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04.04.2018

Finnlands Pkw-Markt wächst 2018 dank Schrottprämie

Bisher wenige Elektrofahrzeuge, aber Absatz steigt schnell / Finnischer Auftragsfertiger rüstet sich für Elektromobilität / Von Marc Lehnfeld

Helsinki (GTAI) - Finnlands Fahrzeugmarkt profitiert von der guten wirtschaftlichen Lage im Land und soll 2018 um knapp 6 Prozent wachsen. Der Pkw-Absatz profitiert insbesondere von einer Schrottprämie im 1. Halbjahr. Der Markt für Elektrofahrzeuge steckt noch in den Kinderschuhen, verzeichnet aber bereits starke Wachstumsraten, vor allem bei der Brückentechnologie der Plug-in-Hybride. Der Auftragsfertiger Valmet Automotive rüstet sich bereits für die elektromobile Zukunft. (Kontaktadressen)

Die Finnen kaufen mehr Autos. Um rund 6 Prozent dürften die Neuwagenregistrierungen 2018 wachsen - ein Plus von 7.400 Neufahrzeugen gegenüber dem letzten Jahr. Damit würden insgesamt circa 126.000 neue Fahrzeuge für den Straßenverkehr in Finnland zugelassen werden, so die Gemeinschaftsprognose der zwei nationalen Automobilverbände.

Neben der guten Konjunktur und den gestiegenen Reallöhnen wird der Absatz von Neufahrzeugen durch die Schrottprämie angekurbelt. Der Staat zahlt jedem Neuwagenkäufer, der gleichzeitig sein Altfahrzeug verschrottet, zwischen 1.500 und 2.500 Euro. Rund 5.000 zusätzliche Neuwagen sollen dank des staatlichen Anreizes verkauft werden. Die Schrottprämie gilt jedoch nur noch bis Ende August 2018. Mit der Fördermaßnahme möchte die finnische Regierung die CO2-Belastung im Straßenverkehr senken, schließlich dürfen die Neufahrzeuge die Emissionsgrenze von 110 Gramm pro Kilometer nicht überschreiten. Bereits 2015 wurde ein ähnliches Fördersystem erfolgreich eingesetzt.

Finnische Käufer wählen bei Gebrauchtwagen lieber Dieselautos

Bisher wirkt sich auch die Dieselkrise nur bedingt auf den Absatz aus. Zwar fallen die Neuregistrierungen von Pkw mit Dieselantrieb zugunsten der Benziner und alternativer Antriebe. Wegen der weiten Fahrtstrecken im Land bleibt die Dieseltechnologie für viele Haushalte aber die ökonomische Wahl. Deshalb floriert der Import von gebrauchten Dieselfahrzeugen und lässt den Dieselanteil am Gesamtfahrzeugbestand sogar steigen. Allerdings kritisiert der Verband der finnischen Automobilindustrie diese Praxis.

Die gewerbliche Wirtschaft nutzt die gute Konjunktur für weitere Fahrzeugbeschaffungen. Nach der Gemeinschaftsprognose mehrerer Verbände steigen die Neuregistrierungen von Lieferwagen 2018 voraussichtlich um über 3 Prozent auf 16.000 Fahrzeuge. Bei den Lkw sollen die Neuzulassungen um knapp 6 Prozent auf 3.670 Fahrzeuge steigen, wovon vor allem Lkw bis 6 Tonnen mit einem Anstieg um mehr als 28 Prozent profitieren. Einzig der kleine Markt für Busse wird den Prognosen zufolge um knapp 3 Prozent auf 500 Neuzulassungen fallen.

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Kleiner Markt für Elektromobilität mit hohen Wachstumsraten

Die finnische Regierung setzt auf Elektrofahrzeuge als Mobilitätslösung der Zukunft und möchte, dass bis 2030 mindestens 250.000 Fahrzeuge, die mindestens auch einen Elektromotor haben, auf den Straßen des Landes fahren. Dazu zählen neben batterieelektrischen Pkw (BEV) sowohl Plug-in-Hybride (PHEV) als auch Brennstoffzellenfahrzeuge. Gemessen am aktuellen Bestand von circa 3,1 Millionen Kfz (2017) entspräche das einem Anteil von rund 8 Prozent. Für den Kauf eines E-Autos bis zu einem Wert von 50.000 Euro wird finnischen Privathaushalten seit Anfang 2018 eine staatliche Prämie von 2.000 Euro gewährt.

Doch noch ist der Markt für Elektrofahrzeuge klein und zählt nur 1.449 BEV und 5.729 PHEV, so die Daten der nationalen Behörde für Verkehrssicherheit Trafi für Ende 2017. Der Absatz von Elektrofahrzeugen gewinnt aber deutlich an Dynamik. In beiden Segmenten haben sich die Neuzulassungen 2017 gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelt.

