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20.09.2019

Entsorgungswirtschaft in den VAE im Verzug

Verwertungsquote von 75 Prozent wird angestrebt / Von Robert Espey

Dubai (GTAI) - In den Vereinigten Arabischen Emiraten gibt es beim Recycling zwar Fortschritte, aber noch sind die Verwertungsquoten gering. Im Entsorgungssektor muss kräftig investiert werden.

Im Entsorgungssektor der Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) ist die Differenz zwischen den von der Politik gesetzten Zielmarken und der aktuellen Situation weiterhin groß. Langfristig wollen die VAE eine Verwertungsquote von nahezu 100 Prozent erreichen ("Zero Waste to Landfills"). Bis 2021 war eine Quote von 75 Prozent angestrebt. Aber dafür dürften die verbleibenden zwei Jahre kaum ausreichen.

Die von der nationalen Statistikbehörde (FCSA; Federal Competitiveness and Statistics Authority) vorgelegte Abfallbilanz für 2017 weist eine Recyclingquote von lediglich 14 Prozent einschließlich Kompostierung aus. Das Abfallaufkommen wird mit 39 Millionen Tonnen inklusive 0,4 Millionen Tonnen Sondermüll angegeben. Der größte Abfallerzeuger ist das Emirat Dubai mit einem Anteil am Abfallaufkommen in 2017 von 59 Prozent, gefolgt von Abu Dhabi (25 Prozent) und Sharjah (8 Prozent).

Abfallaufkommen der VAE von 2015 bis 2017 (inklusive Sondermüll, in 1.000 Tonnen, Anteil in %)
Emirate 2015 2016 2017 Anteil 2017
VAE insgesamt 29.165 34.690 39.189 100
.Dubai 14.749 19.529 22.935 59
.Abu Dhabi 8.486 9.683 9.673 25
.Sharjah 3.502 2.845 2.997 8
.Ajman 824 961 1.575 4
.Ras Al Khaimah 957 992 1.084 3
.Fujairah 421 480 513 1
.Umm Al Quwain 226 201 412 1

Quellen: Federal Competitiveness and Statistics Authority, VAE; Berechnungen von Germany Trade & Invest

Die mit der Baukonjunktur stark schwankenden Bau- und Abbruchabfälle bilden die mit Abstand größte Abfallkategorie. Mit 26 Millionen Tonnen lag 2017 der Anteil der Bau- und Abbruchabfälle bei rund zwei Drittel, eine Verwertungsquote von knapp 12 Prozent wird angegeben. Vergleichsweise hoch war die Verwertungsrate bei Siedlungsabfällen, von den gesammelten 6 Millionen Tonnen wurden 28 Prozent verwertet.

Abfallaufkommen der VAE nach Abfallarten sowie Beseitigungs- beziehungsweise Verwertungsverfahren in 2017 (ohne Sondermüll, in 1.000 Tonnen)
Abfallarten Abfall-aufkommen Ablagerung auf Deponien 1) Thermische Beseitigung Recycling 2) Kompos-tierung
Insgesamt 38.822 33.574 8 4.952 289
Bau- und Abbruchabfälle 25.838 22.826 0 3.011 0
Siedlungsabfälle 6.411 4.616 0 1.621 174
Industrieabfälle 3.969 3.686 0 283 0
Landwirtschaftliche Abfälle 1.237 1.120 8 35 74
Klärschlamm 339 297 0 2 41
Andere Abfälle 1.029 1.029 0 0 0

1) einschließlich "andere Formen der Abfallbeseitigung"; 2) einschließlich "andere Formen der Wiederverwendung"

Quelle: Federal Competitiveness and Statistics Authority

Dubai baut größtes Müllheizkraftwerk

Das Emirat Dubai möchte bis 2030 das Ziel "Zero Waste to Landfills" erreichen, das heißt eine Verwertungsquote von nahezu 100 Prozent. Die Statistik der Stadtverwaltung für 2018 weist gegenüber dem Vorjahr eine Verminderung des Abfallaufkommens um 16 Prozent auf 19,2 Millionen Tonnen aus. Der hohe Rückgang wurde vor allem durch eine Schrumpfung bei Bau- und Abbruchabfällen um 19 Prozent auf 15,4 Millionen Tonnen verursacht. Bei Siedlungsabfällen gab es eine Reduktion um 5 Prozent auf 3,4 Millionen Tonnen.

Eine Verwertung von Bau- und Abbruchabfällen findet in Dubai nicht statt, alles landet auf Deponien. Gleiches gilt für Klärschlamm (2018: 0,2 Millionen Tonnen). Der Siedlungsmüll wurde zu 32 Prozent recycelt, landwirtschaftlicher Abfall (0,2 Millionen Tonnen) zu 21 Prozent kompostiert. In Dubai gibt es vier Deponien und fünf Entsorgungseinrichtungen (Recyclinganlagen etc.), davon zwei für Sondermüll.

