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11.12.2018

Goldbergbau und Ölproduktion nehmen in Ghana wieder zu

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Neue Investitionen bringen Lieferchancen / Von Carsten Ehlers

Accra (GTAI) - Die Aktivitäten im Goldbergbau sowie im Öl- und Gassektor nehmen in Ghana wieder zu. Deutsche Zulieferer dürfen sich bessere Lieferchancen als zuletzt ausrechnen.

Nach schwierigen Jahren in Ghanas Goldbergbau gibt es seit Ende 2017 wieder verstärkt Aktivitäten. Zwar werden derzeit keine neuen Minen aufgebaut. Jedoch werden in mehreren Minen Erweiterungsinvestitionen durchgeführt. Zum Teil beginnen die Minengesellschaften mit dem Abbau "unter Tage", um die Lebensdauer ihrer Minen zu erweitern. Eines der größten Projekte ist die von der US-amerikanischen Newmont durchgeführte Ahafo Mine Expansion. Im Rahmen dieses Projekts wird die Subika-Mine innerhalb der Ahafo-Konzession für den Untertagebau erschlossen. Damit soll die Abbaukapazität der Ahafo-Mine nahezu verdoppelt werden. Ebenfalls werden die Goldverarbeitungsanlagen im Rahmen des Ahafo-Mill-Extension-Projekts ausgebaut. Die Gesamtkosten für die Aktivitäten in Ahafo dürften bei zwischen 300 Millionen und 380 Millionen US-Dollar (US$) liegen. Mit dem Abschluss der Arbeiten ist im Jahr 2019 zu rechnen.

Asanko installiert Förderband über 27 Kilometer

Ein weiterer Konzessionär, der dabei ist, seine Minen auszubauen, ist Golden Star. Das in den USA gelistete Unternehmen will ebenfalls den Untertagebau in seinen beiden Minen Wassa und Prestea ausweiten. Ebenso investiert wird in die Erweiterung der Asanko-Goldmine, an der die südafrikanische Gold Fields seit Mitte 2018 mit 50 Prozent beteiligt ist. Im Rahmen des seit Ende 2017 laufenden Erweiterungsprogramms "Project Five Million (P5M)" werden derzeit die Lagerstätten Esaase erschlossen. Dort soll ab 2019 mit der Produktion im offenen Tagebau begonnen werden. Ebenfalls installiert werden soll ein 27 Kilometer langes Förderband von den Vorkommen zur Verarbeitungsanlage. Asanko beziffert die Projektkosten auf etwa 131 Millionen US$.

Den Goldbergbau in Ghana dominieren große internationale Gesellschaften wie Gold Fields, AngloGold Ashanti (beide Südafrika) und die US-amerikanische Newmont Mining. Ghana ist auf dem Kontinent mit einer Produktion von etwa 4,1 Millionen Feinunzen (2016) der zweitgrößte Goldproduzent nach Südafrika. Zwar ist aufgrund der gegenwärtigen Aktivitäten wieder mit einer Zunahme der Goldproduktion zu rechnen. Allerdings befindet sich die Explorationstätigkeit auf einem immer noch niedrigen Niveau. Die Wahrscheinlichkeit, dass in den kommenden Jahren neue Minen mit der Produktion beginnen, ist daher derzeit gering. Die ghanaische Chamber of Mines bemängelt, der Staat habe in den letzten Jahren mit der Einführung strenger Regularien und der Erhöhung der Abgaben die Produktionskosten nach oben getrieben.

Ghana entwickelt sich zum Bergbau-Hub

Hingegen herrscht viel Dynamik in anderen westafrikanischen Ländern, wie Burkina Faso, Mali oder Côte d'Ivoire. Größere Goldminenbetreiber haben diese Länder erst im Laufe der letzten zehn Jahre entdeckt, auch weil der Abbau dort deutlich günstiger ist. Für Bergbauzulieferer und -dienstleister hat sich Ghana aufgrund der guten Infrastruktur und vieler verfügbarer qualifizierter Arbeitskräfte gleichwohl als Westafrika-Hub herausgebildet. Unter anderem betreibt Liebherr in Accra eine größere Niederlassung für seine Bergbau-Sparte.

In den zahlreichen Übertageminen werden insbesondere Erdbewegungsmaschinen benötigt. Als Käufer treten nicht nur die Bergbaugesellschaften selbst auf, sondern auch Bauunternehmen, an die viele Minentätigkeiten ausgelagert werden - angefangen vom Aufbau der Mineninfrastruktur über den Abtransport von Erde bis hin zum Abbau von Mineralien. Darüber hinaus gibt es in Ghana Unternehmen, die sich ausschließlich auf Aufträge in den Minen spezialisieren wie African Mining Services, Bayswater Contracting and Mining oder Engineers & Planners.

Neben Gold wird in Ghana auch Bauxit abgebaut. Bereits 2010 verkaufte Rio Tinto seinen 80 Prozent-Anteil an der Ghana Bauxite Company (GBC) an die chinesische Bosai Minerals Group. Seitdem hat sich außer großen Investitionsankündigungen nicht viel getan. Es wären Milliarden von US-Dollar notwendig, um die Mine sowie die Eisenbahnstrecke auf den neuesten Stand zu bringen. Der schlechte Zustand der Trasse von der Mine in Awaso über mehr als 200 Kilometer zum Hafen nach Takoradi gilt als Engpass. Interessant sind die Vorkommen allemal, denn der Abbau von Bauxit, das für die Aluminiumproduktion verwendet wird, erfolgt neben Ghana in größerem Stil in Afrika nur in Guinea.

Local Content gewinnt an Bedeutung

Kontrolliert wird der Bergbausektor durch das Ministry of Lands & Natural Resources. Die dem Ministerium unterstehende Minerals Commission reguliert den Sektor, unter anderem vergibt sie Explorations- oder Abbaulizenzen. Der rechtliche Rahmen wird vorgegeben durch den "Minerals and Mining Act" aus dem Jahr 2006. Dabei gewannen Themen wie inländischer Wertschöpfungsanteil (Local Content) und soziales Engagement in den minennahen Gemeinden (Community Engagement) zuletzt deutlich an Gewicht.

Zwar ist es bislang nicht notwendig Ghanaer als Anteilseigner mit ins Boot zu nehmen. Vorgaben wurden jedoch bei der Einstellung von lokalen Arbeitskräften oder auch bei der Beschaffung vor Ort erlassen. So veröffentlicht die Minerals Commission jährlich eine Liste, welche Güter und Dienstleistungen Minenbetreiber bei lokalen Herstellern zu beziehen haben. Hierzu zählen unter anderem Schmierstoffe, Sprengstoffe, Kabel und Zement. Zulieferer von hochwertiger Bergbautechnik sollten hiervon zunächst nicht berührt sein. Jedoch könnte der Druck, bestimmte Wertschöpfungsprozesse lokal vorzunehmen, steigen.

Aker Energy will ab 2021 bei Cape Three Points Öl fördern

Auch im Öl- und Gassektor sind die Aussichten nach schwierigen letzten Jahren wieder besser. Nachdem die Suche nach neuen Ölvorkommen in den Jahren 2016 und 2017 wegen des niedrigen Ölpreises deutlich zurück ging, nehmen die Aktivitäten inzwischen wieder zu. Die norwegische Aker Energy erforscht gerade seine Konzession Deep Water Tano/Cape Three Points (DWT-CTP) und möchte im Jahr 2021 mit der Produktion beginnen. Aker Energy hat im Juni 2018 Anteile in Höhe von 50 Prozent vom Konzessionär Hess aufgekauft und hat inzwischen unter anderem einen Großauftrag an Maersk Drilling vergeben. Die Dänen haben im Oktober das Bohrschiff Maersk Viking an die ghanaische Küste geschickt, um weitere Bohrungen vorzunehmen.

