Suche

14.02.2019

Gesetzesnovelle soll Bergbau in Ägypten ankurbeln

Ausschreibung für das "Golden Triangle Project" läuft bis April 2019 / Von Oliver Idem

Kairo (GTAI) - Ägypten verfügt über reichhaltige mineralische Ressourcen, die nur zum Teil gefördert werden. Die Regierung will mit unternehmensfreundlicheren Regeln neue Investoren anlocken.

Aufgrund eines bislang enttäuschenden Zuspruchs von Investoren erarbeitet das ägyptische Parlament neue Regelungen für den Bergbau. Bis zum Sommer 2019 ist die Veröffentlichung der Ausführungsbestimmungen des novellierten Gesetzes geplant. Das britische Unternehmen Wood Mackenzie hat eine Entwicklungsstrategie für den ägyptischen Bergbausektor erarbeitet. Im November 2018 berichteten ägyptische Medien, dass voraussichtlich die Joint-Venture-Pflicht mit der Regulierungsbehörde aufgehoben wird. Zudem steht die festgeschriebene Aufteilung der Produktion zwischen den Unternehmen und dem ägyptischen Staat vor dem Aus. Dieses System ist in anderen Ländern nicht üblich.

Stattdessen soll ein System aus Steuern, Pacht- und Lizenzgebühren eingeführt werden. Zudem ist vorgesehen, den Erwerb von Grundstücken für die Erkundung zu vereinfachen. Diese Einzelheiten wurden von Branchenunternehmen bereits positiv aufgenommen.

120 Goldvorkommen liegen in Ägypten derzeit brach

Laut der Egyptian Mineral Resources Authority (EMRA) verfügt Ägypten über 120 Goldminen, die derzeit nicht genutzt werden. Unter einem neuen Rechtsrahmen könnte sich das aber bald ändern. Aton Resources aus Kanada führte bereits vielversprechende Probebohrungen an der Schürfstelle Rodruin durch. Das Ende 2017 entdeckte Gebiet soll eines der reichhaltigsten unerschlossenen Vorkommen in Ägypten sein.

Bei einer EMRA-Ausschreibung von 2017 zur Erkundung von Goldvorkommen setzten sich vier Unternehmen durch. Die Zeitung Amwal al Ghad berichtete, dass die Gewinner Veritas Mining aus dem Vereinigten Königreich, Ghassan Spain Investments aus Spanien sowie East Gas Company und Resolute Egypt waren. Insgesamt planten sie Investitionen von rund 41 Millionen US-Dollar (US$). Bis das erneuerte Gesetz verabschiedet ist, hält die EMRA die fünf Erkundungslizenzen aber noch zurück.

Bislang ist nur Centamin Egypt in der Sukari-Mine aktiv und erschließt, fördert und exportiert Gold. Im Jahresvergleich fiel die Produktion 2018 um 13 Prozent auf 472.418 Unzen zurück. Centamin führte das auf eine niedrigere Qualität des goldhaltigen Gesteins zurück, wie Egypt Today berichtete.

Neben der Gewinnung neuer Investoren verfolgt die EMRA auch das Ziel, den unorganisierten Goldabbau in den formellen Sektor zu überführen. Laut der Zeitung Youm7 sollen auf diese Weise in drei spezialisierten Industriezonen in Assuan, Marsa Alam und Shalateen schätzungsweise 40 Tonnen Goldlegierungen pro Jahr verarbeitet werden. Der illegale Abbau von Gold, Silber und Quarz beispielsweise in verlassenen Minen hat sich über viele Jahre ausgebreitet. Erdölminister Tarek El-Molla erklärte im November 2018, dass auch der Schmuggel von Gold ins Ausland ein Problem darstelle.

Großvorhaben "Golden Triangle Project" wird wieder aufgegriffen

Das Ministry of Industry and Foreign Trade treibt das seit Herbst 2013 geplante "Golden Triangle Project" 2019 massiv voran. Laut dem Informationsdienst MEED Projects wurde im Januar 2019 der Hauptvertrag mit einer Frist bis zum 13. April 2019 ausgeschrieben. Als Berater ist Rina Consulting aus Italien beteiligt. Unter dem früheren Namen D'Appolonia hatte das Unternehmen 2016 den Masterplan für das Projekt erstellt.

