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21.10.2019

Frankreich rüstet Hochspannungsnetze für die Energiewende

Netzbetreiber RTE will 2 Milliarden Euro pro Jahr investieren / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Parallel zur Energiewende müssen Frankreichs Stromnetze angepasst und erneuert werden. Der Netzbetreiber RTE plant kräftige Investitionen.

Am 17. September 2019 hat Réseau de transport d'électricité (RTE), Betreiber der Hochspannungsnetze in Frankreich, seinen Investitionsplan bis 2035 vorgestellt. RTE muss sein Stromnetz an die grundlegenden Veränderungen im französischen Energiesektor anpassen. "Wir stehen heute den gleichen Herausforderungen gegenüber wie in den 1980er Jahren, als wir einen Großteil des heutigen Kernkraftwerksparks ans Netz anschließen mussten", so der Präsident von RTE, Francois Brottes, gegenüber der Wirtschaftszeitung Les Echos bei der Vorstellung der Vorhaben.

Für die kommenden Jahre weisen die Regierungspläne mit Fokus auf den Strommix der Zukunft (PPE, Programmation pluriannuelle de l'énergie) sowie die nationale CO2-Strategie (Strategie Nationale Bas-Carbone) in eine andere Richtung. Bis 2035 soll der Anteil der Kernenergie an der Stromerzeugung auf 50 Prozent gesenkt werden, während sich die Kapazitäten an Photovoltaik verfünffachen und die an Windkraft (onshore) verdreifachen sollen. Zunächst werden 2020 zwei Kernkraftwerke in Fessenheim vom Netz gehen, gefolgt von zwölf weiteren zwischen 2025 und 2035. Bis 2022 sollen auch die letzten Kohlekraftwerke geschlossen werden.

Um den Herausforderungen gerecht zu werden will RTE bis 2035 pro Jahr 2 Milliarden Euro investieren gegenüber 1,3 Milliarden Euro im Durchschnitt der vergangenen Jahre. Mit 20 Milliarden Euro entfällt der Großteil der bis einschließlich 2035 angekündigten Investitionen von 33 Milliarden Euro auf die Anpassung der Netze an die Veränderungen im Strommix.

Anschluss erster Offshore-Windparks als neue Aufgabe

Darunter fällt auch die Anbindung der ersten Offshore-Windparks an der französischen Küste ab 2022. Dafür hat RTE 7 Milliarden Euro veranschlagt. Im September 2019 begannen die Bauarbeiten für einen ersten Park des Energieunternehmens EDF in Saint-Nazaire, der im Frühjahr 2022 in Betrieb gehen soll. Insgesamt sollen vor den Küsten Frankreichs in den kommenden 15 Jahren 10 Gigawatt an Offshore-Leistung installiert werden.

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An Land können die bestehenden Netze nach Aussagen des Direktors für Strategie von RTE, Thomas Veyrenc, den geplanten Zubau an erneuerbaren Energien noch bis 2025 ohne größere Arbeiten aufnehmen. Durch eine optimale Nutzung der Leitungen auch durch Smart-Grid-Lösungen könnten laut Veyrenc etwa 50 Gigawatt Leistung an erneuerbaren Energien durchgeleitet werden und damit etwa doppelt so viel wie derzeit am Netz ist (Ende 2018: 23,6 Gigawatt).

Danach sollen die Kapazitäten vor allem entlang von vier Korridoren ausgebaut werden, in west-östlicher Richtung von der Normandie nach Paris (zur Anbindung der Offshore-Windparks), und in nord-südlicher Ausrichtung an der Atlantikküste, entlang des Massif Central und im Gebiet Rhône-Bourgogne. Nach Angaben von RTE wird der Ausbau entlang dieser Achsen weniger aufwendig sein als der Ausbau der Nord-Süd-Trassen in Deutschland.

Veraltete Ausrüstungen müssen erneuert werden

Aber auch das bestehende Netz, das nach Darstellung von RTE etwa 50 Jahre alt ist, muss erneuert werden. Dafür sind 8 Milliarden Euro vorgesehen. Die Digitalisierung der Netze soll 3 Milliarden Euro kosten. Unter anderem müssen im Zuge dessen rund 1.000 Spannungsregler installiert werden. Weitere 2 Milliarden fließen in den Ausbau der Netzverbindungen in die Nachbarländer. Laut Veyrenc sollen hier die Kapazitäten bis 2035 verdoppelt werden: von heute etwa 12 bis 15 Gigawatt auf 30 Gigawatt.

Zunächst werden Projekte gestartet, deren Wirtschaftlichkeit als erwiesen gilt. Dazu zählen in einer ersten Phase die beiden Verbindungen von Frankreich nach Großbritannien IFA2 (Calvados-Südengland) und ElecLink (Kabel durch den Eurotunnel) sowie eine Stromtrasse nach Italien von Chambéry nach Turin (durch den Tunnel von Fréjus). In einer zweiten Phase sollen bestehende Verbindungen nach Deutschland und Belgien ausgebaut und eine neue zwischen Bilbao und Bordeaux eingerichtet werden.

Ausbau vor allem unterirdisch

Der Netzbetreiber RTE weist in seinem Investitionsplan explizit darauf hin, dass der Ausbau heute nicht mehr so durchgeführt werden könne wie vor 30 Jahren. Heute müsse dem gesellschaftlichen Umfeld Rechnung getragen werden. Daher werde etwa der Ausbau der Hochspannungsnetze (zumeist 63 und 90 Kilovolt) "wo immer dies nach technischen, wirtschaftlichen und Umwelt-Gesichtspunkten möglich ist" unterirdisch verlaufen. Auch bei Netzerneuerungen werde systematisch die Möglichkeit einer Verlegung unter die Erde geprüft. Bei Höchstspannungsleitungen sollen beim Ausbau vor allem bestehende Korridore genutzt werden. Auch hier sind unterirdische Trassen laut RTE denkbar.

Das Planungsdokument von RTE zum Netzausbau (Schéma Décennal de Développement du Réseau) enthält einen Anhang mit einer Projektliste, die bis ins Jahr 2027 vorgreift (http://www.rte-france.com/sites/default/files/sddr2019_chapitre_annexe2.pdf). Die Ausbaupläne von RTE sind nach eigenen Angaben nicht in Stein gemeißelt. Die Regulierungsbehörde CRE (Comission de régulation de l'énergie) muss den aktuellen Investitionsplan noch absegnen und die Planung alle zwei Jahre aktualisieren.

Die französische Regierung will in den kommenden Monaten per Dekret eine endgültige Fassung der mittelfristigen Planung für den Energiesektor (Programmation pluriannuelle de l'énergie; PPE) sowie der CO2-Strategie (Strategie Nationale Bas-Carbone) herausgeben.

Der Investitionsplan von RTE kann in französischer Sprache unter folgendem Link eingesehen werden: http://www.rte-france.com/fr/article/evolution-du-reseau-electrique-francais-l-horizon-2035.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Réseau de transport d'électricité (RTE) http://www.rte-france.com Staatlicher Betreiber von Hochspannungsnetzen
Ministère de la Transition écologique et solidaire http://www.ecologique-solidaire.gouv.fr Ministerium für ökologische und solidarische Wende federführend für den Energiesektor

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung

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