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28.12.2017

Entwicklungsbanken fördern Zentralamerikas Wasserwirtschaft

KfW in Costa Rica und Nicaragua aktiv / Komplexe EZ-Szene mit vielen Akteuren / Von Ulrich Binkert

Bonn (GTAI) - Ohne die internationale Entwicklungszusammenarbeit (EZ) läuft in Zentralamerika wenig beim Ausbau der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung. Dieser Eindruck entsteht zumindest beim Blick auf große Projekte des Sektors in Belize, Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica und Panama. Relativ stark engagieren sich die KfW Entwicklungsbank sowie die regionalen Entwicklungsbanken IADB und CAF. Für Außenstehende ist die EZ-Szene sehr vielfältig. (Weblinks zu Projekten und Programmen)

Finanzierungen durch Organisationen der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit finden sich beim Bau großer Kläranlagen oder Abwassernetze in Nicaragua genauso wie im deutlich wohlhabenderen Panama. Auf diese beiden Länder sowie Costa Rica konzentriert sich der Großteil der laufenden EZ-Finanzierungsprogramme aus bi- und multilateralen Quellen. Für Honduras etwa ist dagegen nichts Wesentliches auf den Internetseiten der Geber zu finden.

EZ-Finanzierungsorganisationen: Portfolio für Programme/Projekte der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung in Zentralamerika 1)
Zielland Finanzierungsorganisation 2) Aktives Portfolio (Mio. US$)
Costa Rica BCIE 3) 376
IADB 4) 73
KfW (Mio. Euro:) 175 (aktiv), 100 (geplant)
El Salvador BCIE 3) 64
IADB 20
Guatemala IADB 50
Nicaragua BCIE 3) 69
EIB 60 Mio. Euro
IADB 72
KfW (Mio. Euro:) 60 (aktiv), 110 (geplant)
LAIF 50 Mio. Euro
Weltbank 72
Panama BCIE 3) 100
CAF 5) 348
EIB 88 Mio. Euro
IADB 314
Weltbank 65

1) Belize, Guatemala, Honduras, El Salvador, Nicaragua, Costa Rica, Panama; 2) BCIE - Banco Centroamericano de Integración Económica, CAF - Corporación Andina de Fomento, IADB - Inter American Development Bank, EIB - Europäische Investitionsbank, LAIF - Latin America Investment Facility (EU); 3) Summe der genehmigten Operationen seit 2014, möglicherweise mit Doppelzählungen von Mitteln anderer Geber; 4) laufende Programme; 5) Portfolio per Ende März 2017 (223 Mio. US-Dollar) plus 125-Millionen-US$-Kredit an Panama (Arraiján/La Chorrera, Pressemitteilung vom Dezember 2017)

Quelle: Recherchen von Germany Trade & Invest

GIZ und andere Organisationen für Technische Zusammenarbeit auch aktiv

Aktiv sind auch ausländische Organisationen der Technischen Zusammenarbeit. Die Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) arbeitet in Nicaragua am Programm zur Effizienzverbesserung der Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung. Die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) konzentriert ihre Zentralamerika-Aktivitäten auf Honduras und Nicaragua. Im Wassersektor versucht sie dort schwerpunktmäßig Strukturen auf dem Land zu verbessern. Die Japan International Cooperation Agency (JICA) ist in Zentralamerikas Wasserversorgung mit zwei Projekten aktiv, dem Panama Metropolitan Area Wastewater Management Improvement Project/2015.4-2018.11 und dem Project For Strengthening Non-Revenue Water Management Capacity in Managua City/2017.1-2020.12.

