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26.03.2019

Frankreich will in der Gebäudeeffizienz einen Gang hochschalten

Regierung passt Förderinstrumente an und plant, öffentliche Bauten zu sanieren / Von Peter Buerstedde (Februar 2019)

Paris (GTAI) - Trotz hoher Investitionen hat Frankreich bei der Energieeffizienz im Gebäudebau kaum Fortschritte gemacht. Die Regierung will die Förderung stärker an Effizienzgewinnen ausrichten.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Fördermaßnahmen werden angepasst, um Wohnungssanierungen zu beschleunigen Zertifizierungspflicht für energetische Sanierungsmaßnahmen behindert deutsche Handwerker
Neue strengere Wärmeverordnung ab 2020 Vielzahl an Förderinstrumenten unübersichtlich für Haushalte
4,8 Milliarden Euro für Energieeffizienz in öffentlichen Gebäuden Niedrige Strompreise bieten ohne Förderung kaum Sparanreize

Aktuelles zum Thema Energieeffizienz in Gebäuden

Der Energieendverbrauch in Wohngebäuden ist in Frankreich in den letzten zehn Jahren in etwa stabil geblieben. Sowohl bei gewerblichen als auch öffentlichen Bauten zeichnete sich erst in den letzten Jahren ein leichter Rückgang des Energieverbrauchs durch mehr Effizienzmaßnahmen ab. Das Ergebnis gilt als ernüchternd angesichts von rund 4 Milliarden Euro an staatlichen Fördergeldern, die pro Jahr in entsprechende Effizienzmaßnahmen geflossen sind.

Förderung wird weiter angepasst

Studien zeigen, dass die Förderung bislang kaum Effizienzgewinne gebracht hat und überwiegend den wohlhabendsten 10 Prozent der Haushalte zugutegekommen ist. Ein im April 2018 von der französischen Regierung vorgestellter Plan zur energetischen Sanierung von Gebäuden (Plan de Rénovation énergétique des Bâtiments) soll die Gebäudeeffizienz verbessern und die Hilfen stärker auf einkommensschwächere Haushalte ausrichten. Die Regierung hat die Förderung 2019 bereits angepasst und will diese 2020 enger an tatsächliche Einsparungen koppeln.

Anfang 2021 wird außerdem eine neue Wärmeschutzverordnung (RE 2020) in Kraft treten. Danach soll in Neubauten künftig ein Mindestanteil der Heizenergie aus erneuerbaren Energien bezogen werden. Neubauten sollen im Regelfall Positivenergiehäuser sein. CO2-Emissionen sind dabei über die gesamte Lebensdauer eines Gebäudes zu berücksichtigen. Die genauen Vorschriften für die neue Wärmeschutzverordnung werden im 1. Halbjahr 2020 veröffentlicht.

Regierungspläne, Förderprogramme, administrative Hürden

Der Gebäudesektor ist in Frankreich für fast 45 Prozent des Energieverbrauchs und für 25 Prozent der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Gleichzeitig gelten 7 Millionen bis 8 Millionen Wohnungen (13 Prozent des Gesamtbestandes) als schlecht isoliert, und 3,8 Millionen Haushalte haben Schwierigkeiten, ihre Heizkosten zu zahlen. Mit dem Plan zur energetischen Sanierung von Gebäuden vom 26. April 2018 und einer weiteren Anpassung der Förderinstrumente ab 2020 will die Regierung den Energieverbrauch von Gebäuden bis 2028 um 12 Prozent auf 661 Terrawattstunden senken. Diese Zielsetzung ist Teil der Energiestrategie der Regierung.

Die Strategie sieht Investitionen von 12 Milliarden Euro über fünf Jahre für die Sanierung öffentlicher Gebäude und die Förderung privater Maßnahmen vor. Damit soll die Sanierung von 500.000 Wohnungen im Jahr angestoßen werden. Die Anzahl der in den letzten Jahren durchgeführten Wohnungssanierungen wird auf etwa 300.000 pro Jahr geschätzt.

Fördermaßnahmen für die energetische Sanierung von Wohnungen
Crédit d'Impôt pour la Transition énergetique (CITE) Steuergutschrift von bis zu 30 Prozent der Arbeiten im Folgejahr
Reduzierter Mehrwertsteuersatz von 5,5 Prozent Gilt für energetische Sanierungsarbeiten und die Anschaffung bestimmter Klima- und Heizgeräte
Förderprogramm von ANAH "Habiter mieux" Zuschüsse für Sanierungsarbeiten für ärmere Haushalte
Éco-prêt à taux zéro (éco-PTZ) Nullzinskredite für Sanierungen (noch bis 2021)
Certificats d'Economie d'Energie (CEE) Energieversorger finanzieren Arbeiten und erhalten dafür Zertifikate

Quelle: Ministerium für Ökologischen und Solidarischen Wandel, Ademe

Der Großteil staatlicher Förderung für energetische Sanierungsmaßnahmen in Wohnungen entfällt auf Steuergutschriften, sogenannten CITE (Crédit d'Impôt pour la Transition énergetique) und einen reduzierten Mehrwertsteuersatz. Die Regierung hatte eine Umwandlung der Steuergutschrift in eine Prämie von Anfang 2019 auf Anfang 2020 verschoben. Für den Austausch von Fenstern gilt ein reduzierter Mehrwertsteuersatz von 15 Prozent. Neu gefördert wird 2019 (als einzige Maßnahme zu 50 Prozent) das Entfernen alter Heizölkessel in einkommensschwachen Haushalten.

Das Förderprogramm mit dem Titel "Besser Wohnen" (Habiter Mieux) der Agence nationale pour l'amélioration de l'habitat (ANAH) wird in den kommenden Jahren mehr Geld erhalten. Es richtet sich an ärmere Haushalte (die vier untersten Dezile der Einkommensverteilung) und soll mit 1,2 Milliarden Euro über fünf Jahre 375.000 Wohnungssanierungen anstoßen.

Energieversorger müssen mehr Zertifikate erlangen

Auch die von den Energieversorgern geförderten Maßnahmen sollen in den kommenden Jahren stärker einkommensschwachen Haushalten zugutekommen. Seit 2005 müssen die Energieversorger und -lieferanten (Strom, Gas, Fernwärme, Heizöl, Kraftstoffe) für einem bestimmten Zeitraum Stromsparzertifikate (Certificats d'Economies d'Energie, CEE) vorhalten. Diese können sie unter anderem durch Maßnahmen zur energetischen Sanierung erwerben. Für den Zeitraum 2018 bis Ende 2020 wurde die Anzahl geforderter Zertifikate fast verdoppelt. Die Regierung rechnet mit etwa 5 Milliarden Euro an Energieeffizienzinvestitionen, die aufgrund dieser Verpflichtung durchgeführt werden.

Eine staatliche Zusatzförderung (Coup de pouce économies d'énergie) im Rahmen der CEE-Maßnahmen ist 2019 auf Heizungen ausgedehnt worden. Haushalte mit geringen Einkommen erhalten eine höhere Förderung. Durch die Kopplung von Hilfen und stark vereinfachte Angebote ("Austausch der Heizung für 1 Euro") erhofft sich die Regierung den Austausch von 600.000 Ölheizungen (von 3,5 Millionen, die noch in Nutzung sind) bis Ende 2020.

Für Energieeffizienzmaßnahmen in öffentlichen Gebäuden will die Regierung im 2018 vorgestellten Plan über fünf Jahre 4,8 Milliarden Euro zur Verfügung stellen. 1,8 Milliarden Euro fließen davon in staatliche Gebäude und weitere 3 Milliarden Euro sind Kreditmittel für die Regionen, Departements und Gemeinden.

Für gewerbliche Bauten gibt es weniger Förderung als für Wohnungen. Die Entwicklungsbank Bpifrance vergibt subventionierte Kredite (prêts éco-énergie, PEE), um Sanierungsmaßnahmen und den Austausch von Altgeräten zu finanzieren. Die Obergrenzen wurden 2016 angehoben. Zudem will die Regierung künftig das Immobilien-Leasing gekoppelt mit Energieeffizienzmaßnahmen steuerlich fördern.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Ministère de la Transition écologique et solidaire https://ecologique-solidaire.gouv.fr Umweltministerium, Ministerium für Ökologischen und Solidarischen Wandel
Ministère de la Cohésion des territoires et des Relations avec les Collectivités territoriales http://www.cohesion-territoires.gouv.fr Ministerium für Territorialen Zusammenhalt und die Beziehungen zu den Gebietskörperschaften
FAIRE https://faire.fr Webseite der Regierung für Fragen zur energetischen Sanierung von Häusern und Wohnungen
Agence de l'Environnement et de la Maîtrise de l'Energie http://www.ademe.fr Energieagentur Ademe; sie berät und vergibt Projekt- und Forschungszuschüsse
Ministère de l' Économie et des Finances https://www.economie.gouv.fr/particuliers/aides-renovation-energetique Ministeriums für Wirtschaft, Finanzen und öffentliche Haushalte
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/Frankreich Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen zum Land (teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Frankreich https://frankreich.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen

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Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/Frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Energieeinsparung, Hochbau

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