Mit der zunehmenden Beliebtheit von Elektroautos könnten auch deutsche Hersteller in den nächsten Jahren respektable Marktanteile ergattern. Volkswagen war Ende 2017 zwar nach Tesla und Nissan die drittpopulärste Marke im gesamten BEV-Bestand, allerdings nur mit einem geringen Anteil von 5 Prozent.

"Wir erwarten, dass bis 2021 die Plug-in-Hybride als Übergangstechnologie die Schlüsselrolle beim Verkauf von Elektrofahrzeugen einnehmen und dann einen Anteil von 5 bis 10 Prozent an den Neuzulassungen ausmachen werden", erklärt Kenneth Nyman, Vice President Network Development beim finnischen Automobilhändler Veho Group, der unter anderem die deutschen Marken Mercedes-Benz und Smart in Finnland vertreibt. "Die Markteinführung vieler neuer Modelle 2021 wird den Absatz von batterieelektrischen Pkw antreiben und den Anteil von PHEV und BEV an den Neuzulassungen bis 2025 auf rund 25 bis 30 Prozent steigen lassen."

Mehr Informationen zur Elektromobilität in Finnland fasst dieser GTAI-Artikel zusammen: http://www.gtai.de/MKT201803158002

Elektromobilität verändert Finnlands kleine Automobilindustrie

Finnland ist fast ausschließlich ein Importmarkt für Kfz und Kfz-Teile, verfügt neben dem Lkw-Hersteller Sisu aber mit Valmet Automotive über einen Auftragsfertiger, der am Standort im südwestfinnischen Uusikaupunki zusätzlich zur A-Klasse seit Februar 2017 auch einen Teil der Mercedes GLC-Reihe für Daimler herstellt.

Mit seinem strategischen Investor, dem chinesischen Batteriehersteller Contemporary Amperex Technology (CATL), der Akquisition des deutschen Ingenieurdienstleisters Semcon und einer neuen Batteriefabrik verändert sich Valmet Automotive klar vom klassischen Auftragsfertiger hin zum Entwicklungspartner in der Elektromobilität. Aktuell rüstet sich das Unternehmen bereits für die Teilserienproduktion eines noch unbenannten Mercedes-Modells der Kompaktwagenklasse. Mit 73 neu beschafften Robotern soll der Automatisierungsgrad im Karosseriebau von 90 auf 95 Prozent erhöht werden.

Möglich ist, dass eine Produktionsumstellung für das neue Modell sich auf die aktuelle Fertigung und wieder auf den deutsch-finnischen Außenhandel auswirkt. Schließlich macht die Pkw-Produktion von Valmet Automotive nach GTAI-Einschätzung knapp 15 Prozent am bilateralen Warenhandel aus. Der deutsch-finnische Handel ist 2017 unter anderem deshalb um 21 Prozent gestiegen, weil sich der aus der Mercedes-Fertigung resultierende Handel um circa 130 Prozent erhöht hat. Der produktionsbezogene Handel wuchs vor allem wegen des neuen Produktionsrekords von 90.000 Fahrzeugen, des niedrigen Niveaus aus dem Vorjahr und des im Vergleich zur A-Klasse höheren Wertes des GLC-Modells.

Chancen für deutsche Unternehmen im Absatz und in der Forschung ergeben sich aus dem Plan der finnischen Regierung, Mobilitätslösungen zu digitalisieren. Die IKT-gestützte, öffentliche Teststraße für autonomes Fahren "Aurora" im arktischen Nordfinnland wurde bereits eröffnet.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Finnland http://finnland.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Verband der Automobilindustrie in Finnland (Autotuojat ja -teollisuus (AT)) http://www.autotuojat.fi/en
Zentralverband der Automobilwirtschaft (Autoalan Keskusliitto) http://www.akl.fi/in_english/about_us
Statistikportal der Automobilbranche (Autoalan Tiedotuskeskus) http://www.autoalantiedotuskeskus.fi/en
Verkehrssicherheitsbehörde Trafi (Liikenteen turvallisuusvirasto) http://www.trafi.fi/en
Finnische Verkehrsbehörde (Liikennevirasto) http://www.liikennevirasto.fi/web/en
Teststrecke Aurora http://www.snowbox.fi Verbundprojekt für intelligente Verkehrssteuerung und autonomes Fahren in Lappland
Lapland Proving Ground http://www.laplandpg.fi Teststrecken für Fahren unter kalten klimatischen Bedingungen

(Ma.Le.)

Weitere Informationen zu Finnland finden Sie unter: http://www.gtai.de/finnland

Dieser Artikel ist relevant für:

Finnland Straßenfahrzeuge, allgemein, Elektromobilität

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Kontakt

Barbara Kussel

‎+49 228 24 993 356

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