Im Zeitraum 2019 bis 2047 sollen insgesamt 29 Milliarden US$ Investitionen in das Projekt fließen. Die geplanten Elemente sind Anlagen zur Metallverarbeitung, Industriebetriebe, Wasserentsalzungsanlagen sowie der Ausbau der Infrastruktur. Hinzu kommen Wohnsiedlungen, Hotels und Urlaubsresorts. Die Wirtschaftszone soll sich über ein Gebiet von 920.000 Hektar erstrecken.

Das Golden Triangle liegt zwischen Qena (nahe Luxor), Safaga (nahe Hurghada) und Al-Qusair in der Mitte Ägyptens und zum Teil an der Küste des Roten Meeres. Die Region verfügt über enorme Bodenschätze. Die EMRA schätzte 2015, dass sich in dem Gebiet 75 Prozent der mineralischen Ressourcen des Landes befinden. Zu den Vorkommen gehören Kupfer, Gold, Silber, Granit, Kalkstein, Schiefer und Phosphat. Die Pläne zielen auch auf eine hohe lokale Wertschöpfung durch die industrielle Weiterverarbeitung der Bodenschätze ab. Geeignete Produkte wären dabei Keramik, Marmor, Porzellan, Glas, Chemikalien, Computerchips, Zement und weitere Baumaterialien.

Den Chancen des Projekts stehen allerdings auch teils gravierende naturräumliche Risiken gegenüber. Im Juni 2016 legte die National Authority for Remote Sensing and Space Sciences (NARSS) ihre finale Studie zu Umweltrisiken des Projekts vor. Pressemeldungen zufolge erlebte die Region binnen 26 Jahren 44 Erdbeben verschiedener Stärken. Daraus schließt die Behörde auf künftige Risiken für Straßen und Gebäude. Seit mehr als 60 Jahren verzeichneten die beiden Städte Al-Qusair und Qena außerdem 29 Schlammlawinen. Das wichtigste Risikogebiet in diesem Zusammenhang ist das regenreiche und fruchtbare Wadi Qena. Neben Straßen und Gebäuden sind dort auch Agrarland und Bergbaugebiete gefährdet. NARSS empfahl, Karten auf der Basis neuester Informationen über die Risikozonen sowie Feldstudien zu erstellen und neue Dämme zu errichten.

"Industrial Investment Map" enthält konkrete Projektvorschläge

Mineralische Bodenschätze in Ägypten sind Erdöl, Erdgas, Eisenerz, Phosphate, Mangan, Kalkstein, Gips, Talk, Asbest, Blei, Seltene Erden, Gold und Zink. Erdgas, Erdöl und Phosphate werden bereits in großem Maßstab gefördert. Die Erschließung von Goldvorkommen ist deutlich ausbaufähig. Ansatzpunkte für neue Projekte enthält die "Industrial Investment Map" des Ministry of Industry and Foreign Trade.

In die Nutzung von Mineralien aus Schwarzsand kommt von staatlicher Seite aus bereits Bewegung. Die Nuclear Materials Authority und die Egyptian Black Sand Company vereinbarten dazu eine Kooperation. Beide wollen eine Versuchsanlage zur Verarbeitung von Schwarzsand errichten. Im Januar 2019 machte das ägyptische Parlament den Weg frei, damit den Kooperationspartnern die Rechte zur Erkundung, zu Bohrungen und dem Abbau von Schwarzsand erteilt werden können.

Kontaktanschriften

Bezeichnung Internetadresse Anmerkungen
Egyptian Mineral Resources Authority (EMRA) http://emra.gov.eg Aufsichtsbehörde
Federation of Egyptian Industries http://www.fei.org.eg Dachverband der Industrie mit einer "Metallurgical Industries Chamber"
Industrial Investment Map of Egypt http://invegypt.com Darstellung von Investitionsmöglichkeiten auch für "Mining & Mines & Quarries"
Ministry of Industry and Foreign Trade http://www.mti.gov.eg federführend beim Golden Triangle Project
Ministry of Petroleum http://www.petroleum.gov.eg ebenfalls für mineralische Ressourcen zuständig

Weiterführende Informationen zu Ägypten unter http://www.gtai.de/aegypten

Dieser Artikel ist relevant für:

Ägypten Bergbau / Rohstoffe, allgemein

Funktionen

Kontakt

Meike Eckelt

‎+49 228 24 993 278

Suche / Mann mit Lupe | © GettyImages/BernardaSv

Suche

Recherchieren Sie aktuelle Marktanalysen, Wirtschaftsdaten, Zoll- und Rechtsinformationen, Projekte und Ausschreibungen aus über 120 Ländern.

Zur Suche