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10.12.2018

Finanzspritze für Kenias Häfen soll Konkurrenz abschütteln

Neue Terminals und ein Freihandelshafen sollen die Wende bringen / Von Martin Böll

Nairobi (GTAI) - Der kenianische Hafen Mombasa will seine regionale Vorherrschaft verteidigen und setzt sich mit einer Reihe von Investitionen zur Wehr. Doch die ausländische Konkurrenz schläft nicht.

Der staatliche Hafenbetreiber Kenya Ports Authority (KPA) will mit Investitionen von umgerechnet 1,2 Milliarden US-Dollar (US$) seine Infrastruktur verbessern, um so seine "regionale Vorherrschaft" zu verteidigen. Dabei geht es vor allem darum, die direkte Konkurrenz des tansanischen Hafen von Dar es Salaam auf Distanz zu halten. Schwerpunkt der neuen Investitionsoffensive sind vier Einzelvorhaben: Ein neuer Hafen in Shimoni (nahe der Grenze zu Tansania; Kosten: 200 Millionen US$), ein neuer Öl-Terminal in Kipevu-Mombasa (Kosten: 400 Millionen US$), ein zweiter Container-Terminal in Mombasa (300 Millionen US$) und der Freihandelshafen Dongo Kundu (in Mombasa für 300 Millionen US$).

Hafengeschäft kein Selbstläufer

Kenia müsse sich anstrengen, sagt Daniel Manduku, geschäftsführender KPA-Direktor. Denn Importeure aus Ruanda, Uganda, Burundi und der Demokratischen Republik Kongo würden sich langsam von Mombasa nach Dar es Salaam umorientieren. "Die haben in Dar es Salaam nunmehr eine echte Alternative", sagt Manduku, "wir sind jetzt in der unbequemen Position, den Entwicklungen immer einen Schritt voraus sein zu müssen".

Der neue, noch zu bauende Shimoni-Hafen soll im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft entwickelt werden. Dabei ginge es darum, aus der bisherigen kleinen Anlandestelle einen modernen Fischereihafen zu machen, sagt Manduku, in dem aber auch andere Güter angelandet werden können. Der Hafen soll mit moderner Kühltechnik und Fischverarbeitungsanlagen ausgestattet werden. Die Namen der Partner wurden noch nicht bekannt. Darüber hinaus sollen zehn weitere Anlandestellen durch Investitionen aufgewertet werden.

Neues Ölterminal überfällig

Mit dem Bau des Kipevu Oil Terminals wurde derweil die China Communications Construction Company beauftragt. Der neue Terminal soll gleichzeitig bis zu vier Tankschiffe mit einer Deadweight-Tonnage von 100.000 dwt abfertigen können. Zur Ausstattung gehört auch ein Liquefied-Petroleum-Gas-Anschluss (LPG). Für die angelandeten Treibstoffe gibt es bereits existierende Öltanks der Kenya Pipeline Corporation und anderer Ölfirmen.

Mit dem Bau des zweiten Container-Terminals wurde begonnen. Finanzgeber ist die Japan International Cooperation Agency (JICA). Angestrebt wird eine Umschlags-Kapazität von 450.000 Zwanzig-Fuß-Containern (twenty-foot equivalent unit; TEU) bis zum Jahr 2021. Spätestens 2022 soll die Gesamtkapazität des Hafens 2,1 Millionen TEU betragen.

Freihafen für 1.000 Betriebe

Mit dem Bau eines ersten Kais für die Dongo Kundu Free Port and Economic Zone soll möglicherweise schon zum Jahreswechsel 2018/19 begonnen werden. Von der JICA kommt eine entsprechende Durchführbarkeitsstudie. Für das Vorhaben steht ein etwa 12 Quadratkilometer großes Gelände zur Verfügung. Der neue Hafen wird mit einer 300 Millionen US$ teuren Umgehungsstraße (Dongo Kundu Bypass) angebunden. Nach den Vorstellungen des kenianischen Handels- und Industrieministerium sollen einmal 1.000 Industriebetriebe in der neuen Freizone angesiedelt werden.

Nach Ansicht von Beobachtern ist eine Entwicklung eigener kenianischer Fischfangkapazitäten nebst moderner Verarbeitungs- und Kühlungsanlagen mehr als überfällig. Bislang werde lediglich mit Einbäumen entlang der Küste gefischt, das offene Meer aber ausländischen Trawlern überlassen. Die Nachfrage der Bevölkerung kann längst nicht mehr befriedigt werden. Stattdessen wurde 2017 für 24,6 Millionen US$ Fisch (SICT-03) importiert, davon für 21,2 Millionen US$ aus China.

Neue Infrastruktur alleine reicht nicht

Der Bau eines neuen Ölterminals ist längst überfällig, weil der bestehende als veraltet und störanfällig gilt. Mit Hilfe der Japaner sollen die Containerumschlagskapazitäten erweitert werden. Das Manko dabei ist nicht der fehlende Platz, sondern mangelnde Effizienz. Anders formuliert: Die Abfertigung von Containern dauert mehrere Wochen, so dass Importeure hohe Liegegebühren zahlen müssen. Und die neue Eisenbahn von Mombasa nach Nairobi ist so teuer, dass viele Importeure weiterhin auf die Straße setzen - trotz Schlaglöchern und zahlreichen Zwangsstopps durch korrupte Polizeibeamte.

Mit dem Bau einer für kenianische Verhältnisse großen Freihandelszone betritt Kenia derweil Neuland. Der Erfolg des Vorhabens dürfte weniger von den physischen Voraussetzungen abhängen, als von regulativen Rahmenbedingungen. Kenia möchte den Schrumpfungsprozess seiner Industrie stoppen und diese wieder zu einstiger Größe führen. Lag der Beitrag des produzierenden Sektors zum Bruttoinlandsprodukt 2013 noch bei 11 Prozent, so waren es 2017 nur noch 8 Prozent. Denn mit Importgeschäften lässt sich in Kenia mehr Geld verdienen als mit einer eigenen Produktion.

Lamu-Transportkorridor unterfinanziert

Das 25 Milliarden US$ teure Megaprojekt eines Transportkorridors zwischen der kenianischen Küstenstadt Lamu und Äthiopien sowie Südsudan, dessen neuer Hafen in Lamu den Anfang machen soll, kommt derweil kaum von der Stelle. Nach vielen Jahren Verspätung soll frühestens Anfang 2019 ein erster Schiffsliegeplatz fertiggestellt werden. Bis 2020 sollen lediglich zwei weitere Ankerplätze hinzukommen. Die Gesamtkosten der drei Liegestellen werden mit umgerechnet 480 Millionen US$ angegeben. Weitere 29 Liegestellen sollen folgen.

Zum Vergleich: Der Hafen von Mombasa hat nur 16 Schiffsliegeplätze. Zuständig für den Lamu-Hafen ist nicht die KPA sondern die Lamu Port South Sudan Ethiopia Transport (Lapsset) Corridor Development Authority. Neben dem Hafen sollen auch drei internationale Flughäfen, eine Ölpipeline und -raffinerie sowie drei Ferienorte entwickelt werden. Angesichts des hoch verschuldeten Staates ist allerdings nicht mit schnellen Fortschritten zu rechnen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Kenia können Sie unter http://www.gtai.de/kenia abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie weitere Informationen zum Land Ihrer Wahl in Afrika.

Dieser Artikel ist relevant für:

Kenia Wirtschaftslage, -entwicklung, allgemein, Wasser-, Hafenbau, Schiffsverkehr / Häfen, Wirtschaftsbeziehungen zu anderen Ländern, Regionen

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