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12.04.2019

Gesundheitswirtschaft in Katar expandiert

Staat dominiert das Gesundheitswesen und hat eine Gesundheitsreform gestoppt / Von Robert Espey

Dubai/Doha (GTAI) - Neue Krankenhäuser und Gesundheitszentren verbessern das Gesundheitswesen in Katar. Neue Projekte sind in der Pipeline. Ausländische Technik und Expertise bleiben gefragt.

Die katarische Gesundheitswirtschaft hängt im Wesentlichen von staatlichen Finanzierungen ab. Öffentliche Gelder decken über 80 Prozent der Gesundheitskosten ab. Investitionen waren aufgrund der hohen Haushaltsdefizite von 2015 bis 2017 eher zurückhaltend. Der Staatshaushalt dürfte 2018 aber wieder in den grünen Bereich zurückgekehrt sein. Auch 2019 wird ein positives Ergebnis erwartet. Das Finanzministerium kalkuliert mit einem Überschuss von 1,2 Milliarden US-Dollar (US$).

Der Staatshaushalt sieht 2019 umgerechnet 6,2 Milliarden US$ für das Gesundheitswesen vor, dies entspricht 11 Prozent des gesamtem Haushaltsvolumens. Die Ausgaben umfassen unter anderem den Ausbau und die Modernisierung von Einrichtungen des zentralen staatlichen Krankenhausbetreibers (Hamad Medical Corporation/HMC), medizinische Laboratorien sowie die Fertigstellung von vier ambulanten Gesundheitszentren und den Baustart von fünf Gesundheitszentren.

Gesundheitseinrichtungen importieren ihre Medizintechnik. Die Einfuhren sind seit 2016 stetig gewachsen und erreichten 2018 über 250 Millionen US$.

Katar: Einfuhren ausgewählter medizinischer Geräte und Ausrüstungen (in 1.000 US$)
HS Produkte/Hauptlieferländer 2016 2017 2018
Insgesamt 217.909 226.205 254.387
8713 Rollstühle 1.120 1.696 1.927
9018 Chirurgische, zahnärztliche etc. Instrumente, Apparate und Geräte 132.594 153.271 167.825
9019 Apparate etc. für Mechanotherapie; Massageapparate und-geräte 9.307 12.570 17.900
9020 Atmungsapparate und -geräte etc. 4.557 4.099 5.234
9021 Apparate etc. zu orthopädischen Zwecken etc. 16.080 25.590 31.270
9022 Röntgenapparate und -geräte 34.752 13.296 19.121
9402 Medizinische Möbel 19.499 15.683 11.110

Quelle: Qatar Foreign Trade System

Insgesamt leben 2,8 Millionen Einwohner in Katar. Das Angebot der staatlichen Krankenhäuser und Gesundheitszentren steht der heimischen Bevölkerung weitgehend kostenlos zur Verfügung. Ihr Bevölkerungsanteil liegt bei 12 Prozent. Ausländer, mehrheitlich asiatische Gastarbeiter, können nach Erwerb einer Health Card für einen Jahresbeitrag von 28 US$ die staatlichen Einrichtungen zu subventionierten Preisen nutzen. Der Rest muss selbst (Out of Pocket) oder durch eine private Krankenversicherung gedeckt werden.

Ausbau des Krankenhaussektor wird fortgesetzt

Das Gesundheitssystem ist erheblich gewachsen. Der Staat erhöhte von 2010 bis 2018 die Zahl seiner Krankenhäuser von fünf auf 16. Die Bettenkapazitäten wuchsen von rund 1.600 auf fast 3.200. Die Planungen sehen bis 2030 einen weiteren Ausbau der staatlichen Bettenkapazitäten auf etwa 4.500 vor. Die Entwicklung im privaten Krankenhaussektor, auf den nur 12 Prozent der Bettenkapazitäten entfallen, ist dagegen ungewiss.

Katar: Entwicklung der Bettenkapazitäten
2008 2016 2018 1)
Insgesamt 2.032 2.476 3.568
.Private Krankenhäuser 394 300 400
.Staatliche Krankenhäuser 1.638 2.176 3.168
..Hamad Medical Corporation (HMC) 1.638 2.120 2.712
...Hamad General Hospital 600 600 603
...Rumaillah Hospital 518 499 605
...Women's Hospital 340 330 -- 2)
...National Center for Cancer Care & ...Research 58 65 70
...Al Khor Hospital 122 110 115
...Heart Hospital -- 116 116
...Al Wakra Hospital -- 260 325
...Cuban Hospital Dukhan -- 75 80
...Communicable Disease Center -- 65 65
...Women's Wellness and Research ...Centre -- -- 240
...Qatar Rehabilitation Institute -- -- 193
...Industrial Area Hospitals in Doha, Al Khor und Mesaieed -- -- 300
..Sidra Medical and Research Center (Education City/Qatar Foundation) 3) -- -- 400
..Aspetar (Orthopaedic and Sports Medicine Hospital) -- 56 56

1) teilweise Schätzungen; 2) stationärer Betrieb und Notaufnahme wurden 2018 eingestellt; 3) Qatar Foundation ist eine quasi-staatliche Institution, das Sidra Hospital bezeichnet sich aber als privat und stellt entsprechende Rechnungen

Quellen: Hamad Medical Corporation; Ministry of Public Health; private Krankenhausbetreiber; Recherchen von Germany Trade & Invest

Der wichtigstes Krankenhausbetreiber HMC (http://www.hamad.qa) plant Erweiterungen und Modernisierung seines Hamad General Hospital, Heart Hospital, Al Khor Hospital, Al Wakra Hospital und Cuban Hospital Dukhan. HMC will in Nähe der Qatar University außerdem für 400 Millionen US$ das 250 Betten Tarsheed Hospital bauen. Dessen Arbeiten am Design sind abgeschlossen.

Das größte staatliche Projekt ist die von HMC geplante und 1,5 Milliarden US$ teure Hamad Bin Khalifa Medical City. Das Vorhaben macht derzeit keine weiteren Fortschritte. Ein als Teil der Medical City geplantes 500 Millionen US$ Krankenhausprojekt liegt auf Eis, berichtet MEED Projects (Middle East Economic Digest). Auch ein 200 Millionen US$ Specialist Diagnostic Centre ist vorerst gestoppt.

Das National Centre for Cancer Care and Research arbeitet seit 2015 an einem 590 Millionen US$ Erweiterungsprojekt. Die Bauarbeiten begannen im Herbst 2018. Das Verteidigungsministerium hat Anfang 2019 den Auftrag für die Errichtung eines 120 Millionen US$ Military Health Complex vergeben. Ein weiteres 158 Millionen US$ Militärkrankenhaus genannt Barzan Hospital ist in Planung. Das Innenministerium will für das eigene Personal ein 100 Millionen US$ Krankenhaus errichten.

Privatsektor vom Abbruch der Gesundheitsreform betroffen

Die Perspektiven des Privatsektors hatten sich 2013 mit einem Krankenversicherungsgesetz (Health Insurance Law, Law No 7 of 2013 concerning the Social Health Insurance Scheme) und mit Gründung der Versicherungsfirma National Health Insurance Company (Seha) eigentlich verbessert. Seha übernahm für die Einheimischen auch die Behandlungenkosten in privaten Krankenhäusern. Seha wurde Ende 2015 aber wieder aufgelöst. Das heißt Einheimische können seitdem private Kliniken nur als Selbstzahler oder als Privatversicherte in Anspruch nehmen.

Seha sollte schrittweise die Finanzierung der medizinischen Grundversorgung der einheimischen Bevölkerung, der Ausländer sowie aller Besucher übernehmen. Diese Basic Health Services schlossen Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen sowie augen- und zahnärztliche Leistungen mit ein. Nach Auflösung von Seha wurde angekündigt, an einem Alternativmodell zu arbeiten. Bislang gibt es aber keine abschließenden Ergebnisse.

Im Krankenhaussektor wird die Bedeutung des Privatsektors daher begrenzt bleiben. Die Zahl der Betten in privaten Hospitälern erreichte 2010 mit 426 Stück einen Höhepunkt. Im Zeitraum 2011 bis 2016 lag das private Angebot bei maximal 300 Betten.

Die Kapazitäten verteilten sich auf vier private Einrichtungen. Das 1999 eröffnete American Hospital war das erste private Krankenhaus. Es folgten das Doha Clinic Hospital (57 Betten), das Al Ahli Hospital (100 Betten) und das Al-Emadi Hospital.

Anfang 2017 eröffnete das Turkish Hospital mit 100 Betten. Es firmiert als ein Joint Venture der lokalen Taleb Group und der türkischen Ruzgar Group. Im Marina District von Doha startete 2018 der Bau des privaten 50 Millionen US$ Lusail Hospital, das 2021 fertiggestellt werden soll. Das 200 Betten Haus soll von der American Hospital Management Company betrieben werden. Das 2004 eröffnete Al Ahli Hospital arbeitet dem Vernehmen nach an Expansionsplänen.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Katar können Sie unter http://www.gtai.de/katar abrufen.

Dieser Artikel ist relevant für:

Katar Gesundheitswesen allgemein, Medizintechnik, allgemein, Gesundheitspolitik

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