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01.10.2018

Gegenwind für Schwedens Windenergieboom?

Umweltsorgen in Nordschweden / Von Michal Wozniak

Stockholm (GTAI) - Theoretisch gibt es noch genügend Fläche für den Windkraftausbau in Schweden. Allerdings wollen Rentiere auch etwas von ihr haben.

Der Bau von Windkraftanlagen schreitet in Schweden mit großen Schritten voran. Bis 2021 soll das Volumen des aus dieser Quelle gewonnenen Stroms um ein Drittel gegenüber 2017 steigen. Laut dem Branchenverband Schwedische Windenergie (Svensk Vindenergi; SV) könnten mittel- bis langfristig Investitionen im Wert von 4,5 Milliarden Euro anstehen (mehr dazu im Artikel "In Schweden boomt die Windenergie" unter: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=in-schweden-boomt-die-windenergie,did=2140528.html).

Gemäß einer im Journal of Renewable Energy erschienenen Studie von Peter Enevoldsen und Finn-Hendrik Permien (in voller Länge in englischer Sprache und inklusive Windstärkekarten abrufbar unter: http://www.hindawi.com/journals/jre/2018/1650794) stehen dafür noch über 150.000 Quadratkilometer zur Verfügung. Das ist etwa ein Drittel der Landesfläche. Der Rest scheidet vor allem aufgrund von Gesetzen und Vorschriften hinsichtlich des Naturschutzes, Tourismus und der Infrastruktur aus.

Allerdings mehren sich Bedenken an der Windkraft-lastigen Energiezukunft des Landes. Teilweise sind sie wirtschaftlicher Natur. Durch den technologischen Fortschritt werden neue Anlagen günstiger, effizienter und wartungsärmer, was gegenüber bestehenden Anlagen teilweise große Kostenvorteile bringt. Wegen des stetigen Ausbaus erneuerbarer Quellen fallen zudem die Preise für Energiezertifikate, die den einzigen Fördermechanismus darstellen. Beide Entwicklungen zusammen drücken die Profitabilität älterer Anlagen sichtlich.

Profite gefährdet

Die Lobbygruppe Schwedischer Windkraftverband (Svenska Vindkraft Förening; SVF) prognostiziert, dass der Preis für Energiezertifikate zwischen 2020 und 2021 - bedingt durch die Inbetriebnahme neuer Anlagen - um bis zu 70 Prozent fallen könnte. David Oscarsson von Karsholm Vindkraft sieht sogar die Gefahr, dass ihr Preis gegen Null tendieren könnte. Deshalb appellierte die SVF an die Regierung, eine Volumengrenze für die Windkraftförderung einzuführen. In diesem Rahmen sollen neue Vorhaben keinen Anspruch auf Förderung haben, sobald die für 2030 festgeschriebenen Produktionsziele für Ökostrom in Schweden erreicht sind.

Schweden und Norwegen haben sich 2012 das gemeinsame Ziel gesetzt, die Energieproduktion aus erneuerbaren Quellen binnen acht Jahren um über 28 Terrawattstunden zu erhöhen. Wegen unerwartet guter Fortschritte, legte Schweden 2017 nochmal nach und plante bis 2030 weitere 18 Terrawattstunden zusätzlichen Ökostroms ein. Nach Prognosen von SVF sollen sich bis Ende 2018 knapp 3.700 Windräder in Schweden drehen und nahezu 20 Terrawattstunden Strom liefern.

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Forschungsprojekte zu Auswirkungen von Windkraft auf die Fauna

Probleme bereitet zunehmend auch die vermeintliche Umweltbelastung durch den Ökostrom. Einige Hochschulen betreiben umfangreiche, staatlich gestützte Forschungsprojekte zu Lärm- und Vibrationsemissionen sowie zum negativen Einfluss von Windkrafträdern auf den Vogelbestand oder die Herdenbildung bei Rentieren. Die letztgenannte Untersuchung steht vor allem im Zusammenhang mit den Sonderrechten des im Landesnorden lebenden Urvolks der Samen. Denn laut Experten liegt eine große Mehrheit der bis 2020 geplanten Windkraftprojekte auf Rentierweideland.

Ein weiteres Hindernis für den Windkraftausbau kommt von ungeahnter Seite. Im Frühjahr 2018 weiteten die schwedischen Luftstreitkräfte ihre Niedrigflugzonen aus. Nach SV-Schätzungen könnte dies zur Beeinflussung von Windkraftprojekten mit einer Leistung von 2,8 Gigawatt führen. Allein dem größten Windkraftbetreiber des Landes, Vattenfall, drohen Probleme bei der Realisierung von vier Vorhaben mit einer Gesamtleistung von 1 Gigawatt.

Mehr zu Schweden erfahren Sie unter http://www.gtai.de/Schweden.

Dieser Artikel ist relevant für:

Schweden Strom-/ Energieerzeugung, Wind

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