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16.11.2017

GCC-Staaten setzen auf "Belt and Road Initiative"

Projekte in den Bereichen Verkehr und Energie / Wichtiger Beitrag zur Diversifizierung der Wirtschaft

Bonn (GTAI) - Die Seidenstraße führt nicht direkt durch die Staaten des Golf-Kooperationsrat, besitzt dennoch einen hohen ökonomischen und geopolitischen Stellenwert für die Region. Die sechs GCC-Länder (Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, VAE) können vom wachsenden Handel profitieren und auch politisch am weiteren Aufstieg Chinas teilhaben. Dessen primäres Interesse an der Region liegt vor allem an den Ressourcen Öl und Gas sowie der strategisch wichtigen geographischen Lage.

Für Saudi-Arabien wichtiges Element der "Vision 2030"

Als größter Handelspartner Chinas in der Region begrüßt Saudi-Arabien die Anstrengungen der "Belt and Road Initiative". Energieminister Al-Falih betonte in seiner Rede beim Belt and Road Forum im Mai 2017 in Peking die besondere Vereinbarkeit der eigenen eher national ausgerichteten "Vision 2030" mit dem internationalen Projekt. Saudi-Arabien muss die eigene Wirtschaft diversifizieren und die Anhängigkeit vom Energiesektor reduzieren. Von der chinesischen Initiative und dem Ausbau der Infrastruktur erwartet das Königreich eine Steigerung des Handels und der Investitionen. Mit seiner strategischen Lage zwischen der Land- und Seeroute der Seidenstraße, besitzt Saudi Arabien eine wichtige Schlüsselposition und sieht sich als führende Kraft in der regionalen Entwicklung.

Bisher bestehen Kooperationsabkommen mit China bei 35 Projekten im Wert von 35 Milliarden US-Dollar (US$) in den Bereichen Energie, Kommunikation, Technologie, Umwelt, Kultur, Luftfahrt und wissenschaftliche Forschung. Alleine in der Jazan Economic City will China einen Polyester-Komplex für 3,8 Milliarden US$ errichten. Im Energiesektor wurde eine Absichtserklärung zur Zusammenarbeit zwischen der China Nuclear E&C Group und der King Abdullah City for Atomic and Renewable Energy unterzeichnet.

VAE als Drehscheibe von Belt and Road

Einer der größten Verfechter der chinesischen Initiative sind die Vereinigten Arabischen Emirate. Die VAE sind Gründungsmitglied der Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB), die die zentrale Mission der Verwirklichung der neuen Seidenstraße vertritt. Für die Emirate ist neben der Energieversorgung der weitere Ausbau der Handelsbeziehungen wichtigstes Element in der Zusammenarbeit mit China.

Abu Dhabi Ports hat 2016 einen Vertrag im Wert von 738 Millionen US$ mit der Cosco Shipping Co. für den Bau und den Betrieb eines zweiten Terminals am Khalifa Hafen geschlossen. Der Skaleneffekt von einer erhöhten Abfertigung von Schiffen und einer besseren Anbindung mit anderen Terminals führt zu reduzierten Frachtkosten. Cosco wird 2019 mit einer Kapazität von 2,5 Millionen 20-Fuß Containern beginnen und hat die Erweiterungsoption auf 3,5 Millionen. Die VAE wollen weitere internationale Partner für die zum Teil neu errichteten Free Trade Zones gewinnen. Die "Khalifa Port Free Trade Zone" wirbt um ausländische Investitionen in den Bereichen Aluminium, Lebensmittel, Pharmazie, Polymer und "Third Party Logistics".

Handelsabkommen mit Bahrain

Das Bahrain Economic Development Board (EDB) hat bereits Abkommen mit chinesischen Partnern zur Intensivierung der wirtschaftlichen Zusammenarbeit unterschrieben. So soll eine Vereinbarung mit der China Hi-Tech Transfer Centre die gegenseitig Kooperation im Bereich Informations- und Kommunikationstechnologie verbessern. Dazu gehört die gegenseitige Förderung der China Hi-Tech Fair in Bahrain und anliegenden Golfstaaten. Der Vertrag mit der Shenzhen Belt and Road Economy and Technology Cooperation Association dient der Verbesserung des Informationsaustausches über Investitionsprojekte sowie eines vereinfachten Registrierungsprozesses für Unternehmen. Ein MoU mit der Shenzhen Cross-Border E-Commerce Association strebt eine generelle Stärkung der Kooperation zwischen beiden Partnern an. Viele chinesische Unternehmen, wie Huawei, Bank of China, China Harbor Engineering Company und China International Marine Containers (CIMC) haben bereits Niederlassungen in Bahrain.

Kuwait muss Abhängigkeit vom Erdöl reduzieren

In Kuwait besitzt der Ölsektor mit einem Anteil von rund 50 Prozent am Bruttoinlandprodukt die dominante Rolle der Wirtschaft. Weitere 30 Prozent entfallen auf den Dienstleistungssektor, insbesondere in den Bereichen Finanzen, Immobilien und Versicherung. China ist in erster Linie wichtiger Erdöl-Kunde. Mit der Vision "Kuwait 2035" strebt das Königreich die Transformation hin zu einem globalen Finanz- und Handelszentrum an. In diesen Bereichen ist eine Stärkung der Kooperation auch im Rahmen der "Belt and Road Initiative" in Kuwait zu erwarten.

