Suche

01.10.2018

Freihandel zwischen Japan und der EU kann starten

Vereinbartes Partnerschaftsabkommen schürt hohe Erwartungen / Von Jürgen Maurer

Tokyo (GTAI) - Für die EU stehen beim EPA Agrarerzeugnisse, für Japan Kfz und Elektronik im Fokus. Neben dem zollfreien Warenaustausch geht es um die Bekämpfung nichttarifärer Handelshemmnisse.

Das Freihandelsabkommen zwischen Japan und der Europäischen Union (EU) ist auf den Weg gebracht: Am 17. Juli 2018 wurde in Tokyo ein Economic Partnership Agreement (EPA) unterzeichnet. Mit dem Inkrafttreten wird früh im Jahr 2019 gerechnet. Das Abkommen soll sich in seinen Grundzügen auf den Abbau von Handelsschranken konzentrieren, wertmäßig circa 37 Prozent des Welthandels umfassen und somit den gegenwärtig größten Freihandelsraum schaffen.

Das Bündnis fördert den Austausch von Waren und Dienstleistungen, Investitionen sowie die Kooperation beispielsweise in Fragen von Standards und Klimaschutz. Themen, bei denen sich Japan und die EU noch nicht einigen konnten, wie die Beilegung von Investitionsstreitigkeiten, werden vorerst ausgeklammert und noch separat verhandelt.

Die politische Übereinkunft über den Freihandel zwischen zwei der größten Wirtschaftsregionen der Welt wird als Meilenstein und Zeichen gegen Protektionismus gefeiert. Von japanischer Seite wurde im Vorfeld beklagt, dass 70 Prozent ihrer Exporte in die EU einer Zollpflicht unterliegen, während umgekehrt 70 Prozent der japanischen Einfuhren aus der EU bereits zollfrei behandelt werden. Von europäischer Seite aus machen sich neben den Zollsätzen auch nichttarifäre Handelshemmnisse bei den Geschäftsbeziehungen mit Japan negativ bemerkbar.

Insgesamt konnten beide Seiten ihre wichtigsten Interessen bei den Verhandlungen durchsetzen. Die EU erwartet unter anderem leichteren Marktzugang für agrarische Produkte und größere Chancen bei öffentlichen Auftragsvergaben. Hauptaugenmerk ist der Agrarsektor, da Japan dort relativ hohe Zollsätze von durchschnittlich rund 13 Prozent erhebt.

Außerdem geht die EU davon aus, dass allein der Export von verarbeiteten Nahrungsmitteln nach Japan um bis zu 180 Prozent steigen könnte. Dies würde einem zusätzlichen Umsatz in Höhe von 10 Milliarden Euro entsprechen. Der Effekt für Investitionsgüter dürfte weitaus schwächer ausfallen: Sie belegt Japan in vielen Bereichen sowieso bereits mit relativ geringen Zöllen.

Umgekehrt erwartet Japan für Exporte in die EU Zollsenkungen auf wichtige industrielle Erzeugnisse wie etwa Fahrzeuge und elektrische Maschinen. Auf Komplettfahrzeuge beträgt der Zollsatz gegenwärtig 10 Prozent, auf Schaltgetriebe zwischen 3 und 4,5 Prozent sowie auf Autoreifen 4,5 Prozent. Japans Automobilhersteller wollen ihren in der EU im Jahr 2016 auf 12,7 Prozent geschrumpften Absatzanteil wieder ausweiten.

EU will etwa 99 Prozent der Zölle abschaffen

Die EU kommt Japan entgegen, indem sie der japanischen Seite einen geringeren Abbau von Zöllen erlaubt. So soll Tokyo circa 94 Prozent seiner Handelstarife senken müssen, während Brüssel etwa 99 Prozent der Zölle abschaffen will. Die Übergangsfristen laufen bis zu 16 Jahre und fallen je nach Erzeugnis sehr unterschiedlich aus. Zudem wird mit Importquoten gearbeitet.

Beispielsweise wird auf Weine aus der EU sofort nach Start des EPA kein Zoll mehr erhoben. Mit einer Übergangsfrist von bis zu 16 Jahren werden verschiedene Käsesorten, Teigwaren und Schweinefleisch aus europäischer Erzeugung etwas länger warten müssen, bis sie zollfrei nach Japan eingeführt werden können. Ganz von Zollsenkungen ausgenommen sind Reis und Seetang.