Seit über zehn Jahren plant Dubai den Bau eines Müllheizkraftwerks (Waste to Energy, WTE). Nach mehrfachen Ausschreibungen wurde das Projekt 2012 auf Eis gelegt, dann 2015 wiederbelebt. Ende 2015 ist das Stuttgarter Ingenieurunternehmen Fichtner als technischer Berater engagiert worden. Im Sommer 2016 kam die WTE-Anlage als BOT-Projekt (Build Operate Transfer) zur Ausschreibung. Im Herbst 2017 erfolgte eine Neuausschreibung als EPC-Projekt (Engineering, Procurement, Construction) mit einem O&M-Vertrag (Operation, Maintenance). Schließlich wurden zusätzlich wieder Angebote auf BOT-Basis verlangt. Anfang 2018 bekam ein Joint Venture aus Belgiens BESIX und dem in Zürich ansässigen Unternehmen Hitachi Zosen Inova den Zuschlag. Die WTE-Anlage wurde als BOT-Projekt (Mindestlaufzeit von 30 Jahren) vergeben.

Das WTE-Werk soll auf dem Gelände der Al Warsan Mülldeponie gebaut werden und 865 Millionen US$ kosten. Derzeit wird weiterhin am Projekt-Design gearbeitet, mit einem Baubeginn ist erst Anfang 2020 zu rechnen, die Fertigstellung wird 2023 erwartet. Mit einer Kapazität zur Verarbeitung von jährlich 1,8 Millionen Tonnen Siedlungsmüll (5.000 Tonnen pro Tag) wird es die weltweit größte WTE-Anlage. Die Kraftwerkskapazität soll 171 Megawatt betragen.

Mit Inbetriebnahme der WTE-Anlage wäre Dubai in der Lage, rund die Hälfte seines Siedlungsmülls energetisch zu verwerten. Zusammen mit der aktuellen Siedlungsmüll-Recyclingquote von etwa einem Drittel, wäre eine Verwertungsquote von über 80 Prozent erreicht. Die Verbrennungsasche der WTE-Anlage soll als Baumaterial eingesetzt werden.

Abu Dhabi steigert Verwertungsquote deutlich

Dem Statistikamt von Abu Dhabi (SCAD, Statistics Center - Abu Dhabi) zufolge lag 2018 das Abfallaufkommen bei knapp 10 Millionen Tonnen. Die größte Position waren industrielle und andere gewerbliche Abfälle, dicht gefolgt von Bau- und Abbruchabfällen. Die Verwertungsquote für das gesamte Müllaufkommen stieg in Abu Dhabi 2018 auf rund 35 Prozent (Recycling und Kompostierung; 2017: 31 Prozent). Eine Quote von 38 Prozent wurde bei Siedlungsmüll erreicht (2017: 30 Prozent), die Recyclingmenge erhöhte sich gegenüber 2017 um 122 Prozent auf 0,6 Millionen Tonnen.

Emirat Abu Dhabi: Abfallaufkommen nach Abfallarten 2016 bis 2018 (in 1.000 Tonnen)
Kategorien 2016 2017 2018
Insgesamt 9.675 9.657 9.985
.industrielle/gewerbliche Abfälle 2.693 3.169 3.543
.Bau- und Abbruchabfälle 4.532 3.959 3.103
.Siedlungsabfälle 1.562 1.372 1.794
.landwirtschaftliche Abfälle 746 934 1.311
.sonstige Abfälle 66 43 53
.Sondermüll 76 180 182

Quelle: Statistic Centre Abu Dhabi

Nach Angaben des Abu Dhabi Centre of Waste Management (Tadweer) existieren im Emirat elf Mülldeponien, darunter nur eine moderne Deponie mit Bodenabdichtung (Sanitary Landfill). Ferner gibt es fünf Recyclingeinrichtungen, eine Sortieranlage, vier Kompostierungswerke und zwei Verbrennungsanlagen.

Im Herbst 2018 hat das Unternehmen Al Dhafra Recycling Industries in Abu Dhabi (Ghayathi/Al Dhafra Region) eine weitere Recyclinganlage für Bau- und Abbruchabfälle in Betrieb genommen. In Al Dhafra werden jährlich geschätzte 0,8 Millionen Tonnen Bau- und Abbruchabfälle angeliefert. Die neue Recyclinganlage verfügt über eine Kapazität von etwa 0,4 Millionen Tonnen. Abu Dhabi strebt an, bei Bauprojekten mindestens 40 Prozent recyceltes Material einzusetzen.

Sharjah ist fast am Ziel

Das erste in den VAE in Betrieb genommene WTE-Kraftwerk wurde vom in Sharjah ansässigen, staatlichen Umweltunternehmen Bee'ah gebaut (Kapazitäten: 0,2 Millionen Tonnen, 35 Megawatt).

Derzeit wird in Sharjah von der Emirates Waste to Energy Company für 200 Millionen US$ auf dem Gelände des Bee'ah Recyclingwerks ein weiteres WTE-Werk gebaut (Kapazitäten: 0,3 Millionen Tonnen, 30 Megawatt). Das Unternehmen ist ein 50/50 Joint Venture aus Bee'ah und der Abu Dhabi Future Energy Company (Masdar). Die Anlage wird von Frankreichs CNIM Group gebaut, die Fertigstellung ist für 2021 geplant. Siemens ist am Projekt beteiligt. Bee'ah zufolge wird mit Inbetriebnahme der neuen WTE-Anlage für das Emirat Sharjah das Ziel einer 100-prozentigen Verwertungsquote erreicht, aktuell seien es schon 76 Prozent.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in den VAE können Sie unter http://www.gtai.de/vereinigte-arabische-emirate abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Vereinigte Arabische Emirate Abfallentsorgung, Recycling, Waste to Energy

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