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08.09.2017

Französische Verkehrsunternehmen wollen eigenen Datenpool schaffen

Alternative zu großen Internet-Playern / Von Marcus Knupp

Paris (GTAI) - Die vier französischen Verkehrsanbieter SNCF, RATP, Transdev und BlaBlaCar bereiten eine gemeinsamen Datenbank mit Verkehrsdaten vor, wie die Wirtschaftszeitung Les Echos am 31. August 2017 berichtete. Der gemeinsame Pool soll künftig den umfangreichsten Bestand von Verkehrsdaten in Frankreich bereitstellen. Den vier Unternehmen würde er zur Nutzung freistehen, wodurch sie einen Vorteil gegenüber Silicon-Valley-Firmen wie Google, Apple oder Facebook hätten.

Bereits vor den Sommerferien 2017 haben sich die französische Eisenbahn Société Nationale des Chemins de Fer Français (SNCF), die Pariser Verkehrsbetriebe Régie Autonome des Transports Parisiens (RATP), das halb-öffentliche Verkehrsunternehmen Transdev und der Car-Sharing-Dienstleister BlaBlaCar geeinigt, ihre Daten zu möglichen Verkehrsverbindungen in einem gemeinsamen Pool zu bündeln. Dazu gehören sowohl Fahrplaninformationen als auch Echtzeitverbindungen.

Das so geschaffene Daten-Lager würde die umfangreichste Basis für Verkehrsinformationen in Frankreich darstellen. Die vier Partner könnten es konkurrierend für ihre Kundenbetreuung nutzen. Ihr Zugriff darauf wäre kostenfrei, während Dritte, wie die genannten Internetfirmen, die Daten nur gegen Gebühr nutzen dürften.

In einem Gesetz der französischen Regierung von 2015 (Loi Macron, nochmals bestätigt 2016 durch das Loi Lemaire, Loi pour une République numérique) wurde die freie Zugänglichkeit öffentlicher Daten proklamiert, um Innovationen im Bereich der Datenauswertung zu fördern. Nach Warnrufen aus der französischen Wirtschaft wurden die entsprechenden Verordnungen zu seiner Umsetzung jedoch noch nicht veröffentlicht.

Wie Les Echos weiter ausführt, folgt die Regierung derzeit mit Interesse dem Vorhaben der vier Verkehrsbetriebe. Die neue Verkehrsministerin Elisabeth Borne stand zuvor an der Spitze der RATP und dürfte daher mit dem Projekt vertraut sein. Das bestehende Reiseportal der SNCF wäre zunächst der Leidtragende, da die inländischen Wettbewerber nun ihr eigenes Angebot mit Hilfe des neuen Datenpools ausbauen könnten. Alle vier Verkehrsunternehmen sind sich aber offenbar einig, die Daten nicht kostenlos den Internet-Riesen zu überlassen.

(S.K.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Transport und Verkehr, allgemein, Öffentlicher-Personen-Nahverkehr (ÖPNV)

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