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06.03.2019

Griechenland will mit Digitalisierungsstrategie die Wirtschaft ankurbeln

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Ehrgeizige Ziele im krisengeschüttelten unternehmerischen Umfeld / Von Michaela Elena Balis (Februar 2019)

Athen (GTAI) - Griechenland hinkt bei der Digitalisierung hinterher. In den vergangenen neun Krisenjahren kämpften die Betriebe um ihre Existenz. Für die digitale Zukunft sind sie noch nicht gerüstet.

Digitalisierungsstrategie

Im November 2016 führte das zu dem Zeitpunkt neu gegründete Ministerium für digitale Politik, Telekommunikation und Information (http://www.mindigital.gr) die Nationale Digitalisierungsstrategie bis 2021 ein. Ziel der Strategie ist es, Wirtschaftswachstum zu generieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Bürger, Staat und Unternehmen sollen auf die digitale Zukunft vorbereitet werden.

Der Nationale Digitalisierungsplan sieht sieben Ziele vor. Der Ausbau der digitalen Infrastruktur des Landes steht an erster Stelle. Gigabitfähige Netze sollen für Schulen, Behörden und alle Haushalte zugänglich sein. Durch den Abbau bürokratischer Hürden sollen private Investitionen in Breitbandtechnologien gefördert werden. In ländlichen und weit abgelegenen Gegenden investiert der Staat.

Ein weiteres Ziel sind mehr Investitionen griechischer Unternehmen in digitale Technologien. Kleinen und mittleren Unternehmen stehen Fördermittel aus EU- und Staatskassen im Rahmen des Partnerschaftsvertrags zwischen Griechenland und der Europäischen Kommission (https://www.espa.gr/en/) zur Verfügung. Die Maßnahmen erstrecken sich von der Erstellung einer Internetseite und der Anschaffung von Computern bis zum Ausbau des digitalen Angebots (E-Commerce), der Nutzung von Cloud-Diensten und dem Einsatz innovativer Lösungen im Produktionsverfahren.

In diesem Kontext sieht die Digitalisierungsstrategie die Erstellung einer nationalen digitalen Plattform "Industrie 4.0" vor. Ähnlich wie in Deutschland soll sie als Netzwerk und Informationsportal für alle Akteure aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft dienen. Erste Schritte in diese Richtung geht der griechische Industrieverband SEV.

Die Digitalisierungsstrategie setzt drittens auf den IKT-Sektor als treibenden Motor für das Wirtschaftswachstum. Damit die Branchenunternehmen wettbewerbsfähiger werden, sollen sie ihre Produkte und Prozesse stärker an internationale Standards anpassen und zertifizieren. Angestrebt wird ferner eine engere Zusammenarbeit des IKT-Sektors mit anderen Branchenverbänden, damit sich die IKT-Forschung und die Produkte stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen ausrichten. Hinderlich für das Wachstum ist allerdings die hohe Abhängigkeit der IKT-Branche von öffentlichen Aufträgen.

Der Erwerb und die Erweiterung digitaler Fähigkeiten von Schülern, Arbeitnehmern und Senioren stellt ein weiteres Ziel des Digitalisierungsplans dar. Ebenso sollen soziale und geografische Barrieren beim Internetzugang beseitigt werden. Der Einsatz moderner Medien im Unterricht, bessere Computerausstattung an Schulen und die Bereitstellung der nötigen Infrastruktur sollen gefördert werden.

Ein weiteres Ziel ist die Handlungssicherheit im Internet und der Schutz der digitalen Privatsphäre. So soll unter anderem der Staat besser gegen Cyberangriffe geschützt werden und der Datenschutz gestärkt werden.

Strategie für künstliche Intelligenz

Das Bildungsministerium und das Ministerium für Digitale Politik, Telekommunikation und Information haben noch keine Strategie für künstliche Intelligenz (KI) erstellt. Diese soll in den nächsten zwei Jahren ausgearbeitet werden.

E-Government

Griechenland verfügt seit 2014 über eine E-Government-Strategie. Laut dem Digitalisierungsplan des neuen Ministeriums für digitale Politik, Telekommunikation und Information soll die Interoperabilität zwischen den Behörden verstärkt werden und die Nutzung von Open Data sowie Cloud-Diensten gefördert werden (Ziel Nummer fünf des Digitalisierungsplanes).

