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22.02.2018

Französischer Markt für Wärme- und Kältetechnik zieht wieder an

Regierung ändert Förderung für Gebäudeeffizienz / Von Peter Buerstedde

Paris (GTAI) - Der Aufschwung im Wohnungsmarkt in Frankreich hat 2017 auch den Markt für Wärme- und Kältetechnik belebt. Dies geht aus der Jahresbilanz des Verbands Uniclima hervor. Die Aussichten sind auch 2018 gut und die Konjunkturbeschleunigung könnte die Renovierungspläne der Privathaushalte antreiben. Veränderte staatliche Fördermaßnahmen könnten ab 2019 den Markt für Biomassekessel und Wärmepumpen befeuern. (Kontaktadressen)

Der Verkauf von Heizungsanlagen auf Gas- oder Heizölbasis hat 2017 in Frankreich zugenommen. Wichtigster Wachstumstreiber war der Wohnungsmarkt, der sich kräftig erholt hat (siehe GTAI-Bericht: "Branche kompakt Hochbau": http://www.gtai.de/MKT201801158004). Der Absatz herkömmlicher Heizwertkessel, der 2016 stark eingebrochen war (-26 Prozent) hat sich 2017 wieder gefangen. Zugelegt haben auch energieeffiziente Brennwertkessel, die unter anderem durch gezielte Fördermaßnahmen Heizwertkessel immer weiter verdrängen.

Absatz von Wärme- und Kältetechnik in Frankreich (Stückzahlen, Veränderung in %)
2016 2017 Veränderung 2016/17 in %
Heizungsanlagen auf Gas- oder Heizölbasis, darunter 600.000 631.000 5,2
Heizwertgeräte 146.000 143.000 -2,1
Brennwertgeräte 454.000 488.000 7,5
Hybrid-Wärmepumpen k.A. 2.900 k.A.
Biomassekessel 9.700 10.700 10,3
Solarthermie 7.300 5.400 -26,0
Solarthermie in Kombination 360 330 -8,3
Luft-Wasser-Wärmepumpen 74.595 83.364 11,8
Erdwärmepumpen 2.700 2.489 -7,8
Warmwasser-Wärmepumpen 80.753 88.891 10,1
Split-Luftwärmepumpen 447.452 483.912 8,1
VRF-Klimaanlagen 20.665 23.335 12,9
Chiller (Kältemaschinen) 6.116 6.437 5,2
Brenner 60.300 60.600 0,5
Heizkörper k.A. k.A. 4,0

Quelle: Uniclima

Weiter schwach war die Entwicklung bei großen Brennwertanlagen mit einer Leistung von über 70 Kilowatt. Hier hat der Verband Uniclima (Syndicat des industries thermiques, aerauliques et frigorifiques) 2017 eine Stabilisierung (+1 Prozent) registriert, nach einem starken Rückgang im Vorjahr (-11 Prozent). Eine wichtige Rolle dürften hier die von der Zentralregierung, den Gemeinden und anderen Gebietskörperschaften auferlegten Einsparungen gespielt haben. Private Abnehmer aus Handel und Industrie sowie Entwicklerfirmen, die den Bau größerer Wohnanlagen verantworten, haben indes ihre Nachfrage ausgeweitet. Von der stärkeren Investitionsneigung in der Industrie profitierten 2017 auch Hersteller von Klimaanlagen und Kältemaschinen, sogenannten Chillern.

Biomassekessel wieder stärker gefragt

Biomassekessel haben sich 2017 nach drei Jahren des Rückgangs wieder besser verkauft. Der Verband Uniclima sieht als Grund hierfür die gestiegenen Heizölpreise. Bei Kleinfeuerungsanlagen für die Verbrennung von Scheitholz sind laut Analyse von Uniclima die Absatzzahlen stabil geblieben. Bei größeren automatischen Anlagen, die überwiegend mit Holzhackschnitzeln betrieben werden, nahmen die Verkäufe 2017 um 24 Prozent zu. Sie ersetzten im Rahmen von Renovierungsmaßnahmen häufig Heizölanlagen.

Solarthermieanlagen werden in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland selten eingesetzt - dafür aber deutlich mehr Warmwasser-Wärmepumpen. Wurden in Deutschland nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW-Solar) 2017 etwa 78.000 Solarthermieanlagen installiert, waren es nach Informationen von Uniclima im Nachbarland etwa 5.730. Davon waren 5.400 Warmwasseranlagen und nur 330 Anlagen in Kombination mit anderen Wärmeerzeugern (wie Holzheizkesseln, Wärmepumpen oder Gasbrennwertkesseln), die in Deutschland die Hälfte des Marktes ausmachen.

Im Neubausektor in Frankreich sind Warmwasser-Wärmepumpen eine große Konkurrenz für die Solarthermie. Im Rahmen der Wärmeverordnung (RT2012) und bedingt durch ihre geringeren Anschaffungskosten und einfachere Installation sind Wärmepumpen oft die erste Wahl für Bauentwickler. Den 2017 in Deutschland verkauften 13.500 Warmwasser-Wärmepumpen stehen in Frankreich knapp 89.000 gegenüber.

