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12.03.2018

Georgiens Stromsektor investiert heute mehr denn je

Projekte für mehrere Milliarden US-Dollar geplant / Fokus liegt auf Wasserkraft / Von Uwe Strohbach

Tiflis (GTAI) - Der Ausbau der Stromwirtschaft genießt in Georgien oberste wirtschaftspolitische Priorität. Der Schwerpunkt liegt auf der Nutzung des großen Wasserkraftpotenzials. Zahlreiche Projekte in der Hydroenergetik, aber auch zur Stromübertragung und -verteilung, Nutzung von Wind- und Solarkraft sowie konventionellen Stromerzeugung bieten ausländischen Firmen interessante Geschäftschancen. (Kontaktadresse)

Die Republik Georgien hegt ehrgeizige Ausbaupläne in der Stromwirtschaft. Laut einer Regierungsprognose soll die jährliche Stromerzeugung bis zum Jahr 2020 in der Maximalvariante auf rund 15 Milliarden Kilowattstunden, bis 2025 auf 38 Milliarden Kilowattstunden und bis 2030 auf 50 Milliarden Kilowattstunden gegenüber knapp zwölf Milliarden Kilowattstunden im Jahr 2017 steigen. Die Prognose fußt hauptsächlich auf der Umsetzung von Wasserkraftprojekten.

Stromexporte sollen sich zu einer wichtigen Säule der Exportwirtschaft entwickeln. Für das Jahr 2020 ist eine Stromausfuhr von bis zu 4 Milliarden Kilowattstunden avisiert. Fünf Jahre später sollen schon äußerst ambitionierte 22 Milliarden Kilowattstunden und im Jahr 2030 über 30 Milliarden Kilowattstunden an die Türkei, den Iran, Südrussland und andere ausländische Abnehmer geliefert werden.

Rund 50 neue Wasserkraftwerke in der Lizenzierung oder im Bau

Bereits seit einigen Jahren absorbiert die Strombranche mit die meisten Investitionen im Land. Im Zeitraum 2007 bis 2012 gingen fünf neue Wasserkraftwerke mit einer installierten Kapazität von 11 Megawatt in Betrieb. In den sechs Folgejahren 2013 bis 2017 waren es schon 21 Objekte mit einer installierten Leistung von 520 Megawatt. Unter den 2017 fertiggestellten Anlagen ragen die beiden Wasserkraftwerke Shuakhevi am Adjaristsqali (187 MW) und Khelvechauri-1 am Chorokhi (47,5 MW) mit Investitionen von rund 420 Millionen und 160 Millionen US-Dollar (US$) hervor. Bei dem zuerst genannten Projekt handelt es sich um die bislang größte Wasserkraftanlage, die Georgien seit der Erlangung seiner Unabhängigkeit 1991 errichtet hat.

Zum 1. März 2018 befanden sich rund 50 Stromerzeugungsprojekte in verschiedenen Phasen der Lizenzierung einschließlich der Erstellung von Umweltgutachten, in der Projektierung oder im Bau. Der Projektwert dieser Anlagen mit einer geplanten Kapazität von etwa 1.600 MW dürfte die 3-Milliarden-US$-Grenze erreichen. Das Gros dieser Vorgaben entfällt auf Wasserkraftwerke. Nachfragespitzen im Winter sollen künftig auch ein geplanter zweiter Block im Kombikraftwerk Gardabani (230 MW) und ein neues Kohlekraftwerk (Kosten: circa 160 Millionen und 250 Millionen US$) abdecken. Auf der Internetseite des für die Netzstabilität und den staatlichen Stromhandel zuständigen Betreibers ESCO (Electricity Market Operator) kann eine Übersicht über geplante Wasserkraftwerke abgerufen werden: http://esco.ge/files/data/Electricity/Memorandums/MOUs_eng.pdf.

Rund 100 weitere Projekte für die Stromerzeugung werden geprüft

Darüber hinaus wurden oder werden zurzeit noch die Realisierungschancen für weitere rund 100 Projekte zur Stromerzeugung geprüft. Diese Vorhaben summieren sich auf eine installierte Leistung von etwa 3.750 MW und einen vorläufigen Projektwert von 5,8 Milliarden US$. Sie umfassen neben dem Wasserkraftausbau auch 17 Windkraftprojekte mit einer installierten Leistung von insgesamt 1.160 MW und Projektkosten von 1,8 Milliarden US$ sowie elf Solarkraftwerke (500 MW; 500 Millionen US$).

Großes Interesse am Einstieg ausländischer Investoren

Nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung werden gegenwärtig Investoren und Berater für mehr als 90 Wasserkraftwerke gesucht. Für diese hat die Behörde Vorprojektstudien vorbereitet. Es handelt sich um mehr als 70 Vorhaben mit einer installierten Leistung von jeweils 1 MW bis 13 MW (Gesamtkapazität: 480 MW; Kosten: 1,1 Milliarden US$) und 24 weitere Projekte mit einer Kapazität von jeweils 13 MW bis 100 MW (922 MW; 1,7 Milliarden US$).

Georgiens Regelwerk für die Wasserkraftbranche ist investorenfreundlich. Für neu errichtete Objekte gilt das Betreibermodell BOO (Build Own Operate). Das heißt, der private Investor plant, errichtet, betreibt und besitzt das Kraftwerk. Lizenz- und Genehmigungsverfahren sind transparent und verlaufen zügig. Erforderlich sind der Abschluss eines Landpachtvertrages mit der lokalen Behörde, eine Erlaubnis für die Wassernutzung, eine Baugenehmigung des Ministeriums für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung sowie eine Lizenz der Regulierungsbehörde GNERC. Mit einer vorläufigen Lizenz können potenzielle Kapitalanleger eine zusätzliche Garantie für ihre Investitionsprojekte erhalten. Der Betrieb von kleinen Kraftwerken mit einer installierten Leistung von weniger als 13 MW bedarf keiner Lizenz.

Hochspannungsnetz erhält bis 2024 mehr als 700 Millionen US-Dollar

Investitionschancen bieten sich in Georgien auch bei der Modernisierung und beim Ausbau der Stromübertragung. Die Stromübertragungsgesellschaft JSC State Electrosystem (http://www.gse.com.ge) verabschiedete 2017 einen Investitionsplan für den Zeitraum bis 2027. Im Jahr 2018 sollen Projekte für 30 Millionen US$ realisiert werden. In den drei Folgejahren bis 2021 beträgt die Investitionssumme etwa 515 Millionen US$ und im Zeitraum 2022 bis 2024 knapp 180 Millionen US$.

Auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau finanziert mehrere Projekte (unter anderem 500-kV-Leitung Tskaltubo-Akhaltsikhe-Tortum, Ertüchtigung der Netzinfrastruktur in Gurien, Errichtung des nördlichen Übertragungsrings). Die Projekte für den Netzausbau stehen hauptsächlich im Zusammenhang mit der Stromeinspeisung zahlreicher neuer Wasserkraftwerke in das Übertragungsnetz. Aktuell umfasst die Infrastruktur der Gesellschaft 3.350 km Hochspannungsleitungen und 92 Umspannwerke.

Stromverteiler verabschiedeten mittelfristige Investitionsprogramme

Die Stromverteiler Energo-Pro (http://www.energo-pro.ge) und Telasi (http://www.telasi.ge) investieren in den Jahren 2018 bis 2022 umgerechnet rund 140 Milliarden US$ beziehungsweise 35 Millionen US$ in die Modernisierung und den Ausbau ihrer Netzinfrastruktur. Die Gelder fließen vorrangig in die Erneuerung von Verteilertrassen, den Bau und die Modernisierung von Transformatorenstationen und den Anschluss neuer Kunden an das Stromnetz.

Das Unternehmen Energo-Pro befindet sich im Besitz des tschechischen Energieunternehmens Energo-Pro a.s. mit Hauptsitz in Svitavy (Ostböhmen). Es beliefert mehr als 1 Millionen Kunden außerhalb der georgischen Hauptstadt Tiflis mit Strom. Sein Netz erstreckt sich über etwa 70 Prozent der Landesfläche. Das Stromnetz sowie die Verteilung und der Absatz von Strom in der Landesmetropole liegen im Kompetenzbereich der Verteilergesellschaft Telasi. Sie gehört seit 2003 zum russischen Energiekonzern Inter RAO UES. Telasi versorgt mehr als 600.000 Kunden mit Strom.

Energiebilanz Georgiens, (Mio. kWh)
2016 2017 2018 1)
Stromverbrauch 11.007 11.856 12.704
.Region Abchasien 1.927 2.002 2.193
.Direktabnehmer (Großunternehmen) 1.209 1.427 2.673
.Verteilergesellschaften 7.872 8.427 7.838
..Energo-Pro (Energo-Pro, Tschechien) 4.740 5.254 4.850
..Telasi (Inter RAO, Russland) 2.789 2.935 2.850
..Kakheti Energy Distribution 343 239 138
Stromerzeugung 11.574 11.531 12.101
.Wasserkraftwerke 9.329 9.211 9.879
.Wärmekraftwerke 2.235 2.233 2.132
.Windkraftwerke 9 88 0,9
Importe 2) 479 1.497 1.959
Exporte 559 686 806
Transit 850 254 k.A.

1) Prognosen; 2) zur Deckung von Stromdefiziten in den Monaten Januar bis April und September bis Dezember

Quellen : ESCO, Ministerium für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung

Kontaktadresse

Ministry of Economy and Sustainable Development of Georgia

(Ministerium für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung Georgiens)

Ansprechpartner: Frau Natia Beridze, Seniormanagerin für Investitionsprojekte (Energie)

2 Sanapiro Str., 0105 Tbilisi, Georgien

T +995 32 235 78 33, Mobil +995 591 340909

n.beridze@energy.gov.ge

http://www.economy.ge

Hinweis: Die Kompetenzen des früheren Energieministeriums Georgiens wurden im November 2017 in das Ministerium für Wirtschaft und Nachhaltige Entwicklung Georgiens integriert. (U.S.)

Weitere Informationen zu Georgien finden Sie unter: http://www.gtai.de/Georgien.

Dieser Artikel ist relevant für:

Georgien Strom-, Energieerzeugung, allgemein, Stromübertragung und -verteilung, Kraftwerksbau, Strom-/ Energieerzeugung, Wasserkraft, alternative Energien

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‎+49 228 24 993 268

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