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23.08.2019

Französische Armee macht Platz für Solarparks

Verteidigungsministerium lanciert Projektaufruf für Photovoltaikanlagen auf Militärgelände / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Wie 2018 angekündigt, stellt die französische Armee erste Grundstücke für Solarparks bereit. Bis Ende September 2019 können Unternehmen Interesse anmelden.

Das französische Verteidigungsministerium (Ministère des Armées) will bis 2022 etwa 2.000 Hektar Land für die Errichtung von Solarparks zur Verfügung stellen. Seit der Ankündigung im Jahr 2018 konnten aufgrund von administrativen Hürden erst 100 Hektar für Solarprojekte ausgewiesen werden. Am 30. Juli 2019 hatte das Ministerium einen Projektaufruf für weitere 267 Hektar gestartet. Davon befinden sich 253 Hektar auf einem Teil des Militärflugplatzes in Creil. Der Rest verteilt sich auf Armeeeinrichtungen in den Gemeinden Querqueville, Saint-Christol und Valbonne.

Verteidigungsministerium will regelmäßig Projektaufrufe starten

Bis zum 30. September 2019 sollen Unternehmen ihr Interesse bekunden, damit vor Ende 2019 Genehmigungen zur vorübergehenden Nutzung (für 30 Jahre) erteilt werden können. Weitere Projektaufrufe für die Errichtung von Solarparks sollen regelmäßig folgen, bis die Zielmarke von 2.000 Hektar erreicht ist. Dabei will die Armee zusätzlich Grundstücke, die nicht mehr benötigt werden, veräußern oder Betreiber für die Selbstversorgung der Armee mit Solarstrom gewinnen. Sie ist mit etwa 265.000 Hektar Land der größte staatliche Grundbesitzer. Zu den Ländereien der Armee zählen zudem etwa 45.000 Hektar Naturschutzgebiet.

Laut den Plänen der Regierung soll die Photovoltaikleistung in Frankreich von derzeit rund 9 Gigawatt auf bis zu 44,5 Gigawatt bis 2028 ansteigen. Nach Schätzungen des Verbandes für erneuerbare Energien SER (Syndicat des énergies renouvelables) sind dafür, je nachdem wie stark der Solarausbau auf Dächern vorankommt, zusätzlich 18.000 bis 27.000 Hektar Land für die Installation von Bodenanlagen notwendig.

Die sind nicht einfach zu finden, da im Rahmen der staatlichen Ausschreibungen keine landwirtschaftlichen Flächen genutzt werden dürfen. Die Ausschreibungen sind aber der einzige Weg, um größere Projekte umzusetzen und Einspeisevergütungen zu erhalten. Die Umweltbehörde Ademe hatte in einer Studie 18.000 Standorte für Solarparks mit einer Leistung von mehr als 50 Gigawatt identifiziert. Ein Großteil davon sind Konversionsflächen, für die es bei Ausschreibungen einen Zuschlag gibt. Hierbei müssen vielfach erst die Böden saniert werden, was die Kosten stark erhöhen kann.

Die französische Regierung hatte deshalb im Juni 2018 in ihrem Plan (Place au Soleil) zur Beschleunigung des Photovoltaikausbaus Maßnahmen zur besseren Verfügbarkeit von staatseigenen Grundstücken für Solarprojekte verkündet und parallel dazu den Privatsektor zur Teilnahme am Solarausbau aufgerufen. Supermarktketten wie E.Leclerc, Les Mousquetaires, Système U, Carrefour und Auchan gelobten, wo noch nicht geschehen, das Potenzial auf Laden- und Parkdächern für Photovoltaikmodule zu untersuchen und dort, wo es sinnvoll sei, Selbstversorgungsprojekte umzusetzen.

Auch die französische Bahn bietet Grundstücke an

Gleichzeitig boten die französische Bahngesellschaft SNCF (Société nationale des chemins de fer français) sowie die Armee Grundstücke an. SNCF will innerhalb von fünf Jahren etwa 100 Grundstücke mit jeweils mehr als 2 Hektar für Solarparks zur Verfügung stellen und Solarmodule auf den Dächern ihrer Gebäude installieren. Das Potenzial soll bei etwa 160.000 Quadratmetern liegen. Die Vorhaben kommen indes nur langsam voran. Instandhaltungszentren in Hellemmes und Romilly-sur-Seine sollen sich Ende 2019 fast vollständig über Photovoltaik-Dachanlagen selbst mit Strom versorgen können. Für den Bahnhof Saint-Lazare in Paris soll zunächst eine Machbarkeitsstudie ermitteln, ob entsprechende Dachmodule sinnvoll sind.

Um das Ziel von 40 bis 50 Prozent erneuerbaren Stroms bis 2025 zu erreichen, setzt SNCF stärker auf externe Lieferanten als auf die eigenen Dächer. Ende Juni 2019 hat die Bahngesellschaft mit dem französischen Betreiber Voltalia einen Liefervertrag für Photovoltaikstrom mit einer Laufzeit von 25 Jahren und einer Leistung von 143 Megawatt abgeschlossen. Dies ist eine der ersten großen Stromkaufvereinbarungen (Power Purchasing Agreements PPA) eines Unternehmens in Frankreich.

Nähere Informationen zur Solarenergie in Frankreich enthält der GTAI-Bericht "Branche Kompakt Solarenergie Frankreich", der nach kostenfreier Registrierung unter folgendem Link heruntergeladen werden kann: http://www.gtai.de/MKT201904158005

Interessierte Unternehmen können unter folgender Adresse Informationen sowie ein Dossier zum Projektaufruf des Verteidigungsministeriums erhalten:

Direction centrale du service d'infrastructure de la défense

Sous-direction gestion du patrimoine

3 rue de l'Indépendance Américaine

CS 80601

78013 Versailles Cedex

Oder per E-Mail an bgduebgp@laposte.net

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Syndicat des énergies renouvelables (SER) http://www.enr.fr Verband für Erneuerbare Energien
Ministère des Armées http://www.defense.gouv.fr Verteidigungsministerium

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Strom-/ Energieerzeugung, Solar

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