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23.01.2017

Europäische Union will die digitale Integration voranbringen

E-Commerce noch wenig über Ländergrenzen hinweg / Anreize für mehr Datengeschwindigkeit / Von Oliver Döhne

Berlin (GTAI) - Die Europäische Union widmet sich verstärkt dem freien und schnellen Datenverkehr im gemeinsamen Markt. Die Zahl der Internetzugänge hat in den vergangenen Jahren EU-weit deutlich zugelegt, nur an einer hohen Übertragungskapazität mangelt es noch vielerorts. Dem Online-Einkauf über Landesgrenzen hinaus stehen häufig noch uneinheitliche Regeln und unnötige Zusatzkosten im Weg. Verschiedene Förder- und Investitionsmaßnahmen sollen die digitale Integration schnell vertiefen.

In den meisten Ländern der Europäischen Union hat sich der Zugang zum Internet stark verbessert. Nachzügler wie Italien, Spanien, Portugal, Griechenland und Rumänien schlossen auf, auch Estland machte einen großen Schritt nach vorne. Mittlerweile besitzen im Durchschnitt vier von fünf europäischen Haushalten und neun von zehn Unternehmen einen Breitbandanschluss. Am besten aufgestellt sind diesbezüglich Luxemburg, die Niederlande und das Vereinigte Königreich.

Die Übertragungsgeschwindigkeit ist allerdings oft noch niedrig. Erst rund ein Drittel der Anschlüsse in der EU erlaubt Downloads von über 30 Mbit/s. Den höchsten Anteil von schnellen Leitungen im bestehenden Breitbandnetz weisen Belgien, Rumänien, die Niederlande, Litauen, Malta, Schweden, Portugal, Lettland und Irland auf, während Deutschland, Österreich, Spanien und Polen unter dem Durchschnitt liegen.

EU-Kommission will Internet schneller machen

Die Europäische Kommission formulierte in ihrer Single Digital Market Strategie das Ziel, bis 2025 allen Haushalten Zugang zu 100 Mbit/s zu verschaffen und die Metropolen flächendeckend mit 5G-Netzen auszustatten, bis 2020 zumindest eine pro Mitgliedsstaat. Dazu will sie verschiedene Anreize setzen, neben eigenen Investitionen in die Infrastruktur will sie auch Risikokapital für Startups bereitstellen, die Lösungen für Netze mit hoher Kapazität entwickeln.

EU-Vergleich der Internetnutzung 2016 (Anteil in %)
Privathaushalte mit Internetzugang Privathaushalte mit Breitbandzugang Personen, die Waren oder Dienstleistungen über das Internet bestellt haben 1) Personen, die Waren über das Internet von Anbietern aus anderen EU-Staaten bestellt haben 1) Unternehmen, die Online-Einkäufe getätigt haben 2)
EU (28 Länder) 85 83 55 18 24
Luxemburg 97 97 78 70 42
Niederlande 97 95 74 25 30
Dänemark 94 92 82 39 38 3)
Schweden 94 89 76 25 22
Vereinigtes Königreich 93 92 83 23 27 4)
Finnland 92 91 67 34 39 4)
Deutschland 92 90 74 14 31
Irland 87 86 59 34 41
Estland 86 85 56 23 13
Frankreich 86 79 66 22 29
Österreich 85 85 58 45 33
Belgien 85 82 57 37 20 4)
Spanien 82 81 44 21 28
Tschechische Republik 82 80 47 9 62
Malta 82 82 47 42 16
Ungarn 81 81 39 12 17
Slowakei 81 78 56 22 13
Polen 80 76 42 4 19
Italien 79 77 29 12 20
Slowenien 78 78 40 17 13
Kroatien 77 77 33 15 11
Lettland 77 75 44 20 19
Zypern 74 74 29 24 12
Portugal 74 73 31 16 14
Litauen 72 71 33 12 24
Rumänien 72 70 12 2 14
Griechenland 69 68 31 9 7
Bulgarien 69 63 17 7 5

1) Im Alter von 16-74 Jahren; 2) Mindestens 10 Beschäftigte, Online-Einkäufe machen mind. 1% der Gesamtkäufe aus; 3) 2008; 4) 2015

Quelle: Eurostat

Kleidung und Tourismusdienstleistungen werden gerne online gekauft

Ein Ziel der digitalen Agenda der EU wurde bereits 2015 erreicht, als der Anteil der Personen, die online einkauften, laut Eurostat innerhalb eines Jahres die 50%-Marke überstieg. 2007 lag er noch bei 30%. Besonders beliebt ist das Online-Shopping im Vereinigten Königreich, Dänemark, Deutschland, Luxemburg, den Niederlanden und Schweden.

