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12.08.2019

Firmen in Chinas Exportprovinz Guangdong investieren weniger

Hongkongs Maschineneinfuhr um 15 Prozent im Minus / Von Roland Rohde

Hongkong (GTAI) - Im Zuge des Zollkonfliktes verlassen viele Fabriken Südchina. Das bekommen die Maschinenhändler in Hongkong zu spüren. Deutsche Anbieter konnten aber bisher ihr Geschäft halten.

Im Süden Chinas liegt das Herz der Exportindustrie des Landes. Die Provinz Guangdong leidet besonders unter dem Handelskonflikt mit den USA. Ihre Ausfuhrquote (Exporte gemessen am Bruttoinlandsprodukt) lag 2018 nach Angaben des nationalen Statistikamtes bei 42 Prozent. Sie war damit nahezu zweieinhalb Mal so hoch wie im Landesdurchschnitt.

Apelle aus Beijing, man müsse sich im Handelsstreit durchbeißen, klingen für viele Unternehmen im Süden zynisch. Nicht wenige bangen nämlich um ihre Existenz. Davon können Hongkonger Investoren ein Lied singen, denn sie besitzen in der Nachbarprovinz zehntausende von Fabriken. Dazu gesellen sich Kapitalgeber aus Südkorea, Taiwan und Japan, denen ebenfalls das Wasser teils bis zum Hals steht.

Schon seit Jahren verlagern sie - infolge der stetig steigenden Löhne in China - Fertigungsschritte in preiswertere Länder, insbesondere nach Südostasien. Doch im Zuge des Handelskonfliktes nahm der Prozess nach übereinstimmenden Angaben von Arbeitgeberverbänden, Banken und Logistikern in Hongkong erst richtig an Fahrt auf.

Samsung schloss 2019 Smartphonefabrik

Praktisch täglich kann man in der Hongkonger South China Morning Post entsprechende Geschichten lesen. So schloss Samsung Anfang 2019 eine Smartphone-Fertigungsstätte im südlichen Huizhou. Es handelt sich dabei um die letzte des koreanischen Vorzeigekonzerns im Reich der Mitte. Das japanische Unternehmen Ricoh verlagert Mitte 2019 die Produktion von Schnelldruckern vom chinesischen Shenzhen nach Thailand.

Der taiwanische Konzern Foxconn, der für Apple unter anderem das iPhone montiert, soll für eine 9 Milliarden US-Dollar (US$) teure Display-Fertigungsstätte in Guangzhou (die erst Ende 2019 eröffnen wird) bereits einen Käufer suchen. Stattdessen will er seine Kapazitäten in Indien erweitern. Ebenso plant er neue Fabriken in Vietnam.

Trotzdem dürfte der Süden Chinas auf absehbare Sicht einer der wichtigsten Produktionsstandorte und Beschaffungsmärkte der Welt bleiben. Dafür sind die Standortbedingungen einfach zu gut. Es existiert ein sehr breite industrielle Basis, und die Infrastruktur ist hervorragend ausgebaut. Die Hersteller müssen allerdings in Automatisierung und Modernisierung ihrer Fertigung investieren, um gegenüber der preiswerteren Konkurrenz aus Billiglohnländern Schritt halten zu können.

Verbleibenden Betrieben fehlt Geld für Modernisierung ihrer Fertigung

Allerdings fehlt dafür Vielen mitten im Handelskrieg schlichtweg das Geld. Vor allem Mittelständler haben kaum Zugang zu Bankkrediten und müssen sich aus dem Cashflow finanzieren. Doch die Umsätze sind aufgrund des wegbrechenden US-Geschäfts zurückgegangen. Notwendige Investitionen in den Maschinenpark bleiben somit aus. Das bestätigen auch Hongkonger Handelshäuser, die traditionell die südchinesischen Fabriken mit der notwendigen Fertigungstechnologie versorgen.

Sie kauften im 1. Halbjahr 2019 angesichts leerer Auftragsbücher deutlich weniger Maschinen und Anlagen im Ausland ein. Zwar legten die gesamten Brancheneinfuhren der Sonderverwaltungsregion (SVR) laut Angaben des lokalen Statistikamtes immer noch um gut 3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu. Doch der Anstieg ist praktisch alleine auf die Kategorie Strahltriebwerke (SITC-Pos. 714) zurückzuführen.

