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17.10.2018

Gesundheitsreform in Usbekistan beflügelt Investitionen

Ziel ist die Einführung internationaler Standards / Von Uwe Strohbach

Taschkent (GTAI) - Neue Reformen sollen die defizitäre Gesundheitsversorgung in Usbekistan verbessern. Die Regierung öffnet den Markt für ausländische private Firmen.

Seit dem Amtsantritt von Shawkat Mirsijojew zum Jahreswechsel 2016/2017 stößt die Regierung neue Reformen im Gesundheitswesen an. Zu deren Eckpfeilern zählen die Neustrukturierung der medizinischen Erstversorgung in ländlichen Regionen und Landkreiszentren, die Modernisierung des Rettungsdienstes, die Schaffung effizienter Labordienste, die Förderung des privaten Gesundheitssektors sowie verstärktes Werben um ausländische Gesundheitsdienstleister für Direktengagements im Land.

Ziel der usbekischen Regierung ist es, das Niveau der medizinischen Dienstleistungen im Land so schnell wie möglich auf internationalen Standard zu bringen. In ländlichen Regionen und in fast allen kleineren Städten des Landes gibt es gegenwärtig erhebliche qualitative und zum Teil auch quantitative Defizite in der Gesundheitsversorgung. Zudem ist die Einführung einer obligatorischen Krankenversicherung in einem überschaubaren Zeitraum vorgesehen.

Lieferchancen für neue Polikliniken und die Erneuerung des Rettungsdienstes

Erste Ergebnisse der Reformen sind nicht zu übersehen. So wurden bis zum Frühjahr dieses Jahres 800 Polikliniken mit einer breiter angelegten Grundversorgung und rund 1.000 lokale Zweigstellen für den Rettungsdienst errichtet. Das Projekt läuft noch bis Anfang 2020. Mit den Polikliniken wurden die auf dem Land niedergelassenen Ärzte zusammengefasst. Die Arztpraxen auf dem Land arbeiten zum Teil wenig effektiv. Von ihnen gab es zum 31. Dezember 2017 rund 3.000.

Der Ausrüstungspark der zwölf zentralen und rund 180 regionalen Rettungsdienste wird in den kommenden Jahren grundlegend erneuert. Anfang 2018 startete die Umsetzung eines Programms für die Früherkennung von angeborenen Defekten und Folgeerkrankungen bei Kindern. Es läuft bis 2022. In dieser Zeit sollen alle 195 zentralen Mehrprofil- sowie städtische Polikliniken mit den erforderlichen medizintechnischen Ausrüstungen ausgestattet werden.

Fortschritte sind auch in der Aus- und Weiterbildung des medizinischen Fachpersonals zu beobachten. Der große private Krankenhaus- und Poliklinikkomplex Akfa Medline plant die Gründung eines klinischen Lehrzentrums für die Förderung der privaten medizinischen Versorgung. Die Aufstockung des Fachpersonals ist dringend erforderlich. Dafür hat die Regierung Studienplätze geschaffen und die Lehrinhalte stark auf fachliche Kompetenzen konzentriert. Ebenso setzt Usbekistan verstärkt darauf, usbekische Ärzte zurückzugewinnen, die im Ausland arbeiten. Rund 300 usbekische Ärzte weilten 2017 für eine Weiterbildung im Ausland. Im Jahr 2017 kehrten mehr als 60 hochqualifizierte Fachkräfte nach Usbekistan zurück.

Grünes Licht für private Aktivitäten in der Gesundheitsversorgung

Die Anzahl der medizinischen Dienstleistungen, in denen sich private Anbieter engagieren können, ist seit dem Regierungswechsel von 30 auf mehr als 150 gestiegen. Diese deutliche Öffnung des Gesundheitsmarktes für die Privatwirtschaft weckt das Interesse ausländischer medizinischer Dienstleister am usbekischen Markt. So wollen schon in naher Zukunft zwei Kliniken aus Indien eigene Filialen in Usbekistan eröffnen.

