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12.10.2018

Eritreas Bergbau ist fest in chinesischer Hand

Kalivorkommen sollen Ende 2018 abgebaut werden / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Die Chinesen nutzen ihre Bergbaubeteiligungen in Eritrea dazu, sich in anderen Wirtschaftsbereichen zu etablieren. Dabei ist der Blick auch immer nach Äthiopien gerichtet.

Die Tinte unter dem am 9. Juli 2018 geschlossenen Friedensvertrag zwischen Eritrea und Äthiopien ist kaum trocken, da zeigen die Chinesen wieder einmal, wer in Afrika das wirtschaftliche Sagen hat. Der Coup: Der in Hongkong börsennotierte chinesische Konzern Zijin Mining kauft im Rahmen einer feindlichen Übernahme die in Kanada ansässige Nevsun Resources, der neben Liegenschaften in Serbien vor allem die größte Kupfer-Zink-Mine Eritreas gehört.

Der Übernahmeprozess startete am 15. September und soll am 28. Dezember 2018 abgeschlossen werden. Bei einem chinesischen Angebot von 1,41 Milliarden US-Dollar (US$), was einem Aufschlag auf den letzten Aktienkurs von rund 20 Prozent entspricht, konnten Nevsun-Aktionäre schlichtweg nicht Nein sagen, meinen Kenner. Zijin Mining hat sich derweil eine vermutlich langlebige Lagerstätte für Zink und Kupfer sichern können, aus chinesischer Sicht eine Investition von hohem strategischen Wert.

Suche nach weiteren Lagerstätten

Nevsun Resources betreibt in Eritrea die Bisha-Mine und hält einen Anteil von 60 Prozent. Die anderen 40 Prozent gehören der staatlichen Eritrean National Mining Company (Enamco). Bislang waren Beobachter davon ausgegangen, dass die Mine eine ökonomische Lebenserwartung bis Ende 2022 hat. Der chinesische Käufer weiß aber möglicherweise mehr: Man werde auch nach neuen Lagerstätten in Eritrea suchen, sagt der Zijin-Vorsitzende Chen Jinghe. Mit der Bisha-Mine kontrolliert China damit das zweite aktive Bergwerk in Eritrea nach der Koka Gold Mine, die von der Zara Mining Share Company betrieben wird.

Ein drittes Bergwerk, das Kupfer-Zink-Gold-Silber-Asmara-Projekt, gehört ebenfalls mehrheitlich einer chinesischen Firma, der Sichuan Road and Bridge Mining Investment Development Corporation. Mit der Produktion soll im Frühjahr 2019 begonnen werden. Ausgebeutet werden vier Lagerstätten außerhalb von Asmara: Emba Derho, Adi Nefas, Gupo und Debarwa. Schon 2016 hat Sichuan Road and Bridge 60 Prozent der Asmara Mining Share Company für 65 Millionen US$ von der danach aufgelösten kanadischen Sundrige Gold Corporation erworben. Die restlichen 40 Prozent gehören der eritreischen Regierung. Die Lebenserwartung der Mine wird auf 17 Jahre geschätzt.

Lukrative Kalivorkommen

Weiterhin im Bau ist die Colluli Potash Mine der australischen Danakali (50 Prozent) und Enamco (50 Prozent). Mit der Förderung soll Ende 2018 begonnen werden. Seit den ersten Probebohrungen 2010 konnten bislang mehr als 1 Million Tonnen von hochwertigem Kalium nachgewiesen werden. Die Funde in der Danakil-Senke gelten als weltweit einzigartig und höchst lukrativ, weil sie die Herstellung einer breiten Palette von Kaliprodukten erlauben, darunter Kaliumchlorit, Kaliumsulfat und Kaliummagnesiumsulfat. Kaliumsulfate gelten als gefragte Spitzendüngemittel, von denen es weltweit nur wenige Abbaustellen gibt.

Eritrea hat bislang nur zwei Devisenquellen: Die Transfers von Auslandseritreern und den Bergbau. Während erstere Einnahmen vornehmlich zurückgebliebenen Angehörigen zugutekommen, wandern die in Eritrea verbleibenden Bergbauerlöse mehr oder weniger direkt in die Taschen der herrschenden Elite und dem mit ihr verknüpften Militär. Daran wird sich auch angesichts des chinesischen Vormarsches kaum etwas ändern.

Zu erwarten ist derweil eine andere Entwicklung: Die Chinesen werden ihre strategische Partnerschaft im Bergbau dazu nutzen, auch in anderen Wirtschaftsbereichen zu investieren. Dabei dürfte es China vor allem darum gehen, die Eroberung des äthiopischen Marktes voranzutreiben, dessen bislang einziger Transithafen der von Dschibuti ist. Nach dem Friedenschluss aber kommen nun eritreische Häfen hinzu. Beobachter erwarten in diesem Bereich schon bald nennenswerte chinesische Investitionen.

Bergbau beflügelt Wirtschaftswachstum

Eritrea kann 2018 mit einem realen Wirtschaftswachstum von 5,4 Prozent rechnen, was auf das Konto nennenswerter Bergbauaktivitäten und steigender Weltmarktpreise für Kupfer und Zink geht, den beiden wichtigsten eritreischen Bergbauexporten. Grundsätzlich könnte das Wirtschaftswachstum deutlich höher ausfallen, würde Eritrea auch außerhalb des Bergbaus privates Engagement zulassen. Stattdessen aber liegt die Wirtschaft mehrheitlich in den Händen schlecht geführter Staatsbetriebe, die mit ihren Einnahmen den aufgeblähtem Militärhaushalt alimentieren, nicht aber die breite Armut der Bevölkerung angehen.

Die Landwirtschaft bleibt rudimentär, gilt als wenig produktiv und extrem wetterabhängig. Die Inflation galoppiert, weil die Nahrungsmittelproduktion unzureichend ist und es einen akuten Mangel an Devisen gibt, was größtenteils der völlig überbewerteten Inlandswährung geschuldet ist.

MKT201810118008.14

Wirtschaftliche Eckdaten
Indikator 2016 2017
BIP (nominal, Mrd. US$) 4,93 1) 5,74 1)
BIP pro Kopf (US$) 986 1) 1.125 1)
Bevölkerung (Mio.) 5,0 1) 5,1 1)
Wechselkurs (1 US$ = x Nakfa) 2) 15,38 15,38

1) Schätzung; 2) Der Wechselkurs des Nakfa ist seit 2005 fest an den US$ gebunden.

Quelle: EIU

Deutsche Exporte ausbaufähig

Deutschland ist aus eritreischer Sicht eines der führenden Lieferländer. Für deutsche Firmen ist das Land als Absatzmarkt bislang vergleichsweise uninteressant. Nach vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes importierte Eritrea 2017 für lediglich 9,2 Millionen Euro Waren aus Deutschland, 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Bezogen wurden vornehmlich Arbeitsmaschinen für besondere Zwecke (SITC-72: 2,2 Millionen Euro), Lebende Tiere (Rinder; SITC-00: 1,9 Millionen Euro), Maschinen, Apparate und Geräte für verschiedene Zwecke (SITC-74: 1,6 Millionen Euro), Mess-, Prüf- und Kontrollinstrumente, -apparate und -geräte (SITC-87: 0,9 Millionen Euro) sowie medizinische und pharmazeutische Erzeugnisse (SITC-54: 0,7 Millionen Euro). Eritreische Lieferungen nach Deutschland gab es 2017 de facto nicht.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Eritrea können Sie unter http://www.gtai.de/eritrea abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

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Eritrea Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Investitionen aus dem Ausland / Joint Ventures

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