Umgekehrt kann japanischer Sake sofort nach Inkrafttreten des EPA zollfrei in die EU geliefert werden. Ebenfalls sofort wegfallen sollen die Einfuhrabgaben auf 92 Prozent der japanischen Kfz-Teile in die EU. Für Komplettfahrzeuge aus japanischer Produktion wird der bestehende Zollsatz von 10 Prozent innerhalb von acht Jahren nach Vertragsbeginn auf null gesenkt.

Deutsche Lieferungen ausgewählter Produkte nach Japan (in Millionen Euro, Veränderung und Anteil in Prozent)
Produkt SITC-Code 2016 2017 Veränd. 17/16 Anteil 2017
.Kfz und -Teile 78 5.293 5.824 10,0 29,8
.Maschinen 71-74 2.791 2.839 1,7 14,5
.Arzneimittel 54 2.198 2.523 14,8 12,9
.Mess- und Regeltechnik 87 1.400 1.420 1,4 7,3
.Elektrotechnik 77 minus 776 1.209 1.218 0,7 6,2
.Industriechemikalien 51+52 1.202 1.147 -4,6 5,9
Insgesamt - 18.307 19.531 6,7 100,0

Quelle: Destatis, Berechnungen von Germany Trade & Invest

Deutsche Einfuhren ausgewählter Produkte aus Japan (in Millionen Euro, Veränderung und Anteil in Prozent)
Produkt SITC-Code 2016 2017 Veränd. 17/16 Anteil 2017
.Elektronik 75+76+776 4.090 4.215 3,1 18,4
.Maschinen 71-74 3.590 3.638 1,3 15,9
.Kfz und -Teile 78 3.427 3.547 3,5 15,5
.Elektrotechnik 77 minus 776 2.602 2.836 9,0 12,4
.Mess- und Regeltechnik 87 1.885 1.990 5,6 8,7
Insgesamt - 21.922 22.875 4,3 100,0

Quelle: Destatis, Berechnungen von Germany Trade & Invest

EPA regelt neben Zöllen auch weitere Bereiche

Abgesehen vom Freihandel mit Waren wird eine Reihe von Bereichen in dem Wirtschaftspartnerschaftsabkommen geregelt. Die Kooperation über die Harmonisierung von Bestimmungen und Standards für industrielle Erzeugnisse soll intensiviert werden. Gerade im Bereich nichttarifärer Hemmnisse treten in der Praxis immer die größten Friktionen auf, die für zeit- und kostenaufwendige Verzögerungen sorgen.

Der Dienstleistungshandel wird auch stärker geöffnet, wie für E-Commerce, Finanzen, Telekommunikation und Transport. Im Transportbereich erwartet die EU einen leichteren Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen beim Schienennetz. Obwohl beide Seiten dem Government Procurement Agreement der Welthandelsorganisation beigetreten sind, stehen ausländische Unternehmen in Japan immer noch vor hohen Hürden. Zumindest für 48 große japanische Städte sollen die Schranken bei öffentlichen Ausschreibungen sinken.

Freihandel steht weit oben in den außenpolitischen Zielen der japanischen Regierung, die den zunehmenden protektionistischen Tendenzen aus den USA entgegentreten will. Dementsprechend hat Japan ebenfalls den Abschluss des Comprehensive and Progressive Agreement for Trans-Pacific Partnership (CPTPP) oder auch TPP-11 vorangetrieben, in dem sich nach dem Ausstieg der USA die elf Länder Japan, Australien, Brunei, Chile, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam auf den Abbau von Handelsschranken geeinigt haben. Das TPP-11 wurde im März 2018 unterzeichnet und tritt in Kraft, sobald es sechs Vertragsparteien ratifiziert haben.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht und Zoll in Japan können Sie unter http://www.gtai.de/japan abrufen. Die Seite http://www.gtai.de/asien-pazifik bietet einen Überblick zu verschiedenen Themen in Asien-Pazifik.

Dieser Artikel ist relevant für:

Japan Wirtschaftsbeziehungen zur EU, Handels-, Zollabkommen, WTO

Funktionen

Kontakt

Oliver Höflinger

‎+49 30 200 099 327

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche