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05.10.2016

Energieabhängigkeit der EU-Staaten variiert stark

Energieverbrauch übersteigt die Energieproduktion trotz Einsparungen / Russland bleibt Hauptlieferland / Von Marlene Bukowski

Bonn (GTAI) - Der Energiekonsum der Staaten der Europäischen Union wird zu mehr als 50% durch Einfuhren gedeckt. Dabei ist dieser 2014 im Vergleich zum Vorjahr um 3,65% gesunken. Der Energieimportabhängigkeitsgrad der einzelnen Länder unterscheidet sich deutlich. 14 EU-Länder waren 2014 hauptsächlich auf Importe angewiesen, die anderen Staaten wiesen eine Energieabhängigkeitsquote unter 50% auf. Russland ist weiterhin wichtigster Zulieferer für Energieträger. (Internetadressen)

Die 28 Mitgliedstaaten der Europäischen Union (EU) verbrauchen mehr Energie als sie selbst produzieren. Im Jahr 2014 wurden laut Eurostat 770,7 Mio. Tonnen Rohöleinheiten (tons of oil equivalent, toe) Primärenergie von den EU-Ländern erzeugt. Daran hatte Frankreich den größten Anteil mit 17,6% der produzierten Gesamtmenge der EU-28, gefolgt von Deutschland (15,6%) und dem Vereinigten Königreich (14,0%).

Die Energieerzeugung in der EU geht seit 2010 kontinuierlich zurück und verringerte sich von 2013 auf 2014 um rund 2,5%. Gleichzeitig konsumierten die Mitgliedsländer im Jahr 2014 insgesamt 1.605,9 Mio. toe (Bruttoenergieverbrauch im Inland). Im Zehn-Jahres-Vergleich sank der Verbrauch um rund 12%.

MKT201610048008.14

Trotz eines seit 2010 durchschnittlich sinkenden Energiekonsums ist die EU auf Importe angewiesen. Die Energieimportabhängigkeit der EU-Länder beläuft sich seit 2004 stets auf über 50%. Im Jahr 2014 wurden 53,5% der benötigen Brenn- und Kraftstoffe eingeführt. Dieser Wert lag etwas über dem Vorjahresniveau (53,1%). Im Zeitraum 2005 bis 2014 stieg die Abhängigkeit von Energieeinfuhren um rund 2,5%.

Energieabhängigkeit der EU (in %)
2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
52,2 53,6 52,8 54,5 53,5 52,6 54,0 53,4 53,1 53,5

Quelle: Eurostat

Der Grad der Energieabhängigkeit variierte stark zwischen den einzelnen EU-Staaten. Bei 14 Ländern belief sich die Energieabhängigkeitsquote im Jahr 2014 auf über 50%. Fast vollständig auf Importe angewiesen waren Malta (97,7%), Luxemburg (96,6%), und Zypern (93,4%), gefolgt von Irland (85,3%), Belgien (80,1%) und Litauen (77,9%). Estland, Dänemark und Rumänien dagegen waren am wenigsten von Energieeinfuhren abhängig. Ihre Werte lagen deutlich unter dem EU-Durchschnitt und beliefen sich entsprechend auf 8,9, 12,8 und 17,0%. Mit 313 Mio. toe verbrauchte Deutschland die größte Menge an Energie innerhalb der EU-28 und belegte mit einer Energieabhängigkeitsquote von 61,6% einen Mittelplatz.

Verglichen mit dem Vorjahr konnten 2014 17 EU-Länder ihre Abhängigkeit von Energielieferungen senken. Am stärksten fiel die Reduzierung bei Lettland aus (um etwa 15 auf 40,6%), gefolgt von Malta (um 6,5%) sowie Irland (um 4%). Deutschland schaffte eine Minderung der Importquote um 1%. Dagegen stieg die Energieimportabhängigkeit insbesondere in Ungarn an. Lag diese 2013 bei 52%, wurde 2014 ein rund 10% höherer Wert verzeichnet.

Energieproduktion, -verbrauch und -abhängigkeit in der EU-28 (Stand: 2014)
Bruttoenergiever- brauch im Inland (in Mio. toe) Produktion von Primärenergie (in Mio. toe) Energieabhängig-keit (Anteil der Importe in %) *) Rang innerhalb der EU bei der Energie-abhängigkeit
EU-28 1.605,9 770,7 53,5
Belgien 53,4 12,2 80,1 24
Bulgarien 17,7 11,3 34,5 8
Dänemark 16,9 15,8 12,8 2
Deutschland 313,0 119,9 61,6 16
Estland 6,7 5,8 8,9 1
Finnland 34,6 18,1 48,8 14
Frankreich 248,5 135,9 46,1 13
Griechenland 24,4 8,8 66,2 19
Irland 13,6 2,0 85,3 25
Italien 151,0 36,8 75,9 22
Kroatien 8,2 4,4 43,8 10
Lettland 4,5 2,4 40,6 9
Litauen 6,7 1,5 77,9 23
Luxemburg 4,2 0,2 96,6 27
Malta 0,9 0,0 97,7 28
Niederlande 76,8 58,4 33,8 7
Österreich 32,7 12,1 65,9 18
Polen 94,3 66,9 28,6 4
Portugal 22,1 6,0 71,6 20
Rumänien 32,3 26,6 17 3
Schweden 48,2 34,1 32,1 6
Slowakei 16,2 6,3 60,9 15
Slowenien 6,7 3,7 44,6 11
Spanien 116,7 34,9 72,9 21
Tschechische Republik 41,5 29,1 30,4 5
Ungarn 22,8 10,0 61,7 17
Vereinigtes Königreich 189,3 107,6 45,5 12
Zypern 2,2 0,1 93,4 26

*) Anteil der Nettoimporte am Bruttoinlandsenergieverbrauch

Quelle: Eurostat

Russland bleibt wichtigster Zulieferer

Zu den Hauptlieferanten fossiler Energieträger an die EU-28 gehörte 2014, wie auch im Vorjahr, Russland. Dessen Lieferanteile beliefen sich auf 37,5% bei Erdgas, 30,4% bei Rohöl und 29,0% bei festen Brennstoffen. Rang Zwei belegte Norwegen, das 31,6% des benötigten Erdgases und 13,1% des Rohöls lieferte. Bei den Einfuhren der EU von festen Brennstoffen lag allerdings Kolumbien auf Platz Zwei (Anteil von 21,2%), gefolgt von den USA (20,5%).

Die Primärenergieerzeugung in der EU-28 erfolgt aus verschiedenen Energiequellen. Von der im Jahr 2014 produzierten Primärenergie entfielen 29,4% auf Kernkraft (2013: 28,7%), 25,5% auf erneuerbare Energien (24,3%), 19,4% auf feste Brennstoffe (19,7%), 15,2% auf Erdgas (16,7%) und 9,1% auf Rohöl.

Internetadressen:

Eurostat

Internet: http://ec.europa.eu/eurostat

Eurostat-Energiequellen

Internet: http://ec.europa.eu/eurostat/web/energy/data/main-tables

(MBU)

Dieser Artikel ist relevant für:

Russland, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Irland, Italien, Kroatien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Vereinigtes Königreich, Zypern, EU Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Import

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