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07.06.2017

Energiespeicher sind in Italien ein Wachstumsmarkt:

Investitionen steigen / Preise noch zu hoch / Von Robert Scheid

Mailand (GTAI) - Italien setzt auf Energiespeichersysteme. Die Systeme werden für das Energienetzmanagement gebraucht, aber auch Hauseigentümer mit Fotovoltaik-Dachanlagen gehören zu den Käufern. Der Trend geht hin zu Batteriespeichern. Noch aber ist die Technologie zu teuer, um rentabel zu sein. Dennoch: Die Nachfrage steigt, während die Preise sinken.

Italien gehört beim Thema Wind- und Fotovoltaikanlagen zu den Vorreitern in Europa: Anfang 2017 summierte sich die Öko-Stromerzeugungskapazität auf mehr als 51.000 MW. Damit rangiert das Land hinter Deutschland und vor Spanien auf Platz 2 in Europa. Der rasche Ausbau der erneuerbaren Energien hat dazu beigetragen, dass Italien Teile der europäischen Klimaschutzziele erreicht hat. Bereits im Jahr 2015 basierten 40,5% der italienischen Stromproduktion auf erneuerbaren Quellen und deckten damit 35% der Stromnachfrage des Landes.

Vor diesem Hintergrund wächst der Bedarf an Energiespeichersystemen. Die schwankende Ökostromerzeugung stellt die Branche vor Herausforderungen: Um die Schwankungen auszugleichen, wird kräftig in Energiespeicher investiert. So hat der Stromnetzbetreiber Terna 2016 rund 2 Mrd. Euro für die Energiespeicherung ausgegeben. Hinzu kommt, dass die Speichertechnologien für Hauseigentümer mit Fotovoltaikanlagen an Bedeutung gewinnen: Mit über 700.000 installierten Anlagen, darunter 180.000 kleine Dachanlagen, gibt es in Italien viel Potenzial für Batteriespeichersysteme.

Elektrochemische Speichersysteme gewinnen an Bedeutung

Auch beim Thema Energiespeicherung zählt Italien zu den Vorreitern. Mit 7GW installierter Speicherkapazität im Jahr 2016 rangiert das Land unter den Top 10 weltweit. Der größte Teil dieser Kapazität entfällt auf mechanische Pumpspeicherkraftwerke. Doch diese Technologie ist teuer und belastet die Umwelt, sie verliert an Bedeutung. Im Gegenzug gewinnen elektrochemische Speichersysteme - allen voran Batterien - an Bedeutung.

Schätzungen des Branchenverbandes ANIE Energia zufolge wurden 2016 rund 6.000 Energiespeichersysteme in Italien installiert, fast ausschließlich Batteriesysteme. Im Jahr davor waren es 2.000. Laut Prognosen des Verbandes werden 2017 zwischen 6.000 und 10.000 neue Energiespeicheranlagen hinzukommen.

In den kommenden Jahren dürfte die erwartete weiterhin gute Entwicklung der Fotovoltaik dem Thema Energiespeicherung Impulse verleihen. In 2016 hat sich Branche im Vergleich zu 2015 positiv entwickelt - auch wenn die Boomjahre vorbei sind.

Die Gründe für die positive Entwicklung der Fotovoltaik sind vielfältig. Italien bietet attraktive Steuernachlässe für kleine Solaranlagen. Zudem wird vor Ort produzierter und verbrauchter Strom gefördert. Zusammen mit den gesunkenen Modulkosten sorgt dies für eine steigende Nachfrage nach Fotovoltaiksystemen.

Preise im Haussegment noch zu hoch

Die Batteriesysteme für Hausspeichersysteme sind relativ teuer, sodass sie bisher vor allem von umweltbewussten Anwendern gekauft werden. Die Preise sinken jedoch kontinuierlich, sodass künftig immer mehr Käufer auch aus wirtschaftlichen Gründen solche Systeme erwerben werden.

Das Energy & Strategy Group des Mailänder Polytechnikums hat ein Modell entwickelt, mit dem die Wirtschaftlichkeit diverser Speichersysteme geprüft werden kann. Das Modell geht von einem Fotovoltaiksystem mit einer Kapazität von 3 KW aus und untersucht Lithium-Ionen-Batteriesysteme mit Kapazitäten von 2,4 und 6 KW. Der Studie zufolge sind die Batteriesysteme noch 33% zu teuer. Erst eine entsprechende Preissenkung würde zu einer positiven Rendite binnen 10 Jahren (Batterielebensdauer) führen.

(R.J.S.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Italien Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, alternative Energien

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