Katar setzt auf Zusammenarbeit mit China

Nach Einschätzung der Handelskammer von Katar spielt die Privatwirtschaft eine wichtige Rolle für die Kooperation beider Länder. Mehr als 100 chinesische Firmen sind bereits in Katar ansässig. Die Zusammenarbeit im Rahmen des CPEC wird die bilateralen Beziehungen nach Einschätzung der Handelskammer weiter stärken. Die Existenz eines Clearing-Zentrums gilt als wichtige Säule und stellt das erste seiner Art im Mittleren Osten dar. Dieses soll zu einem schnelleren und günstigeren Warenaustausch zwischen beiden Ländern führen. So verzeichnete der Handel zwischen Katar und China in Renminbi Yuan (RMB) bereits in den vergangenen Jahren einen deutlichen Aufschwung. Nach Presseberichten hat die als chinesische Verbindungsbank in Doha ansässige Industrial and Commercial Bank of China (ICBC) seit 2015 bereits Yuan-Geschäfte im Umfang von etwa 590 Milliarden Yuan abgewickelt.

Oman profitiert von seiner geographischen Lage

Oman liegt an der entscheidenden Kreuzung von Chinas maritimem Handelsweg der Seidenstraße am Indischen Meer. Das Sultanat zeigt starkes Interesse an einer Zusammenarbeit im Rahmen der Initiative, vor allem in den Bereichen Infrastruktur, Logistik, Bergbau und Tourismus. Die für 2018 geplante Northern and Central Industrial Zone im Wert von rund 10 Milliarden US$ beinhaltet unter anderem eine Erdölraffinerie sowie die Produktion von Float- Gas und Methanol. Daneben beteiligt sich China wesentlich an Omans Öl- und Petrochemiesektor. China National Petroleum Corporation, China Gas Holdings und SINOPEC haben in verschiedene Energie-, Transport- und Industrievorhaben investiert.

Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen

Öffentliche Investitionen sind bisher die treibende Kraft hinter dem Projektgeschäft in den GCC-Staaten. Die deutlich gesunkenen Staatseinnahmen beeinflussen deshalb das Geschäft stark. Der Trend in der Region geht nun zur stärkeren Beteiligung des Privatsektors an der Projektfinanzierung über Public Private Partnerships (PPP). Die Abwicklung von Bauprojekten erfolgt in den GCC-Staaten in der Regel nach international üblichen Verfahren. Vielfach wird die Projektsteuerung und -überwachung renommierten internationalen Architektur- und Ingenieurbüros übertragen. Großvorhaben werden oft an EPC-Anbieter (Engineering, Procurement and Construction) vergeben, die Projekte schlüsselfertig aushändigen, die Finanzierung stellen und die Haftung übernehmen. EPC-Anbieter aus der VR China und Südkorea haben in vielen Bereichen den Projektmarkt weitgehend übernommen.

Beteiligungschancen für deutsche Unternehmen können sich vor allem als Technologielieferanten, Basis-Planungspartner, "Owner's Engineer" und Unterauftragnehmer ergeben. Bei Beratungsdienstleistungen ist die Konkurrenz groß. Britische und US-amerikanische Berater und Architekten dominieren. Dies erschwert den Zugang zu den Projekten für Bauunternehmen aus anderen Nationen. In der Praxis hat es sich deshalb für viele Unternehmen bewährt, schon vor der Teilnahme an der eigentlichen Ausschreibung Kontakte zu knüpfen. Wegen der zahlreichen Vorhaben, die derzeit nicht planmäßig umgesetzt werden, hat sich der Wettbewerb um die vorhandenen Projekte verschärft.

Ausgewählte Großprojekte in den GCC-Ländern
Projektbezeichnung Investitionssumme (Mio. US$) und Geldgeber Umsetzungszeitraum und Projektstand (aktuellen Projektstand genau prüfen und die genaue Projektphase angeben) Durchführer/Generalauftragnehmer mit Nationalität
Saudi Arabien: Yanbu Power Plant & Desalination Plant: Phase 3 1.370 2017 bis 2020; Durchführung Bauherr: SWCC / Marafiq JV (KSA); Bauträger: SEPCO III Electric Power Construction Corporation (China)
Saudi Arabien: Jizan Refinery IGCC Power Plant: Water Intake Facility 550 2014 bis 2018; Durchführung Bauherr: Saudi Aramco(KSA), Bauträger: China Harbour Engineering Company (China)
Saudi Arabien: Polyester Manufacturing Complex at Jazan 3.800 2018 bis 2023; Studienphase Bauherr: Pan Asia PET Resin(China), Bauträger: k.A.
Vereinigte Arabische Emirate: Hassyan Coal Fired IPP 3.400 (78% von chinesichen Banken; Industrial and Commercial Bank of China, China Construction Bank, Agricultural Bank of China, Bank of China), und der Rest von UAE Union National Bank, First Gulf Bank, Saudi National Commercial Bank, Standard Chartered Bank 2015 bis 2023; Durchführung Bauherr: Hassyan Energy Company(VAE), Bauträger: Harbin Electric Intenational Company(China)/ General Electric JV (USA)
Oman: Methanol to Olefins (MTO) Plant 2.800 2018 bis 2022; Studienphase Bauherr: Mingyuan Holdings Group (China), Bauträger: k.A.
Oman: Northern and Central Industrial Zone: Erdölraffinerie, Petrochemie-industrie Produktion von Float- Gas und Methanol, Chinese Industrial City 10.000, Financer: China-Arab Wanfang Investment & Development LLC 2018 bis 2021; Design Bauherr: Duqm Special Economic Zone Authority (Oman), Bauträger: k.A.

(K.P./M.K.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Bahrain, Katar, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, China Bauwirtschaft, allgemein, Wirtschaftspolitik, allgemein, Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Infrastruktur

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