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13.03.2018

Elektromobilität USA: Zahl der Ladestationen steigt

Größte Privatinvestoren sind VW, Tesla, BMW und Nissan / Von Ullrich Umann (Februar 2018)

Berlin (GTAI) - In den USA sind Ladestationen für Elektrofahrzeuge regional äußerst ungleich verteilt. An der Westküste, entlang von Highways und in Großstädten ist die Dichte am höchsten. Staat und Privatwirtschaft kooperieren beim Ausbau. Zu den künftigen Herausforderungen gehört die Vereinheitlichung von Normen und Standards. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass neue Technologien zum Schnellladen entwickelt werden. (Kontaktadressen)

Eine der bekanntesten Initiativen ist die "West Coast Electric Highway", zu der sich die Bundesstaaten Washington, Oregon und Kalifornien zusammengeschlossen haben. Im Ergebnis befinden sich hier alle 40 bis 80 Kilometer Ladestationen für batterieelektrische Autos (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV). Die Finanzierung dieser "elektrischen Autobahn" erfolgt aus unterschiedlichen privaten und öffentlichen Quellen.

Auch der Elektromobilitäts-Vorreiter Tesla hat an 375 Orten ein Netz aus 2.478 Ladestationen errichtet. Zwischen den Stationen sind Distanzen von durchschnittlich 100 Kilometern zu überwinden. Die Zahl der Stationen möchte Tesla mittelfristig verdoppeln. Neben dem Marketingeffekt sollen die Ladestation noch Unentschlossenen Mut machen, es doch einmal mit einem Elektrofahrzeug des Herstellers zu versuchen.

Ladestationen mit unterschiedlichen Standards

Halter eines Tesla können diese Ladesäulen uneingeschränkt nutzen, da sie über die notwendigen Steckverbindungen verfügen. Wenn es sich um sogenannte "Supercharger" (145 Kilowatt) zum Schnellladen handelt, reicht die Ladedauer von etwa 40 Minuten aus, um nebenbei eine Mahlzeit einzunehmen. Mit der Schnellladetechnologie kann der Akku in dieser Zeit auf einen Ladestand von 80 Prozent gebracht werden. Sein weltweites Netz von derzeit 1.000 Stationen will Tesla auf 10.000 ausweiten.

Infrastruktur landesweit sehr unterschiedlich

Nach Angaben des U.S. Department of Energy (DoE) existieren landesweit circa 16.000 öffentliche und 3.000 private Ladesäulen, die sich äußerst ungleich auf die verschiedenen US-Bundesstaaten verteilen (siehe Tabelle). Im Vergleich zu 2010, als es nur wenige hundert Ladestationen gab, bedeutet die aktuelle Zahl einen Quantensprung nach vorn. Dennoch kann der Ist-Stand nicht befriedigen, zumal Haltern von Benzin- und Dieselfahrzeugen 112.000 Tankstellen mit jeweils 4 bis 30 Zapfsäulen zur Verfügung stehen.

Anzahl öffentlicher und privater Ladestationen für Elektrofahrzeuge (Stand: Januar 2018)
Bundesstaat Anzahl
Kalifornien 4.666
Florida 1.115
Texas 1.070
New York 960
Washington 801
Georgia 692
North Carolina 604
Massachusetts 581
Colorado 561
Oregon 561
Michigan 552
Maryland 542
Illinois 541
Virginia 469
Tennessee 445
Arizona 431
Pennsylvania 383
Missouri 379
Ohio 378
Connecticut 357
Minnesota 296
Wisconsin 282
Hawaii 275
New Jersey 265
South Carolina 247
Nevada 228
Indiana 199
Kansas 194
Vermont 173
Alabama 146
Utah 146
Maine 129
Iowa 115
New Hampshire 100
District of Columbia 96
Kentucky 95
Louisiana 88
Rhode Island 84
Idaho 76
West Virginia 69
Nebraska 64
Arkansas 62
New Mexico 62
Oklahoma 60
Mississippi 57
Wyoming 38
Delaware 36
Montana 33
South Dakota 26
North Dakota 13
Alaska 8

Quelle: U.S. Department of Energy

Aus privaten Mitteln ist Hilfe im Anmarsch. Der Volkswagen-Konzern hatte sich zum Abtragen seiner Dieselaffäre verpflichtet, im Laufe von zehn Jahren 2 Milliarden US-Dollar (US$; etwa 1,6 Mrd. Euro; 1 Euro = 1,2464 US$; Stand: 16.2.18) in den Ausbau von Ladenetzen zu stecken sowie Bildungsprogramme zu finanzieren. Allein in Kalifornien will VW 800 Millionen US$ (642 Mio. Euro) in Ladestationen investieren.