Die spanische EZ-Organisation AECID schuf 2007 für mehrere Länder Lateinamerikas den Fondo de Cooperación para Agua y Saneamiento (FCAS). In den letzten Jahren hat die AECID ihr Sektorengagement in Zentralamerika allerdings zurückgefahren. Nähere Informationen zu Märkten und Projekten der Wasserwirtschaft veröffentlichte Germany Trade & Invest (GTAI) 2017 zu Panama (http://www.gtai.de/mkt201704078001), Costa Rica (http://www.gtai.de/mkt201704068004) und Nicaragua (http://www.gtai.de/mkt201704288001), zudem einen Bericht zum Bedarf an gewerblich genutzter Abwassertechnik (http://www.gtai.de/mkt201708048001).

EZ sehr komplex

Zentralamerika ist aufgrund der Vielzahl der Akteure und der sich teilweise überschneidenden Maßnahmenportfolios ein Beispiel für die Komplexität der EZ.

Manche EZ-Maßnahmen umfassen den gesamten Raum zwischen Mexiko und Kolumbien, andere beziehen sich nur auf einzelne oder mehrere der sieben Staaten. GTAI listet derzeit unter http://www.gtai.de/za-abwasserentsorgung für die einzelnen Länder und "Mittelamerika" insgesamt 65 Vorhaben internationaler Entwicklungsbanken auf, bei Ausschluss von "Mittelamerika" sind es lediglich 35; http://www.gtai.de/za-wasserversorgung ergibt ein ähnliches Bild.

Ein großer entwicklungspolitischer Akteur ist die Europäische Union (EU). Sie arbeitet traditionell mit regionalen Programmen, so gibt es für Zentralamerika das Instrument für Entwicklungszusammenarbeit (EZI). Zusätzlich schuf die EU für alle Regionen sogenannte Investitionsfazilitäten, in diesem Falle die Latin America Investment Facility (LAIF). Ferner gibt es mit der Europäischen Investitionsbank (EIB) und der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBWE) zwei eigenständige europäische Entwicklungsbanken, die auch als Geber in Drittstaaten auftreten.

Gleichzeitig setzen die meisten EU-Mitgliedstaaten ihre eigenen EZ-Programme um. EZ-Träger in Deutschland sind für die Finanzielle Zusammenarbeit die KfW Entwicklungsbank und für die Technische Zusammenarbeit die GIZ. Die GIZ finanziert ihre Maßnahmen in der Regel direkt aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ); ähnlich ist dies bei Durchführungsgesellschaften anderer Länder.

Die Vielzahl an Einrichtungen schafft wiederum Arbeit für Verbindungsbüros, die Kooperationsmöglichkeiten mit Partnern ausloten. Ein Ergebnis davon zeigt sich zum Beispiel bei PISASH in Nicaragua, einem Programm mit Beteiligung von LAIF und EIB, der zentralamerikanischen BCIE (Banco Centroamericano de Integración Económica) und der AECID. Um die Gesamtförderung für ein Land zu taxieren, läge es nahe, die Mittel einzelner Entwicklungsbanken aufzusummieren. Doch kann es dabei leicht zu Fehlern durch Mehrfachzählungen kommen. So ist etwa beim aktuellen "Wasserver- und Abwasserentsorgungsprogramm Zentralamerika II" die Bank BCIE Programmträger, während die Finanzierung von der KfW kommt. Die KfW wiederum vergibt die rund 100 Millionen Euro für das Programm nicht als Zuschuss, sondern als zinsverbilligtes Darlehen.

Stolpern kann der Laie auch über Begrifflichkeiten, etwa den Unterschied zwischen Programmen und Projekten. Letztere sind im EZ-Geschäft üblicherweise Teil von Programmen, sind aber mitunter so umfassend, dass man sie als Programm bezeichnen könnte.

Kontaktadressen

Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit

*) AECID - Agencia Española de Cooperación Internacional para el Desarrollo, DEZA - Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit, GIZ - Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit, JICA - Japan International Cooperation Agency, siehe oben

(B.U.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Costa Rica, Guatemala, Honduras, Nicaragua, Panama, El Salvador, Belize Entwicklungszusammenarbeit, Wasserversorgung, -gewinnung, Bewässerung, Abwasserentsorgung

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