Suche

13.03.2018

Elektromobilität USA: Planungen laufen auf Hochbetrieb

Industrie bereitet Massenproduktion von Elektrofahrzeugen vor / Von Ullrich Umann (Februar 2018)

Berlin (GTAI) - Sämtliche US-Autohersteller investieren in die Entwicklung und Produktion von Elektro- und Hybridfahrzeugen. Der Markt ist zwar noch nicht reif, zumindest vorerst nicht, denn batteriebetriebene Fahrzeuge halten eine Absatzquote von 0,6 und Hybride von 2,1 Prozent. Doch fließen Milliarden US-Dollar in die Entwicklung neuer Antriebsarten, insbesondere für Elektro- und Hybridfahrzeuge. (Kontaktadressen)

Die US-Autobauer reagieren mit den hohen Investitionen auf die Ankündigung der VR China, im geringeren Maße aber auch einiger europäischer Staaten, Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in wenigen Jahren nicht mehr zuzulassen. Da allein 30 Prozent der Weltproduktion von Kfz in China abgesetzt wird, kann es sich kein Hersteller leisten, dort ins technologische Hintertreffen zu geraten.

Für zusätzlichen Anpassungsdruck sorgen Veränderungen in den USA selbst. Einige US-Bundesstaaten verschärfen ihre Emissionsschutzbestimmungen. Zudem steigt in der Mittelschicht das Umweltbewusstsein und damit das Interesse an emissionsarmer oder gar emissionsfreier Mobilität. Obendrein wird der Kauf von Elektro- und Hybridfahrzeugen steuerlich gefördert. Zwar behält der Verbrennungsmotor in den USA mittelfristig seine dominante Stellung. Doch wurde das Zeitalter umweltfreundlicher Antriebe längst eingeläutet.

Angebot an Elektrofahrzeugen steigt

Sämtliche US-Autohersteller kündigten für die kommenden zwei bis vier Jahre eine Erweiterung ihrer Palette an Elektro- und Hybridmodellen an. Als Vorreiter positionierte sich medienwirksam die Firma Tesla. Galten Tesla-Fahrzeuge bislang als teuer und elitär, soll mit dem kürzlich vorgestellten Model 3 der Sprung auf den Massenmarkt für Pkw geschafft werden. Noch stockt das Vorhaben. Die geplanten Stückzahlen im Werk Fremont, Kalifornien, werden nicht erreicht. Insbesondere die Akkutechnik bereitet Probleme. Nach Unternehmensangaben hat Tesla 2017 insgesamt 76.000 Elektrofahrzeuge gebaut. Im Jahr 2018 sollen es den Plänen nach 100.000 werden, bei weltweit 455.000 Bestellungen.

Tesla kann auf einen zeitlichen Entwicklungsvorsprung setzen. Bislang verfügt der Hersteller, so das allgemeine Urteil, über die beste Batterietechnik, eine Elektronik, die das Maximum aus den Akkus herausholt und darüber hinaus über ein vorerst konkurrenzlos ausgebautes Schnellladenetz in den USA. Allein für das Model 3 flossen 4,2 Milliarden US-Dollar (US$; etwa 3,4 Mrd. Euro; 1 Euro = 1,2464 US$; Stand: 16.2.18) an Entwicklungskosten. Inzwischen schmilzt der Vorsprung zusammen und die Konkurrenz holt auf. Zudem zeigen sich bei Tesla Nachteile, die aus Kapazitätsgrenzen und geringen Erfahrungen bei der Massenproduktion herrühren.

Tesla und GM kämpfen um Massenmarkt

Der Wettbewerber General Motors (GM) wildert bereits mit seinem Chevrolet Bolt im Marktsegment des Tesla Model 3. Und auf Grundlage des Bolt sollen in kurzen Intervallen zwei weitere Modelle folgen. Bis 2022 will GM insgesamt bis zu 20 batteriebetriebene Fahrzeugmodelle in den Verkaufssalons präsentieren. Und da GM nach eigenen Angaben das Werk in Orion, Michigan, bei Bedarf recht zügig zur Produktion von Elektromobilen weiter umrüsten kann, dürften Tesla keine leichten Zeiten bevorstehen.

