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24.09.2019

Erstes indonesisches Automobil am Start

Local Content soll bei 60 Prozent liegen / Von Frank Malerius

Jakarta (GTAI) - Die Pick-ups der neuen indonesischen Automobilmarke Esemka ähneln verblüffend einem chinesischen Modell. Insgesamt sind 26 lokale Zulieferer eingebunden.

Indonesien hat mit Esemka eine eigene Automobilmarke. Anfang September 2019 wurden die ersten beiden Modelle vorgestellt. Es handelt sich dabei um Pick-ups: den Bima 1.2 und den Bima 1.3 mit 1.200 und 1.300 Kubikzentimetern Hubraum. Zu diesem Anlass waren sogar Präsident Joko Widodo und Industrieminister Airlangga Hartarto in das zentraljavanische Boyolali gereist, wo die Modelle gefertigt wurden.

Hersteller ist das indonesische Unternehmen SMK. Dieses Kürzel steht für die indonesische Berufsschule, aus deren Zweigstelle in Surakarta das Vorhaben entstanden ist. Es ist dennoch rein privat finanziert - es handelt sich bei Esemka also nicht um ein nationales Auto mit staatlicher Förderung.

Insgesamt soll es zwölf Esemka-Modelle geben, die bereits eine Zulassung vom Transportministerium erhalten haben. Dazu gehören auch SUV und Kleinwagen. Sie wurden bisher nicht offiziell vorgestellt, ihre baldige Markteinführung wird aber erwartet. Ihr Local Content soll zwischen 20 und 80 Prozent liegen.

Seit vielen Jahren arbeitet SMK an einem eigenen Automobil. Den Prototypen eines Esemka-SUV fuhr der jetzige Präsident bereits 2009, als er noch Bürgermeister im zentraljavanischen Surakarta war. Doch das Modell bekam letztlich keine Zulassung und konnte daher nicht in die Massenproduktion gehen.

Weniger Local Content als Modelle japanischer Hersteller

In der Produktionsstätte in Boyolali arbeiten 300 Menschen. Vorerst sollen 3.500 Einheiten des Bima pro Jahr hergestellt werden, die Produktionskapazität liegt aber bei 12.000 Stück. Die Modelle kosten umgerechnet etwa 7.000 US-Dollar und sind damit deutlich billiger als vergleichbare Pick-ups aus japanischer Produktion. Der Local Content des Bima soll bei 60 Prozent liegen. Unter anderem der Motor- und Getriebeblock, das Chassis, Bremsen, Stoßdämpfer, Benzintank, Armaturenbrett und Fenster kommen von insgesamt 26 heimischen Zulieferern.

Darüber hinaus ist wenig Konkretes über Produktion und Marktstrategie von SMK bekannt, denn das Unternehmen macht praktisch keine Pressearbeit. Nicht einmal der indonesische Automobilverband Gaikindo hat nähere Informationen. Auch die nationalen Medien stellen vielfach nur Vermutungen an. Einer breiteren indonesischen Öffentlichkeit ist Esemka nicht bekannt.

Branchenbeobachtern ist aufgefallen, dass der Bima dem nicht in Indonesien erhältlichen Star Truck des chinesischen Herstellers Changan verblüffend ähnelt. Die Motoren beider Modelle haben dieselben Spezifikationen. Immerhin ist der Bima vier Zentimeter kürzer und zweieinhalb Zentimeter breiter. Spötter behaupten aber, man hätte nur das Markenlogo ausgetauscht.

Andere Kommentatoren bemerken, dass ein Local Content von 60 Prozent kein Gradmesser für ein "indonesisches" Auto sei. Denn viele Modelle der im Land produzierenden japanischen Hersteller hätten einen höheren Anteil. Musterbeispiel ist Toyotas Avanza mit 94 Prozent Local Content.

Politiker sprechen Kaufempfehlung aus

Bisher hat Esemka sieben Handelsvertretungen in Java und Sulawesi. Schon im nächsten Jahr soll es 100 Verkaufspunkte geben. Vor allem in der ländlichen Provinz mit wenig Kaufkraft soll der Bima punkten. Er gilt eher als ein Nischenprodukt denn als eine wirkliche Konkurrenz für die etablierten japanischen Modelle. Denn der indonesische Verbraucher hält lokale Produkte im Vergleich zu ausländischen für unterlegen - selbst dann, wenn letztere in Indonesien hergestellt werden.

All das schmälert nicht den Stolz auf die eigene Automobilmarke. Präsident Widodo sprach bei der Präsentation des Bima eine Kaufempfehlung an seine Landsleute aus. Und sein unterlegener Rivale im zurückliegenden Wahlkampf, Prabowo Subianto, versprach, zehn Automobile von Esemka zu erwerben.

Nationales Auto scheiterte in der Asienkrise

Im Jahr 1996 hatte es den Versuch zum Bau eines nationalen Autos gegeben - des Mobnas ("mobil nasional") Timor. Gefertigt wurde dieser von einem Unternehmen des Präsidentensohns Tommy Soeharto (der 1994 den italienischen Sportwagenhersteller Lamborghini übernommen hatte) in Kooperation mit Südkoreas Automobilhersteller Kia Motors. Der Mobnas Timor wurde von Importabgaben und Luxussteuer befreit, was zu Protesten anderer Hersteller im Land führte. Das Projekt fiel schließlich der asiatischen Wirtschafts- und Finanzkrise der Jahre 1997/98 zum Opfer.

Prominentes regionales Beispiel für ein nationales (staatlich gefördertes) Automobil ist der Proton in Malaysia, der ab Mitte der 1980er-Jahre eine Schneise in den von japanischen Herstellern beherrschten Markt des Landes schlagen sollte. Tatsächlich wurde er dort zur meistverkauften Marke, verliert aber zusehends Marktanteile. Im Jahr 2017 wurde die Proton-Holding zu 49,9 Prozent vom chinesischen Autohersteller Geely übernommen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Indonesien können Sie unter http://www.gtai.de/indonesien abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

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