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06.12.2018

Geber wollen Ghanas Stromsektor auf Erfolgskurs bringen

Umstrukturierung soll privates Engagement erleichtern / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten dürfte in den kommenden Jahren der ghanaische Elektrizitätssektor mit sich bringen. Dabei spielen auch Erneuerbare Energien eine Rolle.

Ghana dürfte in den kommenden Jahren seine Stromerzeugungskapazitäten weiter ausbauen, denn angesichts des inzwischen wieder höheren Wirtschaftswachstums dürfte auch die Nachfrage kräftig zunehmen. Politische Priorität erhält die ausreichende Stromversorgung allein schon durch die Industrialisierungspläne der Regierung unter Präsident Nana Akufo-Addo. Daher wird weiterhin umfangreich in den Ausbau der Stromerzeugungskapazitäten investiert. Hierbei setzt Ghana, dessen Strom noch bis vor wenigen Jahren überwiegend aus Wasserkraft erzeugt wurde, fast ausschließlich auf thermische Energie. Nach den Vorstellungen der Regierung sollen im Jahr 2020 immerhin zehn Prozent der Erzeugungskapazität aus Erneuerbaren Energien kommen. Gegenwärtig liegt die Erzeugungskapazität bei etwas mehr als 4.500 Megawatt.

Weitere Gaskraftwerke werden fertig gestellt

Im Bau befinden sich derzeit mehrere Kraftwerke. Dabei handelt es sich allesamt um private Investoren, sogenannte Independent Power Producer (IPP), die mit dem staatlichen Stromversorger Electricity Company of Ghana (ECG) einen Stromabnahmevertrag ausgehandelt haben. Bei den IPP handelt es sich um Early Power (vorher bekannt unter Bridge Power), Amandi und Jacobsen. Bei allen drei Kraftwerken werden "Combined Cycle Gas Turbinen (CCGT)" eingesetzt. Die ursprünglich geplante Erzeugungskapazität wurde reduziert, um keine Überkapazitäten an Strom zu erzeugen.

Baugenehmigungen wurden für zwei weitere thermische Kraftwerke erteilt. Darunter Rotan Power IPP in Aboadze, an dem auch Siemens beteiligt ist und Marinus Energy IPP in Anochie bei Atuabo. Diese Projekte sollen bis zum Jahr 2025 mit der Stromproduktion beginnen.

Im Jahr 2018 wurden zwei neue Kraftwerke eingeweiht: Das Cenpower Kpone IPP mit 360 Megawatt sowie der Solarpark von Meinergy in Winneba mit einer Kapazität von 20 Megawatt. Neben Côte d'Ivoire gilt Ghana regional als Vorreiter bei privat betriebenen Kraftwerken. Aufgrund der hohen Staatsverschuldung durfte die Regierung zuletzt keine Staatsgarantien mehr an die Kraftwerksbetreiber vergeben, für den Fall, dass Zahlungen des staatlichen Stromversorgers ECG ausbleiben.

Neue Übertragungsleitung soll Stromexport nach Burkina Faso ermöglichen

Neben den Kraftwerksbauten wird auch der Ausbau der Stromnetze fortgesetzt. Diese sind im regionalen Vergleich schon recht gut ausgebaut. Allerdings wächst die Bevölkerung jährlich um circa 600.000 Menschen und so müssen die schnell wachsenden Städte vor allem an ihrer Peripherie mit neuen Anschlüssen versorgt werden. Auch in Hochspannungsleitungen fließt derzeit Geld, damit die steigenden Mengen an Strom über große Distanzen transportiert werden können. So wird vom neben Tema zweiten großen Standort für thermische Kraftwerke in Aboadze bei Takoradi eine 330 Kilovolt-Verbindung über Kumasi bis nach Burkina Faso verlegt. Für das Übertragungsnetz ist die staatliche Gesellschaft GRIDCo zuständig.

Bei den Erneuerbaren Energien bestehen Chancen vor allem im Bereich Solarenergie, aber auch bei Windenergie oder Biomasse. Seit Ende 2017 besteht zwischen Ghana und Deutschland eine Reformpartnerschaft im Bereich Erneuerbare Energien und Energieeffizienz. Diese soll die Rahmenbedingungen für private Investitionen in diesen Bereichen verbessern. Deutschland unterstützt die Umsetzung derzeit mit 100 Millionen Euro.

Deutschland engagiert sich für Erneuerbare Energien

Unter anderem kam es im Rahmen der Kooperation zur Einführung von Einspeisetarifen und der Möglichkeit von Net-Metering im Rahmen des Gesetzes zu Erneuerbaren Energien. Letzteres ist ein Verfahren zur Vergütung von Strom aus meist kleinen Fotovoltaik-Anlagen. Kommerziell interessant sein könnten kleinere Dachanlagen (meist bis zu 1 Megawatt) zur Eigenversorgung für Unternehmen mit hohem Stromverbrauch, zum Beispiel Industrieunternehmen und Minenbetreiber. Vermehrt kommen seit einigen Jahren auch deutsche Unternehmen nach Ghana, um ihre Fotovoltaik-Lösungen auf den Markt zu bringen.

MCC gibt 498 Millionen US-Dollar für Restrukturierung des Stromsektors

Ghana hat sich verpflichtet, den Stromsektor zu entschulden und die staatlichen Energieunternehmen zu restrukturieren. Dies erfolgt derzeit mit Unterstützung von USAID und der US-amerikanischen Millennium Challenge Corporation (MCC). MCC hat Ghana im Jahr 2016 ein "Power Compact" über 498 Millionen US-Dollar (US$) zur Verfügung gestellt, um den maroden Stromsektor strukturell zu stärken. Etwa 350 Millionen US$ gehen an die marode ECG, circa 65 Millionen US$ an den im Norden Ghanas operierenden Stromversorger Northern Electricity Distribution Company (NEDCo).

Im Rahmen des bis 2021 laufenden Programms werden unter anderem Beratungsdienstleistungen benötigt sowie technische Ausstattung wie Verteilerstationen und Stromzähler. Darüber hinaus soll die ECG einem ausländischen Management-Team unterstellt werden. Den Zuschlag für die Führung von ECG erhielt im Rahmen einer Ausschreibung der philippinische Stromversorger Meralco. Das Team soll bereits Anfang 2019 seine Tätigkeit aufnehmen. Die Beschaffungen und Bieterverfahren werden abgewickelt über die speziell für das MCC-Projekt gegründete Millennium Development Authority (MiDA). MiDA untersteht der ghanaischen Regierung und auch das Management besteht aus Ghanaern.

Mit dem Umschwenken auf thermische Energie vollzieht das Land, welches sich jahrzehntelang aus großen Wasserkraftwerken versorgte, bei seinem Energiemix einen Paradigmenwechsel. Aus Sicht der industrialisierten Geberländer erscheint dies in Zeiten, in denen weltweit über Klimaschutz diskutiert wird, als wenig zukunftsweisend. Nach wie vor ist es jedoch das Ziel der ghanaischen Regierung, die Wärmekraftwerke mit vergleichsweise umweltschonendem Gas zu versorgen. Dies sollte unter anderem aus Nigeria über die West African Gas Pipeline (WAGP) kommen oder aus der Ghana Gas Processing Plant in Atuabo im Westen des Landes. Letztere wurde 2016 von einem chinesischen Konsortium fertiggestellt. Die Anlage verarbeitet Erdgas aus den Offshore-Ölfeldern vor der ghanaischen Küste.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ghana können Sie unter http://www.gtai.de/ghana abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, alternative Energien

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