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17.04.2019

Gebäude in Polen sollen weniger Schadstoffe ausstoßen

Noch fehlen konkrete Vorgaben für eine effizientere Wärmeversorgung / Von Beatrice Repetzki (Februar 2019)

Warschau (GTAI) - Die Schadstoffemissionen von Heizungen in Polen müssen deutlich reduziert werden. Der Staat fördert den Austausch von Kesseln und Isoliermaßnahmen in Einfamilienhäusern.

Markttreiber und -hemmnisse
Treiber Hemmnisse
Staatliches Förderprogramm für moderne Heizkessel und Isolie-rungen in Einfamilienhäusern Konkrete Zielsetzungen zur Wärmeerzeugung und -versorgung müssen noch erarbeitet werden
Zielsetzung 2020: 15 Prozent der Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen Energieministerium erwartet bei Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen eine Quote von 13,8 Prozent; Starke Kohlelobby
Modernisierungsbedarf bei Bestandsgebäuden hoch Fehlender Investitionsdruck und mitunter knappe Finanzmittel

Quelle: Analyse von Germany Trade & Invest

Aktuelles zum Thema Energieeffizienz in Gebäuden

Die Bekämpfung der Luftverschmutzung und damit einher gehende Gesundheitsschäden werden in Polen zu einem immer wichtigeren gesellschaftlichen Thema. Das Land muss die Klimaziele der Europäischen Union (EU) erreichen und einschlägige Vorgaben erfüllen. Zur Luftverschmutzung tragen alte Heizöfen in Einfamilienhäusern wesentlich bei. Die Regierung stellt daher im Rahmen des Programms "Czyste Powietrze" (Saubere Luft) für die Jahre 2018 bis 2029 rund 24 Milliarden Euro zur Verfügung. Auch EU-Mittel können für Umweltschutzmaßnahmen verwendet werden. Dadurch ergeben sich sehr gute Zulieferchancen für deutsche Anbieter solcher Lösungen und technischer Ausrüstungen.

Noch hat die Kohle einen hohen Anteil an der Wärmeerzeugung. Künftig werden andere Energiequellen an Bedeutung gewinnen. So soll das inländische Netz der Gas-Pipelines von 2020 bis 2029 von 11.000 auf rund 14.800 Kilometer verlängert werden, wie die Gesellschaft Gaz-System bekannt gab. Im Jahr 2017 lag der Gasverbrauch in Polen bei insgesamt 17 Milliarden bis 18 Milliarden Kubikmetern. Die Gesellschaft Polnische Erdölförderung und Gaswirtschaft PGNiG versorgt derzeit über 6 Millionen private Haushalte mit diesem Brennstoff, weitere sollen hinzukommen. Dadurch wird die Nachfrage nach gasbefeuerten Heizkesseln und Heizungsanlagen weiter steigen.

Nachholbedarf bei Energieeffizienz groß

Das Einsparpotenzial ist angesichts des veralteten Gebäudebestands erheblich. Neben zahlreichen Vorkriegsbauten gibt es viele Plattenbauten aus der sozialistischen Zeit. Der in Polen produzierende Fensterhersteller Velux mit dänischem Kapital stellte Ende 2018 die Analyse "Barometr zdrowych domow 2018" (Barometer der gesunden Häuser 2018) vor. Der Analyse zufolge sind etwa 70 Prozent der Einfamilienhäuser in Polen entweder gar nicht oder zu wenig gedämmt. Über die Hälfte der Wohngebäude sind über 40 Jahre alt und entsprechen nicht dem aktuellen energetischen Standard. Jährlich werden bislang lediglich 1 bis 2 Prozent der Gebäude modernisiert. Nur 10 Prozent der Gebäude in Polen fallen in die Energieklassen A oder B.

Insbesondere bei Neubauten wird zunehmend Wert auf Energieeffizienz gelegt. Nach Angaben des nationalen Statistikamtes GUS wurden im Jahr 2018 rund 185.000 Wohneinheiten übergeben, ein Plus von 3,6 Prozent im Vergleich zu 2017. Die neuen Wohneinheiten haben insgesamt eine Nutzfläche von 16,7 Millionen Quadratmetern, Im Jahr 2019 dürfte sich die Zahl der fertig gestellten Einheiten weiter erhöhen: Ende 2018 befanden sich 796.000 Wohnungen im Bau, 4,9 Prozent mehr als Ende 20717. Im Laufe von 2018 war mit dem Bau von 221.900 Einheiten begonnen worden, ein Plus von 7,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Eine Baugenehmigung wurde 2018 für 257.100 Wohnungen erteilt.

Während bei Wohnungsneubauten Nachhaltigkeitszertifikate eher die Ausnahme sind, sind diese bei modernen Bürokomplexen Standard. Weit verbreitet sind internationale Zertifikate wie BREEAM (Building Research Establishment Environmental Assessment Methodology). Gut 10 Millionen Quadratmeter moderne Büroflächen gab es gegen Ende 2018 in polnischen Großstädten, darunter gut die Hälfte in Warschau. Rund 1 Million Quadratmeter dürften 2019 hinzu kommen. Gebaut werden derzeit 1,7 Millionen Quadratmeter, darunter 0,74 Millionen Quadratmeter in Warschau, wo sich der Stadtteil Wola zu einem bedeutenden Bürozentrum entwickelt. Auch der Bau von Lagerhallen und Logistikflächen boomt, das Thema Energieeffizienz spielt hier eine große Rolle. Beim Verkauf von Wohnungen ist ein Energieausweis vorzulegen.

In Polen liefern zahlreiche Kraftwerke, die mit Kohle befeuert werden, Fernwärme. Von weitaus geringerer Bedeutung sind Erdgasanschlüsse. In Einfamilienhäusern befinden sich vielfach Heizkessel für Kohle. In den südlichen Landesteilen werden immer mehr Sonnenkollektoren zur Wärmeerzeugung auf den Dächern montiert. Nach wie vor aber dominiert die Kohle als Brennstoff zur Wärmeerzeugung mit einem Anteil von knapp 75 Prozent den Markt.

Wärmeverbrauch in Polen 2017 (in Terra Joule )
Insgesamt Industrie, Baugewerbe Private Haushalte Andere Kleinabnehmer *)
467.290 255.394 164.000 44.930

*) ohne Landwirtschaft

Quelle: Nationales Statistikamt GUS

Der Stromverbrauch stieg 2018 auf insgesamt rund 170 Terawattstunden. Ein privater Haushalt verbraucht jährlich im Durchschnitt 2,2 bis 2,5 Megawattstunden.

Stromverbrauch in Polen 2017 (in Gigawattstunden)
Insgesamt, darunter Industrie, Baugewerbe Private Haushalte Andere Kleinabnehmer *)
159.024 55.008 29.181 42.187

*) ohne Landwirtschaft

Quelle: Nationales Statistikamt GUS

Am gesamten Endenergieverbrauch in Polen 2016 von 70,66 Millionen Tonnen Rohöläquivalent (Mtoe) hatten Gebäude (ohne Industrie), Dienstleistungen sowie Land- und Forstwirtschaft einen Anteil von zwei Drittel (67 Prozent).

Endenergieverbrauch in Polen 2016 nach Sektoren in %
Transport Industrie Übrige
17,4 15,5 67,1

Quelle: Statistisches Hauptamt GUS gemäß Internationale Energieagentur

Regierungspläne, Förderprogramme, administrative Hürden

Staat fördert den Austausch alter Heizkessel

Mit dem Regierungsprogramm "Czyste Powietrze" wird die Energieeffizienz in über 4 Millionen Einfamilienhäusern erhöht und die Emissionen verringert. Alte Heizkessel und -öfen sollen ausgetauscht sowie weitere Maßnahmen ergriffen werden wie der Einbau von Wärmepumpen, isolierten Fenstern und Türen sowie das Anbringen von anderen Isolierungen, Wärmesolarkollektoren und Fotovoltaikanlagen. Die regionalen Abteilungen des Landesfonds für Umweltschutz und Wasserwirtschaft NFOSiGW in den 16 Woiwodschaften (Länder, WFOSiGW) nehmen seit dem 19. September 2018 bis zum 30. Juni 2027 entsprechende Anträge entgegen. Diese müssen bis zum 31. Dezember 2027 unterschrieben, und die Arbeiten bis zum 30. Juni 2029 abgeschlossen werden.

Bis Ende 2018 gingen bei den WFOSiGW über 25.000 Anträge ein, vor allem aus Slask (Oberschlesien, über 3.500) und Mazowsze (Masowien, über 2.300). Bis Mitte Januar 2019 wurden laut Kazimierz Kujda, Hauptgeschäftsführer des NFOSiGW, gut 100 Verträge unterzeichnet, die eine Co-Finanzierung im Wert von insgesamt 250.000 Euro sichern, dies vor allem via Zuschüsse oder günstige Kredite. Abhängig vom monatlichen zur Verfügung stehenden Einkommen der Familienmitglieder in einem Haushalt können bis zu 90 Prozent der einschlägigen Kosten staatlich gefördert werden. Dabei gilt eine Obergrenze von 12.339 Euro.

Neubauten dürfen nur noch wenig Energie verbrauchen

Seit Anfang 2019 dürfen Neubauten, die von öffentliche Einrichtungen übernommen werden und sich in deren Eigentum befinden, fast gar keine Energie verbrauchen. Ab Anfang 2021 betrifft diese Vorgabe alle neuen Gebäude, informiert das Instytut Budownictwa Pasywnego (IBP, Institut für Passivbau). Laut dem Ministerium für Investitionen und Entwicklung MIiR stehen bei Neubauprojekten allen voran erneuerbare Energien, Blockheizkraftwerke und Wärmepumpen im Fokus.

Kontaktadressen

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Germany Trade & Invest http://www.gtai.de/Polen Außenhandelsinformationen für die deutsche Exportwirtschaft, auch Hinweise zu Ausschreibungen
Exportinitiative Energie http://www.german-energy-solutions.de Informationen zu Veranstaltungen, Markt- und Länderinformationen etc.
Factsheets der Exportinitiative Energie https://www.german-energy-solutions.de/SiteGlobals/GES/Forms/Listen/Publikation/Publikation_Formular.html?cl2Categories_Typ_name=kurzinformationen Allgemeine Energieinformationen teilweise mit Technologie- oder Anwendungsfokus)
AHK Polen https://Polen.ahk.de Anlaufstelle für deutsche Unternehmen
Ministerstwo Energii http://www.gov.pl/web/energia Energieministerium
Ministerstwo Inwestycji i Rozwoju http://www.mir.gov.pl Wirtschaftsressort, auch Gebäudebau
Ministerstwo Ochrony Srodowiska http://www.gov.pl/web/srodowisko Ministerium für Umweltschutz
Urzad Regulacju Energetyki (URE) http://www.ure.gov.pl Energieregulierungs-amt, gibt Preise vor
Narodowy Fundusz Ochrony Srodowiska i Gospodarki Wodnej (NFOSiGW) http://www.nfosigw.gov.pl Landesfonds für Um-weltschutz und Wasserwirtschaft, fördert Umweltprojekte
Glowny Urzad Nadzoru Budowlanego http://www.gunb.gov.pl Hauptbauaufsichtsamt, Kontrollorgan

Für tagesaktuelle Informationen zu Energiemärkten und Umwelttechnologien folgen Sie uns auf Twitter: http://www.twitter.com/GTAI_Umwelt

Weitere Informationen zu Polen finden Sie unter http://www.gtai.de/Polen.

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Polen Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Gewerbebau, Energieeinsparung, Wohnungsbau

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