Zu den am häufigsten genutzten Online-Angeboten des Staates zählen die Transparenzinitiative, über die alle Verwaltungsakten veröffentlicht werden, die elektronische Beschaffungsplattform für öffentliche Aufträge, die Verschreibungsseite von Arzneimitteln und eine Plattform für Steuerdienste.

Unternehmen und Bürger in Griechenland nutzen elektronische Dienste allerdings bislang nur bedingt. Mehrere Unternehmen haben gegenüber Germany Trade & Invest die mangelnde Nutzerfreundlichkeit von staatlichen Onlinediensten beklagt. Sie seien oft thematisch nicht gebündelt, zudem sei der Zugang kompliziert.

Nicht zuletzt verfügt nur jeder zweite Grieche über digitale Grundkompetenzen, so der aktuelle Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft (DESI) aus dem Jahr 2018.

Stärken/Schwächen

Griechenland hinkt bei der Digitalisierung hinterher. Weil die griechische Wirtschaft mehrheitlich aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) besteht, ist der Grad der Digitalisierung sehr gering. KMU können schwer Forschung und Entwicklung selbst betreiben. Auch halten die unzureichende Liquidität, die relativ hohen Kreditkosten und bürokratische Hürden sie von Investitionen ab.

Die meisten Unternehmen kämpften in den Krisenjahren ums Überleben. Weder die Forschung noch der Einsatz digitaler Lösungen oder die Förderung digitaler Kompetenzen der Mitarbeiter gehörte zu den Prioritäten der Betriebe.

Im EU-Vergleich steht Griechenland unter den 28 EU-Mitgliedstaaten auf Platz 24, gemessen an der Integration der Digitalisierungstechnologien in der Wirtschaft, so der Index für die digitale Wirtschaft und Gesellschaft. Der Index liegt bei 24,4 Punkten gegenüber 37,7 Punkten im EU-Durchschnitt. Das ist nicht zuletzt auf den relativ geringen Anteil der Unternehmen, die ihre Produkte über das Internet vertreiben, zurückzuführen.

Griechische Softwarehersteller haben aufgrund des kleinen lokalen Marktes nur geringe Chancen, sich zu Global-Playern zu entwickeln. Auf regionaler Ebene stechen griechische Anbieter allerdings in bestimmten Nischen hervor, beispielsweise bei Produkten zur elektronischen Rechnungsstellung, bei Customer-Relationship-Management-Lösungen und bei Enterprise-Resource-Planning-Systemen.

Ausblick

Griechenland wird auch in Zukunft keine führende Rolle als Entwickler und Lieferant digitaler Lösungen einnehmen. Gute Chancen für eine bedeutende regionale Position gibt es in bestimmten Nischenmärkten. Die Nachfrage nach Digitalisierungstechnologien wird allerdings in einem stabileren wirtschaftlichen Umfeld steigen. Der Bedarf dürfte verstärkt aus dem Gesundheitssektor, dem Einzelhandel, der Transport- und Logistikbranche sowie dem Agrarsektor kommen.

Weiterführende Informationen

Nationale Digitalisierungsstrategie:

http://www.mindigital.gr/index.php/%CE%BA%CE%B5%CE%AF%CE%BC%CE%B5%CE%BD%CE%B1-%CF%83%CF%84%CF%81%CE%B1%CF%84%CE%B7%CE%B3%CE%B9%CE%BA%CE%AE%CF%82/220-digital-strategy-2016-2021

Kontaktadressen

Bezeichnung Kontakt Anmerkung
Griechischer Verband für Unternehmen & Industrie Frau Maggie Athanassiadi, ? 0030 211 50 06 136; https://en.sev.org.gr
Lab for Thin Films - Nanobiomaterials - Nanosystems & Nanometrology (LTFN), Aristoteles Universität Thessaloniki Prof. Stergios Logothetidis, T. 0030 2310 99 89 52; info@ltfn.gr, http://www.ltfn.gr Digital Innovation Hub
Demokritus Universität Thrakien T. 0030 25410 79 345, info@pme.duth.gr; https://pme.duth.gr

Weitere Informationen zu Wirtschaftslage, Branchen, Geschäftspraxis, Recht, Zoll und Ausschreibungen in Griechenland sind unter http://www.gtai.de/griechenland abrufbar.

Mehr zum Thema Digitalisierung unter http://www.gtai.de/wirtschaft-digital.

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