Besonders gerne über das Internet gekauft werden Kleidung/Sportartikel, insbesondere im Vereinigten Königreich, Rumänien und Bulgarien. Es folgen Tourismusdienstleistungen, speziell in Dänemark, Finnland und Spanien, Haushaltswaren und Spielzeug im Vereinigten Königreich, Deutschland, Dänemark, der Slowakei und Lettland, Eintrittskarten in Dänemark, Schweden, Finnland und den Niederlanden sowie Bücher und Zeitschriften in Luxemburg, Österreich und Deutschland.

Der stärksten Zuwachs zwischen 2012 und 2016 zeigte sich im Onlinehandel laut Eurostat in Estland (+33 Prozentpunkte), Tschechien (+15), Spanien, Ungarn (je +14), Irland, Litauen (je +13), Belgien, Italien (je +12) sowie Griechenland und der Slowakei (je +11).

18% der Unternehmen erzielten 2016 mindestens 1% ihres Umsatzes über Online-Verkäufe, davon 30% aller irischen Firmen, 28% der dänischen, 27% der schwedischen und tschechischen sowie 26% der deutschen Unternehmen. Wenig beliebt war der E-Commerce als Absatzkanal aus Unternehmenssicht in Italien, Lettland (beide 8%), Luxemburg und Rumänien (beide 7%).

Landesgrenzen behindern noch den Onlinehandel

Noch ausbaufähig ist der Online-Handel zwischen verschiedenen Ländern, der im Durchschnitt nur 18% der gesamten Käufe ausmachte. Hier will die EU-Kommission die Transparenz und Effektivität von Verbraucher- und Vertragsrechten steigern sowie verwaltungsbedingte Logistikkosten senken. Durch ein einheitliches Urheberrecht sollen Inhalte mehr als bisher über Landesgrenzen verfügbar sein. Vergleichsweise aufgeschlossen für Produkte und Dienstleistungen aus anderen Mitgliedsstaaten zeigten sich Luxemburg, Österreich, Malta und Finnland, während Tschechien, Polen, Rumänien und Bulgarien kaum in anderen Staaten virtuell einkauften.

Unternehmen verfügen mittlerweile EU-weit flächendeckend über Breitbandanschlüsse und nutzen das Internet zunehmend für Beschaffung, Werbung und Vertrieb. 42% aller Unternehmen kauften 2016 online ein, 24% tätigten mehr als 1% ihrer Käufe im Netz. Hier liegt die Tschechische Republik mit großem Abstand auf Rang eins, vor Irland, Luxemburg und Finnland. Mit Lieferanten und Kunden in einem direkten Geschäftsprozess verbunden sind 17% der Unternehmen, davon rund 30% aller dänischen und 25% aller deutschen Unternehmen sowie 24% der Firmen in Belgien, Litauen und Kroatien.

77% aller Unternehmen besaßen 2016 eine eigene Internetseite, in Dänemark waren es sogar 93%. In sozialen Medien waren 45% der Unternehmen aktiv, insbesondere irische (66%), niederländische (65%) und finnische (60%). Onlinewerbung betrieben 25% der Firmen. Ein Drittel der Unternehmen aus Malta, Schweden, Dänemark, Irland, Litauen und Finnland nutzte diesen Werbekanal. Weniger beliebt ist Onlinewerbung noch in Rumänien, Portugal, Frankreich und Italien. Wichtigstes Tool war kontextbezogene Werbung, vor Geotargeting und verhaltensorientierter Werbung.

69% der Unternehmen sind über Mobilgeräte im Internet, darunter 92% der dänischen Unternehmen, 83% der kroatischen und 81% der litauischen. Rund 27% der EU-Unternehmen statteten mindestens 20% ihrer Mitarbeiter mit Mobiler IT aus. Diesbezüglich besonders offen waren Firmen in Dänemark (56,2%), Schweden (53,9%) und Finnland (50,9%). Deutschland liegt hier mit rund 23,6% unter dem Durchschnitt. Wenig Priorität hat dies unter anderem in Italien (21,4%), Bulgarien (13,4%) und Rumänien (11,3%). Cloud-Dienstleistungen nehmen in erster Linie Unternehmen in Finnland, Dänemark, Irland und Belgien in Anspruch.

(O.D.)

Dieser Artikel ist relevant für:

EU EDV-, Telekommunikationsdienstleistungen, allgemein, Telekommunikationsdienste, Internetdienste, Digitalisierung

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