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21.01.2019

Frankreich fördert den Einbau doppeltverglaster Fenster

Wachstum bei Instandhaltungsarbeiten erwartet / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Die französische Regierung will die Energieeffizienz in Wohnungen verbessern. Seit Anfang 2019 werden für den Austausch von Fenstern wieder Steuergutschriften gewährt.

Seit dem 1. Januar 2019 können sich Privathaushalte per Steuergutschrift (Crédit d'impôt transition énergétique Cite) die Kosten für energetische Sanierungsmaßnahmen im Folgejahr der Durchführung erstatten lassen. Darunter fällt auch die Förderung für den Austausch von Fenstern: Wer eine Einfachverglasung durch ein Doppelverglasung ersetzt, kann eine Höchstförderung von 100 Euro je Fenster erhalten. Diese Fördermöglichkeit war Ende Juni 2018 ausgelaufen, weil die energetische Wirksamkeit der Maßnahme angezweifelt wurde. Dabei entfielen noch im Jahr 2017 von einer Fördersumme von 1,7 Milliarden Euro rund 750 Millionen Euro auf Fenster.

Das Auslaufen der Förderung hatte die Verbände auf die Barrikaden getrieben, schließlich war die Regierung dem Vorschlag des Bauverbandes FFB (Fédération Française du Bâtiment) gefolgt und ist zurückgerudert. Der Verband erhofft sich von der Wiederaufnahme der Förderung wichtige Impulse für 2019. "Der Bereich Reparaturen und Instandhaltung, der 57 Prozent unseres Umsatzes von 135 Milliarden Euro ausmacht, war 2018 sehr enttäuschend", sagte der Präsident des Bauverbandes, Jacques Chanut, gegenüber der Wirtschaftszeitung Les Echos. "Er wuchs nur um 0,8 Prozent nach 1,5 Prozent im Jahr 2017. Im nächsten Jahr erwarten wir ein Plus von 0,5 Prozent, hauptsächlich wegen der Wiedereingliederung von Fenstern in den Geltungsbereich der Steuergutschrift Cite."

Weitere Änderungen an Steuergutschrift zu erwarten

Die Regierung plant weitere Änderungen der Steuergutschrift, um die Subventionen an die energetischen Effizienzgewinne zu koppeln. Auch soll die nachträgliche Steuergutschrift künftig als Zuschuss bei Beginn der Arbeiten ausgezahlt werden.

Insgesamt fördert der Staat Effizienzmaßnahmen im Wohnungsbestand über verschiedene Instrumente mit rund 4 Milliarden Euro pro Jahr. Damit sollen jährlich 400.000 private Wohnungen und 100.000 Sozialwohnungen saniert werden. Nach Schätzungen des Vereins CLER!, der sich seit 1984 für mehr Energieeffizienz einsetzt, waren es in den vergangenen Jahren etwa 300.000 Wohnungen im privaten Bereich und 100.000 Sozialwohnungen. Dadurch habe sich ein Rückstand aufgebaut, so der Verein.

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Die Förderung über die Steuergutschrift Cite hatte dem Absatz von Fenstern in den letzten Jahren starken Auftrieb verliehen. Zunächst war der Fensterverkauf nach einer Studie des Marktforschungsunternehmens Axiome Media vom Juli 2018 von einem Höchststand 2008 von 12,2 Millionen Stück stetig bis auf 10,2 Millionen 2015 zurückgegangen. Er hatte sich dann dank der Fördermaßnahmen wieder auf 10,9 Millionen im Jahr 2017 erholt.

Die Studie macht keine Angaben zur wertmäßigen Entwicklung. Fest steht aber, dass mehr hochwertige Fenster verkauft wurden. Der Durchschnittspreis pro Stück lag 2017 mit 480 Euro um 11 Prozent höher als 2015. Für ein Fenster samt Installation stieg der Preis um 9 Prozent auf 880 Euro.

Produktion und Importe von Fenstern in Frankreich 2017 nach Material (in 1.000 Stück)
Produktion für Inlandsmarkt Importe Marktvolumen Veränderung des Marktvolumens (2017/2015 in %)
PVC 5.300 900 6.200 +0,7
Aluminium 3.100 95 3.195 +20,7
Holz 1.030 140 1.170 +4,6
Gemischt 270 10 280 +20,2
Stahl 30 0 30 0,0
Gesamt 9.730 1.145 10.875 +6,8

Quelle: Axiome Media

Bei den Volumina lassen sich laut der Studie von Axiome Media zwischen 2015 und 2017 vier Haupttrends erkennen: das sehr schnelle Wachstum von Aluminium- (+21 Prozent) und Mischfenstern (+20 Prozent), der Anstieg der Holzfenster aus handwerklicher Fertigung (+9,4 Prozent) und der Rückgang industrieller Holzfenster (-1,9 Prozent). Während Kunststoff (PVC)-Fenster bei den Volumina klar dominieren, liegen sie nach den Erhebungen von Axiome Media wertmäßig mit 42 Prozent gegenüber 41 Prozent nur knapp vor Aluminiumfenstern. Bei gemischten Fenstern habe der Markt zunächst überwiegende aus Holz-Aluminium-Produkten bestanden. Heute verleihen andere Materialkombinationen (PVC/Alu- und Hybridfenster) dem Markt zusätzlichen Schwung.

Mischfenster spielen in Frankreich eine kleinere Rolle als in Deutschland, wo sie knapp 9 Prozent des Absatzes ausmachen. Auch Holzfenster sind im Vergleich zu Deutschland (15 Prozent) weniger gefragt, während französische Verbraucher in stärkerem Maße Aluminiumfenster nachfragen (Deutschland: etwa 18 Prozent). Die starke Nachfrage nach Alufenstern wird in Frankreich damit begründet, dass französische Verbraucher stark auf Design und Ästhetik achten und deutsche Käufer eher auf Technik und Qualität.

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Eine Rolle spielt aber auch die starke Stellung des größten französischen Herstellers K-Line im Fenstermarkt. Er hatte mit der Marke K-Line in den 1990er Jahren den Massenmarkt für Alufenster in Frankreich aufgemischt. Die Firma beschäftigt 1.200 Mitarbeiter und erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von 305 Millionen Euro. Im Mai hat K-Line in Saint-Vulbas östlich von Lyon seine fünfte Fabrik in Frankreich eröffnet und damit die Kapazitäten des Unternehmens um 2.500 auf 12.500 Fenster pro Woche erhöht.

Die Fensterhersteller sehen sich immer stärker unter Druck. Zur immer besser werdenden ostasiatischen Importkonkurrenz sind in den letzten Jahren reine Online-Anbieter wie Brico Fenêtre und Fenêtre24 hinzu gekommen. Auch die großen Baumarktketten wie Castorama und Leroy Merlin sind stärker im Fenstermarkt aktiv. Daher müssen die Firmen investieren, um schneller auf Kundenwünsche reagieren zu können.

Bei PVC-Fenstern gilt die Firma Tryba als größter Anbieter. Sie hat Ende 2018 ein Investitionsprogramm über 25 Millionen Euro für die Modernisierung von drei Fensterfabriken gestartet. Damit sollen die Lieferzeiten halbiert werden, um so besser mit asiatischen Anbietern konkurrieren zu können. Ein weiterer Fensterhersteller, Atlantem, hat im Dezember 2018 den Bau einer neuen Fabrik für 20 Millionen Euro begonnen. Auch hier geht es um kürzere Lieferzeiten und Prozessoptimierung. Atlantem bezeichnet das neue Werk, das im September 2019 in Betrieb gehen soll, als Fabrik 4.0. Weitere wichtige Hersteller in Frankreich neben Atrya und Atlantem sind Bouvet, Coralu, Huet, Janneau, Lorillard, Maugin, FPEE, Les Zelles und Oknoplast aus Polen.

Die über die Steuergutschrift Cite geförderten Maßnahmen und die Voraussetzungen für eine Inanspruchnahme können auf der Seite der Steuerbehörde eingesehen werden: http://www.impots.gouv.fr/portail/particulier/le-credit-dimpot-transition-energetique

Die Studie zum Fenstermarkt von Axiome Media ist auf folgendem Link einzusehen: http://www.fenetrealu.com/document/etude-marche-francais-fenetre-2017/352

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Axiome Media http://www.batietude.com Marktforschungsunternehmen im Bausektor
Syndicat National de la construction des fenêtres, façades et activités associées (SNFA) http://www.snfa.fr Verband für Aluminiumfenster
Fédération Française du Bâtiment - Pôle Fenêtre http://www.polefenetre.fr Gruppierung von sechs Verbänden im Bauverband FFB

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Sonstiges im Bereich Holz, Möbel, Papier, Pappe, Glas, Glaserzeugnisse, Sonstiges im Bereich NE-Metalle

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