)
Hersteller Anteil von Elektrofahrzeugen am firmeneigenen Absatz 2016 Prognostizierter Anteil von Elektrofahrzeugen am firmeneigenen Absatz 2025 Prognostizierter Absatz von Elektrofahrzeugen 2025 in Stückzahlen
BMW 4,4 20 74.000
Mercedes 0,6 20 76.000
Tesla 100 100 200.000
VW 1,9 20 150.000
Volvo 2,4 20 16.000
Fiat-Chrysler 0,2 5 110.000
Ford 1 7 182.000
GM 0,9 5 150.000
Honda 0 3 45.000
Hyundai-Kia 0,3 5 70.000
Nissan 0,9 6 105.000
Toyota 0,1 2 48.000
Gesamt - 7,4 1.226.000

Quelle: Edison Electric Institute, 2018

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in den USA finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-usa

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu den USA finden Sie unter: http://www.gtai.de/usa

(U.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Elektromobilität

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche