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12.03.2018

Ghanas öffentliche Ausschreibungen erfordern Hartnäckigkeit

Diverse Lieferanten beklagen Zahlungsausfälle / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Behörden sind die bei Weitem größten Auftraggeber in Ghana. Zumeist werden die Bestellungen öffentlich ausgeschrieben. Auch für deutsche Unternehmen bieten derartige öffentliche Ausschreibungen zahlreiche Geschäftsmöglichkeiten. Sowohl bei Lieferungen als auch bei Dienstleistungen sind sie häufig wettbewerbsfähig. Vorsicht geboten ist bei den Zahlungs- und Lieferbedingungen. Auch wenn Ghana als Einstiegsmarkt für Afrika gilt: Es bestehen zahlreiche Risiken.

Grundlagen der Vergabe: Geber finanzieren einen Großteil der Projekte

Die größten Aufträge an die Privatwirtschaft vergibt in Ghana der Staat. Für das Jahr 2018 plant er mit einem Budget von etwa 62 Milliarden Cedi, was ungefähr 11,1 Milliarden Euro entspricht. Mehrere Milliarden Euro davon werden in Form von Aufträgen an Unternehmen gehen. Darunter fallen vor allem Liefergeschäfte und die Vergabe von Aufträgen für Dienstleistungen. Auch Betreiberlizenzen zum Beispiel für Minen, Mobilfunknetze, Solarparks oder Hafenterminals werden ausgeschrieben. Die größten Ausschreibungen entfallen auf die Bereiche Straßenbau, sozialer Wohnungsbau, Gesundheit, die Infrastrukturbereiche Wasser und Energie sowie Landwirtschaft. Ausgeschrieben wird vor allem durch die zuständigen Ministerien und deren Unterorganisationen wie die Versorgungsunternehmen Electricity Company of Ghana (ECG) oder Ghana Water.

Informationen über das Prozedere bei öffentlichen Ausschreibungen gibt die Public Procurement Authority (PPA). Auf der Webseite http://www.ppaghana.org findet man zum Beispiel die Ausschreibungsregularien. Eigentlich sollte die PPA-Webseite auch zentrale Ausschreibungsplattform sein, aber die Seite wird zu selten aktualisiert. Mitunter findet man Ausschreibungen auf den Webseiten der ausschreibenden Behörden, aber auch diese sind häufig veraltet. Zuverlässigere Informationsquellen stellen die beiden Tageszeitungen Daily Graphic und New Times dar, in denen der Staat seine Ausschreibungen veröffentlicht.

Ghana ist kein reiches Land und muss bei der Finanzierung seiner Projekte kreativ sein. Einen Großteil der Maßnahmen finanzieren internationale Geberorganisationen wie die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank, die Europäische Union oder bilaterale Geber wie die deutsche KfW, die Agence Francaise de Developpement (AFD, Frankreich), DFID (UK), Millennium Challenge Corporation (MCC, USA) oder JICA (Japan). Auch öffentlich-private Partnerschaften nehmen eine immer größere Rolle ein. Hier übernimmt bei Investitionen in der Regel der private Partner einen Teil der Finanzierung. Insbesondere bei Infrastrukturprojekten sind Build-Operate-Transfer (BOT)-Verfahren keine Seltenheit.

Praxischeck Ausschreibungen: Der Staat zahlt häufig nur nach Erinnerung

Sind die Projekte geberfinanziert, dann hängt es auch von der Herkunft des Gebers ab, ob deutsche Anbieter über Chancen bei den Ausschreibungen verfügen. Wenn zum Beispiel die Chinesen zahlen, bekommen in der Regel automatisch chinesische Unternehmen den Zuschlag für die Umsetzung. Auch die Franzosen bevorzugen nach Auskunft von Geschäftsleuten heimische Unternehmen bei der Auftragsvergabe. Teilweise kommt es dann gar nicht mehr zu Ausschreibungen oder die Ausschreibungsbedingungen werden derart formuliert, dass nur bestimmte Lieferanten in Frage kommen.

Nationale Ausschreibungen führt der ghanaische Staat dann durch, wenn der Bezug der Produkte oder Dienstleistungen im Inland möglich ist. Der Anbieter muss offiziell ein ghanaisches Unternehmen sein, mit mindestens 51 Prozent Eigentum in ghanaischer Hand. Diese Regelung wird jedoch in der Praxis nicht immer streng angewendet. Es kommen immer wieder auch ausländische Unternehmen zum Zuge, die in Ghana eine Niederlassung betreiben und dort registriert sind. Dann reicht die Vorlage eines Tax Clearance Certificate sowie einer Value-Added-Tax-(VAT)-Registrierung aus.

Internationale Ausschreibungen werden dann durchgeführt, wenn die Ware oder die Dienstleistung im Ausland bezogen werden muss. In der Regel hat der ausländische Lieferant die Option "Cost Insurance Freight (CIF) Tema" anzubieten. Das Risiko bei der Verzollung im ghanaischen Hafen Tema oder am Flughafen in Accra würde dann die beschaffende Behörde übernehmen. Diese Regelung ist für Lieferanten von Vorteil, denn die Verzollung in Ghana kann ein aufwändiges Verfahren zudem mit Compliance-Risiken darstellen. Bei internationalen Ausschreibungen wird nicht erwartet, dass der ausländische Anbieter über einen lokalen Partner verfügt. Allerdings wird bei Lieferaufträgen für wartungsaufwändiges Gerät häufig in der Ausschreibung verlangt, dass der Lieferant in Ghana präsent ist, um die Wartung übernehmen zu können.

Die Zahlungsbedingungen können variieren. Mitunter zahlt der Staat bereits 80 Prozent der Rechnungssumme über ein Akkreditiv und die restlichen 20 Prozent dann bei Gutbefund der Ware. Teilweise sind die Zahlungsbedingungen schlechter. Oft muss sich der Lieferant das Geschäft über einen Bankkredit vorfinanzieren. Ghanaische Banken verlangen mitunter über 30 Prozent Zinsen. Finanziert ein Geber das Projekt, fallen auch die Kreditzinsen deutlich.

Häufig nehmen deutsche Lieferanten auch Hermes-Deckungen in Anspruch. Abhängig von der Art und Laufzeit des Geschäfts sowie dem Besteller gibt es jedoch Unterschiede zu beachten. Einzelne Lieferungen zu kurzfristigen Zahlungsbedingungen nach Ghana können ohne besondere Einschränkungen mit Exportkreditgarantien abgesichert werden. Etwas anders stellt sich die Situation im Sammeldeckungsbereich dar. Vor dem Hintergrund zahlreicher Schäden in der Vergangenheit werden unter der Ausfuhr-Pauschal-Gewährleistung aktuell ausschließlich deutsche Waren (ohne ausländische Zulieferungen) abgesichert.

Auch im Kreditbereich - das heißt bei Geschäften mit einer Laufzeit von mehr als einem Jahr - sind Hermesdeckungen grundsätzlich möglich. Dies galt lange Zeit ausschließlich für den privaten Sektor. Seit 2014 sind jedoch auch wieder Hermesdeckungen für Geschäfte mit dem öffentlichen Sektor zu Kreditbedingungen möglich. Wie vielen anderen afrikanischen Ländern hat die Bundesrepublik Deutschland Ghana im Rahmen der HIPC-Initiative Schulden erlassen. Für diese Schuldenerlass-Länder hat die Bundesregierung einen höheren Selbstbehalt beschlossen. Dieser beträgt aktuell zehn statt der üblichen fünf Prozent.

Über die Zahlungsmoral des Staates gibt es unterschiedliche Aussagen von Unternehmen, die sich an staatlichen Ausschreibungen beteiligen. Nicht wenige Unternehmen haben schlechte Erfahrungen gemacht und laufen ihren Forderungen jahrelang hinterher. "Man sollte nicht damit rechnen, sein Geld nach Absenden einer Rechnung einfach ausgezahlt zu bekommen", meint ein seit vielen Jahren in Ghana aktiver Geschäftsmann. "Meistens ist ein Nachhaken bei den Behörden durch mehrmaliges Telefonieren oder Hinfahren notwendig". Weil der "Verwaltungsaufwand" für das Eintreiben der Forderung letztlich Geld kostet, sind für deutsche Unternehmen staatliche Aufträge erst ab einem gewissen Volumen attraktiv.

Wie intensiv man sich über Ausschreibungen in Ghana informieren sollte, hängt von den Aufträgen ab, an denen ein Unternehmen interessiert ist. Reicht bei kleineren Liefergeschäften die Zeitungslektüre aus, wird es bei größeren Projekten notwendig, schon in der Vorbereitungsphase eines Projektes Kontakt zu den entscheidenden Stellen zu knüpfen. Informationen über geplante Ausschreibungen erhält man in der Regel bei den ausschreibenden Behörden oder bei den Gebern. Lokale Präsenz ist in diesem Fall von großem Vorteil.

Vergaberichtlinien: Weiterführender Link
Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Public Procurement Authority (PPA) http://www.ppaghana.org Auf der Webseite sind die Richtlinien zugänglich.

(C.E.)

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ghana können Sie unter http://www.gtai.de/ghana abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Ausschreibungsregelungen, Recht der öffentlichen Aufträge, Ausschreibungswesen

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Samira Akrach

‎+49 228 24 993 238

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