Hongkongs Maschinen- und Anlagenhandel (in Mrd. US$) 1)
Jahr Einfuhren Reexporte nach China
2015 17,1 7,9
2016 16,7 7,4
2017 17,6 8,5
2018 19,8 8,6
2019 2) 19,8 8,6

1) SITC-Pos. 71 bis 74 (ohne 741.4, 741.5, 745), 2) Prognose

Quellen: 2015 bis 2018: Statistikamt Hongkong; 2019: Germany Trade & Invest

Chinas Luftverkehrsmarkt boomt. Das Reich der Mitte entwickelt und baut inzwischen auch seine eigenen Jets, muss aber die Motoren im Ausland einkaufen. Wenn man diese (sehr große) Position herausrechnet, ergibt sich für das 1. Halbjahr 2019 ein Minus bei den Hongkonger Maschinen- und Anlageneinfuhren sowie den entsprechenden Reexporten nach China von jeweils rund 15 Prozent.

Maschineneinfuhr (in Mio. US$; Veränderung im Vergleich zum Vorjahr in %)
SITC Warenbezeichnung 2018 1. Halbjahr 2019 Veränderung.
713 Kolbenverbrennungsmotoren 518 234 -14,2
714 Strahltriebwerke, Gasturbinen 7.012 4.476 40,9
716 Elektrische Generatoren 2.001 814 -19,9
723, 728.3 Berg-, Hoch-, Tiefbaumaschinen 871 395 -19,9
724 Textilmaschinen 491 202 -16,5
726 Druckmaschinen 313 147 -10,8
727, 745.27 Nahrungsmittel-, Verpackungsmaschinen 104 43 -3,0
728.12, 728.44 Holzbearbeitungsmaschinen 57 65 117,2
728.2 Maschinen zur Halbleiterherstellung 1.388 599 -7,9
728.42 Kunststoffmaschinen 153 82 5,6
742, 743.1 Pumpen, Kompressoren 435 207 0,1
731, 733, 735 Metallbearbeitungsmaschinen 350 117 -50,6
741 (ohne 741.4, 741.5) Klimatechnik 332 160 2,6
744 Fördertechnik 613 305 -7,6
746 bis 749 Antriebstechnik, Armaturen 1.660 730 -9,6

Quellen: Statistikamt Hongkong, Berechnung von Germany Trade & Invest

Die Flaute könnte noch einige Zeit andauern, denn der Handelskonflikt hat im August 2019 noch an Schärfe hinzugewonnen. Doch mittelfristig dürfte die Nachfrage nach Fertigungstechnologie in Südchina wieder kräftig anziehen. Sobald sich die Exportgeschäfte bessern, werden die dortigen Firmen zurückgestellte Investitionen nachholen.

Schwacher Euro hilft deutschen Maschinenbauern

Deutsche Maschinenbauer waren übrigens laut der Hongkonger Zollstatistik bislang nicht sonderlich stark vom Handelskonflikt betroffen. Ihre Lieferungen (ohne Strahltriebwerke) in die SVR stiegen im 1. Halbjahr 2019 (auf Jahresbasis) sogar leicht um 0,5 Prozent. Die Schwäche des Euros gegenüber dem US-Dollar dürfte ihnen geholfen haben. Der Hongkong-Dollar ist nämlich fest an den Wert der US-Leitwährung gebunden.

Kontaktanschriften

Bezeichnung Internetadressen Anmerkung
Census and Statistics Department https://www.censtatd.gov.hk/home/index.jsp (Startseite); https://gia.info.gov.hk/general/201907/25/P2019072500270_315434_1_1564037797668.pdf (Handelszahlen 1. Halbjahr 2019); https://www.censtatd.gov.hk/hkstat/sub/so230.jsp (Interaktive Handelszahlen) Statistik-amt Hongkong
South China Morning Post https://www.scmp.com/hk (Startseite); https://www.scmp.com/economy/china-economy/article/3014564/samsungs-last-china-smartphone-factory-closing-raising (Bericht über Fabrikschließung von Samsung); https://www.scmp.com/tech/gear/article/3021234/foxconn-ponders-sale-us88-billion-lcd-plant-china-amid-market-woes-trade (Bericht geplanter Fabrikverkauf von Foxconn); https://www.bloomberg.com/news/articles/2019-08-05/japan-inc-joins-exodus-from-china-s-factories-as-tariffs-bite (Bericht über japanische Firmen, die China verlassen) Hong-konger Zeitung

Zusatzinformationen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Hongkong können Sie unter http://www.gtai.de/hongkong abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in der Region.

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Hongkong, SVR, China Maschinen- und Anlagenbau, allgemein

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