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11.12.2018

Ghanas Regierung braucht Geld für die Förderung der Landwirtschaft

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Geber engagieren sich bei "Planting for Food and Jobs" / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Noch wird das Potenzial im Bereich Agribusiness in Ghana unzureichend ausgeschöpft. Es gibt wenige private Investitionen, aber einige Geberprogramme bringen Geschäftschancen.

Aufgrund des Bevölkerungswachstums von jährlich rund 600.000 Menschen ist das Nachfragewachstum nach Nahrungsmitteln in dem westafrikanischen Land ohnehin garantiert. Interessant dürfte sein, ob neben der Nahrungsmittelindustrie auch die Landwirtschaft sowie die Verarbeitung lokal geernteter Agrarprodukte in die Gänge kommen. Die Förderung des Agrarsektors hat sich die ghanaische Regierung auf ihre Fahnen geschrieben. Eine Reihe von Nahrungsmitteln wie Reis, Speiseöl, Gemüse und Hühnerfleisch müssen nach wie vor für teures Geld importiert werden, könnten aber auch in Ghana angebaut beziehungsweise produziert werden.

Unklares Bodenrecht verhindert Agrarinvestitionen

Private Investitionen finden in der Landwirtschaft und im Agro-Processing seit Jahren nur in geringem Umfang statt. Strukturelle Probleme verhindern Investitionen trotz hervorragender natürlicher Rahmenbedingungen. "Speziell die oft ungeklärte Frage der Bodenverhältnisse sorgt für fehlende Planungssicherheit", meint Frank Oberschilp, der seit 16 Jahren im Land lebt und für das Filderstädter Unternehmen Peelco Ananas und Papaya verarbeitet und nach Deutschland vertreibt.

Am Stadtrand der Hauptstadt Accra, wo auch Oberschilp seine Farm betreibt, haben sich zahlreiche Exportfarmen angesiedelt, um nahe zum Hafen und Flughafen zu sein. Accra wächst jedoch in einer atemberaubenden Geschwindigkeit, sodass Farmland immer häufiger in Wohnland umgewandelt wird. Des Weiteren leiden Landwirte im ganzen Land unter hohen Strompreisen. Diese liegen bei derzeit etwa 30 Eurocents je Kilowattstunde, womit die Stromkosten in Ghana deutlich über denen in Deutschland liegen, zumindest für größere Verbraucher.

Regierung Akufo-Addo will Agrarsektor mit Geberhilfe auf die Beine helfen

Die seit dem Jahr 2017 amtierende Regierung unter Präsident Nana Akufo-Addo versucht mit verschiedenen Programmen, den Agrarsektor wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Der hohe Verschuldungsgrad gibt ihr jedoch nur wenig Spielraum. Bereits seit Beginn der Amtszeit Anfang 2017 gibt es das Programm "One Village, one Dam". In dessen Rahmen sollen noch im Laufe des Jahres 2018 etwa 570 Dämme im recht trockenen Norden des Landes gebaut werden, um die landwirtschaftliche Bewässerung zu verbessern. Genau genommen handelt es sich nicht um Dämme, die von Flüssen gespeist werden, sondern um Wasserreservoirs, die Regenwasser auffangen sollen. Spricht man mit Landwirten, dann erfährt man von deren Zweifeln, was die Machbarkeit des Programms gerade in der kurzen Zeit anbelangt.

Ein weiteres von der Regierung initiiertes Projekt lautet "Planting for Food and Jobs". In dessen Rahmen werden Saatgut, Dünger und Landtechnik zu subventionierten Preisen an die Farmer vergeben, um die Agrarproduktion zu unterstützen. Dieses Programm scheint deutlich mehr Wirkung zu erzielen, auch weil sich verschiedene ausländische Geber mit Kapital einbringen. Im Jahr 2018 stellten die Exim Bank of India sowie die brasilianische Regierung Kredite in Höhe von 216 Millionen US-Dollar (US$) für "Planting for Food and Jobs" zur Verfügung. Weitere 20 Millionen US$ stellt die Exim Bank der Tschechischen Republik in Aussicht. Damit soll der Kauf von Landtechnik finanziert werden, in erster Linie Traktoren aber auch kleinere Pflüge aus Brasilien und Indien.

EU unterstützt die Landwirtschaft im Norden Ghanas mit 160 Millionen Euro

Auch die Europäische Union (EU) plant Hilfe für den Agrarsektor: Mit 160 Millionen Euro will sie die staatliche Organisation Savannah Accelerated Development Authority (SADA) unterstützen. SADA ist seit 2012 für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft im Norden Ghanas zuständig. Mit Hilfe der Gelder sollen unter anderem Zufahrtsstraßen und Bewässerungsanlagen gebaut werden.

Anbau von ausgewählten Rohstoffen in Ghana
Anbausorte Jahresproduktion 2015/16 (in Mio. Tonnen) Position
Kakao 0,8 Nummer 2 weltweit. Tendenz: leicht steigend.
Palmöl 0,5 Nummer 8 weltweit. Tendenz: stagnierend.
Mais 1,8 Tendenz: stagnierend.
Yams 6,6 Tendenz: steigend.
Reis 0,3 Tendenz: stagnierend.
Kassava 16,5 Tendenz: steigend.

Quelle: Landwirtschaftsministerium Ghana

Im Agrarzulieferbereich gab es zuletzt eine größere Investition durch den Bau einer Düngemittelfabrik seitens der norwegischen Yara in der Hafenstadt Tema. Im November 2018 wurde bekannt, dass die polnische Regierung die Vergabe eines 100-Millionen-US$-Kredites an die ghanaische Regierung für den Bau einer Fabrik für Traktoren und anderer Landtechnik erwägt.

Geber subventionieren häufig Lieferungen von Landtechnik

Jährlich werden grob geschätzt zwischen 1.100 und 1.500 Traktoren verkauft. Dies ist im regionalen Vergleich recht viel. Ein Großteil davon ist staatlich subventioniert. So erwarb die ghanaische Regierung in den vergangenen Jahren Traktoren in größeren Mengen im Rahmen von Krediten aus der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit mit Brasilien, China oder Indien. Diese Geschäfte umfassen neben Traktoren auch Geräte wie Pflanzmaschinen, Sprühgeräte, Pflüge, Eggen oder Ladeanhänger. Das Landwirtschaftsministerium verkauft die Geräte dann an in Ghana aktive Landwirte zu einem deutlich geringeren Preis.

Deutsche Landtechnikproduzenten sind in Ghana bislang nicht präsent. Die dominierenden Agrodistributoren in Ghana sind Mechanical Lloyd (Massey Ferguson), Afgri (John Deere) und CFAO-Equipment (New Holland). Auch der Hamburger Handelsvertreter C. Woermann vertreibt über seine Niederlassung in Accra Landtechnik. Hierzu zählen Kettensägen, Mäher und Sprühtechnik. Den Vertrieb von Same-Traktoren hat das Unternehmen hingegen eingestellt.

Landwirte benötigen Finanzierungslösungen

Die lokalen Handelsvertretungen leiden unter extrem hohen Verkaufspreisen sowie schlechten Finanzierungsbedingungen ihrer Kunden. Ein Traktor, der in Europa nur etwa 10.000 US$ kosten würde, muss in Ghana aufgrund der Lieferkosten sowie Importzöllen für 15.000 bis 20.000 US$ verkauft werden. Hinzu kommen hohe Finanzierungskosten. Lokale Banken verlangen von den Landwirten Zinsen in Höhe von 35 bis 40 Prozent. Selbst die staatliche Agricultural Development Bank vergibt nach Einschätzung von Marktkennern nur sehr ungern Kredite, weil die Ausfallrate zu hoch ist.

Gute Stimmung in der Nahrungsmittelindustrie flaut 2018 etwas ab

Anders sieht es in der Nahrungsmittelindustrie Ghanas aus, die sich vor allem im Großraum Accra konzentriert und die durch private Unternehmen geprägt ist. Deren Anzahl ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen durch zahlreiche Neuinvestitionen. Unternehmen wie Coca-Cola, Unilever, Accra Breweries oder der Getränkeproduzent Kasapreko investierten in neue Fertigungslinien. Auch kleinere lokale Hersteller wie Nutrifoods (Backwaren), Burger Food (Snacks), Bayswater Industries (Gewürzmischungen) oder Royal Sweet (Süßwaren) wuchsen und bestellten Maschinen und Vorprodukte aus Deutschland.

War das Jahr 2017 für diesen Sektor noch sehr erfolgreich, beklagen mehrere Zulieferer im Jahr 2018 deutlich mehr Zurückhaltung bei den Bestellungen. Einige Nahrungsmittelhersteller können ihre Bestellungen von Vorprodukten mitunter nur mit Verzögerungen bezahlen. Als Hauptgrund hierfür wird das insgesamt mäßige Konsumklima in Ghana genannt.

Mittelfristig dürfte dieser Bereich deutschen Unternehmen wieder gute Lieferchancen bieten. Die ghanaische Nahrungsmittelindustrie bezieht wertmäßig einen beträchtlichen Teil der deutschen Gesamtlieferungen nach Ghana. Alleine die Exporte von Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen betrugen laut Angaben des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) im Jahr 2017 etwa 18,0 Millionen Euro. Hinzu kommen Vorprodukte wie Chemikalien und Kunststoffe für die Verpackungen. Der Zulieferer von Abfüllanlagen Krones hat im Jahr 2017 eine Niederlassung in Accra eröffnet. Krones hatte Ghana bislang von Nigeria aus versorgt. Ansonsten sind Zulieferer aus Deutschland bislang kaum in Ghana vertreten.

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll, Ausschreibungen und Entwicklungsprojekten in Ghana können Sie unter http://www.gtai.de/ghana abrufen. Unter http://www.gtai.de/afrika erhalten Sie mittels interaktiver Karte unsere Informationen zum Land Ihrer Wahl.

Dieser Artikel ist relevant für:

Ghana Land- und Forstwirtschaft, Fischerei, allgemein, Nahrungs- und Genussmittel, allgemein, Nahrungsmittel- u. Verpackungsmaschinen, Land- und Forstwirtschaftsmaschinen, Entwicklungszusammenarbeit

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‎+49 228 24 993 238

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