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17.03.2016

Erneuerbare Energien in Iran mit Potenzial

Wind und Solar bislang unbedeutend / Attraktives Förderprogramm / Von Robert Espey

Teheran (gtai) - Wind- und Solarenergie sollen in Iran zukünftig einen signifikanten Beitrag zur Stromversorgung leisten. Derzeit haben Wind- und Solaranlagen einen Anteil an den Kraftwerkskapazitäten des Landes von 0,3%. Iran setzt große Hoffnungen auf ein Engagement deutscher Firmen. Ausländische Unternehmen sollen aber nicht nur Technologie liefern, sondern auch in Kraftwerke investieren. Als Anreiz bietet der Staat langfristige Stromabnahmeverträge an. Firmen aus Deutschland zeigen Interesse.

Irans Energieministerium hatte 2014 angekündigt, bis 2018 die Kapazität des EE-Sektors auf 5 GW zu erhöhen. Priorität hat Windenergie, aber zumindest 0,5 GW sollten auf Photovoltaik (PV) entfallen. Die 5 GW Marke wird mit geändertem Zeithorizont weiterhin genannt. Im Entwurf des neuen Fünfjahresentwicklungsplan (2016/17 bis 2020/21) sollen aber nur noch 1.000 MW bis 2021 vorgesehen sein, dies würde einem Anteil der Solar- und Windenergie an den gesamten Kraftwerkskapazitäten von unter 1% entsprechen. Ein Berater des Energieministeriums sprach hingegen im März (2016) von geplanten 4.850 MW bis 2021, davon solle der Privatsektor 4.550 MW realisieren.

Neben Wasserkraft hat Iran zwar schon vor Jahrzehnten mit der Nutzung anderer Erneuerbarer Energien (EE) begonnen, aber letztlich sind die Investitionen in Solar- und Windenergie bislang gering geblieben. Die Renewable Energy Organization of Iran (SUNA) wurde 1995 gegründet, seit 2005 untersteht SUNA dem Energieministerium. Die Zuständigkeiten innerhalb der SUNA sind nach EE-Technologien organisiert (Solar, Wind und Wellen, Biomassen, Geothermie). Auf Wasserkraftwerke entfielen 2014/15 (iranisches Jahr: 21.3 bis 20.3.) etwa 5% der iranischen Stromerzeugung. Die Kapazitäten der Wasserkraftanlagen betragen rund 12 GW. Die Leistung anderer EE-Kraftwerke (vor allem Wind) liegt bei etwa 0,2 GW.

Neue Einspeisevergütungen

Um den EE-Sektor zu fördern, bietet Iran seit 2012 privaten Investoren garantierte Einspeisevergütungen (Feed-in-Tariff/FiT) an. Die Konditionen wurden mehrfach modifiziert, derzeit gelten die im Juli 2015 veröffentlichten Regelungen (Ministry of Energy Directive No. 94/23773/60/100). Demnach variieren die Konditionen nach Technologien und Anlagengröße (siehe Tabelle). Die in Rial garantierten Vergütungen werden jährlich an die Inflations- und Wechselkursentwicklung angepasst (Adjustment Formula). Die Zahlung der Einspeisevergütungen wird für 20 Jahre vereinbart, allerdings ist nach zehn Jahren eine Absenkung der Vergütungen um 30% vorgesehen, für Windprojekte gelten Sonderregelungen.

Iran: Einspeisevergütungen für Wind- und Solaranlagen (Stand: März 2016) 1)
Technologien / Anlagenkapazität Vergütung per kWh in Rial Vergütung per kWh in Euro 2)
Windkraftanlage bis 1 MW 3) 5.930 0,16
Windkraftanlage bis 50 MW 4.970 0,13
Windkraftanlage über 50 MW 4.060 0,11
Solaranlage bis 20 kW 3) 9.770 0,26
Solaranlage über 20 bis 100 kW 3) 8.730 0,23
Solaranlagen bis 10 MW 6.750 0,18
Solaranlagen über 10 MW 5.600 0,15

1) die Tarife können um bis zu 15% angehoben wenn, wenn beim Bau der Anlagen lokal hergestellte Komponenten verwendet werden; 2) 1 Euro = 38.000 Rial (10.3.2016; freier Marktkurs); 3) gilt nur für Anlagen privater Haushalte

Quelle: Renewable Energy Organization of Iran (SUNA)

Erste Windkraftanlagen vor über 20 Jahren

Bereits 1994 wurden zwei Windkraftanlagen mit jeweils 550 kW (Lieferant Dänemarks Nordtank) in der Region Rudbar-Manjil (Provinz Gilan am Kaspischen Meer) installiert. Nach Angaben des SUNA Technik-Chefs Iraj Harsini beträgt die Gesamtkapazität der heute in der Manjil-Region arbeitenden Windturbinen 180 MW. Manjil ist eines von drei großen Windkraftprojekten.

