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05.05.2017

Georgien investiert 5 Mrd. US$ in den Transportsektor

Viele Geschäftschancen im Straßen-, Gleis- und Seehafenbau / Von Uwe Strohbach

Tiflis (GTAI) - Georgien trumpft als Wirtschaftsstandort vor allem mit seiner geografischen Lage. Zwischen Europa und Asien sowie zwischen Russland und Türkei gelegen, hat die Republik gute Chancen sich zu einem leistungsfähigen internationalen Transitland zu entwickeln. Allein in den Jahren 2016/17 bis 2020/21 fließen voraussichtlich mehr als 5,0 Mrd. US$ in den Ausbau der Transportwege. Die Projekte bieten ausländischen Unternehmen viele Liefer- und Kooperationschancen.

Die ehrgeizigen Vorhaben der georgischen Regierung und privater Unternehmen für den Ausbau aller Transportwege einschließlich Pipelines werden die Transport- und Logistikbranche der Kaukasusrepublik deutlich beflügeln. Der jährliche Beitrag des Sektors zur gesamtwirtschaftlichen Produktion könnte von heute weniger als 2,0 Mrd. US$ bis 2020/21 auf bis zu 9,0 Mrd. $ steigen, schätzen die Analysten von Golden Fleece Capital, Tiflis. Noch liegt dieses Potenzial größtenteils brach. Doch die Karten stehen gut für einen deutlichen Aufschwung im Transport- und Logistikgewerbe in absehbarer Zeit.

Wichtiger Teil des Verkehrskorridors Europa-Kaukasus-Asien

Die Schwarzmeerhäfen und der TRACECA-Transportkorridor (Europa-Kaukasus-Asien) werden für den Gütertransport aus der VR China, Zentralasien, Aserbaidschan und Armenien deutlich an Bedeutung gewinnen. Mehrere investitionsträchtige Projekte für den Ausbau der Transportinfrastruktur sind bereits im Gange oder fest geplant.

Entwicklung der Gütertransporte in Georgien (in Mio. t)
2005 2010 2013 2014 2015 2016
Frachttransport 69,8 71,1 69,4 67,7 63,4 59,9
.Landtransport/Luftfracht 45,8 48,4 47,6 46,5 44,2 42,3
..Automobiltransport 26,9 28,5 29,4 29,8 30,1 30,4
..Bahntransport 18,9 19,9 18,2 16,7 14,1 11,9 1)
..Luftfracht (in 1.000 t) 6,9 15,4 16,7 16,9 14,8 k.A.
.Häfen (Frachtumschlag) 24,0 22,7 21,8 21,2 19,2 17,6
..Seehafen Batumi 10,9 8,0 8,3 6,3 5,7 5,6
...Ölterminal 2) 9,7 6,1 5,6 4,4 3,8 k.A.
...Frachtterminal 1,2 1,9 1,7 1,2 1,0 k.A.
...Container (in 1.000 TEU) 0,0 16,3 72,1 62,0 54,7 k.A.
..Seehafen Poti 6,1 7,3 7,4 8,6 6,8 6,3
...Container (in 1.000 TEU) 106,5 209,8 331,3 385,0 325,1 k.A.
.Ölterminal Supsa 3) 7,0 4,0 4,0 4,2 4,2 4,1
.Ölterminal Kulevi 4) 0,0 3,4 2,1 2,1 2,5 1,6
Containerumschlag insgesamt (in 1.000 TEU) 106,5 226,1 403,4 447,0 379,8 329,8

1) darunter 5,5 Mio. t Öl/Ölprodukte und 6,4 Mio. t Trockengüter; 6,2 Mio. t Transit-, 2,6 Mio. t Import- und 1,1, Mio. t Exportgüter; 2) vorwiegend Umschlag von Öl und Ölprodukten aus Aserbaidschan und Kasachstan; 3) Terminal im Besitz des britischen Mineralölunternehmens BP (Weitertransport von Öl aus der Pipeline Baku-Supsa); 4) Terminal im Besitz der aserbaidschanischen Ölgesellschaft SOCAR, auch Verladung von Öl und Ölprodukten aus Kasachstan und Turkmenistan

Quellen: Nationales Statistikbüro, Ministerium für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung, Pressemeldungen

Tiflis und Rustavi sind wichtigste Standorte für die Binnenlogistik

Die Hauptstadt Tiflis (1,2 Mio. Einwohner) ist das einzige große nationale Logistikzentrum und zugleich ein bedeutender internationaler Verkehrsknotenpunkt. Sie steht für vier Fünftel des Groß- und Einzelhandels, zwei Drittel der Bauleistungen und 45% der Industrieproduktion Georgiens. In der Metropole und ihrem Umland leben zwei Fünftel der Bevölkerung des Landes. Die 25 km südöstlich von Tiflis entfernte Stadt Rustavi (etwa 120.000 Einwohner) ist mit ihren Kapazitäten der Schwerindustrie (Eisen/Stahl, Zement und Düngemittel) der zweitbedeutendster Binnenlogistikstandort.

In der Hauptstadt gibt es nicht nur Pläne für den Ausbau der Logistikkapazitäten für den Warenumschlag, dort entsteht auch ein modernes multimodales Transportzentrum für den öffentlichen Personennah- und -regionalverkehr. Nach Angaben des stellvertretenden Bürgermeisters von Tiflis, Irakli Lekvinadze, soll es auf einem Gelände im Stadtviertel Didube oder nahe der Metrostation Akhmeteli errichtet werden. Das Projekt wird Kooperation mit der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) realisiert. Es ist Teil der 2016 verabschiedeten "Nachhaltigen Transportstrategie für die Stadt Tiflis" (Internet: http://mdf.org.ge/?site-lang=en&site-path=documents/&id=107).

In den kommenden Jahren plant die Stadtverwaltung auch massive Investitionen in die Modernisierung und den Ausbau des Metronetzes. Grobplanungen hierfür werden derzeit erarbeitet. Gegenwärtig umfasst das Metronetz zwei Linien mit 22 Stationen und einer Gesamtlänge von 27,6 km. Die 23. Station steht kurz vor ihrer Fertigstellung.

Großprojekte im Straßenbau und in der maritimen Wirtschaft

Das Projektportfolio im Straßenbau für die Jahre 2016 bis 2020/21 umfasst Vorhaben mit einem Gesamtwert von circa 3,5 Mrd. $. Die Investitionen fließen in den Bau nationaler und internationaler Straßenkorridore sowie in die Rehabilitierung von regionalen und Nebenstraßen. Die Straßenbehörde veröffentlicht regelmäßig Ausschreibungen für die Erstellung von Projektentwürfen und detaillierte Planungsdokumentationen sowie für die Bauausführung.

Ausführlicher Beitrag über die Straßenbauprojekte:https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=ostwestachse-ist-georgiens-topstrassenbauprojekt,did=1674716.html

Der geplante Bau des Tiefseehafens Anaklia an der Schwarzmeerküste ist das bedeutendste Vorhaben im maritimen Sektor der Kaukasusrepublik. Der Investor, das Anaklia Development Consortium, plant für Ende 2017 den offiziellen Baustart für den Hafen. Langfristig sollen bis zu 2,5 Mrd. $ in das Projekt investiert werden. Davon entfallen 0,6 Mrd. $ auf die erste Bauphase. Nach Abschluss aller vorgesehenen neun Phasen soll die jährliche Umschlagkapazität des Hafens bis zu 100 Mio. t betragen.

Ausführlicher Beitrag über die Projekte in der Hafenwirtschaft Georgiens: https://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/Maerkte/suche,t=baustart-fuer-georgischen-tiefseehafen-anaklia-in-sicht,did=1680206.html

Georgische Eisenbahn setzt ihr Modernisierungsprogramm fort

Auch die Georgische Eisenbahn will vom entstehenden Transportkorridor VR China/Zentralasien-Südkaukasus-Europa stärker profitieren. Bereits seit 2011/12 und bis 2019/20 wird die etwa 315 km lange Bahnmagistrale Tiflis-Makhinjauri (Vorort der Hafenstadt Batumi) umfassend modernisiert. Im Rahmen des auf mindestens 250 Mio. Euro veranschlagten Projektes entstehen komplett neue Teiltrassen sowie Tunnel in besonders bergigen Regionen. Zum 1.1.17 betrug die Realisierungsquote des Gesamtprojekts etwas mehr als 40%.

Auftragnehmer für die Bauarbeiten ist die chinesische Gesellschaft China Railway 23th Bureau Group. Für die Bauaufsicht ist ein Konsortium zuständig, dem die Ingenieurdienstleister KLF (Österreich) und DB Engineering & Consulting (Deutschland) angehören. Die Unternehmen führen auch ingenieurtechnische Dienstleistungen als Auftragsplaner (Owner´s engineering) aus. Die Deutsche Bahn hat zudem Mitte 2016 mit der Georgischen Eisenbahn eine strategische Zusammenarbeit im internationalen Güterverkehr (VR China-Zentralasien-Georgien-Europa) und in der Beratungsbranche für die kommenden fünf Jahre vereinbart.

Weitere Projekte betreffen

- die Fortsetzung des 2013 unterbrochenen Baus einer Umgehungstrasse in Tiflis (Verlagerung der Gleise vom Zentrum in den Nordosten der Stadt; Kosten für die Fertigstellung: mindestens 150 Mio. $),

- die Anbindung des neuen Tiefseehafens Anaklia an das Bahnnetz (50 Mio. bis 70 Mio. $) und

- die Verlegung eines zweiten Gleises auf der Strecke Samtredia-Batumi.

Im Juni 2017 soll die neue, 826 km lange Bahntrasse BTK (Baku/Aserbaidschan-Tiflis/Georgien-Kars/Türkei) offiziell in Betrieb genommen werden. Sie verfügt über eine jährliche Transportkapazität von 17 Mio. t Gütern. In einer ersten Phase wird mit einem jährlichen Frachtaufkommen von 6,5 Mio. t gerechnet.

Kontaktanschrift

Georgian Railway (Georgische Eisenbahn)

15 Tamar Mepe Avenue, 0112 Tbilisi/Georgien

Ansprechpartner: Akaki Saghirashvili, stellvertretender Direktor für Bahn-Infrastruktur

Tel.: 00995 32/219 90 91, -219 89 57

E-Mail: akaki.saghirashvili@railway.ge, Internet: http://www.railway.ge

Dieser Artikel ist relevant für:

Georgien Verkehrsinfrastrukturbau, allgemein, Eisenbahnbau, Straßen-, Brücken- und Tunnelbau, Wasser-, Hafenbau

Funktionen

Kontakt

Katrin Kossorz

‎+49 228 24 993 268

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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