VW gehört zu den Vorreitern beim Netzausbau

Die eigens für die VW-Initiative gegründete Projektfirma Electrify America nutzt einen Teil der Gelder, um bis Mitte 2019 circa 2.800 Level-2-Schnelladesäulen in 17 Städten aufzustellen. Weitere 2.000 Level-3-Stationen werden folgen, so die Vereinbarung mit VW.

Entlang von Highways in 39 US-Bundesstaaten stellt Electrify America weitere 300 Schnellladestationen auf. An den Stationen können vier bis zehn Fahrzeuge parallel aufgeladen werden. Da Anschlüsse gemäß den Standards CHAdeMO und SAE Combo (CCS) mit 150 bis 350 Kilowatt vorhanden sein werden, kann de facto fast jedes heute erhältliche Elektroauto bedient werden.

Die Automobilfirmen BMW und Nissan sowie das Unternehmen EVgo haben gemeinsam ein Netz aus 224 Ladestationen in 33 Bundesstaaten errichtet. EVgo betreibt damit insgesamt schon 670 Stationen. Nissan will in einem künftigen Projekt die Strecke zwischen Boston und Washington, D.C. mit Ladestationen bestücken.

Ausbau entlang der Highways fortgeschritten

Das DoE erklärte schon vor Jahren die wichtigsten Highways zu Korridoren für alternative Antriebe. Darunter befinden sich 48 Korridore mit Ladestationen für Elektrofahrzeuge. Auf Grundlage des DoE-Handlungsplans wurden zwischen verschiedenen Regionalverwaltungen und privaten Investoren Initiativen angeregt und eine entsprechende Ausschilderung angefertigt.

Zu den neuesten Projekten des DoE gehören 95 Schnellladestationen entlang der wichtigsten Highways, mit denen das Fernreisen durch die USA mit akkubetriebenen Fahrzeugen technisch möglich wäre. In der Breite fehlen dann allerdings noch 408 Stationen in 100 städtischen Gebieten und deren Umland, so eine Analyse des DoE aus dem Jahr 2017.

Sehr gute Infrastruktur an der Westküste

Die California Energy Commission schätzt, dass allein in diesem Bundesstaat weitere 225 Ladestationen aufgestellt werden müssten, um hypothetisch angenommene 1 Million Elektrofahrzeuge auf mittlere Sicht ausreichend und mit angemessen kurzen Wartezeiten an den Ladesäulen mit elektrischem Strom versorgen zu können.

Zu den Unwägbarkeiten für die Ladenetze gehören technische Neuerungen in der Akkutechnik, die künftig zu noch mehr abweichenden Technologien, Normen und Standards für das Aufladen führen könnte. Unter anderem werden die im Vergleich zum herkömmlichen Tanken längeren Ladezeiten für Akkus gegenwärtig als ein Nachteil betrachtet.

Die Industrie arbeitet genau aus diesem Grund unter Hochdruck an Schnellladetechniken. Sind neue serienreife Lösungen gefunden, dürfte das zum Teil erhebliche Modifizierungen an den Ladestationen und größere Nachfolgeinvestitionen nach sich ziehen.

Wichtige Investitionsprojekte im Bereich der Lade- und Netzinfrastruktur in den USA (Auswahl)
Akteur/Projekt Projektstand Anmerkungen
VW Planung Aufstellung von 2.800 Ladesäulen in 17 Städten als Teil eines "Clean Car Infrastructure Investment"; Investitionssumme: 1,6 Mrd. Euro
City of San Francisco Verordnung EV Readiness Ordinance, Aufstellung von Ladestationen in neu zu bauenden und zu renovierenden Gebäuden sowie auf Parkplätzen

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

Mehr zu Entwicklungen auf den globalen Märkten für Elektrostraßenfahrzeuge finden Sie unter: http://www.gtai.de/elektromobilitaet

Mehr zu den USA finden Sie unter: http://www.gtai.de/usa

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/usa Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft
AHK USA http://www.ahk-usa.com Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
U.S. Department of Energy http://www.energy.gov Regierungsressort für Energiepolitik, plant und kontrolliert Ausbau des Ladenetzes für Elektromobile auf oberster Ebene
California Energy Commission http://www.energy.ca.gov Ressort für Energiepolitik in Kalifornien, plant und kontrolliert Ausbau des Ladenetzes für Elektromobile in diesem Bundesstaat

(U.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

USA Stromerzeugungs- und -verteilungstechnik, Elektromobilität

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Kontakt

Robert Matschoß

‎+49 228 24 993 244

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