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18.06.2019

Frischer Wind bläst dem polnischen Schiffbau in die Segel

Werften produzieren zunehmend für Offshore-Farmen / Von Beatrice Repetzki

Warschau (GTAI) - Der Schiffbau in Polen will zu alter Größe zurück finden. Die Werften in Danzig und Stettin wollen gemeinsam Aufträge gewinnen.

Die Stocznia Gdanska S.A. (Danziger Werft AG) und die Stocznia Szczecinska (Stettiner Werft) vereinbarten Anfang 2019, bei der Wiederbelebung und Entwicklung des polnischen Schiffsbaus zu kooperieren. Die beiden großen Ostseewerften wollen sich künftig zusammen um Aufträge bewerben und diese durchführen.

Im 2. Halbjahr 2018 war die Stocznia Gdanska in inländische Hände zurückgekehrt. Gesellschaften der Gruppe der Agencja Rozwoju Przemyslu (ARP, Agentur für Industrieentwicklung) hatten 81,1 Prozent der Aktien und 50 Prozent der Anteile an der Tochtergesellschaft von Stocznia Gdanska, GSG Towers Sp. z o.o., übernommen. Ziel der Transaktion ist, Schiffbaukompetenzen aufzubauen und die vorhandenen Kenntnisse zum Bau von Windradmasten zu nutzen.

In Gdansk (Danzig) befinden sich die größten Kapazitäten des Landes für Onshore-Windradmasten (26 Stück/Monat). Stocznia Gdanska und GSG Towers beschäftigen insgesamt 860 Personen. GSG Towers will sich auch im Offshore-Bereich engagieren. Das Unternehmen unterzeichnete im Februar 2019 mit der norwegischen Aker Solutions einen Vertrag über die Montage großformatiger Stahlkonstruktionen für Erdölplattformen.

Die Offshore-Windenergie soll laut dem Stellvertretenden Vorsitzenden der ARP, Andrzej Kensbok, zu einem wichtigen Standbein für die polnischen Werften werden. Die Errichtung der ersten polnischen Offshore-Windparks in der Ostsee wird zurzeit vorbereitet.

Projekte bei der Stettiner Werft

Nach dem Bankrott der Stocznia Szczecinska 2009 gründete die Finanzierungsgesellschaft Towarzystwo Finansowe Silesia 2014 auf deren Gebiet den Szczecinski Park Przemyslowy (SPP, Stettiner Industriepark). Auf Initiative des SPP entstand 2016 das Szczecinskie Konsorcjum Okretowe (SKO, Stettiner Schiffbaukonsortium) mit mehreren Dutzend in- und ausländischen Mitgliedsfirmen (darunter aus Norwegen), das ganze Schiffe bauen will.

Mehrere private Unternehmen produzieren derzeit im SPP. Um dort die bedeutende Schiffbautradition wiederzubeleben, wären jedoch Investitionen in Höhe von 30 Millionen bis 50 Millionen Euro notwendig, sagte Rafal Zahorski, Bevollmächtigter für die Meereswirtschaft des Marschalls der Woiwodschaft Zachodniopomorskie (Westpommern), gegenüber der Tageszeitung Rzeczpospolita.

Die Europäische Union (EU) fördert erstmals Schiffbauprojekte kleiner und mittlerer Unternehmen (KMU). Dadurch erhalten 24 Firmen aus Zachodniopomorskie finanzielle Unterstützung für Vorhaben im Gesamtwert von über 17 Millionen Euro, so Zahorski weiter. Zu den Projekten zählten die Produktion einer versenkbaren Ponton-Helling oder von auf Kunststoffflößen schwimmenden Hausbooten. Alle am 5. Februar 2019 positiv beschiedenen Vorhaben seien besonders und innovativ. Es bestünden Chancen, weitere EU-Mittel zu generieren.

Den Bau von zwei Mehrzweck-Massengutfrachtern, sogenannten Coasters, unter dem eigenen Namen vereinbarte die Stocznia Szczecinska im Mai 2018 mit einem deutschen Reeder. Diese sind 89,5 Meter lang, 12,9 Meter breit und haben eine Tragfähigkeit von 2.800 DWT (deadweight tonnage). Vertraglich festgehalten wurde außerdem eine Option zum Bau von 18 weiteren solchen Frachtern. Zuvor hatte die Stocznia Szczecinska zusammen mit Partnerfirmen Schiffe und Boote produziert. Im Jahr 2017 waren bei der ihr nach eigenen Angaben 87 schwimmende Einheiten vom Stapel gelaufen.

Entwicklung neuer Technologien

Die inländischen Werften machen sich auch als Reparaturwerften und Zulieferer an ausländische Schiffbauer einen Namen. Die Stocznia Gdanska und die Baltic Operator Sp. z o.o. vereinbarten im April 2019 mit der norwegischen Ulstein Verft AS die Lieferung technologisch anspruchsvoller Blöcke als große Bestandteile beziehungsweise Module von Schiffen Anfang 2020. Die Ulstein Group baut unter anderem Trawler, Fähren sowie exklusive Ausflugs- und Kreuzfahrtschiffe.

Polnische Schiffbauer bieten auch Neuentwicklungen an. Die Werft Damen Shipyards Kozle in Kedzierzyn-Kozle (Kandzin Cosel), liefert der Stadt Kopenhagen fünf elektrische Fähren, sogenannte Wasserbusse. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichnete die zur niederländischen Damen Shipyards Group gehörende Werft im November 2018. Laut deren Vorsitzendem Jacek Malek handelt es sich dabei um das erste schlüsselfertige Projekt dieser Art in Polen.

Den umweltfreundlichen Fähren gehört laut Pawel Brzezicki, dem Vorsitzenden des Zwiazek Armatorow Polskich (ZAP, Verband der Polnischen Reeder), die Zukunft. Daher entwickelten inländische Werften bereits seit einigen Jahren neue Technologien dafür. Ähnlich wie bei Kfz dürften mit Flüssigerdgas (Liquefied Natural Gas, LNG), mit Elektromotor oder mit Hybridvarianten angetriebene Fähren Dieselmodelle zunehmend verdrängen. Inländische Hersteller könnten in diesem Segment künftig eine bedeutende Rolle spielen. Die inländische Produktion von ganzen Schiffen sowie Freizeit- und Sportbooten mit Segeln und/oder Motor nahm in den vergangenen Jahren wieder zu.

Produktion von Meeresschiffen sowie Freizeit- und Sportbooten (in Stück, Größe in Bruttoraumzahl BRZ)
2014 2015 2016 2017
Meeresschiffe 5 1 5 7
.BRZ der Meeresschiffe 46.433 5.087 6.405 27.893
Boote 4.166 6.024 6.095 6.906

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS

Kontaktanschriften

Stocznia Gdanska S.A. (Danziger Werft) http://www.gdanskshipyard.pl
Stocznia Szczecinska (Stettiner Werft) https://stocznia-szczecinska.pl
Damen Shipyards Kozle http://www.damenkozle.pl
Zwiazek Armarorow Polskich (Verband der Polnischen Reeder) http://www.polshipowners.pl
Agencja Rozwoju Przemyslu (ARP, Agentur für Industrieentwicklung) http://www.arp.pl

Mehr zum Land finden Sie unter: http://www.gtai.de/Polen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Polen Wasserfahrzeuge, Schiffsverkehr / Häfen

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