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31.01.2019

Frankreich will zwei Bahnlinien für den Wettbewerb öffnen

Ausschreibung soll 2020 erfolgen / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Die Bahnreformen in Frankreich kommen voran. Jetzt werden für erste Strecken private Betreiber gesucht.

Am 14. Januar 2019 hat die französische Regierung auf dem Ausschreibungsportal TED der Europäischen Union (EU) die Ausschreibung für den Betrieb der Bahnstrecken Nantes-Bordeaux und Nantes-Lyon vorab angekündigt.

Die genauen Ausschreibungsmodalitäten stehen noch nicht fest. Einer Pressemeldung zufolge wird das rollende Material vom Staat zur Verfügung gestellt werden. Fest steht auch, dass es auf einer Bahnstrecke nur einen Betreiber geben wird.

Die Ausschreibung könne frühestens zwölf Monate nach der Veröffentlichung der Vorabbekanntmachung erfolgen, heißt es in der Pressemeldung weiter. Sie könne dann 2020 und 2021 durchgeführt werde. Dies mit dem Ziel einer Betriebsübernahme am 1. April 2022 und einer Laufzeit von zehn Jahren.

Besonderer Zeitplan für die Hauptstadtregion

Zur Vorbereitung auf das Ausschreibungsverfahren sind am 13. Dezember 2018 Verwaltungsvorschriften veröffentlicht worden, die einige Rechtsvorschriften anpassen (http://www.legifrance.gouv.fr/eli/ordonnance/2018/12/12/TRAT1827624R/jo/texte). Die Ausschreibung der beiden Strecken gilt als wichtiger Testfall. Weitere Strecken sollen folgen.

Laut Bahnreform vom 27. Juni 2018 soll die Öffnung des Personenverkehrs für private Betreiber auf der Schiene schrittweise ab Dezember 2019 erfolgen. Einige Regionen hatten bereits ihr Interesse an einer frühzeitigen Öffnung für die von ihnen verantworteten Strecken bekundet. Bisher waren aber noch keine Vorankündigungen ergangen.

Die Öffnung dürfte sehr langsam erfolgen. Die Regionen können bis Dezember 2023 den Betrieb der Strecken in ihrer Verantwortung für bis zu zehn Jahre noch direkt an das Staatsunternehmen SNCF vergeben. Jeder Vertrag, der nach 2023 für eine Erneuerung ansteht, muss dann aber öffentlich ausgeschrieben werden.

Für die Hauptstadtregion Île-de-France kommt ein besonderer Zeitplan zur Anwendung. Hier werden die Regionalexpresslinien RER A und RER B erst 2039 für den Wettbewerb geöffnet. RER steht für Réseau Express Régional. Die Highspeed TGV-Strecken können ab Dezember 2020 ausgeschrieben werden.

Die beiden Strecken, deren Ausschreibung jetzt angekündigt worden ist, sind Teil der Intercity-Verbindungen TET (Trains d'équilibre du territoire). Diese werden vom Zentralstaat subventioniert und vom staatlichen Bahnunternehmen SNCF Mobilités betrieben.

Neben den TET gibt es im überregionalen Personenbahnverkehr in Frankreich die regionalen TER (trains régionaux oder Transport express régional), die den Regionen unterstehen und von ihnen bezuschusst werden. Hinzu kommen die Hochgeschwindigkeitsstrecken TGV (train à grande vitesse).

Staat übergibt Strecken an Regionen

Der Zentralstaat zieht sich nach einer Vereinbarung mit den Regionen seit Anfang 2017 schrittweise aus der Verantwortung für die Mehrzahl der Intercity-Verbindungen zurück. Einige Fernstrecken werden aber weiterhin unter seiner Regie stehen.

Im Jahr 2018 standen noch 16 TET auf der Privatisierungsagenda. Anfang 2019 hat die Regierung zwei Strecken an die Region Hauts-de-France übergeben, Anfang 2020 werden fünf Strecken in der Normandie folgen.

Für die TET-Strecken hatte die Regierung im Februar 2017 eine Übereinkunft mit dem Bahnunternehmen SNCF getroffen. Darin sind für den Zeitraum 2016 bis 2020 rund 1,7 Milliarden Euro an Subventionen für den Betrieb veranschlagt. Für den Betrieb der beiden Strecken, die jetzt für eine Ausschreibung anstehen, erhält SNCF Mobilités derzeit im Jahr 25 Millionen Euro.

Dies deckt aber nach Zeitungsberichten nicht die Betriebskosten. Daher sei die mögliche Vergabe an einen Konkurrenten eher als Befreiungsschlag für SNCF zu werten, da das Unternehmen so seine Verluste verringern könne, sagen Beobachter. Die Strecke Nantes-Bordeaux transportiert etwa 680.000 Passagiere pro Jahr, mit einer Zugfrequenz von drei Hin- und Rückreisen pro Tag. Nantes-Tours-Lyon kommt auf 380.000 Fahrgäste mit einer Frequenz von zwei täglichen Hin- und Rückreisen.

Rollendes Material wird vor Ausschreibung erneuert

Andere Strecken sind ungleich stärker befahren. Die Wahl für eine erste Ausschreibung fiel nach Informationen des für Verkehr verantwortlichen Ministeriums für solidarischen und ökologischen Wandel (Ministère de la Transition écologique et solidaire) auf die beiden Strecken Nantes-Bordeaux und Nantes-Lyon, da hier das rollende Material erneuert worden ist.

Strecken, wie Paris-Clermont, Paris-Limoges-Toulouse und Bordeaux-Marseille gelten aufgrund höherer Passagieraufkommen als attraktiver für neue Betreiber. Hier stehen aber in den kommenden Jahren größere Instandsetzungsarbeiten an, zuzüglich der Erneuerung des rollenden Materials.

Der Staat hatte im Zuge der Bahnreform zugesagt, bis 2025 alle Tagesstrecken mit Ausnahme der Strecke von Bordeaux-Marseille (und zwei nächtlichen Verbindungen) für mehr als 3 Milliarden Euro mit neuen Fahrzeugen auszurüsten. Allerdings gilt diese Zusage nur, wenn ausreichend Mittel zur Verfügung stehen.

Bis Ende 2017 waren die jetzt zur Ausschreibung anstehenden Strecken mit neuen Zügen der Marke Alstom Coradia Liner ausgestattet worden. Im zweiten Halbjahr 2019 sollen auch auf der Strecke Toulouse-Bayonne-Hendaye neue Alstom Régiolis-Züge verkehren. Andere Ausrüstungsausschreibungen laufen derzeit.

Die Vorankündigung ist auf dem TED-Portal abrufbar: https://ted.europa.eu/TED/notice/udl?uri=TED:NOTICE:17637-2019:TEXT:FR:HTML&src=0

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Minstère de la Transition écologique et solidaire http://www.ecologique-solidaire.gouv.fr Zuständiges Ministerium für Verkehr

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Schienenfahrzeuge, Schienenverkehr, Ausschreibungswesen

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