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22.12.2017

Gemischte Aussichten für Israels Chemieindustrie

Branche behauptet sich trotz Schwierigkeiten / Wichtiger Kunde für Maschinen und Ausrüstungen / Von Wladimir Struminski

Jerusalem (GTAI) - Die israelische Chemieindustrie konnte 2017 mit circa 3,5 Prozent relativ schnell expandieren. Bei längerfristiger Betrachtung ist das Wachstumstempo jedoch deutlich niedriger, doch bleibt die Branche ein Schwergewicht der israelischen Industrie. Die Chemieindustrie ist modern und innovationsfähig, klagt aber über regulatorische Probleme, die nach Ansicht des Fachverbandes ein Produktions- und Investitionshemmnis darstellen. (Kontaktadresse)

Die israelische Chemieindustrie gehört zu den führenden Branchen des verarbeitenden Gewerbes. Im Jahr 2016 entfielen auf sie - ohne die Pharmaindustrie - 8,3 Prozent der gesamten Wertschöpfung des verarbeitenden Gewerbes, während ihr Umsatz bei 14,4 Milliarden US$ lag. Im Jahr 2017 nahm ihre Produktion um schätzungsweise 3,5 Prozent zu und lag um 8 Prozent über dem Stand von 2011. Damit gehört die Chemiebranche nicht zu den Wachstumsführern, doch ist zu bedenken, dass auch die israelische Industrie als Ganzes nicht gerade schnell expandiert: 2017 lag ihre Wertschöpfung ebenfalls um rund 8 Prozent über dem 2011 verzeichneten Niveau.

Hoher technologischer Stand

Die als Fachverband agierende Vereinigung der Chemie- Pharma- und Umweltindustrie (Chemical, Pharmaceutical and Environmental Society) sieht die Chemieindustrie weiterhin als leistungsstarke Branche. Wie der Direktor der Vereinigung, Nir Kantor, gegenüber der GTAI erklärte, befinde sich die Branche auf hohem technologischem Stand. Ihre Produktionsanlagen entsprächen internationalen Standards und zeichneten sich durch einen hohen Automatisierungsgrad aus. Zugleich investiere sie hohe Beträge in Forschung und Entwicklung, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können. Die israelischen Chemieunternehmen sind stark international vernetzt. Nach den jüngsten verfügbaren Angaben lag die Exportquote der Chemieindustrie (ohne Pharma) 2015 bei 42,3 Prozent.

Zudem verfügt die israelische Chemieindustrie mit dem an Mineralien reichen Toten Meer über eine wichtige Naturressource. Aus dem Salzsee werden unter anderem Pottasche, Magnesiumchlorid, Industriesalze und Rohstoffe für die Kosmetikindustrie gewonnen. Neue Perspektiven erschließen sich der Chemieindustrie auch durch die großen einheimischen Erdgasvorkommen. Die Branche ist an einer Nutzung von Erdgas als Rohstoff für petrochemische Produktionsstätten interessiert, doch ist bisher keine entsprechende Weichenstellung seitens der Regierung erfolgt.

Die Chemieindustrie ist ein wichtiger Kunde ausländischer Maschinenbauer. Im Jahr 2016 wurden Maschinen und Ausrüstungen im Wert von 193 Millionen US$ importiert. Der Rückgang im Vorjahr (2015: 143 Millionen US$) konnte weitgehend ausgeglichen werden.

Strengere Umweltauflagen

Nach Auffassung von Kantor, sehe sich die Chemieindustrie widrigen regulatorischen Rahmenbedingungen gegenüber, welche die Investitionsneigung und Produktion beeinträchtigten. Dazu gehörten umweltpolitische Auflagen. Nachdem Israel lange Zeit als ein Land gegolten hatte, das den Umweltschutz nicht genügend durchsetze, hat sich die Lage inzwischen geändert.

Mit Blick auf die Chemieindustrie, so Kantor, seien die ökologischen Auflagen im Vergleich mit führenden Industrieländern strenger geworden. Das zeige sich beispielsweise bei der Anforderung, beste bestehende Produktionsmethoden anzuwenden, bei der das Umweltministerium den Einsatz teuerster Umwelttechnologien verlange und allenfalls -nach Verhandlungen- preiswerteren Lösungen zustimme. Die Erfüllung der strengen Umweltauflagen erfordert hohe Investitionen, die zumindest in bestimmten Fällen zu Lasten einer Erweiterung der Produktionskapazitäten gehen.

Auch bei der Betriebszulassung beklagt die Branche Schwierigkeiten. Obwohl es in Israel eine integrierte Betriebslizenz gibt, die Unternehmen klare Rahmenbedingungen setzen soll, gebe es bei der Zulassung von Chemiebetrieben noch immer zahlreiche Einzelfallregelungen, die die Planung neuer Produktionskapazitäten erschwere und die Investitionsneigung der Branche ebenfalls schwäche.

Die regulatorischen Probleme erzeugen einen verstärkten Anreiz zur Errichtung beziehungsweise Verlegung von Produktionskapazitäten ins Ausland. Bei Großherstellern ist die Produktion auch an ausländischen Standorten ohnehin schon die Regel, doch könnte sich die Tendenz künftig noch verstärken.

Außenhandel erholt sich teilweise

Die israelische Einfuhr von Chemieprodukten ging 2013 bis 2016 deutlich zurück, konnte aber 2017 um schätzungsweise 12 Prozent wieder anziehen. Die mit großem Abstand wichtigsten Einfuhren sind organische Chemikalien. Im Jahr 2016 entfielen auf sie 43,3 Prozent der Importe.

Die deutschen Lieferungen entwickelten sich ähnlich wie die Gesamtimporte. Der deutsche Importmarktanteil schwankte in dieser Zeit innerhalb einer recht schmalen Bandbreite zwischen 11,4 und 12,8 Prozent.

Israel ist ein Nettoexporteur von Chemieprodukten. In den Jahren 2015 und 2016 kam es zu einem weitgehend durch Weltmarktpreise bedingten Einbruch der Ausfuhren, der 2017 allerdings zum Teil wiedergutgemacht werden konnte. Die wichtigsten israelischen Exportposten 2016 der Branche waren: verschiedene Erzeugnisse der chemischen Industrie (HS-Kapitel 38 mit 33,3 Prozent), gefolgt von organischen Chemikalien (19,9 Prozent) und Düngemitteln (17,7 Prozent).

Einfuhr und Ausfuhr von Chemieprodukten (Mio. US$) 1)
Jahr Einfuhr Davon: aus Deutschland Deutscher Importmarktanteil in % Ausfuhr
2012 5.031 573 11,4 8.910
2013 4.473 575 12,8 10.596
2014 4.462 537 12,0 10.308
2015 4.104 470 11,4 7.438
2016 3.725 427 11,5 6.312
2017 2) 4.170 k.A. k.A. 7.200

1) ohne Pharma; 2) Schätzung

Quelle: Monatsschrift zur Außenhandelsstatistik, diverse Ausgaben, Zentralamt für Statistik

Kontaktadresse

Manufacturers Association of Israel

Chemical, Pharmaceutical & Environmental Society

Ansprechpartner: Mr. Nir Kantor, Director

Hamered St. 29

Tel-Aviv 6812511

T +972 (3)519 88 58, Fax: -519 87 83

nirk@industry.org.il

http://www.industry.org.il

(S.T.)

Dieser Artikel ist relevant für:

Israel Chemische Industrie, allgemein

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‎+49 228 24 993 234

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