Anfang 2018 hat zudem ExxonMobil eine Explorationslizenz für das Deep Water Cape Three Points (DWCTP)-Ölfeld erhalten. Die Konzession befindet sich in einem Seegebiet, auf das zuvor auch Côte d'Ivoire Territorialansprüche anmeldete. Nachdem aber im Jahr 2017 der Internationale Seegerichtshof in Hamburg die Grenzziehung festlegte, konnte die Konzession von ghanaischer Seite vergeben werden. Hinzu kommt auch, dass die bestehenden Ölfelder Jubilee, Tweneboa-Enyenra-Ntomme (TEN) und Sankofa weiter ausgebaut werden. Bei Jubilee und TEN ist Tullow Oil einer der Konzessionäre, bei Sankofa ist es ENI.

Dienstleister siedeln sich in Takoradi und Accra an

Im Rahmen derartiger Projekte kommt es immer wieder zu interessanten Lieferchancen auch für deutsche Unternehmen. Eine Reihe von Subkontraktoren und Dienstleistern für die Öl- und Gasindustrie haben sich in und um die Stadt Takoradi angesiedelt. Weitere Unternehmen wählten Accra für ihren Sitz. Der bis zum Verfall des Ölpreises im Jahr 2015 anhaltende Explorer-Boom in der Stadt Takoradi ist inzwischen deutlich abgeebbt. Exploriert wird nach wie vor, jedoch in deutlich geringerem Umfang. Benötigt werden für die Großprojekte unter anderem Bohr- und Pumpausrüstungen sowie Schiffsaufbauten. Die vor der ghanaischen Küste stattfindende Förderung wird bislang mit Hilfe sogenannter Floating Production Storage and Offloading Unit (FPSO) vorgenommen - Schiffe zur Förderung, Lagerung und Verladung von Erdöl und -gas.

Öl wird in Ghana erst seit 2011 gefördert, als das Jubilee-Ölfeld mit der Produktion begann. Im Jahr 2016 eröffnete TEN und zuletzt begann Mitte 2017 das Sankofa-Ölfeld als drittes Feld mit der Produktion. Experten schätzen, dass Jubilee, TEN und Sankofa 2017 eine Fördermenge von etwa 200.000 Barrel pro Tag (barrel per day; bpd) erreichten. Alleine Sankofa dürfte auf 45.000 bpd kommen. Somit dürfte es regelmäßig Aufträge für Zulieferer und Dienstleister aus dem Öl- und Gassektor geben. Für solche Unternehmen bietet sich eine Ansiedlung in Takoradi an.

Gasförderung kommt ins Rollen

Ebenfalls zu Aufträgen könnte es im Zusammenhang mit der Gasverarbeitung kommen. Schon jetzt wird das als Nebenprodukt im Sankofa-Ölfeld geförderte Erdgas über Unterseepipelines zum Gasverarbeitungskomplex in Atuabo gepumpt. Das 2015 von einem chinesischem Konsortium unter SINOPEC fertig gestellte Großprojekt wird von der Ghana National Gas betrieben. Dort sollen bis zu 150 Millionen Standard Kubikfuß pro Tag (Standard Cubic Feet per Day; SCFD) an Erdgas verarbeitet werden. Unter anderem soll das Gas in verschiedenen Wärmekraftwerken des Landes genutzt werden. Bislang ist einzig das Kraftwerk Aboadze bei Takoradi über eine Pipeline mit Atuabo verbunden. Ghana National Gas ist eine Tochter der Ghana National Petroleum Corporation (GNPC).

Ghanas Ölsektor ist weitgehend staatlich kontrolliert. Zuständig ist das Ministry of Energy. Ihm unterstehen etliche für den Ölsektor zuständige Gesellschaften, wie die GNPC, zuständig für die Vergabe von Konzessionen, oder der Tankstellenbetreiber Ghana Oil Company.

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Ghana Bergbau / Rohstoffe, allgemein, Öl, Gas

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