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18.10.2018

EU-Mittel kurbeln in Polen Bau von Krankenhäusern an

Finanzierungshilfen auch beim Kauf medizinischer Geräte / Von Niklas Becker

Warschau (GTAI) - Fördergelder aus Brüssel werden in neue Krankenhäuser und medizinische Geräte investiert. Mangelnde Beteiligung und Preisdifferenzen erschweren weitere Ausschreibungen.

Für rund 87 Millionen Euro erhielt das polnische Unternehmen WARBUD S.A. im August 2018 den Zuschlag zum Bau des Kindergesundheitszentrums Großpolen (Wielkopolskie Centrum Zdrowia Dziecka) in Posen. In den nächsten 2,5 Jahren soll das siebenstöckige Krankenhaus, welches Platz für 354 Betten bietet, gebaut werden. Mehr als 60 Prozent der Gelder kommen dabei aus Fördertöpfen der Europäischen Union (EU). Polens Regierung steuert 27 Prozent bei. Die restlichen Mittel von rund 8 Millionen Euro nimmt die Woiwodschaft Großpolen in Form von Krediten auf.

Ausgeschrieben wurde das Projekt von der Gesellschaft Szpitale Wielkopolski. Diese agiert für die Woiwodschaft Großpolen als Investor für Gesundheitseinrichtungen in der Woiwodschaft . Einer Pressemitteilung von Szpitale Wielkopolski zufolge sind weitere Ausschreibungen bezüglich der Ausstattung des neuen Kinderkrankenhauses geplant. Im Fokus werden medizinische als auch nicht-medizinische Geräte stehen.

Auch in Zielona Gora (Grünberg), nicht weit von der deutsch-polnischen Grenze, soll ein Kinderkrankenhaus gebaut werden. Eine Visualisierung des Projektes wurde im Juli 2018 vorgestellt. Die Kosten werden sich auf umgerechnet 26 Millionen Euro belaufen. Rund die Hälfte der Mittel kommt aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung.

Nach der Fertigstellung Ende Oktober 2020 wird das Krankenhaus über 170 Betten und unter anderem über eine Abteilung für Neonatologie mit entsprechender Intensivstation verfügen. Andere Beispiele für den Einsatz von EU-Mitteln beim Bau von Krankenhäusern finden sich in Sopot, Torun und Warschau. Die Bauarbeiten für die drei Einrichtungen sollen im Laufe des Jahres 2019 abgeschlossen werden.

Neue medizinische Geräte dank EU-Geldern

Neben den Neubauten fließen EU-Fördermittel auch in den Kauf von Krankenhausausrüstungen in Polen. Das Onkologische Zentrum in Kielce beispielsweise hat rund 5,8 Millionen Euro für neue Geräte vorgesehen. 80 Prozent der Kosten werden aus EU-Töpfen erstattet. Neben dem Austausch von alten Geräten sollen auch zusätzliche Geräte für onkologische Behandlungen eingekauft werden. Adam Jarubas, Marschall der Woiwodschaft Heiligkreuz, stuft die Investition als eines der größten Projekte dieser Art im Gesundheitssektor in der Region ein.

Auch in der Woiwodschaft Opole wird in neue Geräte investiert. Insgesamt wurde sieben Krankenhäusern aus der Region im August eine Mitfinanzierung bei dem Kauf neuer Ausrüstungen zugesichert. Die Gesamtkosten für die Projekte belaufen sich auf rund 5 Millionen Euro, 82 Prozent der Mittel kommen aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung. Das Zentrum für Onkologie in Opole hat den finanziell größten Zuschlag erhalten: Für 2,2 Millionen Euro soll ein moderner Beschleuniger angeschafft werden. Das Rehabilitationszentrum in Korfantow plant, ein digitales Röntgengerät, einen digitalen Detektor und ein Arthroskop zu erwerben.

Für fast 4 Millionen Euro will das Provinzkrankenhaus in Bielsko-Biala medizinische Geräte einkaufen. Der Großteil der Mittel kommt aus dem regionalen EU-Programm für die Woiwodschaft Schlesien. Ein Teil des Geldes soll für den Kauf neuer High End-Ultraschallgeräte verwendet werden. Das Krankenhaus in Radom kann dank 1 Million Euro aus EU-Mitteln Spezialgeräte für die Kardiologie, Herzchirurgie sowie der Onkologie kaufen. Das Krankenhaus gab an, unter anderem einen Echokardiographen und ein System zur Überwachung der Vitalparameter von Patienten anzuschaffen.

Über finanzielle Unterstützung von der EU kann sich auch die Medizinische Universität in Warschau freuen. Die Europäische Investment Bank hat der Universität einen Kredit für 24 Millionen Euro zur Modernisierung des Hauptcampus zugesagt. Im Rahmen des Projekts soll auch ein neues medizinisches Simulationszentrum entstehen.

Regionen kämpfen mit zu wenig Angeboten und Preissteigerungen

Ende September 2018 hatte Polen laut Aussage des stellvertretenden Ministers für Investitionen und Entwicklung, Adam Hamryszczak, auf nationaler Ebene im Durchschnitt 67 Prozent der EU-Mittel verwendet. Bei den 16 Regionalen Operationellen Programmen der Woiwodschaften lag die Quote im Schnitt bei 59 Prozent. Prozentual am niedrigsten abgerufen wurden die Mittel nach Aussage des Ministers in den drei Woiwodschaften Lublin, Heiligkreuz und Ermland-Masuren.

Im Gesundheitssektor zeigt sich laut Mitteilung des Gesundheitsministeriums ein anderes Bild. So hatte Polen Mitte 2018 bereits 87 Prozent der Mittel für den Gesundheitssektor aus dem Operationellen Programm für Infrastruktur und Umwelt abgerufen. Das Ministerium wies darauf hin, dass weitere EU-Mittel zur Kofinanzierung von Projekten im Gesundheitssystem in naher Zukunft mobilisiert werden sollen.

Die Kommunalverwaltungen stoßen bei der Vergabe von Aufträgen im Gesundheitssektor immer wieder auf Schwierigkeiten. Zum einen beteiligen sich zu wenig Unternehmen an den Ausschreibungsverfahren, zum anderen geben die Unternehmen zu hohe Angebote ab.. In der Stadt Elbing östlich von Danzig sollte beispielsweise das städtische Krankenhaus für 8,6 Millionen Euro erweitert und modernisiert werden. Das niedrigste abgegebene Angebot der Unternehmen lag bei 15,6 Millionen Euro, das höchste bei 18,3 Millionen. Die Ausschreibung wurde annulliert. Grund für die Differenzen sind unter anderem die großen Preissteigerungen im Baugewerbe. Dadurch liegen die Angebote der Unternehmen über den zuvor erstellten Schätzungen der Investitionskosten.

Andere Projekte bei der Beantragung von EU-Fördergeldern scheitern bereits frühzeitig. Zur besseren Koordinierung der EU-Mittel hat Polen daher ein Instrument zur Beurteilung von Investitionsanträgen im Gesundheitssektor eingeführt. Einrichtungen müssen einen elektronischen Antrag auf Finanzierung ihrer geplanten Investitionen einreichen. Erst wenn der Antrag bei der anschließenden Bewertung eine Mindestpunktzahl erreicht, wird er zur weiteren Bearbeitung freigegeben. Die Ausschlussquote liegt laut Angaben des Gesundheitsministeriums bei rund 30 Prozent.

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen.

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Polen Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Wirtschaftsförderung, Industriepolitik, Elektromedizin, Hochbau

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