Darüber hinaus plant die Regierung, medizinische Dienstleistungen staatlicher Einrichtungen zu privatisieren. Sie sollen als öffentlich-private Partnerschafts-Projekte ausgeschrieben werden. Dafür hat das Ministerium für Gesundheitswesen ein Zentrum für Privatisierung und Implementierung kostenpflichtiger medizinischer Dienste eingerichtet. Im Einzelnen handelt es sich um folgende vier Dienstleistungen: Laboranalysen (Infektions-, chemisch-toxikologische, Zyto- und Hystologie-Diagnostik), die Diagnostik und Behandlung besonderer Erkrankungen, die Hämodialyse und die Herstellung von medizinischen Produkten für den Bedarf der Traumatologie.

Ausgewählte Projekte im Gesundheitswesen Usbekistans
Projektbezeichnung Geplante Investitionssumme (in Mio. US$) Realisierungszeitraum Anmerkung/Ansprechpartner
Zentrales Investitionsprogramm für 2019, Schwerpunkt: Modernisierung/Bau von medizinischen Vereinigungen (Krankenhäuser und Ambulatorien auf Landkreisebene), städtischen Kliniken, Fachkrankenhäusern sowie medizinischen Mehrprofilzentren etwa 120 bis 150 (vorläufige Angabe) 2019 bis etwa Mitte 2020 Ministerium für Gesundheitswesen (http://www.minzdrav.uz)/ Zentrales Büro für Projektrealisierung (office@jpib.uz), Kofinanzierung durch ausländische Geber: Weltbank, Korea Eximbank, KfW, Japan International Cooperation Agency (JICA), Saudi Fund for Development (SFD) und Kuwait Fund for Arab Econmic Development (KFAED)
Umfassende Modernisierung und Ausbau des zentralen und regionalen medizinischen Rettungsdienstes, Errichtung eines neuen zentralen Dispatchersystems circa 120 2019 bis Anfang 2024 Ministerium für Gesundheitswesen/Republikanisches Wissenschaftliches Zentrum für Notfallmedizin (http://www.minzdrav.uz), Finanzierung hauptsächlich durch die Weltbank (Kredit über 100 Mio. US$)
Programm für die Verbesserung der materiell-technischen Ausstattung ländlicher Polikliniken und Praxen (1.046 Objekte) 99 (2019: 22; 2021 33) 2018 bis 2021 Kofinanzierung durch die Asiatische Entwicklungsbank (Kredit über 45 Mio. US$ für den Ausrüstungsbedarf von 793 neuen Polikliniken)
Ganzheitliches PPP-Projekt für die Hämodialyse-Therapie, Inbetriebnahme von 20 Hämödialysezentren (Kliniken) 27 Einzelprojekte in Vorbereitung, Inbetriebnahme eines Pilotzentrums in Dshisak 2019 Ministerium für Gesundheitswesen (http://www.minzdrav.uz), VAMs GmbH, Deutschland
Eröffnung von zwei Filialen privater ausländischer Kliniken (Schwerpunkte: unter anderem Traumatologie, Kardiologie und Onkologie) 25 Projekte in Vorbereitung Klinik Medanta (Indien; http://www.medanta.org), Pratiksha hospital Group (Indien, http://www.practo.com)
Errichtung des ersten unabhängigen klinischen Diagnoselabors in Usbekistan (Taschkent) 12 Herbst 2018 bis Ende 2019 Stadtverwaltung von Taschkent (Initiator; http://www.toshkent.uz); Partner: Swiss Lab, Schweiz; Finanzierung hauptsächlich mittels ausländischer Direktinvestitionen aus der Schweiz (10 Mio. US$)
Errichtung eines Republikanischen Spezialisierten Zentrums für Neurologie und Schlaganfallmedizin 11 Projekt in Vorbereitung Ministeriums für Gesundheitswesen (http://www.minzdrav.uz), Regierung erwägt Inanspruchnahme eines Geberkredits
Ausbau des Gesundheitswesen in der Region Choresm, Schwerpunkt: Bau eines Krankenhauses mit 120 Betten 6 2018 bis 2019 Ministerium für Gesundheitswesen (http://www.minzdrav.uz)

Quellen: Recherchen von Germany Trade & Invest; Pressemeldungen

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Usbekistan sind unter http://www.gtai.de/usbekistan abrufbar.

Dieser Artikel ist relevant für:

Usbekistan Gesundheitswesen allgemein, Gesundheitspolitik

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