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21.06.2018

Frankreich fördert Wasserstoffwirtschaft mit 100 Millionen Euro

Maßnahmenplan für Industrie, Energiespeicherung und Transport / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Die französische Regierung hat einen Maßnahmenplan zur Förderung der Wasserstoffwirtschaft verkündet. Bis 2023 sollen 10 Prozent des in der Industrie produzierten Wasserstoffs aus erneuerbaren Quellen stammen. Ab 2019 werden 100 Millionen Euro an Krediten für Projekte in der Industrie, zur Speicherung von Energie und für die Umstellung des Transports auf Wasserstoff bereit gestellt. (Kontaktadressen)

Nach Aussagen des französischen Umweltministers Nicolas Hulot wird Wasserstoff eine wichtige Rolle in der Energiewende Frankreichs spielen. "Frankreich steht an der Spitze der Industrie und ich will ihr die Mittel geben, ihren Vorsprung im immer härteren internationalen Wettbewerb zu wahren", so Hulot.

Für die Forschung und Umsetzung von Pilotprojekten gibt es bereits Förderinstrumente in Form von Zuschüssen durch die Forschungsagentur ANR (Agence nationale de la recherche) und aus dem Programm für Zukunftsinvestitionen PIA (Programme d'investissements d'avenir). Über die Umweltagentur Ademe (Agence de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Énergie) werden zudem ab 2019 weitere 100 Millionen Euro für erste industrielle Anwendungen bereitgestellt.

Die Hälfte der Kreditmittel ist für neue Elektrolyseanlagen zur Herstellung des Wasserstoffs vorgesehen. Bis 2023 könnten etwa 250 Megawatt Elektrolysekapazitäten gefördert werden. Die Agentur Ademe wird voraussichtlich im zweiten Halbjahr 2018 einen Projektaufruf starten. Sind die ersten Projekte erfolgreich, dürften jährlich 100 Millionen Euro an Fördermitteln zur Verfügung stehen.

Das von der Regierung gesteckte Ziel lautet, bis 2023 rund 10 Prozent des Wasserstoffbedarfs der Industrie aus erneuerbaren Energien abzudecken. Bis 2028 könnten es zwischen 20 und 40 Prozent sein. Dadurch soll der derzeitige CO2-Ausstoß in besonders energieintensiven Fabriken, wie Zement- und Stahlwerken sowie in der Glasindustrie minimiert werden. Derzeit werden in Frankreich etwa 1 Million Tonnen Wasserstoff für industrielle Prozesse vorrangig aus konventionellen Energiequellen erzeugt.

Eine stärkere Nutzung von Wasserstoff als Speichermedium für Überschüsse aus Wind- oder Solarkraft spielt angesichts niedriger Anteile erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung in Frankreich eine geringere Rolle als in Deutschland.

Studien sollen Geschäftsmodelle für Elektrolyseanlagen ausloten

Die staatlichen Netzbetreiber RTE (Réseau de Transport d'Électricité) und Enedis sollen prüfen, welchen wirtschaftlichen Nutzen Elektrolyseanlagen dem Stromnetz bieten, um Geschäftsmodelle auf der Basis von Wasserstoff zu schaffen. Ende 2018 sind die Gasnetzbetreiber aufgefordert, einen Zwischenbericht über die technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten für die Einspeisung von Wasserstoff (direkt oder als Beimischung zu Methan) vorzulegen.

Ein weiterer Bereich des Maßnahmenplans betrifft den Verkehrssektor. Bis 2023 sollen 5.000 leichte Nutzfahrzeuge und 200 schwere Transportmittel (Busse, Lkw aber auch Nahverkehrszüge und Schiffe) mit Wasserstoff betrieben werden. Dafür will die Regierung den Bau von 100 Wasserstofftankstellen fördern. Bis 2028 sollen bereits 20.000 bis 50.000 leichte Nutzfahrzeuge und 800 bis 2.000 schwere Transportmittel Wasserstoff nutzen und 400 bis 1.000 Tankstellen zur Verfügung stehen. Derzeit können die 263 Wasserstofffahrzeuge, die in Frankreich im Einsatz sind, auf etwa 20 Tankanlagen zurückgreifen.