Bei Ford arbeitet das sogenannte Team Edison an der Elektrozukunft. Um das Thema in der Breite anzugehen, werden Partnerschaften geschlossen und Allianzen geschmiedet. Richtiges Geld will Ford mit dem Modell E verdienen, das im Werk Wayne, Michigan, montiert und ab 2020 in den Verkaufsräumen stehen soll. Produziert werden bereits der Ford Focus Electric, der Ford C-Max Energi sowie der Ford Fusion Energi.

Der dritte US-Konzern Fiat Chrysler Automobiles (FCA) produziert seinen Minivan Chrysler Pacifica auch als Plug-in-Hybrid-Variante in den Werken Auburn Hills, Michigan, und Charlotte, North Carolina. Aktuell wird die Produktion auf ein verbessertes Nachfolgemodell umgestellt. Unter der Konzernmarke Fiat ging auch der 500e an den Verkaufsstart. Generell hält sich der Konzern beim Thema e-Mobility aber zurück.

Deutsche Elektroautos "made in USA"

Elektrofahrzeuge produziert in den USA seit jüngstem auch Nissan, und zwar im Werk Smyrna, Tennessee. Die jährliche Stückzahl des Nissan Leaf II soll einmal bei 40.000 bis 60.000 liegen. Damit hat sich die Anzahl der Produktionsstandorte für reine Elektrofahrzeuge in den Vereinigten Staaten neben Wayne (Ford), Orion (General Motors) und Fremont (Tesla) auf vier erhöht. Für die nahe Zukunft kündigte Ford an, einen batteriegetriebenen Crossover statt in Mexiko in Wayne montieren zu wollen, womit die USA als Standort für die Montage von Elektrofahrzeugen an Bedeutung noch hinzugewinnen.

Volkswagen möchte zudem das Modell I.D. Crozz in den USA bauen, ohne bislang einen konkreten Standort zu nennen. Experten wollen dafür im VW-Werk Chattanooga, Tennessee, freie Kapazitäten ausgemacht haben. Eine Bestätigung steht allerdings noch aus. Mercedes wiederum wird im Werk Tuscaloosa, Alabama, einen batteriegetriebenen SUV von den Bändern rollen lassen, nannte aber noch kein konkretes Datum für den Produktionsstart.

Wichtige Investitionsprojekte in der Kfz-Industrie im Bereich Elektromobilität in den USA (Auswahl; Investitionssumme in Mrd. Euro)
Akteur/Projekt Investitionssumme Projektstand Anmerkungen
Volkswagen 32,9 Planung Angebotserweiterung bei E-Modellen bis 2022; Verkaufsstart des Modells I.D. Crozz SUV bis 2020
Ford 8,8 Planung Vorstellung von 16 batterieelektrischen Modellen und 24 Plug-in-Hybriden bis 2022
Nissan -Infiniti k.A. Planung Angebot aller ab 2021 vorgestellten Infiniti-Modelle auch mit einem elektrifizierten Antriebsstrang
General Motors k.A. Planung Vorstellung 20 batterieelektrischer Modelle bis 2023
Lyft und nuTonomy (ein aus dem MIT ausgegründetes Startup) 0,02 Planung Einsatz fahrerloser Fahrzeuge auf Bostons Straßen
Honda k.A. Planung Entwicklung von Fahrzeugen mit Elektroantrieb, Brennstoffzellenantrieb, Hybride und Plug-in Hybride; angestrebter Verkaufsanteil bis 2030: über 60%
Ford Motors und Start-up Argo AI 0,8 Umsetzung Entwicklung künstlicher Intelligenz zur Steuerung fahrerloser Fahrzeuge
Mercedes Benz 0,8 Planung Produktion elektrischer SUV im Werk Tuscaloosa, Alabama

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Mehr zum Kraftfahrzeugmarkt in den USA finden Sie in unserer Reihe "Branche kompakt Kfz-Industrie" unter: http://www.gtai.de/brk-kfz-usa

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu den USA finden Sie unter: http://www.gtai.de/usa

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/usa Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK USA http://www.ahk-usa.com Anlaufstelle für deutsche Unternehmen in den USA

(U.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektromobilität

Funktionen

Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche