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09.05.2019

Geschäftspraxis in Senegal

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Westafrikanisches Land ist noch neues Terrain für deutsche Unternehmen / Von Noémie Simon (AHK) und Carsten Ehlers (GTAI)

Accra (AHK/GTAI) - Senegal verzeichnet seit einigen Jahren einen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Land ist zudem politisch stabil und gerät damit immer mehr in den Fokus deutscher Unternehmen.

Informationen über den Markt sammeln

Informationen über Senegals Wirtschaft und die relevanten Branchen sind der erste Schritt für einen Markteintritt. Bislang ist derlei Wissen in Deutschland äußerst gering. Dies liegt auch daran, dass bis dato nur wenige deutsche Unternehmen mit eigener Filiale in Senegal präsent sind. Dementsprechend fehlt eine größere Gruppe deutscher Geschäftsleute zum informellen Austausch.

Detaillierte Wirtschafts- und Brancheninformationen mit lokalen Kontakten veröffentlicht Germany Trade & Invest (GTAI, http://www.gtai.de/senegal). Die Delegation der Deutschen Wirtschaft in Ghana (AHK Ghana, http://www.ghana.ahk.de) unterstützt mit ihrem Büro in Accra deutsche Unternehmen dabei, passende Geschäftspartner oder Kunden in Senegal zu finden. Auch die deutsche Botschaft in Dakar (http://www.dakar.diplo.de) kann mit landesspezifischen Informationen behilflich sein.

Den Markt vor Ort erschließen

Immer noch erschließt ein Großteil der deutschen Unternehmen Senegal aus der Ferne. In der Regel geschieht dies von Deutschland, mitunter auch von Frankreich aus. Oft ist die Frankreich-Niederlassung gerade größerer deutscher Unternehmen für das gesamte frankofone Westafrika zuständig. Durch die große Distanz können der Markt mitunter nicht proaktiv erschlossen und das Geschäftspotenzial nicht voll ausgeschöpft werden. Lokale Präsenz, zumindest aber regelmäßige Besuche, sind unverzichtbar, um Kontakte aufzubauen.

Wer den Aufbau einer Niederlassung in Senegal erwägt, kann das senegalesische Investitionsförderzentrum (APIX) als zentrale Anlaufstelle nutzen. APIX unterstützt Investoren bei administrativen Prozessen. Während die Gründung von bereits ansässigen Unternehmen noch als einfach bezeichnet wird, klagen viele über die schwierige Praxis im Alltag. Diese sei geprägt von zahlreichen bürokratischen Hürden und Extra-Zahlungen. Alternativ können Unternehmen auch darüber nachdenken, sich einen lokalen Vertriebspartner zu suchen. Gerade in Dakar gibt es professionelle Vertriebspartner, die zum Teil in ganz West- und Zentralafrika aktiv sind.

Entscheidende Kontakte vor Ort knüpfen

Handel und Industrie werden von senegalesischen, aber auch französischen und chinesischen Unternehmen dominiert, die bereits in verschiedenen Schlüsselbranchen tätig sind. Deshalb ist es für Einsteiger aus Deutschland nicht immer einfach, Kontakte zu diesen Unternehmen zu knüpfen. Gleichwohl sind solche Beziehungen die Grundlage für das Geschäft in Senegal. Es ist daher wichtig, sich die Zeit zu nehmen für den Aufbau und die Entwicklung guter Beziehungen.

Während es im Privatsektor tendenziell unkomplizierter ist, Beziehungen aufzubauen, läuft die Kontaktherstellung mit öffentlichen Stellen deutlich formeller und aufwändiger ab. Mitunter ist es hierbei ratsam, sich von einem lokalen Experten beraten zu lassen. Gerade im Infrastrukturbereich sind staatliche senegalesische Stellen die Entscheidungsträger. Viele Projekte werden hiervon ausgeschrieben, aber von ausländischen Geberorganisationen finanziert. In diesem Fall ist auch der Kontakt zu Geberinstitutionen wichtig. Die deutsche GIZ und KfW sind mit Büros in Dakar vertreten.

Umgang im Geschäftsumfeld

Fließendes Französisch ist unabdingbar für den Aufbau von Geschäftsbeziehungen in Senegal. Dies gilt insbesondere dann im Zusammenhang mit senegalesischen Firmen und Behörden. Für die Senegalesen ist Französisch nur die Zweitsprache nach einer lokalen Sprache, wie zum Beispiel Wolof. Gleichwohl ist Französisch auch unter Senegalesen als die gängige Geschäftssprache weit verbreitet. Immer wieder trifft man auch auf Personen, die Englisch sprechen. Dennoch sind dies eher Ausnahmen und spätestens bei einem Meeting mit mehreren Beteiligten wird automatisch Französisch gesprochen.

Die Kleidung ist konservativ. Da Senegal ein überwiegend muslimisch geprägtes Land ist, sind kurze Hosen oder Röcke von Nachteil. Schultern und Oberarme sollten bedeckt sein. Senegalesen tragen entweder das, was bei geschäftlichen Treffen in Europa oder Frankreich üblich ist, oder aber traditionelle Kleidung. Besucher aus Europa entsprechen der Etikette, wenn sie im dunklen Anzug oder Kostüm erscheinen. Wer glaubt, er könne in Safarikleidung auftreten, weil er sich in Afrika befindet, hat schon verloren.

Visitenkarten sollten mit zwei Händen oder der rechten Hand präsentiert und entgegengenommen werden. Die linke Hand gilt als unrein und es kommt einer Respektlosigkeit gleich, eine Visitenkarte mit links zu übergeben oder gar den Begrüßungshandschlag mit der linken Hand durchzuführen. Ansonsten orientieren sich die Geschäftsgepflogenheiten an westeuropäischen beziehungsweise französischen Standards. Insgesamt herrscht ein tolerantes Klima anderen Kulturen und Gepflogenheiten gegenüber.

Finanzieren von Geschäften

Gängig bei der Finanzierung von Handelsgeschäften ist der Einsatz eines Akkreditivs. Insbesondere bei stabilen und langjährigen Geschäftsbeziehungen wird auch eine Zahlung nach Rechnungseingang vereinbart. Der Bankensektor wurde durch anspruchsvolle Mindestkapitalanforderungen stabilisiert und vereinfacht die Finanzierung durch Banken im Vergleich zu den anglofonen Ländern Ghana oder Nigeria. Viele deutsche Banken verfügen über Korrespondenzinstitute in Senegal; mehrere senegalesische Banken sind Tochtergesellschaften französischer Geldinstitute.

Die Regionalwährung Franc CFA ist an den Euro gekoppelt und die französische Zentralbank garantiert für deren Stabilität. Wechselkursschwankungen und plötzlich auftretende Devisenknappheit sind daher keine Herausforderung für Handelsgeschäfte.

Tipps für Dienstreisen

Sicherheit

Die Sicherheitslage im Land ist im Allgemeinen recht gut. Es ist möglich, sich frei und unbesorgt zu bewegen. Dennoch ist es sinnvoll, grundlegende Sicherheitsvorkehrungen in Betracht zu ziehen.

Dakar ist eine relativ sichere Stadt, in dem Sinne, dass körperliche Angriffe selten sind. Es ist jedoch ratsam, Wertsachen an einem sicheren Ort aufzubewahren und nur die notwendigen Geldbeträge oder Kreditkarten mitzunehmen. Wer im Umfeld der größeren Hotels, zum Beispiel im Stadtteil Plateau, zu Fuß unterwegs ist, wird mitunter von Leuten angesprochen, die es auf das Portemonnaie oder Smartphone abgesehen haben. Daher sollte in solchen Gegenden bei Dunkelheit generell vermieden werden, zu Fuß zu gehen. Wertgegenstände sollten nicht offen gezeigt werden. Wer versucht, sich mit Google maps zu orientieren und dabei auf sein Handy schaut, ist bereits auffällig.

Allgemeine und aktuelle Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtige Amtes: https://www.auswaertiges-amt.de/de/aussenpolitik/laender/senegal-node/senegalsicherheit/208190#content_0

Anreise

Von Deutschland nach Senegal zu fliegen, ist kein Problem. Air France fliegt täglich über Paris. Ein Flug ab Paris dauert zwischen 5 und 7 Stunden. Bürger der Europäischen Union können den Senegal ohne Visum für eine Periode von bis zu 90 Tage besuchen. Ende 2017 ist in Dakar der neue Flughafen Blaise Diagne eröffnet worden. Dieser liegt etwa 25 Kilometer außerhalb der Stadt.

Im Gegensatz zu früher bieten die größeren Hotels keinen Hotelshuttle mehr an, weil dies zu teuer ist. Ohne größere Probleme bekommt man am Flughafen klimatisierte Taxis mit Taxameter, mit denen man in die Stadt fahren kann. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann über das Hotel die Abholung per Hoteltaxi vereinbaren. Der Fahrer wartet dann mit einem Namensschild am Flughafenterminal.

Hotels

Es gibt eine große Auswahl an Hotels, die preislich zwischen 70 Euro pro Nacht für 3-Sterne-Hotels und 250 Euro für 5-Sterne-Häuser liegen. Die Hotels verfügen in der Regel über einen WLAN-Zugang.

Transport in Dakar

Die Nutzung von öffentlichen Kleinbussen ist schon aus Sicherheitsgründen nicht zu empfehlen. Normale Taxen auf der Straße können angehalten werden. Gleichwohl besteht auch hier ein gewisses Sicherheitsrisiko, da es immer wieder zu Fällen kommt, in denen Fahrgäste bestohlen werden. Die auf der Straße verkehrenden Taxis stellen in der Regel keine Quittung aus und verfügen selten über Klimaanlagen, was in dem tropischen Klima ungünstig ist.

Zu empfehlen sind auf Geschäftsreisen Mietwagen mit Fahrer beziehungsweise Hoteltaxis, die in den größeren Häusern gebucht werden können. Der Tagessatz liegt je nach der Größe des Fahrzeugs zwischen 80 und 130 Euro.

Transport in Senegal

Die Überlandstraßen sind häufig gut ausgebaute Teerstraßen. Wer zum Beispiel in die Agrarregion nach St. Louis oder Richard Toll fahren muss, kann dies mit einem Mittelklassewagen tun. Gleichwohl ist es empfehlenswert, sich zu informieren, wo genau sich der Treffpunkt befindet. Nach Verlassen der Hauptstraße befindet man sich schnell auf Sandpisten oder Straßen mit tiefen Schlaglöchern, auf denen sich dann doch wieder ein Wagen mit Vierradantrieb empfiehlt.

Abheben von Geld

Die offizielle Währung des Senegals ist der westafrikanische Franc CFA (XOF). In Dakar stehen Geldautomaten und Bankmöglichkeiten zur Verfügung, im Rest des Landes sind sie jedoch begrenzt. Bei der Abhebung von Geld sollte man vorsichtig sein. Dies sollte vorzugsweise in geschlossenen Bereichen erfolgen (in einer Bank, an Geldautomaten in Einkaufszentren). Kreditkartenbetrug ist keine Seltenheit.

Telefonieren/Internet

Hotels verfügen üblicherweise über schnelles WLAN. In den meisten Cafés und Restaurants in Dakar gibt es WLAN. Wer auch unterwegs mobiles Internet benötigt, kann sich am Flughafen oder in den Städten SIM-Karten mit Guthaben von den örtlichen Mobilfunknetzbetreibern Orange und Tigo kaufen.

Restaurants

Dakar verfügt in den größeren Hotels und auch außerhalb über sehr gute Restaurants. Diese bieten sich für ausgedehntere Geschäftsessen an. Wie in allen französisch beeinflussten Ländern üblich, öffnen die guten Restaurants nicht vor 19.00 Uhr am Abend. Falls ein Termin nicht zu spät stattfinden sollte, lässt sich das Geschäftsessen alternativ auf den Mittag verlegen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Senegal können Sie unter http://www.gtai.de/senegal abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Senegal Geschäftspraxis allgemein

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Kontakt

Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

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