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02.06.2017

Gasexporte aus Mauretanien ab 2021 geplant

BP steigt in Tortue-Feld ein / Potenzial auch bei den erneuerbaren Energien / Von Fausi Najjar

Nouakchott (GTAI) - Mauretanien wird voraussichtlich ab 2021 Erdgas exportieren. Der Energieriese BP plant zur Entwicklung des Greater Tortue Feldes Investitionen von 1 Mrd. US$. Nach BP hat im Mai 2017 der französische Konzern Total Explorationen vor der mauretanischen Küste angekündigt. Auf Erdgas basierende Kraftwerksprojekte für den heimischen und regionalen Verbrauch stagnieren hingegen. Die erneuerbaren Energien kommen gut voran.

Schätzungen zufolge könnten vor der Küste Mauretaniens und Senegals unterhalb des Meeresbodens auf einer Fläche von mehr als 33.000 qkm rund 1,42 Trillionen Kubikmeter Gas und eine Billion Barrel Erdöl lagern. Rund 425 Billionen Kubikmeter Erdgas des Feldes Greater Tortue Complex gelten als gesichert. Auch das sei schon eine beträchtliche Menge und reiche für eine Kommerzialisierung im Rahmen eines Gasverflüssigungsprojekts, so der Geschäftsführer des maßgeblich an der Entdeckung und Erschließung beteiligten US-amerikanischen Explorationsunternehmens Kosmos Energy im März 2016. Der Einstieg von BP im Dezember 2016 bekräftigt diese Aussage.

Das Gasfeld liegt ungefähr zu gleichen Teilen vor der mauretanischen und senegalesischen Küste. Auf BP entfallen beim mauretanischen Teil des Erdgasfeldes 62%, auf Kosmos Energy 28% und auf die mauretanische Ölgesellschaft SMHPM (Société Mauritanienne des Hydrocarbures et de Patrimoine) 10% des Kapitals. Auch in Senegal und Gambia werden Kosmos Energy und BP kooperieren. Jüngsten Berichten vom Mai 2017 zufolge soll nach dem Willen von Kosmos Energy und BP das Gas im Jahr 2021 fließen. Bezüglich konkreter Projektpläne halten sich allerdings die beiden Unternehmen bislang zurück. Tatsächlich lässt sich ein Zeitplan kaum abschließend aufstellen. Schon alleine die Verhandlungen über die Aufteilung des Feldes zwischen Sengal und Mauretanien sind kompliziert.

Auch der Total-Konzern verstärkt sein Engagement

Im Mai 2017 hat der französische Ölkonzern Total einen Explorations- und Produktionsvertrag vor der Küste Mauretaniens für eine Fläche von 7.300 qkm (Block C7) mit der mauretanischen Regierung beschlossen. Total wird mit einem Anteil von 90% federführend in der Durchführung des Projektes sein. Dem mauretanischen Staatsunternehmen SMHPM verbleiben 10%. Umso bemerkenswerter ist der Einstieg der beiden Energiekonzerne vor dem Hintergrund, dass das weltweite Portfolio für Investitionen in die Erschließung neuer Felder 2017 mit rund 40 Mrd. $ ungefähr der Hälfte des Jahres 2014 entspricht. Total ist schon in Mauretanien engagiert und ist im Besitz zweier Explorations-Produktionslizenzen (jeweils Off- und Onshore).

Aktiv gefördert wurde in Mauretanien bislang lediglich ein kleines Erdölfeld namens Chinguetti. Gerade das Offshore-Feld zeigt, dass anfängliche Euphorie im Öl- und Gasgeschäft oftmals schnell verfliegen kann, denn es liefert nur einen Bruchteil dessen, womit bei der Erschließung vor 15 Jahren gerechnet worden ist. Die Förderung aus dem Offshore-Feld wird womöglich noch 2017 stillgelegt.

Heimische Nutzung von Erdgas stagniert

Weiterhin unklar ist, ob ein Gas-to-Power Projekt für die heimische Nutzung und den Stromexport in die Nachbarländer Mali und Senegal umgesetzt wird. Geplant war mit dem Bau zweier Kraftwerke (120 MW und 180 MW) das in Küstennähe liegende Gasfeld Banda für die Stromversorgung der mauretanischen Minenindustrie und der Nachbarländer Senegal (125 MW) und Mali (50 MW) zu aktivieren. Mit dem Fall des Goldpreises hat allerdings das in Mauretanien tätige kanadische Bergbauunternehmen Kinross Mitte 2015 bezweifelt, ob es den Strom abnehmen wird. Auch das staatliche Eisenerzunternehmen SNIM (Société nationale industrielle et minière) wird wohl seine Produktion kaum steigern und deswegen keinen Mehrbedarf an Strom benötigen.

Großes Potenzial bei den erneuerbaren Energien

Nicht nur bei Gas und Öl ist für die kommenden Jahre eine Expansion zu erwarten. Mauretanien verfügt über ein großes Potenzial bei den erneuerbaren Energien. In der Fotovoltaik liegt es Schätzungen zufolge bei 2.000 bis 2.300 Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Für die Windkraft eignet sich insbesondere die Küstenregion. In der nördlichen Region Nouadhibou liegen die Küstenwinde bei mehr als 9 m/s. Die mauretanische Regierung plant bis 2020 den Anteil der erneuerbaren Energien auf 20% zu erhöhen. Rechnet man die Stromnachfrage des Minensektors nicht ein, so decken die erneuerbaren Energien jetzt schon mehr als 30% des Strombedarfes ab. Zukünftig soll vor allem die kaum an ein elektrisches Netz angeschlossene Bevölkerung auf dem Land von Fotovoltaik-Anlagen profitieren. Die Chancen für die Umsetzung stehen gut.

Mauretaniens Wirtschaft ist nach dem Einbruch der Weltmarktpreise für Eisen, Kupfer und Gold von durchschnittlich 5,8% in den Jahren 2013 und 2014 auf 1,2% in den beiden Folgejahren gefallen. Fraglich ist dabei, ob die Weltmarktpreise der bisherigen Rohstoffexporte mittelfristig das Niveau erreichen, wie das zu Zeiten des sogenannten Superzyklus (2004 bis 2014) der Fall war. Das Bruttoinlandsprodukt des unterentwickelten Landes liegt bei rund 4,7 Mrd. $ (2016). Alleine deswegen werden auch die im internationalem Maßstab eher geringen Funde das Wachstum des Wüstenstaates spürbar stützen.

Trotz Wachstumsimpulsen aufgrund der Erdgasfunde bleiben die Aussichten, dass sich Mauretaniens Wirtschaft diversifiziert und die breite Bevölkerung von einem anziehenden Wachstum profitiert eher gering. Zwar können die Erlöse aus den Rohstoffexporten den Umbau von Wirtschaft und Gesellschaft finanzieren, gleichzeitig sorgen aber die zentral verfügbaren Exporteinkommen in den afrikanischen Ländern regelmäßig dafür, dass sie Entwicklungen verschleppen und die herrschenden Eliten ihre Position festigen. Mauretanien ist zudem selbst für afrikanische Verhältnisse stark in seinen rigiden und hierarchischen Sozialbeziehungen zwischen den verschiedenen Volksgruppen verhaftet.

(FN)

Dieser Artikel ist relevant für:

Mauretanien Energie, Wasser, Wärme, allgemein, Wärme- und Gasversorgung, Strom-/ Energieerzeugung, Fossile Energien

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