Iran: Windenergieprojekte in der Planungsphase
Standorte / Provinzen Kapazität (in MW) Investitionskosten (in Mio. US$)
Alle Standorte 2.150 3.775
.Razavi Khorasan-Khaf 750 1.300
.Sistan-Baluchestan 650 1.150
.Qazvin-Takestan 500 875
.East Azerbaijan 250 450

Quelle: Ministry of Energy (Stand: März 2016)

In der Binalood Windfarm (Razavi/Provinz Khorasan) produzieren 43 Turbinen mit einer Gesamtleistung von 28,4 MW, die zwischen 2006 und 2008 installiert wurden. Letztlich sind in Razavi 93 Turbinen mit insgesamt 61,4 MW geplant. Die lokale, börsennotierte MAPNA Gruppe baut derzeit in Kahak (Provinz Qazvin) einen 100 MW Windpark (40 Turbinen mit jeweils 2,5 MW). Im August 2014 ging die erste Turbine ans Netz, das Gesamtprojekt soll 2016 abgeschlossen sein. Die Windturbinen werden von Mapna in Eigenproduktion hergestellt.

SUNA hat im Juni 2015 angekündet, 80 Windturbinen zur Installation vor allem in der südöstlichen Provinz Sistan & Baluchestan beschaffen zu wollen. Als für den weiteren Ausbau der Windenergie besonders geeignete Regionen bezeichnet SUNA neben Sistan & Baluchestan die Provinzen West und Ost Aserbaidschan, Qazvin, Semnan und Khorasan.

Pressemeldungen zufolge gibt es Verhandlungen mit vier deutschen Investoren, die in Abadan und Bandar Mahshahr in der Provinz Khuzestan Windparks mit einer Gesamtleistung von 250 MW bauen wollen. Die Kosten sollen bei 330 Mio. US$ liegen.

Schattendasein der Solarenergie

In Iran ist das Potenzial zur Nutzung von Solarenergie groß, aber bislang gibt es hier wenig Bewegung. Das Energieministerium hatte bereits 1997 die Stuttgarter Ingenieurfirma Fichter mit der Erstellung einer Feasibility Studie beauftragt. Das erste (Pilot) Solarkraftwerk mit einer Kapazität von nur 250 kW konnte aber erst 2008 in Betrieb gehen. Die CSP-Anlage (Concentrated Solar Power) steht in Shiraz, eine Kapazitätsverdoppelung wurde 2010 angekündigt. Weitere kleine CSP-Anlagen sollen in Semnan, Taleghan, Yazd, Tehran und Khorasan stehen. In Yazd wurde 2010 ein 478 MW ISCC-Kraftwerk (Integrated Solar Combined Cycle) mit einer 17 MW CSP-Komponente fertig, zwei Gasturbinen leisten insgesamt 318 MW, eine Dampfturbine 143 MW. Hauptauftragnehmer war die Mapna Gruppe.

Iran: Solarprojekte in der Planungsphase *)
Standorte/Provinzen Kapazität (in MW) Investitionskosten (in Mio. US$)
Alle Standorte 600 1.200
.Yazd 100 200
.Isfahan 100 200
.Fars 100 200
.Kerman 100 200
.Sistan-Baluchestan 50 100
.Qom-Center 50 100
.Semnan 50 100
.Khorasan 50 100

*) alle Solarprojekte sind als Photovoltaik-Anlagen geplant

Quelle: Ministry of Energy (Stand: März 2016)

Das Energieministerium hofft auf die verstärkte Installation von PV-Solaranlagen auf Hochhäusern. Neben dem garantierten FiT übernehme das Ministerium die Hälfte der Investitionskosten, so wird der stellvertretende Energieminister Houshang Falahatian zitiert. Im Januar 2016 wurde in Anwesenheit von Falahatian in Teheran die 250 kW Photovoltaic Power Station in Betrieb genommen.

Die Khuzestan District Electricity Company will in Ahvaz eine 10 MW PV-Solaranlage bauen lassen. Im Oktober 2015 wurde mit der Leipziger Green Energy 3000 GmbH eine Absichtserklärung zur Durchführung des Projekts unterzeichnet. Die notwendigen Investitionen werden auf 20 Mio. US$ geschätzt. Als mögliches Folgeprojekt wird über eine 100 MW Anlage gesprochen. Lokale Zeitungen berichten ferner von deutschen Investoren, die in der Sagzi Region (Provinz Esfahan) eines der weltweit größten Solarkraftwerke errichten wollen. Ebenfalls deutsche Investoren wollen in der Provinz Kerman Solarkraftwerke bauen, so Zeitungsberichte.

Pressemeldungen zufolge plant ein Konsortium aus iranischen, indischen und süd-koreanischen Firmen in Khuzestan für 10 Mrd. US$ einen Energiepark, 1.000 MW sind für Solaranlagen vorgesehen.

Mit einem IRENA-Kredit (International Renewable Energy Agengy) in Höhe von 6 Mio. US$ soll in der Region Ardebil ein 5 MW Geothermie-Projekt, an dem seit über zehn Jahren gearbeitet wird, abgeschlossen werden. Das Kraftwerk in der Nähe von Meshkin Shahr (Provinz Ardebil) sollte bereits 2015 fertig werden. Die Turbinen wurden in Italien beschafft, der Projektabschluss soll nun 2017 erfolgen. Langfristig ist ein Ausbau auf 50 MW vorgesehen.

(R.E.)

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Iran Strom-/ Energieerzeugung, Solar, Strom-/ Energieerzeugung, Wind, Strom-/Energieerzeugung, Geothermie, alternative Energien

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