Der Aufschwung im Wohnungsbau hat den Absatz von Warmwasser-Wärmepumpen und Luft-Wasser-Wärmepumpen angetrieben. Erdwärme spielt aufgrund höherer Investitionskosten eine immer geringere Rolle. Der heiße Sommer 2017 hat außerdem den Split-Luftwärmepumpen bessere Verkäufe beschieden. VRF Klimaanlagen (Multi-Split-Klimasystem)und Chiller haben von steigenden Investitionen in Industrie und Handel profitiert.

Baukonjunktur verheißt auch 2018 gute Marktentwicklung

Die Aussichten für den Absatz von Heiz- und Kühltechnik sind 2018 und darüber hinaus weiter gut. Der Wohnungsbau und die Investitionen der Privatindustrie entwickeln sich kräftig. Die Immobilienverkäufe haben 2017 mit fast 1 Million Transaktionen ein Rekordniveau erreicht. 2018 deutet sich eine leichte Abschwächung auf hohem Niveau an. Die Immobilienfirma Century 21 erwartet einen Rückgang von 5 Prozent.

Gleichzeitig werden Förderinstrumente angepasst. Die französische Regierung hatte Ende November 2017 die Eckpunkte eines neuen Plans zur Förderung der Gebäudeeffizienz (Plan renovation energetique des batiments) verkündet, der noch vor Mitte 2018 angenommen werden könnte. Insgesamt will die Regierung bis 2022 rund 5,5 Milliarden Euro an Krediten und 8,5 Milliarden Euro an Subventionen für Effizienzmaßnahmen in Gebäuden vergeben. Mehr Informationen bietet der GTAI-Bericht "Frankreich will Anreize für energetische Gebäudesanierungen verbessern" (http://www.gtai.de/MKT201712148004). Ein Teil der Investitionen wird auch in die Erneuerung der Heiz- und Kühltechnik fließen.

Erste Maßnahmen wurden direkt umgesetzt. So gilt die Steuergutschrift CITE (Credit d'impot transition energetique) von 30 Prozent für energiesparende Geräte und Arbeiten, seit 1. Januar 2018 nicht mehr für Heizwertkessel auf Heizöl-Basis. Die Steuergutschrift wird ab 2019 zudem in eine Prämie umgewandelt. Eine Ausnahme besteht lediglich für effizientere Geräte, die eine Frist bis 30. Juni 2018 genießen (zum halben Steuersatz von 15 Prozent). Brennwertkessel werden weiter gefördert. Daher dürfte sich die Verlagerung von Heizwert- zu Brennwertkesseln 2018 verstärken. Allerdings hat die Regierung gleichzeitig den Anstieg von CO2-Steuern auf Heizöl und Gas beschleunigt. Dies macht auch Biomassekessel und Wärmepumpen attraktiver.

MKT201802218005.14

Im Zeitraum 2018 bis 2020 muss die Energiebranche außerdem eine doppelt so hohe Einsparverpflichtung erreichen und dafür Energiesparzertifikate (Certificats d'economies d'energie) vorweisen. Dazu bieten die betroffenen Unternehmen unter anderem Zuschüsse für die Gebäudesanierung und für den Austausch von Heizgeräten. Trotz vielfacher Vergünstigungen für die Anschaffung moderner Heiztechnik, beklagt der Verband Uniclima 2017 eine schwache Entwicklung bei den Renovierungen. Angesichts niedriger Strompreise heizen viele Haushalte in Frankreich weiterhin vollständig (oder bei Bedarf zusätzlich) mit Strom. Entsprechend begrenzt ist das Interesse an Sanierungsmaßnahmen.

Im Neubau könnten ab 2019 oder 2020 wichtige Impulse für energieeffiziente Heiztechnik von einer geplanten neuen Wärmeverordnung ausgehen. Sie wird, um die EU-Gebäudeeffizienzrichtlinie 2010/31 zu erfüllen, ab 2021 nur noch Gebäude vorsehen, die eine nahezu ausgeglichene Energiebilanz aufweisen. Seit 2016 laufen in Frankreich Versuche mit einem Energieeffizienzlabel E+C-, das im Unterschied zur derzeit gültigen Wärmeverordnung (RT2012) auch auf eine Rückführung des CO2-Ausstoßes im Bau und von den Materialien abzielt. Dieses Label gilt als Vorgriff auf die neue Verordnung. Wird dort das Augenmerk stärker auf CO2 gelegt, könnte dies den Einsatz von Biomassekesseln und Wärmepumpen antreiben.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
AHK Frankreich http://frankreich.ahk.de Berät beim Markteinstieg in Frankreich
Syndicat des industries thermiques, aerauliques et frigorifiques (Uniclima) http://www.uniclima.fr Verband der Hersteller von Heiz- und Kühltechnik
Association Francaise pour les Pompes a Chaleur (Afpac) http://www.afpac.org Verband der Hersteller von Wärmepumpen

(P.B.)

Weitere Informationen zu Frankreich finden Sie unter http://www.gtai.de/frankreich

Dieser Artikel ist relevant für:

Frankreich Heiz, Klima-, Luft-, Kühl- u. Kältetechnik

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