Diesellokomotiven sollen auf Wasserstoff umsatteln

Eine parlamentarische Mission soll noch vor Mitte 2018 mit der Ausarbeitung eines Plans für einen Umstieg von Dieselloks auf Wasserstoff beginnen. Etwa die Hälfte der Lokomotiven in Frankreich fahren noch mit Dieselkraftstoff. Bis Mitte 2018 soll zudem der regulatorische Rahmen für die Sicherheit von Wasserstofftankstellen fertig sein.

Der Verband der Wasserstoffwirtschaft Afhypac (Association Française pour l'Hydrogène et les Piles à Combustible) hat den Regierungsplan begrüßt. Er hatte Anfang Mai 2018 eine Studie vorgelegt, die mit dem Beratungsunternehmen McKinsey erstellt worden war, und ein stärkeres staatliches Engagement fordert. Im Rahmen der Studie befragte Branchenunternehmen hatten bei gleichbleibendem Umfeld für die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft bis 2023 Investitionen von jährlich 195 Millionen Euro angekündigt, gegenüber etwa 50 Millionen Euro, welche die Firmen derzeit aufbringen.

Nach Aussagen von Philippe Boucly, dem Präsidenten von Afhypac, ist die Regierungsstrategie eine erste Antwort auf die in der Studie geforderte Unterstützung. Tatsächlich könnte die Wasserstoffwirtschaft über den Plan hinaus in der mehrjährigen Energieplanung PPE (Programmation plurianuelle de l'énergie) der Regierung eine stärkere Rolle spielen. Dieser Plan dürfte Ende 2018 veröffentlicht werden und bildet mit seinen mittelfristigen Perspektiven für den Energiemix des Landes die Basis für staatliche Fördermaßnahmen. Der Plan umfasst zwei Zeiträume: 2018 bis 2023 und 2024 bis 2028. Bisher sind über staatliche Förderinstrumente etwa 100 Millionen Euro in Pilotprojekte geflossen.

Regionen fördern Wasserstoffprojekte

Vor allem die Regionen treiben gemeinsam mit Unternehmen Vorhaben zur stärkeren Nutzung von Wasserstoff voran. Das ehrgeizigste Projekt im Transportwesen in der Region Auvergne-Rhône-Alpes (Zero Emission Valley), wird mit 10 Millionen Euro von der Europäischen Union (EU) und mit 15 Millionen Euro von der Region gefördert. Binnen zehn Jahren sind für etwa 70 Millionen Euro 20 Wasserstofftankstellen und 15 Elektrolyseanlagen geplant, um 1.000 mit Brennstoffzellen betrieben Fahrzeuge zu versorgen.

Sehr aktiv in der Wasserstoffwirtschaft ist ebenfalls die Metropole Toulouse und die umliegende Region Occitanie mit dem Projekt HyPort. Auf zwei Flughäfen soll der Einsatz von Wasserstoff in allen dort zum Einsatz kommenden Fahrzeugtypen erprobt werden. Die Region weist einige innovative Akteure der französischen Wasserstoffwirtschaft auf. Alstom hat in Séméac den Wasserstoffzug Coradia iLint entwickelt, der in Salzgitter gebaut wird, und derzeit seine Zulassung in Deutschland erwartet, um dort zwischen 2021 und 2022 zum ersten Mal zum Einsatz zu kommen. Safra montiert in Albi Wasserstoffbusse. Der Luftfahrtzulieferer Safran forscht in Toulouse an Flugzeugantrieben auf Wasserstoffbasis.

Zur Umwandlung von Strom zu Gas (Power to gas) plant das Unternehmen H2V drei große Vorhaben im Umfang von 1,5 Milliarden Euro. Das Schicksal dieser Projekte ist aber derzeit ungewiss, da sie von Einspeiseregeln für Wasserstoff in die Gasnetze abhängen, die noch vom Gesetzgeber erlassen werden müssen.

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Agencia de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Énergie (Ademe) http://www.ademe.fr Umweltbehörde; Schreibt Projekte aus
Association française our l'hydrogène et les piles à combustible (Afhypac) http://www.afhypac.org Verband der Wasserstoffwirtschaft

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft

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‎+49 228 24 993 274

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